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Und dann hörte ich Vögel – dank meiner Bonebridge!

Von Ines

Ich bin heute 59 Jahre alt. Meine Geschichte fängt früh an, mit 10 Jahren. In der Grundschule fiel bereits auf, dass ich schlecht höre. Wörter wie „dem“ und „den“ konnte ich nicht auseinanderhalten. Der Ohrenarzt bestätigte des Öfteren Mittelohrentzündung sowohl rechts als auch links und ich bekam entsprechende Medikamente. Eines Nachts aber floss aus beiden meiner Ohren Eiter.

Daraufhin brachten mich meine Eltern sofort in eine weiter entfernte HNO-Klinik. Hier stellte der Professor Knochenfrass auf beiden Seiten durch den Eiter fest. Die erste OP stand an. Es sollten insgesamt 24 Operationen werden. Immer wieder wurden die Mittelohren neu aufgebaut. 1993 hatte ich eine Gehörgangsoperation. Es wurde rechts auch eine Radikalhöhle angelegt, um jede Veränderung sofort erkennen zu können. Und immer wieder wurde leider auch das Gehör etwas schlechter.

2019 wurde mir dann in der Düsseldorfer Uniklinik meine erste Bonebridge implantiert. Natürlich rechts, da dies das schlechter hörende Ohr war. Es war schon ein komisches und neues Hörgefühl, aber es bot mir auch wieder neue Möglichkeiten. Bei meinem ersten Waldspaziergang sagte ich tatsächlich: „Wow, ich höre die Vögel zwitschern!“. Da fiel mir erst einmal auf, wie wenig ich doch im Alltag gehört habe.

Durch meine Selbstständigkeit habe ich sehr viel gearbeitet. Zu viel. Der Preis war hoch. Denn plötzlich hörte ich auf dem vermeintlich guten linken Ohr nichts mehr. Was folgte war die zweite Implantation, wieder mit einer Bonebridge. Diese Operation war 2022 und wurde in Mönchengladbach durchgeführt. Das eigene und selbstständige Hören ist links nicht wiedergekommen.

Das Hören mit der Bonebridge ist anders als z.B. mit Cochlea Implantaten. Aber es gibt mir die Möglichkeit, mein soziales Umfeld zu pflegen. Ich bekomme nicht alles mit. In größeren Gruppen wird es besonders schwierig. Manchmal schalte ich auch bewusst „ab“, weil es mir zu anstrengend wird. Mir hilft natürlich der Blickkontakt zu den Personen, da ich dann auch von den Lippen ablesen kann. Dies war zu Corona-Zeiten ganz schlimm, weil die Masken den Mund verdeckt hatten. Zu dieser Zeit hatte ich mich sehr zurückgezogen.

Anfangs empfand ich meine Prozessoren optisch als störend. Heute stehe ich zu meinen Bonebridges und trage sie mit Stolz.

Zum Glück habe ich einen tollen Mann und eine wunderbare Familie, die meine Geschichte kennen und super damit leben und umgehen. Und ich muss gestehen, dass ich die Geduld meine Mannes schätze, da er mache Dinge so verdammt oft wiederholen muss 😂.

Liebe Grüße an alle hörenden und nichthörenden Menschen.

Ines

September 2026