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Die Entscheidung für das CI - ein langer Weg

Ich wurde am 22.03.1985 mit einer hochgradigen Schwerhörigkeit beidseits geboren. Dank der Hartnäckigkeit meiner Eltern den Ärzten gegenüber wurde diese bereits nach 11 Monaten erkannt und ich mit Hörgeräten versorgt. Ich habe das Verstehen sowie Sprechen sehr gut gelernt, so dass ich mit Hilfe der Mikroportanlage nur Regelschulen besuchte und 2004 mein Abitur machen konnte! Dass diese 13 Jahre Schule dennoch nicht so spurlos an mir vorbei gegangen sind, machte sich jetzt bemerkbar. Mein sowieso schon schwächeres Ohr wurde nochmal schlechter und der schon ab und zu vorhandene Tinnitus, chronisch. Schnell kam von Seiten meiner Eltern die Überlegung für ein Cochlear Implantat. Doch ich wollte nicht. Es würde heißen, dass ich mein Restgehör, so wenig es auch war aufgeben müsste. Aber es bewirkte, dass ich mich mit dem Gedanken befasste. Währenddessen wurde der Tinnitus auf dem schwächeren Ohr immer stärker und ich trug das Hörgerät immer seltener. So hatte ich im Frühjahr 2005 schließlich das Gefühl auf diesem Ohr "nichts mehr verlieren zu können". Dennoch war ich noch unsicher, ich wollte mich erst einmal in einer Klinik informieren und hören was die Ärzte zu mir sagen. Wir suchten uns die Klinik mit den meisten Erfahrungen und ich kam im Juli 2005 zur Voruntersuchung in die Medizinische Hochschule Hannover. Für die Ärzte dort war das Ganze gar keine Frage, sie empfahlen mir sofort ich solle mich operieren lassen! Für die kamen sogar beide Ohren für eine Operation in Frage. Das war für mich jedoch nun gar kein Thema, mein besseres Ohr wollte ich auf jeden Fall "behalten"! Etwas überzeugter und vor allem informierter kam ich aus Hannover zurück. Ich überlegte hin und her, dabei ging mir immer häufiger durch den Kopf: "So wie es jetzt ist, kann es nicht weiter gehen." und "Schlechter kann es auf dem Ohr nicht mehr werden, bei der momentanen einseitigen Belastung sehr wohl aber auf dem anderen." Schließlich war ich mir dann sicher: "Ich will ein CI!"

Operation und Erstanpassung - Erfolgversprechend!

Ich bekam einen Operationstermin für Ende Februar 2006. Die Entscheidung "welches Implantat?" fiel mir nicht schwer: Nucleus (Cochlear)! Es gefällt mir von der Optik und hat schlichtweg einfach den Vorteil, dass ich meine Mikroportanlage von Phonak weiter benutzen kann. In der Klinik angekommen, wurde mir eine Studie vorgestellt, bei der ein Implantat mit zwei Elektrodenträgern entwickelt wurde, um die Elektroden näher bis zur Spitze des Innenohrs führen zu können. Es sollte getestet werden, ob dadurch ein natürlicherer Klang und ein besseres Sprachverstehen erzielt wird. Ich war mir schnell sicher, wenn ich damit der technischen Entwicklung helfen kann, möchte ich an der Studie teilnehmen. So bekam ich dieses Implantat (Nucleus 24 Apical). Die Operation verlief gut und auch die anschließende Heilung ohne jegliche Komplikationen. Anfang April 2006 war es dann endlich soweit, ich bekam meinen Sprachprozessor! Aus Studiengründen war dies zunächst der 3G. Den Freedom würde ich dann nach einem Jahr bei Abschluss der Studie erhalten. Da ich wusste, dass die Eindrücke und Erfolge individuell sind, hatte ich meine Erwartungen klein gehalten: "Ich will mehr hören als vor der OP". Nun, das war bei praktischer Taubheit und ohne Sprachverständnis auf dem betroffenen Ohr nicht wirklich schwer und für mich dennoch ein Gewinn! So war ich etwas aufgeregt, da ich nicht wusste was mich erwartet und hochmotiviert mein Bestes dabei zu geben! Die Woche der Erstanpassung verlief sehr zufriedenstellend. Bereits am ersten Tag konnte ich Geräusche hören und bei den ersten Übungen des Hörtrainings lernte ich schnell. Am Nachmittag des ersten Tages gab's einen kleinen Zwischenfall - ich hörte nichts mehr! Nach erster Verzweiflung habe ich mir einen Termin im Hörzentrum geben lassen und es stellte sich raus: Mein Ohr hatte sich schon so sehr an die Impulse gewöhnt, dass der am Morgen als laut empfundene Strom nun zu schwach war, um etwas zu hören. Also gleich nochmal neu eingestellt und dann ging's wieder! Am zweiten Tag fing es an, dass ich Stimmen raus hörte und bis zum Abend konnte ich schon ein wenig verstehen. Ab dann lief auch das Sprachtraining immer besser und am Ende der Woche ließ mich die Pädagogin mit meiner Großmutter telefonieren, wobei ich zwar nicht alles verstand, aber - es klappte!

