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Mein neues Leben mit einem CI

Als ich am 13.02.2008 zur Erstanpassung des Opus 2 im Kinderkrankenhaus (Olgahospital) zu Dr. Boppert ging, kam meine Schwiegermutter mit, denn diese wollte unbedingt wissen, was da angepasst wird und wie alles von "statten" geht, auch ein paar offene fragen konnten durch Dr. Boppert geklärt werden. Bei der Ersteinstellung wurde das Gerät so laut es ging ("Schmerzgrenze") eingestellt, danach wurden wir für ene Stunde raus geschickt, um zu sehen was ich mit dem CI wahrnahm.

Also beschlossen wir ein wenig im nahe gelegenen Einkaufszentrum einkaufen zugehen. Auf der Strasse hörte ich zum ersten mal nach langer Zeit die Autos von hinten, auch Stöckelschuhe nahm ich wahr. In einem Laden hörte ich schon am Eingang die Kassen piepsen. Leider hatte die Ersteinstellung einen ziemlichen Wiederhall drin, aber das merkte ich am Anfang nicht, mir fiel nur auf, dass sich die Stimmen wie "Mickey Maus" als PC Stimme anhörte, auch Männer- und Frauenstimmen konnte ich nicht auseinander halten. Denn sie hörten sich alle gleich an.

Eine Sache nahm ich plötzlich wahr und das war für mich wirklich eine Überraschung, denn ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nie eine Blindenstockspitze gehört und konnte mir das Geräusch "ratsch" nicht erklären, also fragte ich meinen Mann (er ist blind), wo das Geräusch denn her käme. Seine Antwort: "Hör noch mal, was kann das sein?" Irgendwann kam ich drauf was es war, was etwas gedauert hatte.

Am Anfang fragte ich meinen Mann immer wieder nach Geräuschen, die ich hörte, aber nicht einordnen konnte, was es denn sei und immer wieder sagte er, ich solle hören und auch mal raten. Es war nicht einfach die Geräusche einzuordnen und immer wieder fiel ich buchstäblich auf die "Nase", in dem ich etwas falsches sagte und ich wurde dann entweder von meinem Mann oder von seiner Familie berichtigt, so dass ich das nächste mal wenn ich das gleiche Geräusche hörte, gezielt sagen konnte, dass ist das und das z. B: Kaffeemaschine oder Radio.

Innerhalb einer Woche wurde mir klar, dass ich irgendein Nebengeräusch hatte. Das teilte ich auch beim zweiten Treffen Dr. Boppert mit. Er meinte, dass ich einen Widerhall wahrnehme. Deshalb wurde das CI auch leiser gestellt und siehe da der Wiederhall war weg. Nun hieß es den ersten Hörtest überstehen, aber der klappte noch nicht so richtig. Ich hatte das Gefühl, dass sich alles noch ziemlich nach "Mickey Maus " PC Sprache anhörte.

Deshalb fing ich zuhause an, jeden Tag 10 Minuten lang Radio zu hören mit einem Headset am PC. Nur verstehen konnte ich nichts was gesprochen wurde, auch das TV schauen ohne Untertitel stellte seine Probleme dar.

Nun haben wir schon Anfang Juni und ich kann schon einiges hören und auch viele Geräusche einordnen. Wie zum Beispiel: Fahrradklingeln, Rufe von links hinten, das Sprachsystem des blindengerechten PCs meines Mannes, auch das Miauen unserer beiden Katzen, ja sogar leise Musik nehme ich mittlerweile wahr. Selbst im Urlaub war ich Anfang Mai schon mit dem CI und habe dort viele Geräusche wie Meeresrauschen, Marktschreier, Tiere selbst vom Animationsteam über Mikrofon gesprochene Durchsagen waren oft gut zu verstehen, da das Team drauf achtete, wie sie sprachen.

