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Meine Hörerfahrung!

Ich möchte mich kurz vorstellen:
Mein Name ist Reinhard  Schröder, ich bin 72 Jahre alt, seit 1966 verheiratet und seit 1990 in Frührente wegen Hörstürzen und Schwindelanfällen.
Mit den Ohren fing alles einmal an, denn 1963 bei der Bundeswehr wurde beim Schießen nicht an Gehörschutz gedacht und so endete es für mich mit einem Knalltrauma. Eine Woche bin ich mit starken Ohrgeräuschen, aber ohne Gehör rumgelaufen. Später, nach 2 Reserveübungen, durfte ich meine Sachen abgeben und wurde ausgemustert. Das Knalltrauma wurde vergessen. Ich wechselte die Arbeit und fing im Schiffbau an. Jahrelanges arbeiten auf Werften oder im Maschinenraum der Schiffe gaben meinen Ohren den Rest. Ich fing eine neue Arbeit an, diesmal im Kundendienst für Hausgeräte und Gewerbemaschinen.
 
1984 kam der erste Hörsturz mit 6 Wochen Krankenhaus und diversen Untersuchungen. Ich bekam mein erstes Hörgerät, ein „Im Ohr“ Gerät. Aber irgendwann reichte die Leistung der Geräte nicht mehr. Die Geräte wurden größer und immer teurer, hinzu kamen sehr viele Schwindelanfälle, die mich auch immer öfter bei der Arbeit überraschten. Ich wurde mehrmals mit einem Rettungswagen ins nächste Krankenhaus gefahren, wo ich dann Infusionen bekam. Irgendwann wurde ich in den Innendienst versetzt. Aber die Schwindelattacken wurden nicht besser. Die Diagnose lautete „Morbus Meniere“. Ich reichte Erwerbsunfähigkeitsrente ein und bekam eine Zusage. Von heute auf morgen musste ich meine Arbeit aufgeben. Zu Hause hatte ich meine Frau, die noch viele Jahre arbeiten musste und meinen Garten wo es immer was zu tun gab. Bis auf das Kochen habe ich auch den Haushalt gemacht. Der Schwindel und die Ohrgeräusche blieben. Die HNO Ärzte verdienten gut und verschrieben immer wieder teure Hörgeräte, die aber eigentlich nichts mehr brachten. Im Fernsehen sah ich im Jahr 2008 eine Sendung wo es um C.I. und um die Uniklinik Aachen ging. Ich schrieb an die Klinik und bekam einen Untersuchungstermin. Nach der Untersuchung wurde mir mitgeteilt, daß ich so gut wie taub bin und meine Hörgeräte nutzlos sind. Ihrer Meinung nach wäre ich gut für ein C.I. geeignet. Nach Rücksprache mit meinem Hausarzt (der in Kiel studiert hat) setzte ich mich mit der Uniklinik Kiel in Verbindung und bekam noch 2008 einen Untersuchungstermin.
 
Von nun an ging alles sehr schnell. Die O.P. wurde Ende 2008 durchgeführt, und der Oberarzt Dr. Brademann machte seine Arbeit sehr gut. Ein paar  Wochen später nach der Geräteanpassung und etlichen Einstellungen war ich doch sehr überrascht, was es alles zu hören gab. Ich hatte jahrelang nicht mehr telefoniert und rief jetzt meine Frau an. Sie war so überwältigt, dass sie am Telefon geweint hat vor Freude. Nach einer Woche stationärer Anpassung in der Audio Abteilung und Übungen mit der Logopädieabteilung war ich erst einmal total glücklich. Wieder zu Hause, habe ich sogar unseren Kater ganz laut schnurren gehört. Ich konnte wieder Musik hören, die Vögel zwitschern hören und alle meine Freunde waren überrascht was ich alles höre. Nach ca. einem Jahr und mehreren Besuchen in der Uniklinik Kiel überlegte ich, mir auch für die andere Seite ein C.I. einsetzen zu  lassen. Es kamen wieder Besprechungen und Untersuchungen dazu. Anfang 2010 wurde mir wieder vom Oberarzt Dr. Brademann ein zweites C.I. eingesetzt und ich bin seitdem mit meinem Hören sehr zufrieden. Auch mit der Abwicklung in der Audio Abteilung in der Uniklinik bin ich sehr zufrieden, denn ich werde immer bestens  betreut. Mit meinem Hörvermögen bin ich laut Aussage von der Audio Abteilung bei ca. 95%.
 
Ich werde seitdem sehr oft angesprochen und gefragt, was ich denn da am Kopf habe. Es gibt jedes Mal sehr viel zu erzählen. Ich kann jedem, der sehr schlecht hört, nur dazu raten, sich auf ein C.I. untersuchen zu lassen. Ich möchte noch hinzufügen, dass es für die Geräte inzwischen sogar Kunststoffhüllen gibt, mit denen man unbedenklich schwimmen gehen kann. Ich habe mir einen Skihelm gekauft, unter dem die Geräte bei Skilaufen geschützt sind, denn wenn man im Schnee stürzt und die Geräte fallen weg, sind sie sehr schwer zu finden. Und zu guter Letzt möchte ich noch  erwähnen, seit ich die Implantate habe, gibt es keine Schwindelattacken mehr. Toi ,Toi ,Toi.
 
Mit freundlichen Grüßen
Reinhard Schröder.
 
