Die Hoffnung auf ein besseres Hören mit dem Cochlea Implantat
Von Claudia

Das Hören mit dem Cochlea Implantat (CI) wird anders sein, es werden viele neue Eindrücke auf einen einprasseln, die einen überwältigen und auch überfordern werden. Damit ich diese nicht vergesse und ich später immer wieder zurückblicken kann, habe ich für mich ein Büchlein angelegt und meine Hörreise aufgeschrieben. Vielleicht wird eine Entscheidungshilfe für jemanden, der sich in der gleichen Situation befindet, so wie ich es vor einem dreiviertel Jahr war.
Es ist bereits ein langer Weg mit vielen Fragen, bevor es überhaupt zu dem OP-Termin kommt, denn es will schon sehr gut überlegt sein, sich der Herausforderung zu stellen und diesen Schritt zu wagen.
Kann sich die Hoffnung auf ein besseres Hören erfüllen?
Warum ein CI? und wie ein Gespräch alles in Rollen brachte
Ich kenne nichts anderes als schlecht zu hören. Ich habe seit meinem 2. Lebensjahr eine an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit und trage zwei Hörgeräte. Ich habe es bisher auch gut im Alltag bewältigt (Schwerhörigenschule, Ausbildung, Studium, Referendariat und Berufstätigkeit). Jetzt merke ich jedoch, dass es mir zunehmend schwerer fällt zu kompensieren, also abzulesen und den Kontext herzustellen.
Mein Akustiker und HNO-Arzt haben es mir schon eine Weile nahegelegt, ich wollte aber nie etwas vom CI hören, weil ich immer dachte, dass ich dafür ja noch zu gut hören würde. Im Februar wollte ich mich beim Akustiker wieder einem Hörtest unterziehen und die Hörgeräteeinstellung anpassen. Da habe ich ihn ausführlicher zum CI befragt, und er hat gemeint, dass ich mich in der Klinik unverbindlich beraten lassen könne.
Auf dem Weg nach Hause begleiteten mich zwei Aussagen, die der Akustiker zu mir sagte:
- “Was Sie machen, ist nicht hören. Sie lesen ab und erschließen sich den Inhalt aus dem Zusammenhang. Das ist aber kein Hören.”
- “Ein Beratungsgespräch ist noch kein OP-Termin”.
Das führte zur Idee mich an die Klinik zu wenden und einen Termin zu vereinbaren, denn was hatte ich zu verlieren. Man musste ja auch erst einmal ausloten, ob eine Operation in Frage kommen würde. Drei Wochen später hatte ich einen Termin in er Klinik. Ich recherchierte während der Wartezeit im Internet, informierte mich über die Hersteller, befragte die KI und schaute mich auf Instagram nach CI-Trägern um, um deren Geschichten zu lesen.
Da ich ein sehr gutes Hörgerät von Phonak besitze, das noch relativ neu war, ist die Entscheidung relativ schnell auf ein Implantat von Advanced Bionics gefallen. Es ist mit Phonak kompatibel, um bimodal mit CI und Hörgerät zu hören und auch mit weiterem Zubehör wie TV-Connektor von Phonak sowie den technischen Hilfen wie Soundfieldanlage, Roger Mic etc. für die Schule anpassbar.
Der Weg zum OP-Termin
Im März war ich in der Klinik und bei einem sehr erfahrenen Arzt. Zuvor hatte ich mir die Qualitätsberichte der Klinik zu den CI-OPs angeschaut, die jährlich veröffentlicht werden und über die Hersteller informiert, die in Frage kommen. Bevor ich überhaupt zur Beratung kam, wurden erst einmal umfassende Untersuchungen gemacht, was auch Sinn ergab. Ich habe für die linke Seite mit 50% Sprachverständnis eine Indikation für ein CI. Letztlich bin ich mit einem Termin für Mitte Juni 2026 aus der Klinik gegangen. Obwohl ich mich bereits im Vorfeld informiert und mich auch für einen Hersteller entschieden habe, war ich aber doch schon etwas überrumpelt.