Wenn ich aber merkte es wird mir zu laut bzw. zuviel, so wurde kurzer Hand das CI ausgeschaltet, denn ich wollte mich nicht überfordern. Auch mit den Kellnern hatte ich Probleme, bis meine Schwägerinnen und meine Schwiegermutter darauf hinwiesen, dass ich schlecht hörte und sie doch bitte alles wiederholen sollen, wenn ich es nicht verstand, ein Animateur war uns da behilflich, in dem er es vom Deutschen ins Türkische übersetzte. Ab da achteten die Kellner sehr auf ihre Aussprache mir gegen über und sagten auch zeitweise mal etwas 3 mal, wenn sie merkten, ich hatte sie akustisch nicht verstanden. Auch die Verkäufer in der "Einkaufsstrasse " in der Nähe des Hotels Corolla in Side (Türkei) nahmen mehr als Rücksicht. Was ich außerdem noch beobachten konnte, ist dass die Kassiererinnen in den Supermärkten gleich viel deutlicher Sprechen, wenn sie das CI sehen.

Auch wenn man von Menschen angesprochen wird, haben sie einen ganz anderen Umgangston einem gegenüber. Das war vorher mit dem Hörgerät nicht der Fall. Beim CI ist noch ein anderer Batteriedeckel mit Kabel dabei, den man an einen tragbaren MP3 Stick anschließen kann. Ich rate jedem kauft euch einen solchen Stick und macht Lieder drauf und hört sie euch leise an, so könnt ihr euer Gehör mit dem CI trainieren und dabei tolle Musik hören. Am Anfang versteht man sie nicht, aber das wird mit der Zeit besser je öfter man es macht. Ich bin jetzt so weit, dass ich schon versuche einzelne Songs, egal ob deutsch oder englisch, mit zu singen, was mir natürlich nicht immer gelingt. Auch der Fernseher wird nicht mehr so laut aufgedreht.

Was meinen Freunden auffiel ist, dass ich nicht mehr so laut spreche bzw. nicht mehr schreie. Auch das Telefon nehme ich mittlerweile wahr. Heute morgen konnte ich sogar einen Vogel zwitschern hören. Jeden Tag entdecke ich ein neues Geräusch, das erst erkannt und dann auch in die richtige "Schublade" gesteckt werden muss. Aber ich bin froh, dass ich es gemacht habe und werde auch weiter arbeiten!!

Aber überfordert Euch nicht in dem Ihr zuviel macht, geht Schrittchen weise ran, so habe ich es gemacht und bin heute schon recht weit. Und auch wenn es Rückschläge gibt, denkt Positiv !!!

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Meine Erfahrungen mit zwei verschiedenen Implantatsystemen

Ich bin seit Geburt hochgradig schwerhörig. Schon im ersten Lebensjahr wurde ich beidseitig mit Hörgeräten versorgt. Ich besuchte ausschließlich Regelschulen, wobei die letzten Jahre meiner Schulzeit für mich sehr schwierig waren, da mein Gehör mit den Jahren immer schlechter wurde.

Zu Beginn meiner beruflichen Tätigkeit als Verwaltungsbeamtin in der Schulaufsichtsbehörde konnte ich noch etwas telefonieren. Mein Gehör verschlechterte sich in den ersten Jahren meiner Diensttätigkeit rapide, was ich auch auf den permanenten Hörstress am Arbeitsplatz zurückführe, so dass ich ca. zwei Jahre später fast vollständig ertaubte (ca. 1990).

Es dauerte etliche Jahre bevor ich mich für das Cochlea-Implantat (CI) entschied. 1999 bekam ich in Hannover ein 1.2 Implantat mit Soundprozessor der Clarion S-Series auf dem rechten schlechteren Ohr. Ich entschied mich damals für ein Hannover Headpeace, weil ich keinen Magneten in meinem Kopf haben wollte.
Mit meinem CI hörte ich schon nach einiger Zeit recht gut, den Durchbruch verschaffte mir aber erst ein Reha-Aufenthalt in Bad Berleburg, wo festgestellt wurde, dass das Mikro im Headpeace kaputt war und ich deswegen fast 20dB leiser hörte. Nach erfolgter Reparatur verstand ich nach kurzer Zeit im Sprachtest fast 90% Einsilber. Auf der Arbeit im Schulamt konnte ich schnell Publikumsverkehr auch am Telefon übernehmen.