Reinhard Schroeder
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الزراعه السمعيه في حلزوني (Mein Cochlea Implantat)

Heute berichte ich Ihnen von meiner Erfahrung mit dem Cochlea- Implantat.
Ich stelle mich kurz vor:
 
Said Betraki , 61 Jahre alt, Ingenieur und Pädagoge für Maschinenbau. Ich habe die Qualifikation als Konstrukteur für CAD Bauwesen und Web- Design. Ich bin katholisch, mein Vater war ein Diakon. Ich bin sehr ehrlich.
 
1998 wurde ich am Herzen operiert. Im Jahre 2000 wurde ich geschieden, was für mich ein Drama war, welches mich so belastete, so dass es im Jahre 2003 zum Hörsturz führte. Wegen all dem  hatte ich starke Depressionen. Zum Glück fand ich für mich einen neuen Weg und habe eine neue Familie gegründet um einen Sinn für mein Leben zu finden und konnte die Initiative ergreifen, dass alles wieder besser werden sollte.
 
Ich habe mich für ein Implantat entschieden, nachdem ich mich auf einer größeren CI –Veranstaltung beraten ließ. Durch die ärztlichen Untersuchungen der HNO-Uniklinik in Frankfurt und durch persönliche Gespräche in der Selbsthilfe, entschloss ich mich, eine Operation zu wagen.
Mitte Juli 2009 wurde ich am linken Ohr operiert.
 
Mit dem linken Ohr hörte ich zunächst kaum etwas. Noch schlimmer war die Gleichgewichtsstörung, die ich nach der Operation hatte. Ich war noch sehr depressiv und meine Gefühle erdrückten mich am Anfang. Da sagte ich mir: „ das jetzt auch noch.... was habe ich nur für einen Fehler gemacht.... !“
 
Zwei  Monate später war alles verheilt und ich hörte leider nur Geräusche.
 
Ich ging zur Reha nach Bad Nauheim in die Kaiserberg- Klinik. Dort lernte ich mit der Therapeutin Frau Schwarz und ihren Kollegen, wie ich die Töne und Wörter hören sollte.
 
Ich habe gut geübt und mich sehr angestrengt, nahm mir alle Dokumente mit, um besser zu hören,  auch was das Fernsehen und das Telefonieren betrifft.
Ich wollte unbedingt schnell hören. Meine Aufregung und Anstrengung war ziemlich groß. Das Team in Bad Nauheim war außergewöhnlich gut. Nach einem Monat hatte ich endlich  den ersten Schritt zum Hören geschafft.
 
Das war nicht so leicht, denn die Techniker mussten einige Einstellungen am CI Gerät unternehmen und ich musste praktisch dauernd üben besser zu hören.
 
Das Ergebnis war: Sprachverstehen auf 38%.Dieses Resultat war immer noch besser als mein Hörgeräteergebnis im Bereich aus drei Meter Entfernung.
 
Ich müsste nur Ruhe bewahren, das meinten mein Psychologe und die Therapeuten. Es wurde mir empfohlen mich der CI Selbst –Hilfe- Gruppe anzuschließen. Dort konnte ich mit Hilfe von Renate Hilkert, das Hören üben und Fortschritte erzielen.
 
Dazu habe ich einige Trainings-Übungen kennen gelernt, um das  Gleichgewicht wieder zu erlangen. Ich hatte damit  Erfolg. Die Depression die ich wegen dem Hörverlust hatte, hat sich sehr verbessert und ist zurückgegangen. Der Tinnitus  am linken Ohr ist verschwunden und zeigt sich kaum noch.
 
Das Hör-Resultat im September 2013 und 2014 zeigten, ich kann mit dem linken Ohr 74% hören und mit dem rechten Ohr sehr viel weniger.
 
Ein CI auf dem rechten Ohr hätte ich sehr gerne.
 
Das Cochlea Implantat hat mir wirklich ein neues Leben für mich und meine Familie gebracht. Sie brauchen nicht mehr so laut mit mir zu sprechen und ich habe  Freude am Fernsehschauen und kann einigermaßen Musik hören.
 
Als ehrlicher Mensch werde ich allen empfehlen, meinen Weg mit starken Willen zu führen. Mit meinem Ergebnis bin ich wirklich mehr als zufrieden.
 
Lassen Sie sich beraten und untersuchen, von mehr als einer Stelle. (Ärzte und Krankenhäuser). Erzählen Sie dem Arzt sehr ehrlich den Grund für Ihr nicht hören können (Hörsturz – Erbe – Mittel Ohrentzündung usw.)
 
Jeder hat ein anderes Ergebnis und zeigt sich nicht über all gleich.
Zu guter Letzt möchte ich mich bei Frau Dr. Silke Helbig, Frau Dr. Claudia Settevendemie und Prof. Dr. Uwe Baumann bedanken. 
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Pannen und Pleiten, mit Happy-End

Erfahrungen. Entspringt, was folgt, einer blühenden Phantasie?

 
Bereits mit den meisten HNO-Ärzten machte ich seltsame Entdeckungen, obwohl der allererste, der mein Gehör testete, zwar damals alt und heute sicherlich nicht mehr am Leben, sich insgesamt, wie ich im Nachhinein erkenne, als der beste erwies. Trotz damaliger, vergleichsweise sehr einfacher Untersuchungsmittel und -methoden stellte er fest, dass meine Behinderung schon vom Kindesalter her stammen musste, da ich ja in 3 verschiedenen Sprachen mehr verstand, als was mir gemäß Audiogramm hätte jemals möglich sein können. Ich war damals 37 Jahre alt. Es war schon 31 Jahre her, seit ich diesen Nasenrachenkatarrh hatte und mein Vater ständig schimpfte, weil ich nicht hörte. Ich wurde damals mittels hoch dosiertem Streptomycin geheilt.
 
