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Meine persönliche Hörreise

Von Burgi

Hallo, ich heiße Burgi, komme aus Tirol und möchte euch von meiner Hörreise erzählen.

Ich wurde vor rund 60 Jahren als Frühchen mit nur 900 Gramm geboren. Damals war das noch eine Seltenheit und brachte einige gesundheitliche Probleme mit sich. Im Vordergrund stand zunächst meine Sehbehinderung. Auf mein Gehör achtete damals kaum jemand.

In der Schulzeit bemerkte ich, dass ich bei Diktaten Schwierigkeiten hatte, obwohl ich in Deutsch eigentlich gut war. Bestimmte Wörter und Buchstaben verstand ich einfach nicht richtig. Erst mit 17 Jahren wurde bei einer HNO-Untersuchung eine hochgradige Schwerhörigkeit festgestellt.

Ich bekam meine ersten Hörgeräte und dachte mir in meinem jugendlichen Leichtsinn: „Ja, okay – her damit!“ Doch die Geräte verstärkten einfach alles: Stimmen, Geschirrklappern und sämtliche Nebengeräusche. Ich trug sie nur selten und bald landeten sie in der Schublade.

Trotz meiner Seh- und Hörbehinderung absolvierte ich meine Ausbildung zur Heilmasseurin. Den Unterricht nahm ich mit einem Kassettenrekorder auf, weil ich von der Tafel schlecht lesen konnte – aber auch, weil ich vieles nicht richtig verstand. Das wollte ich damals niemandem sagen. Als junger Mensch schlecht zu hören, das gab es in der Wahrnehmung der Gesellschaft praktisch nicht.

Irgendwie mogelte ich mich durch, schloss meine Ausbildung ab, bekam Kinder und arbeitete später wieder. Im direkten Gespräch mit meinen Patientinnen und Patienten kam ich meistens gut zurecht. Elternabende, Schulungen und ärztliche Besprechungen waren dagegen eine brutale Herausforderung.

Auch beim Fernsehen brauchte ich immer mehr Lautstärke. Weil die Kinder schliefen, kaufte ich mir einen damals sündteuren Funkkopfhörer. Eine weitere Sorge war, ob ich meine Kinder in der Nacht weinen hören würde. Zum Glück hat mein Mann einen leichten Schlaf und konnte vieles auffangen.

Als ich später in einem Büro arbeitete, merkte ich besonders beim Telefonieren, dass ich endgültig an meine Grenzen kam. Also fasste ich mir ein Herz und holte mir neue Hörgeräte.

Als ich damit zu Hause die Terrassentür öffnete, hörte ich plötzlich Vögel. Ich konnte mich gar nicht mehr daran erinnern, wann ich zuletzt Vogelstimmen gehört hatte. Das war ein richtiges Schlüsselerlebnis.

Später wechselte ich zu einem anderen Akustiker, der wirklich das Maximum aus meinen Geräten herausholte. Inzwischen konnte ich sogar Telefongespräche vom Handy direkt auf die Hörgeräte übertragen. Damit kam ich viele Jahre recht gut zurecht.

Der plötzliche Gehörsturz

Im Jahr 2021 kam dann mein großer Absturz: ein Gehörsturz – vollkommen ohne Vorwarnung.

Am Abend davor war ich noch beim Spinning gewesen. In der Nacht legte sich meine Katze plötzlich direkt neben meinen Kopfpolster, obwohl sie das sonst nie machte. Erst im Nachhinein fand ich das eigenartig.

Am Morgen legte ich meine Hörgeräte an und hörte auf der rechten Seite nichts. Ich kontrollierte das Gerät, die Ladung und den Filter. Alles war in Ordnung – aber es kam kein Ton. Selbst die laut aufgedrehte Musik meines Handys hörte ich auf dieser Seite nicht. Da wusste ich: Ich muss sofort zur HNO-Arzt.

Zwei Stunden später bekam ich im Krankenhaus die erste Kortison-Infusion. Doch auch nach drei Tagen kam das Gehör nicht zurück. Zu Hause bekam ich zusätzlich starken Schwindel, Übelkeit und Gleichgewichtsprobleme.

Danach wurde versucht, Kortison direkt ins Ohr zu spritzen. Ein ganz kleiner Teil des Hörvermögens kam zurück, aber es war kaum etwas Brauchbares. Schon damals sagte ich zum Arzt: „Wenn das nicht mehr wird, brauche ich ein Cochlea Implantat.“

Für die Ärzte ging das zunächst zu schnell. Ich begann wieder zu arbeiten und machte Hörtraining bei einer Logopädin. Aber mit dem Hörgerät kam ich auf keinen grünen Zweig.

Die Situation war für mich besonders schwierig, weil ich auch stark sehbehindert und als blind eingestuft bin. Auf der rechten Seite, auf der ich den Gehörsturz hatte, sehe ich gar nichts. Plötzlich fehlte mir die gesamte rechte Körperseite: Ich sah dort nichts und hörte dort nichts. Besonders im Straßenverkehr war das anfangs brutal.