Die ersten zwei Jahre trug ich links weiterhin ein Hörgerät, merkte aber mit der Zeit, dass mir das Hörgerät gar nichts mehr brachte. Irgendwann zog ich es nicht mehr an.

Ich war mit meinem Hören schon sehr zufrieden, was mich nur nervte, war der Taschenprozessor. Man hatte mir vor der Operation versprochen, dass ich bald einen HdO - Prozessor bekäme, aber es blieb bekanntlich nur bei den Versprechungen. Der Stromverbrauch des Implantats ist in Verbindung mit dem Headpeace einfach zu groß für den HdO-Prozessor. 2002 und 2004 kamen dann Sascha und Dennis in mein Leben, für die mein Kabel zu einem tollen Spielgefährten wurde, was meine Nerven stark strapazierte.

Über ein zweites CI machte ich mir erstmals vor zwei Jahren Gedanken, nachdem ich bei Bekannten sah, wie groß der Hörerfolg mit zwei CI ist. Und als Audiotherapeutin ist mir natürlich bewusst, welche Vorteile das Hören mit zwei Ohren mit sich bringt. Vor allem in lauter Umgebung bin ich mit einem CI doch sehr aufgeschmissen. Das selektive Hören ist ja nur mit zwei Ohren möglich!

Im Frühjahr 2007 gab ich mir einen Ruck und beantragte das 2. CI. Die Krankenkasse willigte schnell ein. Auch wenn ich mit der MHH in Hannover zufrieden war, wollte ich dieses Mal nicht mehr so weit fahren und entschied mich für eine Operation in Frankfurt.

Schwieriger war für mich die Entscheidung: welches CI - Fabrikat soll ich nehmen. Ich sagte mir, ich muss ja nicht unbedingt das gleiche Fabrikat links nehmen. Oder doch? Mit Advanced Bionics war ich vom Hören zufrieden, sehr sogar, nur ärgerte mich der Umgang der Firma mit der Taschenprozessorproblematik. Außerdem wollte ich einen Prozessor, der eine gute FM-Anbindung hat, da ich viel mit Zusatzhilfen, u. a. die Mikrolink von Phonak arbeite.

Hier gefiel mir auf Anhieb der Med-El Prozessor Opus 2 am Besten, der zudem leicht und angenehm zu tragen ist. Die Entscheidung fiel mir nicht leicht, zumal mir in Frankfurt davon abgeraten wurde. Man sah die Problematik, dass beide Implantate eventuell nicht zusammen passen würden. Ich fragte zwei Bekannte, die ebenfalls zwei verschiedene Implantate haben. Sie ermutigten mich, den Schritt zu tun. Vor der Operation musste ich noch unterschreiben, dass ich über die Problematik der Kompatibilität zweier verschiedener Implantattypen aufgeklärt wurde.

Die Operation verlief problemlos, am 7.1.2008 erfolge die Erstanpassung. Ich hörte auf Anhieb Stimmen, wenn auch der Klang gewöhnungsbedürftig war. Das Sprachverstehen kam unwahrscheinlich schnell. Bereits am zweiten Tag verstand ich 50% Einsilber. Es war phantastisch, wie schnell ich den Hörgewinn im Alltag spürte.

Ich verstehe meine Kinder jetzt viel besser und mit Kollegen, die ich bisher kaum verstehen konnte, kann ich mich plötzlich unterhalten. Aber das allerbeste ist das Verstehen in lauter Umgebung. Das hat sich rapide verbessert. Ich konnte mich das erste Mal auf einer Faschingsveranstaltung in einer Turnhalle mit Guthörenden unterhalten.

Beide CIs haben kein Probleme miteinander. Im Gegenteil sie ergänzen sich super. Rechts mit Clarion klingt alles noch ein bisschen voluminöser, während die Klangspannbreite bei Opus 2 größer ist, daher alles feiner und differenzierter klingt. Ich merke aber, mit der Zeit gleicht sich das Hören auf beiden Seiten immer mehr an.