Mein Leben war nicht einfach, oft hatte ich mich oder wurde ich überfordert, immerhin ersparte mir meine gesunde und vitale Familie, dass mich das Problem Taubheit allzu sehr belastete, wenn man von einigen Episoden absieht, in denen die 3 Kinder und der Vater sich vor Lachen bogen, weil ich wieder etwas seltsames, völlig abwegiges verstanden hatte. 
 
Mit 48 begann ich ein neues Leben, kam nach Deutschland zurück, das ich vor 31 Jahren verlassen hatte. Andere sprachliche Frequenzbreiten in einem anderen Umfeld kamen nun zum Tragen, und eine ungewohnte, anspruchsvolle Arbeit brachte mich des öfteren in eine missliche Lage. Junge Kolleginnen, die meine mühsam errungenen fremdsprachlichen Fähigkeiten beneideten, machten das Leben im Büro zur Hölle und ich arbeitete, auf meinen Wunsch hin, da ich den allgemeinen Bürolärm nicht vertrug, schließlich halbtags und halbnachts, was auch nicht sehr erholsam war. Jedoch mein Hörvermögen verschlechterte sich kontinuierlich, meine Lage entwickelte sich von kläglich zu verzweifelt, es war demütigend. Arbeitskollegen redeten sich fit, indem sie sich morgens mit mir unterhielten, um „in Fahrt“ zu kommen, wobei allein das Zuhören mich schon frühmorgens erschöpfte, schon bevor ich anfing zu arbeiten.  
 
So pilgerte ich im Raum Frankfurt von einem HNO-Arzt zum nächsten, wobei der erste nach dem Blick auf das Audiogramm echtes Mitgefühl bekundete – allerdings war mir die Reise bis zum N.O. Frankfurts zu viel und ich dachte, dass es ja nun besser werden müsse, mit einem neuen, guten Hörgerät, besser als das erste, das ich im Jahre 1990 bekommen hatte. 
 
Aber es wurde nicht besser und ich wurde in zunehmenden Maße müde, nervös, ausgelaugt. Zwar  hatte ich bei dem Einstellungsgespräch meine Behinderung erwähnt, zum einen schien mein künftiger Chef es nicht gehört zu haben, zum anderen ahnte ich nicht, wie gravierend sie sich auf meine Leistung auswirken sollte. Es wurde mir nicht erspart, das Telefon zu bedienen, was ja zu meinem Sekretärinnen-Job gehörte. Peinliche Situationen, weil ich etwas falsch verstanden hatte, versetzten mich in Panik, die wiederum alles verschlimmerte, ein Teufelskreis. So wurden mir nun fach- und branchenspezifische Übersetzungsarbeiten anvertraut, wobei ich viel Freude hatte, denn es war zwar eine anspruchsvolle Arbeit, die ich jedoch bewältigen konnte. 
 
Nun bekam ich alle 3 bis 4 Jahre neue Hörgeräte, sie wurden jeweils hoch gepriesen, es sollte künftig keine Probleme mehr geben. Eines Tages kam mein Chef zu mir um mir mitzuteilen, dass es nun etwas Neues gäbe, das wäre ein C.I. und er gab mir den diesbezüglichen Zeitungsausschnitt. Ein flüchtiger Hoffnungsschimmer, aber warum hatte mir noch keiner der vielen HNO-Ärzte jemals etwas davon gesagt?
 
Mittlerweile kannte ich viele HNO-Ärzte, ich musste feststellen, dass keiner von ihnen mein Problem erkannte, geschweige denn mich ernst zu nehmen schien. Man muss eben immer erst alles versuchen, bevor man aufgibt, so lautete meine Überzeugung. Die HNO-Dres. untersuchten mich und gaben mir gute Tipps: „passen Sie auf, dass kein Wasser in den Hörgang gerät, mein kleiner Sohn verträgt das auch nicht“ oder „gehen Sie zu jener Klinik, hier eine Überweisung, Ihr Hörgang muss operativ erweitert werden um besser zu hören“, (diese Ärztin warnte mich aufs strengste, ich solle mich besser kümmern, denn ein Ohr war nun so entzündet, dass ich täglich zu ihr kommen musste, um das blutende Innenohr mit einem Verband zu versorgen. Taub zu sein, so meinte sie, führe dazu, dass man als dumm eingestuft werde etc.) 
 
Mein entzündetes Ohr schuldete ich dem Umstand, dass ich zu diesem Zeitpunkt nur ein einziges Hörgerät bekam, da ein Akustiker mir ein Innenohrhörgerät gewährte, wobei das Problem war, dass – ach! - der Hörgang des zweiten Ohres zu eng für ein solches war. „und wenn ich dann ein HDO-Gerät auf dem 2. bekäme?“ „das geht nicht, das machen wir grundsätzlich nicht“ und so blieb ich 4 Jahre nur einseitig versorgt, trotz zweier hochgradig hörbehinderter Ohren. Einmal wurde ich anlässlich eines Brillenkaufs von einem Optiker beraten, der mir versicherte, dass es sehr wohl möglich sei, eins zu machen, das auch in meinen linken Hörgang passen würde, zudem sollte es noch sehr kostengünstig sein, nur 1000 DM. Tatsächlich, es war winzig klein, jedoch war die Leistung vergleichbar mit einem Oropax, denn der Mann wusste nicht, dass man diese Geräte erst programmieren muss – er fragte nur erwartungsvoll: na, wie ist's denn?
 