Das Jahr nach der OP - Der Erfolg wird sichtbar

Auf eine der Erstanpassung anschließende Reha verzichtete ich aufgrund meines Studiums. Dafür übte ich das Hören und Verstehen in den folgenden Monaten zu Hause noch fleißig weiter. Gezieltes Hörtraining am PC oder mit meiner Mutter zeigten stets kleine Verbesserungen. Aber auch bewusstes Verzichten auf Lippenlesen und Horchen auf Umgebungsgeräuschen, die ich noch nicht kannte gaben mir viele kleine Erfolgserlebnisse. Der Erfolg wurde sichtbar. Bei den Nachsorgeterminen in der Klinik durch bessere Testergebnisse. Für meine Mitmenschen dadurch, dass ich weniger nachfrage, nicht mehr so oft auf den Mund schaue und auch auf größere Entfernung reagiere. Und für mich dadurch, dass ich mehr mitbekomme und trotzdem weniger erschöpft bin. Das Hören ist schlichtweg "einfacher" geworden! Ein sehr schöner Nebeneffekt war das verschwinden des Tinnitus auf dem CI-Ohr. Er wechselte zwar auf das andere Ohr, wo ich vorher fast keinen Tinnitus hatte, war aber bei weitem nicht mehr so stark und vor allem nur noch selten. Der einzige "Knackpunkt" an der ganzen Geschichte waren und sind die Nebengeräusche. Wird es in der Umgebung laut verstehe ich nicht mehr viel. Dies zeigt sich auch an den Testergebnissen in der Klinik. Während ich in ruhiger Umgebung fast 100% Sprachverständnis erreiche, schaffte ich bei den Tests mit Störgeräuschen bisher bestenfalls knapp 20%. In der Realität sind die Störgeräusche dann allerdings doch meistens etwas leiser als in den Tests, auch kann ich mir oft mit zusätzlichem Lippenlesen weiterhelfen, so dass das Kommunizieren in der Regel ohne größere Probleme funktioniert. Die größte Hilfe in lauten Umgebungen ist für mich allerdings das Zuschalten des Hörgeräts! Ich kann nicht sagen, ob es an dem Hören mit Hörgerät, oder einfach nur an der Tatsache, dass ich auf beiden Seiten höre liegt, aber es lässt die Nebengeräusche leiser erscheinen und erleichtert das Erkennen der Stimme. Wenn ich mich dann mal ärgere, dass mir die Störgeräusche so schwer zu schaffen machen und ich denke "muss ich halt noch mehr üben", vergesse ich dabei oft, dass diese Nebengeräusche mir auch schon vorher das Verstehen erschwerten, als ich nur Hörgeräte hatte - auf beiden Seiten. Trotz dem "Nebengeräusch-Manko" dauerte es nicht lange bis ich die CI-Seite immer mehr bevorzugte. So fing ich schnell an aufzupassen, auf welcher Seite ich laufe oder sitze, nämlich immer mit dem CI zum Gesprächspartner! Und selbst beim telefonieren bevorzugte ich nach ersten Testtelefonaten schnell das CI. Damit hörte ich bereits ein Jahr nach der OP nicht nur besser als vor der OP, sondern besser als jemals auf einem Ohr!

Zwei Jahre nach der OP - ich will noch eins!

