Zum Hauptinhalt springen

Mein Weg zum Cochlea-Implantat

Von Lara

Von der Entscheidung bis zum Alltag mit zwei Kindern

Seit meinen frühen Zwanzigern begleiten mich Hörgeräte. Als ich merkte, dass nicht nur mein Gehör nachließ, folgte die genetische Bestätigung einer Seh- und Höreinschränkung. Das Wissen, mich weder auf meine Augen noch auf meine Ohren vollständig verlassen zu können, war eine enorme Belastung.

Mein zweites Kind war gerade einmal drei Monate alt, als mir meine HNO-Ärztin nach Untersuchungen offen sagte: Für Sprache bin ich ohne Hörgeräte praktisch taub. In diesem Moment begriff ich den Ernst der Lage. Nach intensivem Austausch mit meiner Akustikerin und der Uniklinik Frankfurt war klar, dass ich den Schritt zum Cochlea Implantat (CI) nicht ewig vor mir herschieben konnte. Als der Kauf neuer Hörgeräte anstand, entschied ich mich für das erste CI.

​Die Operation und das Umfeld

Als die OP stattfand, waren meine Kinder drei und fünf Jahre alt. Medizinisch verlief der Eingriff sehr gut, aber das Drumherum verlangte mir alles ab. Ich habe große Panik vor Operationen und in Krankenhäusern tu ich mir sehr schwer. In dieser sensiblen Phase hätte ich mir im Klinikalltag manchmal schlicht mehr Empathie gewünscht.

Reha-Chaos und Bürokratie

Wegen des Alters meiner Kinder war eine stationäre oder ambulante Reha in Bad Nauheim für mich keine Option. Im Vorfeld hieß es, ich könne die Reha ambulant in Frankfurt absolvieren. Doch die Rentenversicherung lehnte die Kostenübernahme ab. Der Zeit nach der OP, mit zwei kleinen Kindern und stark eingeschränktem Gehör und dann diesem Papierkrieg, war extrem zehrend. Schließlich gab ich auf und verzichtete auf die Reha. Ich wollte einfach nur zurück in meinen Alltag und nahm meine Arbeit wieder auf.

Ein riesiger Rückhalt waren und sind mein Mann, meine Familie und Freunde sowie Kolleginnen und Kollegen, die mir mit großem Verständnis begegnen, sowie meine Hörakustikerin und die Uniklinik, die mich unterstützen.

Zwischenbilanz nach sechs Monaten

Heute, ein halbes Jahr später, ziehe ich eine ehrliche Bilanz. Die OP war absolut notwendig. Dennoch muss ich rückblickend sagen: weitere zwei Jahre mehr Vorbereitungszeit hätten mir gutgetan. Der Alltag als Mama zweier Kinder führt bei mir ständig zur Überreizung.

Dass die Eingewöhnung an das neue Hören derart anstrengend werden würde, habe ich nicht geahnt. Ehrlich gesagt empfinde ich den Alltag nach der OP stellenweise schwieriger als davor. Ich höre zwar quantitativ mehr, aber durch die dauerhafte Überreizung oft schlechter. Mein Gehirn gewöhnt sich nur langsam an die neuen Reize, und meine Seheinschränkung erschwert diesen Prozess zusätzlich.

​Der Blick nach vorn

Es gibt gute Tage und schlechte Tage – aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Um meine Erfahrungen zu verarbeiten, teile ich meinen Alltag mit Schwerbehinderung mittlerweile online (@laragoesinsta). Das tut mir unglaublich gut, schafft Verständnis für unsichtbare Hürden und macht hoffentlich anderen Betroffenen Mut, ihren eigenen Weg zu gehen.

Von Lara
September 2026