Ein anderer Arzt untersuchte meine Ohren, jedoch stellte ich fest, als ich nachhause kam, dass die Luft durch mein Ohr pfiff, na gut, Trommelfell durchstochen, macht nichts, wuchs ja wieder zusammen. 3 Hörgeräte weiter, die allesamt nun stets teurer wurden, ging ich, resigniert, zum nächst gelegenen HNO, welcher, nachdem er unverblümt seine wirtschaftlichen Interessen bekunden lies: „sind sie privat versichert?“  - nein –  die tröstliche Auskunft gab: „Sie hören ja noch recht gut“ nachdem er sich 3 Schritte entfernt vor mich stellte und mezzo voce etwas sagte, was ich natürlich, weil gut trainiert, verstand. Na gut, „kommen Sie in 6 Monaten wieder“. Zwischenzeitlich hatte man im Büro mein Problem verstanden und mein Arbeitsplatz war, zu meiner Erleichterung zwar ruhig und ungestört, allein, mit dem Riesendrucker in einem Zimmer, dennoch etwas deprimierend einsam, ich fiel, so schien es, in ein Loch, ein Arzt befand, dass ich irgendwie total nervlich verbraucht war und bewirkte, dass ich in eine Reha kam, um mich etwas zu regenerieren. Allerdings trat ich dann gleich 3 Monate später meine Rente an, 6 Monate früher als für eine 100%ige Rente zulässig.
 
Endlich war ich Rentnerin, keinen Stress, keine Übermüdung mehr. Nun hatte ich Muße, mich um meine Gesundheit zu kümmern und fragte bei dem letzten HNO-Spezialist an: „CI?“ „Dazu hören Sie noch zu gut, erst bei weniger als 30 % Hörvermögen.“ Jedoch nach einem Audiogramm stellte sich heraus, „dass nun ja eigentlich 70% fehlten“...es kam dann der ergänzende Hinweis: „das ist bei Ihrem Hörnerv so wie bei der Leitung Ihres PCs, da fehlen von den vielen Drähten des Stranges ganz viele, also nichts zu machen - na gut, gehen sie mal zur Uniklinik!“ „Und was soll ich da?“ „Sie werden schon sehen!“  Und zuhause surfte ich und fand: Hirnstrom..etc  Enttäuschung: „nee, das ist ja noch Neuland!“
 
In der Uniklinik, 2009, sagte man mir, dass man mir helfen könne, ich glaubte, nicht richtig zu hören (!), dachte mir dann, ganz verzagt: „Sie werden es ja bald merken, dass da nichts mit ist, ist schön, sie machen mir Hoffnung, der nächste Arzt wird … und dann waren dennoch sämtliche Ärzte derselben Meinung. Immerhin wurde mir zunächst noch angeboten, ein besonders leistungsstarkes, neues Hörgerät, Naida V SP von Phonac, zu bekommen, natürlich auch wieder sehr teuer und ich dachte, na gut, und wieder einmal gerettet, das heißt, Aufschub. Aufschub bis zur kompletten Taubheit, ohne zu ahnen, dass dieses Attribut bereits auf mich zutraf.
 
Ein Jahr später war ich wieder so weit. Im Garten sagten die Kinder: „Nicht so laut, Maman, die Nachbarn hören Dich ja bis in den 4. Stock!“ Ach so, na gut, aber ich verstand nun wieder auch nichts mehr. Und ich gab mich geschlagen. 
Nachdem beim Warten in der Uniklinik mein Blick auf einen Aushang fiel, der eine Informationsveranstaltung auf dem Römer ankündigte, dachte ich, vielleicht ist das interessant. Und dort wurde mir das C.I.-Wunder der technischen Neuerung, in wärmsten Tönen geschildert, was hatte ich noch zu verlieren? Und ich ging wieder zur Uniklinik, wo nun endlose Untersuchungen vorgenommen wurden, ganz langsam gewann ich an Zuversicht. 
 
Zu meinem großen Erstaunen wurde ich von dem Chirurg, Professor S. für meinen Entschluss gelobt, wobei ich dachte: wozu brauchte ich da noch Mut, ich hatte völliges Vertrauen, denn war da noch etwas zu verlieren? Es wurde mir alles sehr ausführlich erklärt, nicht nur die Vorbereitungen zur Narkose, sondern vor allem sehr genau, wie alles vonstatten gehen sollte, ich war sogar privilegiert, insofern, als ich mehr als ein CI bekam, ein EAS, das bedeutet, ein elektronisch/ akustisches System, damit ich auch wieder die geliebte Musik gut genießen sollte, toll, ich freute mich sehr. Was konnte mir nun noch passieren?
 
Die Operation fand am 26. Oktober 2010 statt, war völlig unproblematisch, abgesehen von  dem bisschen Übelkeit wegen der Narkose, war alles bestens, fast gar keine Schmerzen. Am zweiten Tag durfte ich schon zu Fuß zu einer Röntgenuntersuchung innerhalb des Bereiches der Uni-Klinik gehen, das Ergebnis wurde mir gezeigt und erwies sich als beachtlich: Perfekt! Genau am richtigen Platz, der Elektrodenträger reichte, wie geplant, nicht bis ganz in die Mitte der Hörschnecke, fantastisch. Eine tolle Leistung, wie sie täglich von diesem sehr guten Chirurg vollbracht wird. 
 