Jetzt sind zwei Jahre seit der OP vergangen. Und so sicher ich vor zwei Jahren wusste "mein besseres Ohr will ich auf jeden Fall "behalten"", so sicher weiß ich heute "ich will ein zweites CI!". Die Entwicklung des CI-Ohrs ist in dem zweiten Jahr stabil geblieben. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass das Ergebnis noch kein Endergebnis ist. Ich bin überzeugt, dass ich mit intensiven Lernphasen so manche Testergebnisse noch beeinflussen könnte. Dadurch hat das Hören für mich heute eine ganz neue Bedeutung bekommen. Es ist trainierbar. Das waren für mich schon vorher die Augen, das Schmecken, Riechen und Tasten, jedoch nie das Ohr! Und diesen Zustand, dass ich das Hören "selber in der Hand habe", den wünsche ich mir auch für das andere Ohr. Ein weiterer wichtiger Faktor, der meine Entscheidung beeinflusst ist die Entwicklung meines Hörgeräte-Ohrs. Ich sehe hier den Anfang von dem Abfall des anderen Ohrs damals. Die Hörkurve liegt heute ungefähr da, wo die meines schlechteren Ohrs anfangs war. Der seit der OP selten vorhandene Tinnitus ist in diesem zweiten Jahr chronisch geworden und zuletzt auch immer stärker. Für mich ein eindeutiges Signal der Überanstrengung des Ohrs. Ich frage mich also: "Warum warten, bis die Hörkurve nochmal abfällt und dann in einem Bereich liegt, in dem kein Sprachverständnis mehr möglich ist?" und "Warum "zuschauen", wie der Tinnitus immer stärker wird und mir die Nerven raubt?". Kurz: "Warum mich diesen Anstrengungen aussetzen, wenn ich das Hören "einfacher" haben kann?"! Das CI-Ohr ist erstaunlicher Weise weiterhin weitgehend von Tinnitus verschont geblieben. Hier habe ich lediglich ab und zu mal Tinnitus und dieser hält dann nur kurz an. Noch ein weiterer Grund, der für ein CI spricht! Ich bin mir dabei bewusst, dass auch diesmal der Erfolg und die neuen Eindrücke nicht vorhersehbar sind. Dennoch schätze ich heute das Potenzial eines Implantates höher ein, als das was mir mein Ohr noch zu bieten hat. So bin ich, ohne auf konkrete Erwartungen zu hoffen, optimistisch, dass ich mit dem Ergebnis einer zweiten OP zufrieden sein werde!

Fazit

Ich halte es für wichtig, dass man sich selber ganz bewusst für diese Operation entscheidet. Heute denke ich, "hörtechnisch" hätte ich mich früher operieren lassen sollen. Ich hätte mir dadurch ein langes, sehr anstrengendes Jahr ersparen können. Dennoch halte ich es auch im Nachhinein für richtig gewartet zu haben. Meine Überzeugung, der Wille, die Hoffnung und die Motivation bezüglich der Operation, waren für das Durchstehen der darauf folgenden Zeit entscheidend. Insbesondere bei dem neuen "Hören lernen", was aus üben, üben, üben, … besteht, denke ich, hängt der Erfolg doch auch sehr stark von der eigenen Bereitschaft und Leistung ab.

Schlussbemerkung

Ich habe versucht, möglichst kurz und trotzdem noch für jeden verständlich ein Gesamtbild meiner Erfahrungen mit dem CI wiederzugeben. Es gibt zu jedem Abschnitt des Berichts noch jede Menge Details zu erzählen. Sollten Sie sich für einen bestimmten Teil besonders interessieren oder einfach so gerne noch mehr erfahren wollen, stehe ich für Fragen per Email an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! gerne zur Verfügung!