Inzwischen haben die Hörtests folgendes ergeben: Mit einem CI verstand ich mit 60 dB Störschall gerade mal 22 % im Satztest, jetzt mit zwei CI verstehe ich im Satztest mit 60dB Störschall 93% der Wörter. Was soll man da noch sagen, einfach genial!

Petra Blochius

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www.audiotherapie-blochius.de

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Mein Erlebnisbericht der CI-OP letzte Woche

Was für eine Woche - das Leben kann manchmal ganz schön hart sein.

Montag morgen bin ich um 9.30 Uhr eingetreten, sehr nett und kompetent empfangen worden und gleich ging es los mit Programm und Voruntersuchungen, EKG, Lunge röntgen, HNO, Anästhesie, Blutentnahme, das ganze Programm. Alle sehr lieb und einfühlsam, trotz Stress und voll belegter Betten.

Am Montagabend kam dann eine ganze Horde Ärzte ins Zimmer, die mir mitteilten, dass sie die OP gerne verschieben möchten, da das EKG nicht so ganz i.O. war. Sie wollten erst ein kardiologisches Konsil. Ich bin so gut wie ausgerastet, das EKG war mir schnurzpiepegal, nach dem Stress konnte das gar nicht normal aussehen. Sie haben sich noch ein Viertelstündchen beraten und dann zu meiner großen Erleichterung beschlossen, die OP doch zu machen, da es ja nur die Ohren betraf und nicht meinen Bauch. Außerdem ist man ja nie sicherer wie auf einem OP-Tisch - meine Meinung.

So wurde ich die erste erwachsene Patientin des USB, die gleichzeitig beidseitig ein Implantat erhielt. Ich mache Geschichte!! Die Leutchen im Chatroom für Schwerhörige, wo ich mich vorher informiert hatte, die schon ein CI implantiert bekommen haben, haben mich alle gewarnt, ich könnte nachher nicht liegen. Wie wahr, ich habe 30 Klämmerchen hinter den Ohren in schmucker T-Form, was heißt, ich kann wirklich nur auf dem Gesicht liegen, eine neue Variante, sehr bequem!

Fäden wären vermutlich sehr viel weniger pieksisch gewesen, aber der Druck ist wohl enorm und es hat auch nicht soviel Haut zum Nähen, also mussten es wohl die Klämmerchen sein.

Von heute zurückschauend, muss ich sagen, ich bin froh, dass ich beide Seiten auf einmal gemacht habe, trotz der Unken, so muss ich da nicht noch einmal durch und höre nachher gleich STEREO.

Die ersten 24 Stunden hatte ich einen Druckverband, der wie der Name schon sagt, ziemlich drückte. Da sie mir die Entwässerungstabletten nicht verabreicht hatten, schwoll mein Gesicht zum Mondgesicht an, meine beiden Augenlider und die Säckchen darunter füllten sich mit Wasser und quollen zu. Ausserdem hatte ich rechts ein Veilchen und eine dicke Lippe, ich sah aus wie nach einem Boxkampf in der 13. Runde. Heinz sagt, er war geschockt, ich sah mich erst am Mittwochmorgen im Spiegel und dachte Dracula's Mutter blickt mir entgegen, nach einem Kampf mit ihrer ganzen Sippe.

Stellt Euch nur vor, hätte ich die Nähte vor meinen Ohren (Facelifting), sehe ich zwar jetzt genauso aus, später aber vielleicht wie die schöne Helena - wer weiss?

Wer am Veilchen, der dicken Lippe, dem vom Tubus halb abgerissen Halszäpfchen, das mich bis nachts um 3 Uhr Blut schlucken ließ und den vielen (parallel gelaufenen) Infusionsleitungen, der Leitung auf dem linken Fußrücken!! und dem offenen Ellenbogen Schuld war, weiß ich nicht. Sollte es der charmante junge cand. med. gewesen sein, der sich so sehr für die Größe meines Schlundes interessiert hatte und sich mit der Frage Tubus 2 oder 3 quälte, dann sei ihm hiermit sofort verziehen, jeder fängt einmal an und er war wirklich sehr nett.

