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Meine Schwerhörigkeit begann vor etwa 20 Jahren mit leichter Hörminderung. Da meine Mutter und Großmutter auch schwerhörig waren, stand für mich fest, dass es sich um eine Vererbung handelte, was mir auch später von einem HNO-Arzt bestätigt wurde.
 
Bis vor 3 Jahren kam ich mit meiner Schwerhörigkeit ganz gut zurecht. Es reichte noch, um selbstständig im Berufsleben und im Alltag zurecht zu kommen. Da bei der Art von Schwerhörigkeit, ein totaler Hörverlust im Hochton, der Tiefton jedoch noch gut vorhanden war, Hörgeräte bei mir kaum helfen konnten, verwahrte ich sie meist in der Schublade auf.
 
Nach einer Erkältung vor drei Jahren wurde mein Gehör zunehmend schlechter. Im Januar 2000 verordnete mir die HNO-Klinik in Marburg neue Hörgeräte. Nun begann das Aussuchen und Probieren mehrerer Geräte, aber der ersehnte Erfolg blieb aus. Meine Enttäuschung wurde immer größer, hatte ich doch meine ganze Hoffnung auf Hörgeräte gesetzt.
 
Im Mai 2000 waren meine Ohren plötzlich wie zugeschwollen und alles hörte sich wie durch Watte an. Ich wurde sofort in die HNO-Klinik eingewiesen, wo ich 10 Tage Infusionen und Cortison bekam. Ohne Erfolg, die Watte im Ohr blieb und dadurch war das Spracheverstehen kaum noch möglich. Der Befund der Klinik: beidseitige Schallempfindungsschwerhörigkeit im Innenohr und akuter Tinnitus.
 
Damit wollte ich mich noch nicht abfinden. Ich habe auf eigene Kosten Akupunktur und 10 x Druckkammer machen lassen, wieder ohne Erfolg. Jetzt kam auch noch eine starke Depression hinzu, wodurch der Tinnitus immer schlimmer wurde. Ich war soweit, dass ich nicht mehr leben wollte. Ich zog mich mehr und mehr zurück, konnte meinen Beruf nicht mehr ausüben, selbst die Hausarbeit fiel mir schwer.
 
Im Oktober 2000 machte ich dann einen siebenwöchigen Kuraufenthalt in Bad Arolsen in einer Tinnitus Klinik. Dort wurde ich wieder etwas aufgebaut. Man machte mir klar, dass es keine andere Möglichkeit für mein schlechtes Hören gibt als Hörgeräte, die ich dann auch gekauft habe. Nur mein Hören wurde dadurch auch nicht besser. Es folgten noch Gesprächstherapien beim Psychologen, Untersuchung beim Kieferorthopäden, Internisten, Neurologen, Orthopäden, alles vergeblich. Mein Gehör wurde nicht besser.
 
Im Januar 2002 suchte ich wieder einen HNO-Arzt auf, der nach gründlicher Untersuchung einen totalen Hörverlust im linken Ohr feststellte. Nachdem ich in einer Schnecke Berichte über CI gelesen hatte, sprach ich den Arzt darauf an. Von Ihm bekam ich dann auch die Adresse und die Überweisung für die HNO-Uniklinik Frankfurt.
 
Hier wurde mir nach einigen Untersuchungen ein CI empfohlen. Da ich auf meinem linken Ohr sowieso kein Gehör mehr hatte, gab es keine Zweifel, schlechter konnte es ja nicht mehr werden. Im Juni 2002 wurde mir ein CI von Med-El implantiert.  
 
Die OP verlief problemlos. Ich konnte schon nach fünf Tagen die Klinik verlassen. Im Juni wurde mir dann der Sprachprozessor angepasst. Auch bei mir war das Verstehen anfangs noch sehr schlecht. Ich konnte Geräusche hören, aber keine Sprache verstehen. Im Oktober 2002 bin ich dann fünf Wochen zu einem stationären Hörtraining nach Bad Berleburg gefahren, wo sich durch häufigere Einstellungen meines CIs der Hörerfolg deutlich verbesserte.  
 
Ich kann jetzt schon besser hören als vor zwei Jahren mit Hörgeräten. Für mich ist das Hören ohne CI kaum noch denkbar. Mit Bedauern musste ich feststellen, wie wenig HNO-Ärzte oder Kliniken über Cochlear Implantate Bescheid wissen. Bei meinen Fragen danach, wurde immer ablehnend reagiert. Meist hieß es, wollen Sie sich etwa operieren lassen, damit können sie auch nicht besser hören. Es gibt doch heute gute Hörgeräte, erst bei einer kompletten Ertaubung ist ein CI ratsam. Deshalb ist es wichtig, die Öffentlichkeit auf unseren guten Hörerfolg aufmerksam zu machen, damit es „hoffnungslos Schwerhörigen" besser ergeht, als es  mir ergangen ist und man die fast gehörlosen Menschen nicht einfach ihrem Schicksal überlässt.
 
Heute weiß ich, dass man mir auch schon vor zwei Jahren hätte helfen können, wenn ich einen Arzt gefunden hätte der einem CI gegenüber positiv eingestellt wäre.

Brigitte Becker: Auf dem Foto links