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CI Projekt 2008

"CI Projekt 2008"
so habe ich meine persönliche Baustelle genannt. Nach wochenlanger Planung, vielen Untersuchungen, Kabel und Strippenlegungen mit diversen Anschlüssen zeigten sich nach der Installierung sehr gute Ergebnisse! ;-)
Doch zunächst erst einmal zu mir: Ich bin 50 Jahre alt, verheiratet, mit zwei erwachsenen Kindern, die schon aus dem Haus sind. Mein erlernter Beruf ist Kinderkrankenschwester, den ich aber wegen meiner Hörbehinderung nicht mehr ausübe. Dafür habe ich einen Teilzeitjob im Büro meines Mannes bekommen. Aufgrund einer vererbten Schwerhörigkeit, die sich im Alter von 20 Jahren bemerkbar machte, bekam ich erst im Alter von 30 Jahren Hörgeräte. Sie mussten im Laufe der Jahre immer wieder der fortschreitenden Hörverschlechterung angepasst werden.Im Beruf war es oft schwer, den Anweisungen der Kollegen zu folgen, das telefonieren war mir peinlich und sehr häufig ließ ich das Telefon links liegen, bzw. wenn man alleine im Dienst war, drückte die Verantwortung sehr.
Nach unserem Umzug und Hausbau im Jahre 1998 verschlechterte sich mein Gehör so sehr, dass ich auf der rechten Seite kein Sprachverstehen mehr hatte. Ab 2001 konnte ich auf dieser Seite kein Hörgerät mehr benutzen. Es war einfach nichts mehr da .
Auf der linken Seite verstand ich noch g nz gut, obwohl diese Seite auch schon an Taubheit grenzend hörgeschädigt war. Seit dieser Zeit befasste ich mich immer mal wieder mit dem Thema Cochlea-Implantat. Ich tat dies auch, um mich psychisch darauf vorzubereiten und das Ungeheuerliche zu denken, dass ich eines Tages ganz ertauben könnte. Noch konnte ich mir das gar nicht vorstellen.
Ich muss gestehen, ich las sehr oft auf "Michaels Ohrenseite", die meiner Meinung nach die Hauptinformationsquelle für "Leute ohne Anschluss" ist. Erst wenn man sich dort durchgelesen hat, weiß man, wohin man sich noch wenden kann. Ich hatte all die Jahre auch keinerlei Anschluss an die Hörgeschädigtenszene gesucht, was ich mir heute eigentlich vorwerfen sollte.
Als dann im Herbst 2007 mein HNO-Arzt meinte, dass mir ein Cochlea-Implantat auf der tauben Seite helfen könnte, war die Überraschung für mich nicht allzu groß, im Gegenteil, ich freute mich und dachte, dies wird mein "Projekt für 2008".
Ich informierte mich recht gründlich, hauptsächlich über das Internet, schrieb an CI-Firmen und bat um Infomaterial. Die Untersuchungen an der Uniklinik in Frankfurt ergaben, dass bei mir ein CI sinnvoll wäre.
Trotz aller Informationen konnte ich mir mein späteres neues Hören nicht vorstellen. Ob ein über 6 Jahre lang ertaubtes Ohr wieder verstehen lernt? Unfassbar ! Wie werden die ersten Höreindrücke sein? Würde es wochenlang dauern, bis sich die ersten Höreindrücke in Wörter umgeformt haben? Würde die Baustelle Gehirn gute Arbeit leisten?
Auf diese Fragen konnte mir keiner eine klare Antwort geben. Alles nur Vermutungen, denn es ist bei jedem Menschen aufgrund seiner Hörbiographie anders. Mut gemacht haben die vielen Erfahrungsberichte, das DCIG-Forum und die Zeitschrift Schnecke!
Die Operation im März 2008 verlief unproblematisch. Alles verheilte sehr gut und die Schmerzen waren erträglich. Viel spannender war die CI-Anpassung vier Wochen später. Ich trage ein Implantat von Med-El, Opus 2. Bei der Erstanpassung musste ich sagen, welche Töne hörbar sind und die Lautstärke bestimmen. Die nachfolgenden Tests ergaben dann schon ein Zahlenverständnis von 60% und ein Wortverständnis von 30 %. Diese Werte verbesserten sich von Tag zu Tag. Die Stimmen waren auch zu unterscheiden, Männer und Frauenstimmen klangen fast normal. Etwas metallisch und ungewohnt, aber das war mir egal. Ab diesem Zeitpunkt trug ich das CI schon von morgens bis abends und zog auch mein Hörgerät nicht mehr an.
Ich verließ mich total auf das doch sehr ungewohnte Hören und war über jedes neue Entdecken von Geräuschen begeistert. Zum Beispiel, es regnete und die Regentropfen machten auf dem Schirm einen Höllenlärm! Die Spatzen waren NICHT ausgestorben, sondern ich hatte sie einfach nicht mehr gehört. Amseln dagegen hätte ich dank meines Hörgerätes öfters gerne abgeschossen (sorry) :-)
Das Bellen meiner 2 Hunde war zunächst unerträglich und oft musste ich mir die Spule am Kopf abmachen. Aber das war alles nur Gewöhnungssache. Als allererstes habe ich, nachdem ich nach Hause kam, meine Flöte hervorgeholt und die Tonleiter gespielt. Alle Töne waren da! Jedoch anders als gewohnt, es klang um einiges tiefer. Im Laufe der Zeit empfand ich dies nicht mehr so schlimm. Musik hören wird immer noch besser. Ich denke, hier sieht man auch die Grenzen des CI's. Aber aufgeben werde ich nicht! Täglich höre ich Musik der verschiedensten Richtungen über iPod.
Gleich im Anschluss an die Erstanpassung konnte ich im CIC-Friedberg eine ambulante Reha machen. Auch hatte ich zu diesem Zeitpunkt sehr starken Tinnitus auf der operierten Seite. Dieser legte sich im Laufe der Zeit und verschwand dann. Die vielen Höreindrücke reizten den Hörnerv und zwangen mich, alles etwas langsamer anzugehen.
Jeder neue Tag bringt mir noch Hörüberraschungen. So stellte ich heute Morgen fest, dass beim ersten Raureif das Gras…unter meinen Füssen "klirrt". Jedenfalls hatte ich es in dieser Form noch nie gehört!Mittlerweile ist der Antrag auf ein zweites CI bei der Krankenkasse durchgegangen und genehmigt. Ich freue mich jetzt sehr auf Stereohören, Richtungshören und vor allem auf ganz entspanntes Hören.