Sollte es hingegen der alternde Prof. (Name der Redaktion bekannt) gewesen sein, Schande über ihn.

Es waren alles Äußerlichkeiten, die Schmerzen hielten sich in Grenzen, der Schwindel schreckte mich nur für ein paar Stündchen und das Wichtigste es war mir nicht schlecht!!

Vorm Tinnitus war ich vorgewarnt und nahm ihn deshalb locker. Links hatte ich einen prasselnden Dauerregen, rechts einen Bahnhof, in dem ab und zu, je nach Bewegung und Anstrengung, ein ICE einfuhr, aber auch schnell wieder ausfuhr, was mich jedes Mal unendlich beruhigte. Alles schien OK.

Dann am Abend spät wurde der Druckverband gelöst und ich bekam einen neuen Kopf-schmuck - sehr kleidsam!!

Wir waren ja im Januar in Madrid im Prado und haben dort viele Bilder der Infantin Isabella von Spanien gesehen, genauso sah ich aus, nur ohne Juwelen und leider ohne den Hofstaat, der die niederen Arbeiten erledigte, aber sonst wirklich sehr ähnlich. Nicht dass ich glaube, Isabella hatte Implantate, es war wohl nur so eine Modesache. Nur musste ihr Replica (ich) Ärger mit ihrem Don Alfonso gehabt haben, denn das Veilchen rettete sich auch über den Druckverband heraus, die Wasseransammlungen flossen dafür aber ziemlich schnell ab.

Trotzdem weinte Ivanka bitterliche Tränen als sie mich sah, vielleicht sah ich mich ja selbst durch eine rosarote Brille. Außerdem lenkte dieser Kopfschmuck von den angeklebten Haaren ab, die sie wohl mit Pflasterspray auf meinem Haupt befestigt haben (und die weitere 14 Tage dort ungewaschen!! kleben bleiben werden) und von den kahl geschorenen Stellen natürlich.

Dann kam die Katastrophe, mein Körper ging in Streik wegen der Schmerzmittel. Das war mir ja schon bei meinem Nierenops. so gegangen, nur hieß es damals, es sei eine Unverträglichkeit auf die Opiate. Diesmal hatte ich nur 4 x 1000 mg Paracetamol, das waren 3000 mg mehr, wie die Urologen mir mit der Niereneinschränkung zugestanden, mir wurde spei-übel und nichts, aber auch gar nichts half, da es systemisch war, es gab nur eines, ich musste die Schmerzmittel drastisch reduzieren.

Leichter gesagt als getan, der ganze Kopf tat höllisch weh, besonders die Schläfenregion, aber ich hatte offensichtlich nur die eine Option Schmerzen oder Übelkeit. Nachdem ich den Donnerstagnachmittag mit dem Kopf über der Toilettenschüssel verbracht habe, übrigens keine schlechte Lage für mich, hörte ich immer wieder das kleine innere Stimmchen was mir zuflüsterte: "Komm, spring mit mir vom Balkon, dann ist es vorbei."

Wahrlich, sehr verlockend, aber wer springt schon vom Balkon mit CHF 20'000 teuren Implantaten der neuesten Technologie im Kopf?

Ich nicht, also beschloss ich lieber Schmerzen wie Übelkeit. Halbierte zuerst und viertelte dann die Dosis auf 1x 1000 mg in der Nacht, um überhaupt etwas schlafen zu können.

Heute ist schon Montag, wieder ist eine lange Nacht vorbei und es geht mir wirklich bedeutend besser und mir ist nicht mehr übel und meine Lebensgeister freuen sich auf das Fäden ziehen am 14.3. und dann natürlich auf das Anhängen der Prozessoren am 25.3. und die tägliche Einstimmung bis am 10.4.