Also habe ich mich an das CI-Zentrum in Berlin/Brandenburg gewandt, um mich dort noch mal unabhängig beraten zu lassen. Die Audiologin hat sich meine Geschichte, Sorgen und Ängste angehört und mir alles noch mal in Ruhe erklärt, auch wie die anschließende Reha ablaufen würde. Ich hatte mich bereits für eine ambulante Reha entschieden, weil ich nicht von der Familie weg möchte und eine stationäre Reha für mich zu kurz ist. Sie würde die Reha beantragen und mich über 1-2 Jahre begleiten. Auch hier bin ich bereits mit den ersten beiden Terminen einen Monat nach der OP aus dem Gespräch gegangen. Im April gab es noch eine CI-Infoveranstaltung, die ich mit meinem Mann besucht habe. Diese Veranstaltung hat auch noch Ängste abgebaut, weil hier auch eine Ärztin von der von mir gewählten Klinik vor Ort war und u.a. noch einmal den Ablauf erklärt hat. Hier konnte mein Mann seine Fragen stellen, weil er die OP aus Sorge vor Komplikationen ablehnte.
Dann galt es noch dem Arbeitgeber Bescheid zu sagen (ich hatte den OP-Termin nach den Abschlussprüfungen zum Ende des Schuljahres gelegt), so dass ich nur die letzten 3 Wochen fehle und nach den sechs Wochen Sommerferien zum neuen Schuljahr wieder in der Schule starte.
Tag der Implantation
Da ich mir im Vorfeld viel Zeit gelassen, mich intensiv informiert habe und auch alles gut geplant war, ist es genau der richtige Zeitpunkt für die OP gewesen. Ich war mental bereit dafür und sehr optimistisch, was den Ausgang betraf.
Am Tag der Operation musste ich um 8 Uhr in der Klinik sein. Die OP fand um 10.30 Uhr statt und ich wusste, wenn ich aufwache, ist es geschafft. Im Aufwachraum habe ich nach der Zeit gefragt und es war 12.40 Uhr.
13 Uhr kam ich aufs Zimmer und es waren 24 Stunden absolute Bettruhe angesagt. Ich war erleichtert es überstanden zu haben. Ich hatte keine Komplikationen wie Gesichtslähmung, Schwindel, Tinnitus oder Halsschmerzen/Zahnprobleme durch den Tubus. Im Bett war nur eine 30 Grad Kopfhöhe erlaubt. Das bedeutete, dass das Essen, Waschen, Fernsehen etc. nur in leicht erhöhter Kopfposition möglich war. Der Druckverband verursachte etwas Kopfschmerzen, ansonsten ging es mir gut.
Ich war überrascht, dass ich direkt nach der OP essen durfte und Mittagessen bekam. Ich hatte etwas Schmerzen beim Kauen, aber mit Kartoffelbrei ging es ganz gut. Ich hatte zum Abend zunehmend Kopfschmerzen. Die Schwester hat dann auch mit einem Schnitt den Druckverband am Kopf gelockert.
Einen Tag nach der Operation durfte ich aufstehen. Der Druckverband wurde zur Visite abgemacht, was zunächst zu einem Absacken des Kreislaufs führte. Hier habe ich dann auch einen Blick auf die Wunde werfen können, was mich etwas geschockt hat, weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass sie doch relativ groß ist und sich über die gesamte hintere Ohrmuschel erstreckt. Das hat sich mittlerweile gegeben und die Narbe ist verblasst. Es ging nach dem Verbandswechsel zum Schwindeltest, zum CT und zum CI-Zentrum, wo es den Termin zur Erstanpassung gab.
Nach zwei Nächten wurde ich bereits entlassen. Nach dem 3. Tag habe ich keine Schmerzmittel mehr genommen, weil ich keine Schmerzen mehr hatte. Ich musste 3x am Tag abschwellende Nasentropfen nehmen, damit die Nase frei ist und die restliche Flüssigkeit in Richtung Rachen läuft. Schnäuzen war die ersten vier Wochen nach OP nicht erlaubt. Die nächste Zeit ist Schonen angesagt, damit die Wundnaht zuwachsen und heilen kann.
13 Tage nach OP wurden die Nähte entfernt. Zunächst konnte ich einige Tage die Brille nicht lange aufsetzen und nicht auf der implantierten Seite schlafen, weil es sehr gedrückt hat. Drei Wochen nach der OP konnte ich jedoch wieder auf der linken Ohrseite schlafen. Es benötigte noch drei Optikerbesuche, bis auch die Brille so eingestellt war, dass diese nicht mehr so sehr auf die Wunde drückte und Schwellungen verursachte.