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Meine Rehabilitation in St. Wendel, der Weg zum Opus 2

Nachdem die persönlichen Verhältnisse geklärt waren, stellte ich den Rehantrag im Juni 2008 mit Unterstützung der Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie in Marburg. Die Deutsche Rentenversicherung hatte ein Einsehen und ich konnte eine Rehabilitation in der Bosenberg Klinik in St. Wendel machen.

Bei meiner Aufnahme wurden zuerst diverse Hörtests durchgeführt, um den aktuellen Hörstatus zu ermitteln. Ich hatte schon Wochen zuvor festgestellt, dass ich mit der Anpassung des EAS Hörsystems Duet von MedEl nicht optimal versorgt wurde. Die Anpassungen hielten nicht länger als zwei bis drei Wochen, dann hatte ich den Eindruck, dass mein Hören schon wieder verschlechtert war. Es klang alles ziemlich dumpf. Die Zeit war noch nicht zu einem "verständlichen Hören" reif. Diese Feststellung wurde mir in der Bosenberg Klinik bestätigt.

Auf Empfehlung einer Therapeutin legte ich zuerst mein Hörgerät am anderen Ohr ab. O Wunder, ich konnte tatsächlich "Hören", es überraschte mich sehr. Wenige Tage später kam unser CI-Einsteller, Herr Ahmed Bellagnech, aus dem Urlaub zurück. Mein wichtigster Termin war sofort beim ihm! Er sagte zu mir: "Machen Sie mal Ihr Hörgerät vom EAS ab und hören Sie nur mit dem CI." Gesagt, Getan! Interessant was ich "ohne Hörgerät" alles verstehen konnte. Besonders möchte ich hier hervorheben, das man in der Bosenberg Klinik eine optimale CI Betreuung hat. Wichtig ist es, dass tägliche Anpassungen von Herrn Bellagnech durchgeführt werden, damit die Verständlichkeit sich von Tag zu Tag steigern kann. Dieses war auch bei mir der Fall. In der Zwischenzeit hatte das Team beraten, dass ich doch ein richtiger CI-Träger bin auf Grund meines Hörstatus.

Herr Bellagnech überraschte mich, als er mir mitteilte, dass ich das Opus 2 von Me-dEl als Leihgerät tragen soll. Das CI war der Renner, nach dem Einschalten des CI war das Hören traumhaft. So klar hatte ich seit zehn Jahren mit meinem fast ertaubten Ohr nicht mehr gehört. Ich gewöhnte mich sehr schnell an das CI und die Klangqualität wurde auffallend von Tag zu Tag besser. Aus diesem Grund veranlasste Herr Bellagnech bei der Firma MedEl für mich ein eigenes Austauschgerät zu beantragen. Die Formalitäten verliefen reibungslos und ich konnte schon nach drei Tagen mein CI Opus 2 in Empfang nehmen. Unser CI-Einsteller führte mich täglich "von einem Erlebnis in das nächste". Sehr viel hat mir das tägliche Hörtraining gebracht, es wurde einzeln und in Gruppen durchgeführt.

Eine gute Einrichtung ist in der Bosenberg Klinik in St. Wendel das Kommunikations-Cafe, welches jeden Freitag Nachmittag durchgeführt wird mit allen CI-Träger um sich auszutauschen, außerdem sind Interessierte immer herzlich willkommen.

Phänomenal war es, als ich nach einer Woche des Tragens von Opus 2 versuchte, mit einer vertrauten Stimme zu telefonieren. Ich fühlte mich wie vom Boden erhoben. Ein Glücksgefühl nach dem anderen erlebte ich in meiner fünfwöchigen Reha. Ich fühlte mich in der Bosenberg Klinik verstanden und sehr gut aufgehoben.

Nach meinem Abschlußhörtest durfte ich mein normales Hörgerät vom anderen Ohr wieder tragen. Ich merkte sofort, das mein CI-Ohr so gut trainiert war, das es nun wieder die Führung beim Hören übernommen hatte. Der Eindruck, dass das andere Ohr, welches mit dem Hörgerät versorgt wird, schlechter geworden wäre, täuschte nur dadurch, weil mein CI-Ohr einen Riesenfortschritt durchgemacht hatte.

Eines ist mir bewusst geworden: Falls mein anderes Ohr auch CI versorgt werden muss, werde ich nicht lange warten und lasse es auch möglichst bald implantieren.

An dieser Stelle möchte ich meinen besonderen Dank an das gesamte CI-Team der Bosenberg Klinik aussprechen.