Zwischendurch hoffe ich, die Erlaubnis zum Haare waschen zu erhalten, bevor Läuse Einzug halten oder ein Vogel sein Nest darin baut und natürlich auf meine Brille, damit die Welt wieder gerade wird, notfalls mit gepolsterten Bügeln, da die Naht direkt hinterm Ohr verläuft. Um die kahl geschorenen Stellen auf meinen Schädel werde ich mich zu gegebener Zeit dann kümmern, die Zeit der Eitelkeit ist definitiv vorbei, ich bin in der letzten Woche zumindest innerlich zu einer alten Frau geworden, die Warterei und auch die letzte Woche haben mich fast alle Kraft gekostet und ich werde die Rekonvaleszenz dazu benutzen, innerlich wieder jung zu werden.

Eins muss ich noch erwähnen, mein Mann war ein Engel in der letzten Woche, ohne ihn hätte ich es nicht geschafft und natürlich auch all die lieben Wünsche von Gleichbetroffenen haben mich getragen, für die ich mich ganz herzlich hier bedanken möchte.

Wenn Ihr mir bis hierher gefolgt seid, lasst mich noch sagen, dass ich erst jetzt in der wohl-tuenden kompletten Stille, die mich umgibt, erkenne, welch ein Stress das Hören- und besonders das Verstehen wollen für mich bedeutet hat. Ich habe nur noch Lärm wahrgenommen, bin für jedes Wort an Euren Lippen gehangen und habe doch in den letzten 2 Jahren so gut wie nichts mehr verstanden, ich denke, es war oft reine Intuition und Kombination, die mir geholfen hat.

Ich danke Euch allen für's Zuhören, wünsche Euch schöne Osterfeiertage und grüsse ganz herzlich.
Moni Gugger

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Mein CI-Erfahrungsbericht

Bevor Ihr hier meinen Bericht lesen dürft, möchte ich mich erst einmal kurz vorstellen. Ich bin 51 Jahre alt, verheiratet, Mutter von drei erwachsenen sowie drei schulpflichtigen Kindern und zweifache Oma.

Mein erstes Hörgerät erhielt ich im Jahr 1977 auf der rechten Seite, Diagnose - vererbte Innenohrschwerhörigkeit -, mein 2. Gerät auf der linken Seite 1990. Alle 3 Jahre brauchte ich ein Neues.

Als ich mich im Jahr 2002 in Bad Berleburg von meiner Brustkrebsoperation aus dem Jahr 2001 erholte, teilte man mir dort mit, dass ich ein Fall für ein CI wäre.

Nach einem Vortest 2002 am hiesigen Klinikum lehnte man dies jedoch mit der Begründung ab, man müsse mir meinen Hörrest erhalten, der mit zwei Hörgeräten damals noch 20 % war. Ich solle warten bis sich das Hörvermögen weiter verschlechtere.

Im Jahr 2006 ließ ich den Vortest wiederholen, da ich merkte, dass ich mit den neuen digitalen Hörgeräten bei einer Einstellung von 120 dB auch nicht mehr so viel hörte wie vorher. Die Werte waren damals auf dem linken Ohr die ersten 3 Töne zwischen 95 und 100 dB Hörabfall und die anderen Töne konnte man im Keller suchen. Die Werte des rechten Ohrs ein Ton mehr sonst alles wie links. Inzwischen hör ich auf dem rechten Ohr mit dem Hörgerät nur noch 10 % der Sprache. Nachdem diese Werte vorlagen, gab Prof. Hörmann sofort grünes Licht für ein CI links.

Nach einem kurzfristigen vom Klinikum verschobenen und am Ende für das Jahr 2006 abgesagten Termin, erhielt ich am 15. Jan. 2007 das CI eingesetzt. Ich wartete mit Spannung auf die OP. Montags den 14.01.2007 wurde ich stationär aufgenommen. Am Dienstag den 15.01.07 kam ich in den OP-Bereich. Dort wurde ich bei der Vorbereitung gefragt, ob ich Angst davor hätte, meine Antwort war - wenn ich Angst davor hätte, wäre ich gar nicht hier.