Nun galt es einen ganzen Monat zu warten, bis der zugehörige äußere Teil des Systems eingestellt und angepasst wurde. Es kamen ungewohnte Laute, Klänge die, so hieß es, keine sind, sondern akustische Signale. Dennoch, es war begeisternd: Nie zuvor gehörte Töne, das Piepsen von bestimmten, mir unbekannten, d.h. nie gehörten Vögeln, einfach schön. Eine tolle Überraschung, und ich verstand alles ziemlich gut. 
 
Allerdings wurde ich belehrt, dass Reha-Sitzungen erforderlich seien, die Kasse gewährte nur ambulante Sitzungen, keinen stationären Aufenthalt und ich war's zufrieden, denn was hätte ich noch mehr erwarten können? Überglücklich überraschte ich nun sogar die Kinder, per Skype, die die schöne Überraschung hatten: Maman hört ja wieder! Auch an das Gute gewöhnt man sich sehr schnell und hin und wieder kam die erstaunte Bemerkung: „Na, Du hörst ja gut!“  Es ist tatsächlich so, dass ich sehr selten zu hören bekam (oder hörte ich es wirklich nicht?) dass ich nicht hörte, und nun so was, ich wusste ja nicht, wie schlimm es schon gewesen war. Ich funktionierte wieder! Und das auch noch als Rentnerin, der wahre Luxus! 
 
Die Reha-Sitzungen erwiesen sich als ziemlich ineffizient. Zumindest konnte ich kaum einen Fortschritt erkennen, zumal ich schon als Kind die Fähigkeit antrainiert hatte, aufmerksam zuzuhören und mir zusammen zu reimen, was ich nicht hören konnte. Einige schwierige Übungen wurden vergeblich wiederholt, auch bei Gruppenübungen konnte ich, trotz aller Bemühungen, erkennen, dass die anderen Mitstreiter, ebenfalls implantiert, besser hörten als ich, jedoch blieb es bei den 10 Reha-Sitzungen. Im Nachhinein bereute ich, nicht das Angebot einer Ärztin der Uni-Klinik wahrgenommen zu haben, eine stationäre Reha in Bad Nauheim zu erstreiten. Bislang fällt es mir immer noch schwer, zu telefonieren. Das gebe ich nicht gerne zu, weil man mir gesagt hatte: „so, jetzt ist aber Schluss mit den Mails, jetzt wird telefoniert!“  Und diszipliniert und zuversichtlich stand ich stramm und sagte, „toll!“ 
 
Musik hatte ich zuletzt nur noch als ein verschwommenes Brummen wahrgenommen und hatte nun doch wieder zu meiner großen Freude einige meiner Lieblingsstücke wiedererkennen können. Insbesondere Violine, Trompete, Klarinette konnte ich gut hören und sehr genießen, wenn auch alles etwas anders klang. 
 
Dann kam der Tag, etwa 5 Monate später, an dem ich, als die Euphorie sich etwas gelegt hatte und ich, nachdem ich mehrere Fachartikel gelesen hatte überlegte, dass bei einem EAS sich der Ton etwas anders anhören müsste, wenn man den akustischen Teil ausgrenzte, also das Ohrpassstück nicht einsetzte. Da wunderte ich mich, denn es hörte sich ja genau so an wie mit! Also meinte ich, es wäre gut, diesbezüglich noch einmal in der Uni-Klinik nachzufragen und war erstaunt, dass man das Gerät untersuchte und kein Problem feststellte. Also stellte ich die gleiche Frage erneut an eine Spezialistin in Friedberg, mit demselben Ergebnis. Dann kam ein neuer Termin in der Uni-Klinik, bei dem Herrn, der plötzlich, ich weiß nicht wie, so etwas wie einen Hahn aufdrehte und ein entsetzlich lautes Quietschen und Pfeifen setzte ein. „Wie alt ist denn ihr Ohrpassstück“ wurde ich gefragt und gab wahrheitsgemäß zurück: „das habe ich doch vor 5 Monaten bekommen, weil man mir empfohlen hatte, auch ein neues Ohrpassstück zu dem EAS machen zu lassen, wenn ich das Hörgerät von dem Akustiker an das EAS anpassen lassen sollte“.  (Und ich erinnerte mich nun, wie mir beim Abholen der Otoplastik vom Akustiker erklärt wurde, dass ich hier ein besonders neuartiges, angenehmes Teil bekam, das nicht das Ohr komplett verschloss, und was eben leider nicht für das Hörgerät auf dem linken Ohr möglich sei. Ach so, dachte ich. „Sie müssen sofort ein Ohrpassstück anfertigen lassen, gehen sie jetzt noch hin“ wurde ich von dem Dr. der Uniklinik angewiesen. So geschehen, aber ich sollte doch erst noch in 3 Tagen wieder kommen, so sagte mir der Akustiker, als er mich eintreten sah, der bereits telefonisch informiert worden war. Mit Nachdruck wurde ich belehrt, dass man eng mit der Uni-Klinik zusammen arbeite. Kurzum, der Abdruck wurde gemacht, ich bekam am Ende die Erklärung, dass ich eine Halterung zur Sicherung bekommen hatte, worauf ich antwortete: „Aber Sie hatten doch die Unterlagen, auf denen steht, dass es sich um ein EAS handelt“ „Tja, aber diese sind so vertraulich, ich bekomme nicht solch persönliche Daten“ „aber sie sahen doch, dass auf dem Apparat die Marke des Herstellers aufgedruckt ist“ „ja, die heißen sowieso alle Opus“ und nach einem Blick auf den Bildschirm mit meinen Daten stand dort eine ganz andere Marke … „aber die machen doch noch keine EAS“ Aber doch!,.. usw. - und ich erfuhr anlässlich eines Tests von einem jungen Doktorand, dass auch das nicht stimmte. Nun wusste ich nicht, wie ich weiter machen sollte, nachdem ich nicht einmal mehr von diesem Herrn gegrüßt wurde, der mich zudem aufs Übelste beschimpft hatte – aber: wie sollte ich nun die Schläuche erneuern lassen – ich habe sie schließlich selbst gebastelt, mit einigen Problemen, da ich nicht dafür ausgerüstet bin und entschloss mich, den vorherigen Akustiker diesbezüglich anzusprechen, ob er nicht auch die Wartungspauschale, die ja gezahlt worden ist, übertragen bekommen könne. Nun hatte ich auch hier wieder Probleme, denn beim 2. Mal wurde ich von diesem belehrt, dass die Schläuche neuerdings vollumfänglich zu meinen Lasten seien, da nicht mehr von der Kasse zurück erstattet. Wiederum erfuhr ich dann aus vertrauenswürdiger Quelle, dass das auch nicht stimmte. 
 