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Meine Geschichte - vom Hören zum Nicht-Hören bis zum CI

Es hat in meiner Kindheit angefangen, aber damals war es (schlecht zu hören) nicht sooo schlimm, jedenfalls in meinem Fall, sagte der Arzt... "In der Schule vorne sitzen, dann bekommt Sie schon alles mit, das sollte halt reichen, meine Mam sollte da nicht mehr tun. Zu erwähnen wäre da noch, dass meine Mutter im 3. Monat mit mir Blutungen hatte und der ein oder andere Arzt meinte, es wäre gut möglich, dass ich davon meine Schwerhörigkeit her habe, da sich dann alle Sinnesorgane entwickeln, aber wie gesagt man kann es nicht genau beweisen.

Als Kleinkind habe ich kein wirkliches "Richtungshören" gehabt, also wenn ich nach meinen Eltern rief, dann sagte immer einer, wo genau er jetzt ist, denn ich konnte es nicht gut heraus hören, ob es jetzt das Wohnzimmer war oder die Küche, aus der die Stimme her kam. Sonst hat man mir kaum angemerkt, dass ich eine Behinderung habe.

Aber mit den Jahren wurde es halt immer heftiger, ich habe sehr viele Hörstürze (Infarkte im Ohr) erlitten. Und das Leben geht trotzdem weiter... Schule - Ausbildung - Freunde treffen - Partys feiern einfach gaaanz normal. Es ist nicht so gravierend aufgefallen damals, dass ich schlechter hörte, aber ab dem 21.Lebensjahr kam dann die Verschlechterung. Es wurde festgestellt, nachdem mich bei meiner Ausbildung zur Krankenschwester jemand darauf aufmerksam machte, dass mein Hörproblem
schlimmer geworden ist, dass mein linkes Ohr schon taub ist. Es klingt seltsam aber ich habe es wirklich nicht gemerkt, da ich alles mit rechts gemacht habe, ich muss es wohl einfach verdrängt haben aus Angst wirklich Taub zu werden. DAS WAR ERST MAL EIN SCHOCK!!!!

Man konnte sich nicht erklären warum, Ärzte stellten mich auf den Kopf, doch die Ursache ist bis heute ungeklärt … was soll`s… das Leben ging weiter und ich hatte ja schließlich einen kleinen Sohn und Familie, die mich brauchten... und ein rechtes Ohr welches ja funktionierte, wenn auch nicht
mehr 100%, aber es reichte um zu hören und was anderes blieb mir ja nicht übrig, da man wohl
links nichts mehr daran ändern konnte. Leider muss ich sagen, habe ich auch aus diesem Grund meine Ausbildung nicht vollendet, was mich heute sehr ärgert, denn ich kann es nicht wiederholen, zu groß war der Schock und die Angst, wie ich dass alles schaffen sollte. Ich arbeitete trotzdem in der Pflege weiter, weil es einfach meine Berufung war und mir im Blut lag, denn ich hatte ja zum Glück schon ein Examen in der Tasche, irgendwie muss man ja leben und Geld verdienen, ich wollte nicht abhängig vom "Staat" sein. Es war nicht immer einfach manche Arbeitgeber davon zu überzeugen, dass mein Hörproblem nichts mit meiner Leistung zu tun hat und ich gute Arbeit leiste. Also habe ich viele Stellen angetreten und wieder verlassen… leider… denn nicht jeder Chef und auch Kollegen kamen damit klar. Bis ich meinen jetzigen Arbeitgeber fand. Es gab sicherlich viele Situationen die erschwert waren und sind, aber da musste ich immer irgendwie durch mit Kollegen oder auch alleine.. steh auf Männchen.. schon immer gewesen … :-)

Meistens waren es Probleme, die ich leider wegen meinem "schlecht Hören" nicht ändern konnte und wenn manche Menschen mich dann nicht verstehen konnten und nicht auf mich zugehen wollten, weil Sie für "solche" Behinderungen nichts übrig haben, dann tun mir diese Menschen nur leid!! ( muss ja mal gesagt werden!). Na ja seitdem mein linkes Ohr fast 20 Jahre schon taub war und mein rechtes Ohr auch krank wurde und mit der Zeit ein Hörgerät benötigte, hatte ich dann nur noch so zwischen 70-80 % an Hörvermögen. (Was leider nicht sehr viel ist, vieles an schönen Geräuschen habe ich einfach nicht mehr wahrgenommen)...

Bis zum 06.02.2007, als ich morgens aufwachte und merkte, es stimmt was nicht, alles so dumpf so in Watte gepackt war… aber an der Batterie des Hörgerätes lag es nicht! Ich spürte und wusste da stimmt was nicht und dieses Gefühl kannte ich nur zu gut. Oh je schon wieder ein" Hörsturz"...