Bei den ersten Untersuchungen in Innsbruck waren meine Hörwerte noch knapp zu gut für ein CI. Deshalb sollte ich ein Jahr warten. Als die Werte weiter absanken, war die Entscheidung schließlich eindeutig.

Im Oktober 2023, fast zwei Jahre nach dem Gehörsturz, bekam ich mein Cochlea Implantat.

Die ersten Töne mit dem CI

Die Operation verlief grundsätzlich gut. Leider wurde dabei auf der operierten Seite mein Geschmackssinn geschädigt. Genau davor hatte ich Angst gehabt. Trotzdem sagte ich mir: „Jetzt ist es so. Ich werde mich daran gewöhnen.“ Für mich war das Wichtigste, dass das Implantat funktioniert.

Ungefähr drei Wochen später fand die Erstanpassung statt. Als der Prozessor eingeschaltet wurde, hörte ich sofort etwas. Ich verstand noch nichts, aber da war ein Ton.

Von diesem Moment an trug ich den Prozessor den ganzen Tag. Mein Mann war damals wegen einer Beinverletzung ebenfalls zu Hause. Dadurch konnten wir sehr viel miteinander sprechen und üben. Nach zwei oder drei Tagen verstand ich ihn schon erstaunlich gut. Das war einmalig.

Ich trainierte mehrmals täglich mit der ReDi-App von MED-EL und übertrieb es anfangs sogar ein wenig. Meine Anpasserin Magdalena musste mich bremsen und erklärte mir, dass auch das Gehirn und der Körper Zeit brauchen.

Etwa sieben Wochen nach der Operation kehrte ich in meinen Beruf zurück. Anfangs arbeitete ich nur halbtags. Trotzdem war ich am Abend vollkommen erschöpft. Jede Patientin, jeder Patient und jeder Kollege klangen anders.

Es war eine große Herausforderung – aber gleichzeitig das beste Hörtraining.

Telefonieren und Musik neu lernen

Später durfte ich an einem österreichischen Pilotprojekt für eine Hörrehabilitation teilnehmen. Vier Wochen lang trainierte ich dort sehr intensiv.

Mein Logopäde brachte mich unter anderem dazu, mit dem CI telefonieren zu lernen. Zuerst dachte ich, das würde nicht funktionieren. Doch dann fragte er mich: „Was machst du, wenn du auf der anderen Seite auch einen Gehörsturz bekommst?“

Das brachte mich zum Nachdenken. Also übte ich weiter – und plötzlich funktionierte es erstaunlich gut. Auch das Training mit Störlärm brachte mich noch einmal einen großen Schritt voran.

Besonders schwierig war für mich die Musik. Ein Lied von ABBA klang anfangs mit dem CI so fremd, dass ich dachte: „Das wird nichts mehr.“ Aber meine Anpasserin sagte immer: „Musik braucht Zeit.“

Etwa eineinhalb bis zwei Jahre später schenkte mir mein Mann Karten für ein Konzert. Es war noch sehr anstrengend und dauerte lange, bis ich den Gesang verstand. Aber es war ein Anfang.

Heute höre ich Musik mit Hörgerät und CI gemeinsam, also bimodal. Bei einem klassischen Kirchenkonzert konnte ich plötzlich einzelne Instrumente heraushören. Auch Bass und Schlagzeug nehme ich inzwischen wieder deutlich wahr. Solche Momente bringen mich selbst heute noch zum Staunen.

Meine Botschaft an andere Betroffene

Wenn mich jemand fragt, wie gut mein Cochlea Implantat funktioniert, lautet meine Antwort:

„Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Ich habe keine einzige Sekunde daran gezweifelt.“

Natürlich weiß ich, dass nicht alle Menschen so schnell mit einem CI zurechtkommen wie ich. Ihnen möchte ich sagen: „Bleibt dran und habt Geduld!“

„Tragt den Prozessor möglichst vom Morgen bis zum Abend. Gönnt euch eine kurze Pause, wenn es zu anstrengend wird, aber gebt nicht auf. Hört Hörbücher und Podcasts, trainiert unterschiedliche Stimmen und integriert das CI in euren Alltag.“

Ich würde mich heute nicht einmal mehr ohne Prozessor an den Frühstückstisch setzen. Wenn der Akku ausfällt, fehlt mir sofort etwas. Ich möchte auf dieses Hören nicht mehr verzichten.

Auch drei Jahre nach der Implantation bin ich noch immer fasziniert davon, was dieses kleine technische Teil möglich macht.

Das war meine persönliche Hörreise. Vielleicht kann ich mit meinen Erfahrungen anderen Menschen ein wenig Mut machen.

Ich wünsche euch alles Gute! 

Eure Burgi
August 2026