Dennoch war ich sehr glücklich mit dieser Ausstattung bis... ja bis 2012, also 2 Jahre nach der Implantation, ich dann wieder mal zu einer Anpassung in die Uni-Klinik kam und der Test einen erheblichen Hörverlust ergab und schlimmer noch, der akustische Teil meiner Ausstattung mir nichts mehr brachte. Es war mir bekannt, dass das kein Problem sein sollte, denn man kann ein EAS in ein „reines“  C.I. umpolen, sodass ich natürlich weiter hören sollte. Kein Problem! Problem? Aber doch! Nun war es überhaupt nicht mehr möglich, allein mit dem operierten Ohr zu hören, ich meine zu verstehen, es klang alles so wie immer wieder in den Fachartikeln beschrieben, etwas metallisch, klanglos, schade, Musik war nun wieder nur noch ein verschwommenes, verwaschenes Geräusch, lediglich an den mir gut vertrauten Rhythmen konnte ich noch manchmal ein Konzert oder eine Symphonie identifizieren. Wie auch immer, ich hörte noch und konnte mich noch unter den Hörenden wähnen. Nach einer Woche kam es dann zu einer Einstellungskorrektur, es war besser. Es war mir bekannt, dass ein CI vorrangig zum Verstehen von Sprache geeignet sei und ich wollte mich damit zufrieden geben. Und dann kam ja noch bisweilen ein Violinen-Solo oder eine Trompete klar an, es war schön, trotzdem. 
 
Im Sommer 2013, 3 Jahre nach der Operation, wurden wieder Hör-Tests durchgeführt und ich bemerkte, dass die nette MTA, die mir weisungsgebunden zuvor nie irgendein Ergebnis mitteilte, diesmal staunend das Ergebnis betrachtete, den Test wiederholte, der Dr., der danach das Audiogramm ungläubig betrachtete, fand, dass es sich hier um ein reines, kleines Wunder handele. „Ihr Resthörvermögen ist ja wieder zurück gekommen!“ Dann werden wir wieder das EAS einsetzen. Das war im August 2013 und seither bin ich sehr sehr zufrieden – mit dem Anteil, den ich noch an der akustischen Welt und an der Musik haben darf. 
 
Leider kommt es immer noch manchmal vor, dass mein Hörgang sich entzündet, dass ich dann die Ärzte in der Klinik bemühen muss. Insgesamt gehe ich ziemlich vorsichtig mit dieser segensreichen Ausstattung um denn: es ist eine Maschine, wenngleich eine technische Meisterleistung. 
 
Ich bin sehr sehr dankbar für alle diejenigen, die sich mit sicherer und fürsorglicher Hand für mich eingesetzt haben und immer noch einsetzen. Nun gilt es, noch mein Lernprogramm abzusolvieren, das da heißt: Telefonieren!!! 
 
Und schließlich gab es noch ein Bonbon, in der Musikhochschule in Frankfurt durfte ich letztens einem ganz besonderen Konzert, im Rahmen eines Workshops lauschen, es wurde speziell für uns CI-Träger von der Uni-Klinik ausgerichtet. Diese wunderbare live-Musik war eine riesengroße Überraschung für mich, denn ich konnte auf Anhieb sämtliche mir bekannte Stücke sofort identifizieren. Ich war vor Dankbarkeit überwältigt.
 
Und es heißt ja, dass man sich möglicherweise künftig noch etwas im Hören verbessern kann, das ist dann die Leistung unseres wunderbaren Gehirns, das wir zwar fordern sollten aber hier, so scheint es, nicht einmal steuern können. 
 
Mal sehen, was noch kommt!
 