Es gibt viele Ursachen die dies auslösen können, wie unter anderem Stress, Ärger, schlechte Durchblutung (ggf. auch durch Rauchen), mangelnde Bewegung… und ich hatte schon so viele im Laufe der Jahre mit meiner Schwerhörigkeit, dass ich aufgehört habe mitzuzählen, jedenfalls mehr als zwanzig (leider). Nach jedem Hörsturz habe ich weitere Prozente verloren und mein Hören wurde schlechter und schlechter. Warum mich immer wieder dieses Schicksal einholte… keine Ahnung!!!

Jedenfalls nachdem ich so meinen Dienst absolviert hatte, war der Gang zu meinem superguten HNO Arzt Dr. Nagel dann ein Muss, denn er tut alles um mein eines Ohr noch zu erhalten, dafür sage ich mal ganz lieb an dieser Stelle! - DANKE!!!! Wie schon so oft sagte er mir, dass ich einen Hörsturz habe und ich Infusionen bekommen muss und der Hör-Test wieder im Keller ist, also ganz schlecht wäre… und ich wieder sofort ins Krankenhaus muss… ein Telefonat und schon ist ein Bett reserviert. Nun lange Rede kurzer Sinn, ich musste 14 Tage im Krankenhaus bleiben, ich habe eine Infusion Therapie (nach Steinert) mit Cortison gemacht, die meine Durchblutung und die vom Gehör wieder zur Funktion anregen sollte. Es brachte nichts, meine Hörwerte wollten einfach nicht besser werden. Aber leider habe ich stattdessen am 14.02.2007 noch einen weiteren Hörsturz erlitten, noch im Krankenhaus, nachdem meine Werte so tief waren, dass ich mit meinem Hörgerät nichts mehr hören konnte, wenn überhaupt, dann noch ganz schwach, leise kaum wahrnehmbar, ein Gewirr aus Tönen und Geräusche, aber das war wie sich später herausstellte nur noch "Resthören" mein Ohr war "Taub" geworden.

Ich glaube, es kann sich niemand, der so was nie selbst erlebte vorstellen, was es heißt man hört "nichts" mehr, ich werde diesen Moment mein Leben lang niemals vergessen so hilflos und leer, erschrocken und sprachlos über die Tatsache: Du bist nun Taub, ich konnte es nicht glauben, dachte gleich wachst Du aus dem schrecklichen Albtraum auf!!!..

Aber leider war es die Wirklichkeit und am liebsten hätte ich mich in ein Mauseloch verkrochen! Ich sollte mich nicht aufregen, mich ins Bett legen und mich ausruhen, aber leichter gesagt wie getan. Ich war ein reines Nervenbündel aufgewühlt und ich konnte meine Tränen einfach nicht mehr zurückhalten… und mich auch nicht beruhigen, bis die Ärztin mir erst mal was gab, damit ich mich wieder etwas fange (so was mag ich gar nicht, aber in dieser Situation war es mal angebracht!). Die Nächte waren einfach zu lang, ich versuchte krampfhaft, vielleicht doch was zu hören, ich wollte nicht taub sein. In diesen schlimmen Stunden hatte ich neben meinen Lieben auch ne super liebe Zimmernachbarin, die mich sehr lieb tröstete und für mich da war. Sie schrieb alles auf, manchmal Seiten lang und hatte viel Verständnis… DANKE Marijke!!!

Letzte Chance: "Spritzen" durchs Trommelfell und Cortison direkt ins Ohr, wenn das nichts nützt, ist es wirklich zu spät. Also 5 von 7 Spritzen habe ich über mich ergehen lassen und die Schmerzen bei jeder Spritze sind so schrecklich, dass ich es nicht in Worte fassen kann… es gab zwar einen Tupfer mit Betäubungsmittel vors Trommelfell doch bei meinem Glück wirkte dieser nicht, weil der Doc die Einwirkzeit verpennte, dass ich also denn Tupfer auch hätte sparen können, ich habe den Arzt anschließend aus dem Zimmer geworfen! Also… nie wieder so was freiwillig!! Nach der 5. sagte ich, es bringt nichts, die anderen 2 kann ich mir sparen, weil mein Ohr nicht darauf reagierte. Es war der schrecklichste Moment in meinem Leben, obwohl mir meine Ärzte immer schon sagten: "Nicole, irgendwann kommt der Tag, da will Dein Ohr nicht mehr, dafür sind Deine Werte zu schlecht geworden mit den Jahren", tja man weiß es zwar, aber dann denkt man nicht daran… ich war am Boden zerstört!!!

