Mein Weg zum Cochlea-Implantat nach Meningitis
Von Christina
2017 begann mein Tag eigentlich ganz unspektakulär. Ich traf mich mit Freunden, doch am Nachmittag bekam ich plötzlich starke Kopfschmerzen. Als ich abends nach Hause kam, wurde mir zunehmend übel. Die Übelkeit und die Kopfschmerzen wurden immer schlimmer. Von einem Moment auf den anderen konnte ich auf meinem rechten Ohr nichts mehr hören.
Ich fuhr ins Krankenhaus, doch zunächst konnte man nichts feststellen und ich wurde wieder nach Hause geschickt.
Einen Tag später verschlechterte sich mein Zustand weiter. Ich konnte irgendwann nicht einmal mehr richtig laufen. Daraufhin kam ich zu einem HNO-Arzt, der sofort erkannte, was mit mir los war: Ich hatte eine Meningitis (Hirnhautentzündung).
Ich wurde direkt ins Krankenhaus eingeliefert. Ab diesem Zeitpunkt ging es um Leben und Tod. Zum Glück habe ich es geschafft.
Zurück blieb allerdings ein taubes Ohr auf der rechten Seite und eine Gesichtslähmung. Auch das Laufen musste ich erst wieder lernen, da mein Gleichgewichtssinn stark beeinträchtigt war. Es folgte eine lange Zeit mit viel Kraft, Übung und Rehabilitation. Mein Gleichgewichtssinn musste erst einmal lernen, mit der neuen Situation klarzukommen. Lange Zeit bin ich wie eine Betrunkene gelaufen. In der ersten Zeit konnte ich nicht einmal ohne Unterstützung gehen. Dinge, die vorher selbstverständlich waren, wurden plötzlich zu einer riesigen Herausforderung.


Zum Glück haben sich die Gesichtslähmung und meine Gleichgewichtsprobleme wieder zurückgebildet. Geblieben ist letztendlich der Hörverlust auf der rechten Seite. Ich hatte zwar gehofft, dass mein Gehör irgendwann zurückkommen würde, doch das passierte nicht.
Zunächst bekam ich ein Hörgerät. Aber leider konnte ich damit nicht so hören, wie ich es mir erhofft hatte. Bereits 2019 kam der Gedanke an ein Cochlea-Implantat, kurz CI, zum ersten Mal auf. Damals kannte ich niemanden mit einem CI, und auch mein damaliger HNO-Arzt war mit diesem Thema nicht vertraut.
Außerdem begann ich zu dieser Zeit noch einmal ganz neu: eine neue Ausbildung, neue Ziele und neue Pläne für mein Leben. Ich wollte nach allem, was passiert war, einfach wieder nach vorne schauen und mein altes Leben zurückbekommen.
Der Gedanke an ein CI machte mir Angst. Angst vor dem Unbekannten, vor einer Operation und vor der Frage: Was kommt danach? Was wird sich verändern? Also schob ich das Thema zunächst wieder beiseite.
Im Februar 2026 kam das Thema CI dann eher zufällig wieder in mein Leben. Eigentlich war ich wegen anderer Beschwerden bei meinem HNO-Arzt. Er sprach erneut ein Cochlea-Implantat an und legte mir sehr ans Herz, mich damit auseinanderzusetzen, gerade weil ich noch jung und Mama eines kleinen Kindes bin. Man weiß schließlich nie, ob irgendwann auch das gesunde Ohr betroffen sein könnte.
Dieser Gedanke hat mich besonders zum Nachdenken gebracht. Ich bin Mama und möchte mein Kind hören können. Ich möchte verstehen, was es mir erzählt, und nichts verpassen. Das war letztendlich der Punkt, der mich dazu bewegt hat, mich intensiver mit dem CI zu beschäftigen und diesen Schritt zu wagen.
Seit dem 04.09.2026 bin ich nun CI-Trägerin und befinde mich aktuell noch ganz am Anfang meiner CI-Reise und Rehabilitation.
Heute weiß ich: Vor mir liegt ein Weg, den ich mir früher kaum vorstellen konnte. Manchmal braucht man einfach Zeit, um Entscheidungen zu treffen, die das eigene Leben verändern. Es ist ein aufregender Weg mit vielen neuen Erfahrungen, Herausforderungen und natürlich auch Hoffnungen.
Christina
Oktober 2026