2 Naida Nov. 2009

Operation 26.10.2010

Therapie Logop. März 2011

12.2011 Test EAS

im Jahr 12 : EAS umgewandelt in CI

August 13 : erneut EAS wg. wiederhergestelltem Resthörvermögen

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Warum ich taub werden musste um zu verstehen

„Ich war gut hörend, zunächst leicht, mit den Jahren hochgradig schwerhörig und bin mittlerweile ertaubt. Meine Aussprache ist so gut, dass ich die meisten Leute (und auch lange Zeit mich selbst) glauben ließ, ich wäre hörend. Ich interpretiere und kombiniere - manchmal auch falsch, aber auch oftmals so nah, dass ich mehr verstehe, als Guthörende hören.“ - Oliver Hupka, Juli 2012

Mein ganzes Leben lang wusste ich, dass dieser Tag früher oder später kommen würde. Bei einer beidseitigen sensorineuralen Innenohrschwerhörigkeit mit schleichendem progredienten Verlauf, bedarf es keiner Propheten, um dies zu wissen. Vielleicht nahm ich die Nachricht auch deshalb relativ gelassen auf. Vielleicht aber auch, weil ich mich selbst gar nicht taub wahrnahm und es sich längst nicht so endgültig anfühlte, wie ich es immer erwartet hatte.

Auf Anraten meines HNO Arztes trat ich eine 5-wöchige stationäre Reha in der Kaiserberg-Klinik Bad Nauheim an. Ich musste erkennen, wie schlecht ich tatsächlich höre und wie sehr ich doch von meiner Empathie, meiner Fähigkeit zu kombinieren und dem Ablesen von Mundbild, Gestik und Mimik abhängig bin. Viel schlimmer jedoch, wie viel Anstrengung mich dies mittlerweile kostete und wie müde und erschöpft ich dadurch täglich war. Im Antrag auf Kostenübernahme der CI Versorgung schrieb ich später in einer persönlichen Stellungnahme: „die enormen Anstrengungen führen mittlerweile auch zu einer emotionalen Ertaubung, ich reagiere gereizt auf meine engsten Mitmenschen und mir fehlt die Kraft und Geduld nachzufragen, wenn ich etwas nicht verstanden habe“.

Ich lernte in der Reha viele CI Träger kennen, Menschen die mich nachhaltig geprägt und meine Ansichten über das CI komplett verändert haben. Ärzte, Therapeuten, Psychologen und -nicht zuletzt- andere Patienten. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich entschieden, ich möchte diese Chance ergreifen. Ich war mir der Risiken bewusst, aber in Anbetracht der Potentiale, war ich bereit sie einzugehen. Seit dem ich die Entscheidung getroffen hatte bewegte mich nur noch eine Frage:

„Mit welchem Ohr beginnen wir?“

Dass ich eine beidseitige Versorgung anstrebe, war von Beginn an klar. Mein Leben lang trug ich auf beiden Ohren Hörgeräte, war „Stereo-“ und Richtungshören gewohnt. Gerade als ich schon eine Münze werfen wollte (die Hörkurven meiner Ohren waren nahezu identisch), lernte ich Frau Dr. Silke Helbig (KGU Frankfurt a. Main) kennen, die mich mit folgendem Satz aus der Bahn warf: „Wieso machen wir nicht beide Seiten in einer OP?“

Ja, die Vorteile waren allzu offensichtlich, nur eine OP, ein Krankenhausaufenthalt, eine Anschluss-Rehabilitation. Es war zu erwarten, dass alles viel schneller gehen würde, ich weniger Ausfallzeiten im beruflichen Alltag haben würde und körperlich wie seelisch, schneller wieder "fit" bin. Je mehr ich mich mit diesem Gedanken auseinandersetze, desto mehr Vorteile entdeckte ich. Ich würde zeitgleich mit demselben "System" versorgt zu werden. Ich erhoffte mir weniger Verwaltungsaufwand, Anträge und Behördengänge, vor allem ein Gedanke trug aber letztendlich zu der Entscheidung für die zeitgleiche bilaterale Versorgung maßgeblich bei:

Mir würde nichts anderes übrig bleiben, als mit den Cochlea Implantaten zu Recht zu kommen.  Kein Hörgerät mehr, an das ich mich hätte klammern können - ich war zum Trainieren gezwungen. Jedoch kannte ich niemanden, der diesen Schritt gewagt hat, den ich hätte fragen können. Dr. Zeh, Chefarzt der Abteilung HTS in der Kaiserberg-Klinik und selbst beidseitig implantiert sagte zu mir: "ganz ehrlich, ich hätte Angst, das ist ein sehr großer Schritt. Aber wenn Sie mutig sind, dann machen Sie es". Leider besteht oftmals ein schmaler Grat zwischen Mut und Idiotie. Mir war bewusst, dass ich in der Zeit nach der OP völlig taub sein würde, aber die wenigen Wochen schreckten mich nicht ab. „Enjoy the Silence“, sagte ich mir und das war im Nachhinein der einzige Fehler, den ich begannen habe...

Am 27. August 2012 erwachte ich nach 6 Stunden OP in meinem Zimmer und der erste Gedanke war: „Mist – sie haben mich gar nicht operiert“. Ich hatte keinerlei Schmerzen, keinen Schwindel, keine Beschwerden. Erst als ich meinen schicken Turban ertastete und vor dem Spiegel betrachtete wusste ich, das war es tatsächlich schon. Die OP verlief optimal, die Elektrodenlage war ideal und die Wundheilung ging rasend schnell. Es war ungewohnt, in absoluter Stille das Treiben und Leben in einem Klinikum zu beobachten, aber wirklich jeder, der mich in den 5 Tagen Aufenthalt besuchte, sagte mir, wie entspannt und gelassen ich wirkte. Es war nicht gespielt, ich musste nicht tapfer sein, ich war angstlos und erleichtert, dass die Schokolade noch nach Schokolade schmeckte und mein Lachen nach wie vor vorhanden war.