Dann folgte eine schwere Zeit und warten und Untersuchungen, ich wurde als Cochlea-Implantat-Patient dem Chef-Arzt vorgestellt. Ein Antrag folgte bei der Krankenkasse und wieder warten bis diese zusagt… und das dauerte dann 12 Wochen, so lange war totale Stille um mich herum! Meine Krankenkasse hat mich sehr lange warten lassen und trotz Rückfragen, wieso es so lange dauert, hat meine Familie keine Antworten erhalten… also abwarten, bis die sich melden. Ich war sehr enttäuscht von meiner Kasse, denn ich wurde als Kunde in vielen Dingen schlecht behandelt und fühlte mich im Stich gelassen, gerade dann wenn man sehr krank ist!! So Sprüche wie "schlecht hören ist doch keine Krankheit, jeder hört mal was schlecht, ist doch nicht so schlimm" waren da normal!

Jeder Tag der Stille war für mich unerträglich und schrecklich, wenn meine engsten Freunde und Familienmitglieder mich nicht aufgefangen hätten und einfach für mich da gewesen wären, hätte ich bestimmt aufgegeben!!! Sie haben mir sehr geholfen und mich unterstützt dies zu schaffen… haben mir gezeigt, dass es auch ohne Worte, die man hört geht und dass man positiv denken soll.

ICH LIEBE EUCH DAFÜR SEHR !!!!!

Dann der Anruf, es war die Sekretärin von Prof. Maurer, ich war sehr gespannt, denn ich konnte ja nicht verstehen was gesprochen wurde, meine Mam war da und nahm den Anruf entgegen. Ich habe mir im Laufe der Zeit das Lippenlesen angeeignet, damit ich das Mundbild zusammen mit der Gestik zu Sätzen, Wörtern oder Buchstaben selbst lesen und bilden kann!

So kann ich wenigsten, wenn ich schon taub bin, sehen was gesprochen wird (ich kann mir da echt mal auf die Schultern klopfen! J), dass ich das so gut gelernt habe, denn das habe ich mir selbst beigebracht und es ist oft sehr hilfreich, um zu verstehen aber auch dass Gegenteil, denn die Menschen sprechen nicht immer deutlich, aber wenn man verstehen will geht alles!!!

Ich war also so gespannt was meine Mutter mit dem Krankenhaus ausmachte, ich sah ja nur was
sie antwortete und so musste ich mich noch gedulden, bis ich endlich erfuhr, dass ich am 24.05.2007 meine erste OP haben sollte. Ich war überglücklich und hatte aber auch Angst, was da jetzt so auf mich zu kommt. Ich habe viel im Internet gelesen wie die meisten, die schon implantiert sind, jetzt so hören und es machte mir Kopfzerbrechen, wenn ich mir vorstellte jetzt wie ein Computer zu hören oder blechern. Ich machte mir Gedanken, wie wohl die OP verlaufen würde, ob alles gut geht und wie es danach sein wird. Es ist ein Eingriff am Kopf und jede OP hat Ihr Risiko. Beruhigt habe ich mich damit, dass es für meinen auserwählten Arzt schon Routine geworden ist (obwohl jede Operation immer anders ist!), er hat schon so vielen Kindern und Erwachsenen das Hören wieder geschenkt und nichts ist passiert. Und weil ich mich im Krankenhaus Marienhof in Koblenz in sehr guten Händen gefühlt habe.

Es wurde seit meinem Absturz am 06.02.07 alles mögliche für mich getan um mein rechtes Ohr zu retten, ich wurde als Mensch, als Persönlichkeit verstanden und auch so behandelt. Trotzdem hatten meine Kinder und Familie Angst, so dass sogar mein ältester Sohn damals (13 Jahre) nicht wollte, dass ich operiert werde, er sagte "Mama ich möchte Dich nicht verlieren, was ist wenn der Arzt ausrutscht und Du dann stirbst?!" Meine super liebe Ärztin, die sich um mich kümmert seit dem ich da bin, hat extra wegen meinem Sohn die ganze Zeit während der OP auf mich aufgepasst und meinem Sohn versichert, dass Sie dabei bleibt, auch danach war sie mehr als nur für mich da.

Ich muss erwähnen, dass ich in meiner gesamten Krankengeschichte schon zwei mal beinahe gestorben wäre und dass ist Grund genug für meine Kinder diese OP nicht gut zu heißen. Aber der Wunsch wieder hören zu können ist einfach größer, als das Risiko was bei jedem Eingriff gegenwärtig ist.

Wie meine Geschichte weitergeht (OP-Verlauf, Antrag auf das 2.CI und wie ich jetzt höre… werde ich natürlich auch noch schreiben, aber alles zu seiner Zeit.

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