Tag der Erstanpassung in der Klinik
Genau vier Wochen nach der Operation hatte ich den Termin zur Erstanpassung. Ich war sehr gespannt auf die Technik, hatte aber keine großen Erwartungen. Es wurde der Inhalt des Koffers in meiner gewünschten Farbe Chestnut (Kastanie) ausgepackt und alles ganz genau in der Handhabung erklärt. Dann wurde eine Magnetstärke ausgesucht und die Audiologin empfahl lieber eine geringere Magnetstärke als die Nr. 3, die in der Erstausstattung mitgeliefert wurde. Sie probierte die Nr. 1 aus und das passte ganz gut, da ich auch nicht so dicke Haare habe. Eine zu große Magnetstärke kann zu Druck und Entzündungen sowie zu Durchblutungsstörungen führen.
Dann ging es an die Einstellung der 16 Elektroden. Zunächst im Paket, dann wurde jede Elektrode einzeln eingestellt. Es waren elektronische Impulse wahrzunehmen, die sich wie ein Herzschlag oder Pochen anfühlten. Es hörte sich nach einem Zischen oder Knistern an. Dazu wurde die Lautstärke so gewählt, dass es noch für mich angenehm war. Anschließend wurde ein Hörtest gemacht, der aber noch nicht den sonstigen Erwartungen entsprach. Ich hatte schon vermutet, dass ich zu vorsichtig bei der Ersteinstellung gewesen bin, denn ich musste bereits draußen in der App die volle Lautstärke einstellen, weil sich das Gehör schnell daran gewöhnte. Ich habe die Tage dann ab und zu am CI schnipsen müssen, um zu kontrollieren, ob noch ein Zischen oder Knistern zu hören ist. Ein paar Tage später hatte ich meinen ersten Rehatermin, wo eine Neueinstellung vorgenommen wurde.
Ambulante Reha
Der erste Rehatermin war 5 Tage nach der Erstanpassung. Die Termine dauern zwischen 60 und 120 min. Es wird erst besprochen, wie es mir ergangen ist und welche Fortschritte ich merke oder meine Fragen beantwortet, dann geht es an die Einstellung ggf. werden noch ein Hörtest oder Übungen gemacht. Meine Audiologin ist sehr entspannt und meint, dass das Training zu mir passen muss, weil ich auch nicht die Person bin, die mit Hörapps übt. Ich trage das CI immer und probiere nur mit CI Fernsehen oder Podcast zu hören, das war es aber auch schon.
Ich bin nach dem ersten Rehatermin und fünf Wochen nach der OP in den zweiwöchigen Sommerurlaub geflogen, was unproblematisch war. Man merkt, wie schnell sich das Gehirn an die neuen Höreindrücke gewöhnt, so konnte ich nach einiger Zeit die Stimmen und Sprache meiner Familie mit Ablesen und auch im Fernsehen Sprache mit Untertitel verstehen.
Nach dem Urlaub hatte ich noch zwei Rehatermine, bis das neue Schuljahr und damit meine Arbeit wieder begann. Nach den Sommerferien bin ich wieder Vollzeit in der Schule eingestiegen und gehe derzeit noch alle 2 – 3 Wochen meistens freitags nachmittags zur ambulanten Reha. Das lässt sich gut mit der Arbeit vereinbaren. In der Schule sind Kollegium und die Lernenden sehr verständnisvoll, so dass es in meinen kleinen Klassen auch gut klappt. Ich musste aber schon zu Beginn aufklären, dass es seine Zeit dauert, bis man ein gutes Sprachverständnis erreicht, und dass dieses nicht einfach nur mit einer Operation getan ist.
Diese Woche war ich in der Klinik zur Kontrolle drei Monate nach der Erstanpassung. Und die Ergebnisse des Hörtestes sind richtig gut, wenn man bedenkt, dass ich jahrzehntelang vieles nicht gehört habe. Und es wird noch besser werden, davon bin ich überzeugt.
Also, wenn du dich umfassend informiert hast und wenn es sich richtig anfühlt, bist du bereit für den Schritt. Viel Kraft auch für deinen Weg.
Claudia
Oktober 2026