Nach dem ich um 16 Uhr mit einem dicken Kopfverband wieder aus der Narkose erwachte und noch eine weitere Stunde im Wachraum bleiben musste, kam ich auf mein Zimmer zurück. So gegen 18 Uhr fing ich an zu quengeln, "ich will raus", da mir das mit der Bettentoilette zu unangenehm war. Schmerzen hatte ich keine, auch kein Schwindelgefühl. Nach dem ich lang genug gequengelt hatte, erbarmte sich so gegen 20.30 Uhr die dienst habende Ärztin und erlaubte mir aus dem Bett zu klettern. Am nächsten Morgen wanderte ich schon kurz mal durchs Haus. Diese Ausflüge wurden langsam länger bis zu 30 min. Da bei der Kontrolle am Donnerstag den 17.01.07 die Narbe in Ordnung war und ich keinen Schwindel hatte, durfte ich schon nach Hause gehen.

Mit großer Spannung erwartete ich dann die Erstanpassung meines Med-El Opus 2, die am 13. Febr. 07 stattfand. Etwa 5 Stunden nach der Anpassung konnte ich schon Männer- und Frauenstimmen auseinander halten, allerdings noch nicht verstehen. Ein Hörversuch mit CD am PC ging natürlich noch daneben.

Man meint ja, man hat am Anfang eine Micky Maus Stimme im Ohr. Nach etwa einer Woche nach der 2. Einstellung verstand ich schon etwas mehr.

Im Mai, nachdem die Micky Maus aus dem Ohr verschwunden war, versuchte ich mich dann mit dem MP3 - Player, es klappe ganz gut, obwohl das Textverständnis der Lieder noch zu wünschen übrig ließ. Das Sprachverständnis war schon ganz gut.

Ich versuchte mich auch wieder an meinem alten Hobby, das ich fast 20 Jahre wegen der immer schlechter werdenden Ohren aufgeben musste, dem Orgel spielen. Es ging ganz gut.

Meine erste ambulante CI-Therapie hatte ich Anfang September 07. Dies war für mich auch eine neue Erkenntnis. Ich dachte, ich verstehe wieder einiges, aber denkste das faule Ohr musste ja wieder was tun. Bis jetzt habe ich knapp 25 Therapieeinheiten hinter mir, aber das Telefonieren ist immer noch ein Puzzlespiel für mich. Es kommt auf das Telefon an, über die Fernbedienung des OPUS 2 klappt das Telefonieren überhaupt nicht, ich muss ganz normal hören einstellen und wenn möglich, den Lautsprecher des Telefons zum Mithören. Nur dann geht's einigermaßen. Ein Ohr mit Fernbedienung ist ja auch ganz praktisch. :-)

Der liebe Familienfrieden ist ja inzwischen auch wieder eingekehrt, das immer wieder Nachfragen und das ewige falsch Verstehen hat auch bei der ganzen Familie Nerven gekostet.

Inzwischen verstehe ich über das kleine Headset vom PC auch die Nachrichten des Internetradiosenders, genauso fast alle Liedertexte, die die in Deutsch spielen.

Über einen Ringschleifenverstärker kann ich in Seelenruhe Fernsehen und Radio verstehen. Das Freiraumhören bei einer leisen Einstellung ist noch nicht so gut.

Mir macht jetzt auch das Leben wieder mehr Freude, sich mit anderen zu unterhalten, ohne im Abseits zu stehen, weil man nichts versteht und dann darauf angewiesen ist, alles erklärt zu bekommen und wenn es nur im Telegrammstil ist.

Da der gesunde Mensch ja zwei Ohren besitzt, warte ich auf die im Januar 08 eingereichte Genehmigung für das 2. CI. Ich habe bisher nicht bereut, diese CI-Operation durchgeführt zu haben. Inzwischen habe ich mich auch der CI-Selbsthilfe Gruppe Rhein-Neckar angeschlossen.

Wichtig ist für uns CI-Träger die Erfahrungen von Gleichgesinnten und gelegentliche Treffen, in denen auch die ganze Familie mit einbezogen werden kann.

Uff, das war ein langer Bericht und ich hoffe das er ganz Interessant für Euch war.

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