Gefangen in der Taucherglocke

12 Tage nach der OP und wieder zu Hause, fern von der schützenden Klinik-Atmosphäre war mein Lachen jedoch verschwunden. Um einer Hirnhaut- und sonstigen Entzündungen vorzubeugen, wurden insgesamt 10 Tage Antibiotika verabreicht. Die Nebenwirkungen (Müdigkeit, Erschöpfung und Magenprobleme) machten sich deutlich bemerkbar. So schmerzfrei und unkompliziert die OP rein körperlich verlaufen war, so sehr belastete sie mich plötzlich seelisch und emotional. Ich musste mir eingestehen, dass ich trotz aller "Vorbereitung" nicht wusste, wie sehr ich doch damit kämpfen würde, rein gar nichts mehr zu hören. Ich fühlte mich, als triebe ich orientierungslos durch das Weltall, anstatt aber die Sterne, die Planeten und die Stille genießen zu können, musste ich mich übergeben, weil mein Körper mit dieser Orientierungslosigkeit nicht zurecht kam. Ich würde es nicht als Schwindel beschreiben, viel mehr als eine Art Seekrankheit, gefangen in einer Taucherglocke, gefangen in der absoluten Lautlosigkeit. Ich fühlte mich –trotz der Liebe der Menschen die mich umgab- sehr einsam und allein. Ich bereute den Schritt nicht mich zeitgleich bilateral versorgen zu lassen, aber ich musste erkennen: Ich hatte es unterschätzt.
Und dann, ging es rasend schnell

Gerade als ich mich mit dem Taubsein arrangiert hatte, wieder Sport treiben konnte und die quälenden Wochen hinter mir lagen, stand Anfang Oktober die Erstanpassung bevor. Ich würde lügen, wenn ich nicht zugeben würde, wie groß meine Erwartungshaltung war. Auch wenn ich mich selbst und vor allem die Ärzte und Therapeuten immer wieder gebremst hatten, um mich vor einer Ernüchterung zu bewahren, mein Ehrgeiz war zu groß, als dass ich etwas anderes erwarten konnte und wollte, als sehr gut zu hören.

Am ersten Tag der Aktivierung und dem Anlegen der Audioprozessoren erreichte ich beim Sprachaudiogramm im Freifeld bei den Zahlen 90% und bei den Wörtern 45% Verständlichkeit. Am zweiten Tag lauteten die Ergebnisse Zahlen 100% und Einsilber 80%. Wohlgemerkt mit beiden CI. Seitengetrennt waren die Ergebnisse deutlich schlechter. Mein linkes Ohr hinkte enorm hinterher und ich kam gerade mal auf Werte um die 20%. Schnell zeigte sich: Meine Entscheidung war die richtige. Ich frage mich auch heute noch wie ernüchtert ich wohl gewesen wäre, wenn ich bspw. mit der linken Seite begonnen hätte.

Zwei Wochen später konnte ich tatsächlich behaupten wieder zurück in der Welt der Hörenden zu sein, denn die Erfolge stellten sich auch im Alltag, fern jeder Laborbedingungen ein. Die Kommunikation funktionierte auch bei Störgeräuschen schon sehr gut. Ich wusste nicht, wann ich das letzte Mal in der Lage gewesen war, während des Autofahrens so unkompliziert und ganz ohne Mundbild eine Unterhaltung zu führen. Ich habe meine Mama mit einem Anruf überrascht und mich selbst damit, dass ich alles verstehen konnte. Ich begann wieder Musik zu hören, Klänge und Melodien formten sich. Meine Stimme wurde tiefer und klang schon fast wieder wie gewohnt. Ich hatte mir einen MP3 Player gekauft, genoss Hörbücher und übte fleißig. Natürlich lag noch ein langer Weg vor mir, aber ich freute mich darauf ihn zu gehen.


Vier Wochen nach der Erstanpassung wurde die Empfindlichkeit der Mikrofone von 80% auf 100% und insgesamt die Lautstärke erhöht. 100% Verständlichkeit bei Zahlen und 90% Verständlichkeit bei den Einsilbern, lautete das Ergebnis und ich wollte mehr. Ich verliebte mich in viele verloren geglaubte Geräusche wieder neu, das Geräusch von Regen, der auf die Dächer prasselt, das Herbstlaub, wenn die Blätter rascheln, das Prickeln und Zischen von Mineralwasser.

Im Januar 2013 trat ich meine zweite Reha in Bad Nauheim an und stellte mir nur noch eine Frage: "Kann ich meine ohnehin schon sehr guten Hörerfolge überhaupt noch verbessern?". Durch gezieltes Hörtraining und durch "Feintuning" bei den CI-Einstellungen lässt sich diese Frage eindeutig beantworten: "Ja, die Reha hat mich nochmal ein gutes Stück weiter gebracht". Die  erreichten Spitzenwerte machten mich unheimlich stolz. Das Erste, was ich jedoch nach den letzten Tests tat, war, mich in mein Zimmer zurück zu ziehen, da mich Tränen überkamen, vor Glück, vor Erleichterung, aber auch mit einem merkwürdigen Gefühl voller Trauer und Schmerz. Meine Schwerhörigkeit hat mich mein Leben lang begleitet und ich kann es auch heute noch nicht wirklich greifen. Eine Lebensaufgabe, die mich so lange bewegt hat, war erfolgreich zu Ende gegangen.

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