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Tagebuch HÖREN

 
 
 
 
„Viel hat der Mensch erfahren seit ein Gespräch wir sind und hören können“
  Hölderlin

Anamnese bis zur CI-Implantation am 25.10.2005 in der Goethe-Universität Ffm bei Prof. Dr. Gstöttner

12 / 1992 64 Jahre alt. Erstmals Hörhilfe beidseitig. Fabrikat Quattro Select 
Hörverlust Sprache re 35 dB, li 25 dB

Schallempfindungsschwerhörigkeit
Komme mit Hörhilfe sehr gut zurecht, höre wieder „normal“

12 / 1996 re taub , Hörhilfe bringt nichts mehr. Hörverlust re 70 dB, li 30 dB
Hier beginnt meine Leidensgeschichte, die sich von Jahr zu Jahr steigert.
Fehlendes Richtungshören ist das kleinste Übel. Aber wachsende Probleme bei Gesprächen mit Störgeräuschen und auch schon in ruhiger Umgebung mit 6 und mehr Personen, wenn mehr als eine Person spricht.
01 / 1999 li neue Hörhilfe Fabrikat Piconet 2 von Phonak analog, mit Fernbedienung
08 / 2002 Besuch der Uniklinik Würzburg. Prof. Dr. Helms mit der Frage nach möglichem Eingriff re um wenigstens wieder die Verwendung einer Hörhilfe zu ermöglichen. Antwort: Nein, aber wenn sich li weiter verschlechtert, dann wäre re eine CI-Versorgung zu diskutieren. Die vorhandene Hörhilfe könnte aber deutlich besser eingestellt werden. Der hervorragende Akkustiker der Uni könnte evtl. helfen
8 - 9 / 2002 Mein Akkustiker konnte keine Besserung mit der vorhandenen Hörhilfe Piconet2 analog erreichen. Deshalb 2 neue Fabrikate Phonak Claro digital und Siemens digital getestet. Ohne Besserung. Deshalb vom Angebot Uni Würzburg Gebrauch gemacht. Brachte aber auch nichts.
10 / 2002 Hörtraining bei Frau Petra Speth, Aschaffenburg-Schmerlebach
01 / 2003 Teilnahme am Pilotprojekt zum Thema „Hörtraining und Radio hören“ in 
Zusammenarbeit mit Hessischem Rundfunk (Frau Katja Bergmann, Physiotherapeutin und Frau Petra Speth, Sprachtherapeutin.)
03 / 2003 Versuch, das li gehörte zusätzlich nach re zu übertragen, um Richtungshören zu ermöglichen und evtl. Verständigung allgemein zu verbessern. Ohne Ergebnis.
09 / 2003 Einsatz eines Sennheimer-Kopfhörers für TV-Übertragungen. Ermöglicht mir unabhängige Lautstärkenregulierung. Höre damit aber auch nur links.
11 / 2003 Versuch zur Probe mit Phonak Funk-Richtmikrophon für Unterhaltung bei Störgeräuschen oder zu großer Distanz zum Sprecher. Für Letzteres brauchbar, aber bei Störgeräuschen ohne Ergebnis.
20.07.2005 Erste Konsultation Goethe Uni Ffm Prof. Dr. Gstöttner. Er emfiehlt CI re. Die Voraussetzungen wären gegeben (Hörnerv ok)
05.08.05 Gespräch mit Frau Krott von der Selbsthilfegruppe Würzburg
15.08.05 Gespräch mit Herrn Schwaninger vom CIV HRM e.V.
21.08.05 Oh Schreck: Es ist Sonntag, Goldene Hochzeit, wir haben 30 Gäste eingeladen und morgens hat die Hörhilfe – erstmals seit ich sie trage – den Geist aufgegeben. Trotz Sonntag konnte ich bis Mittag Ersatzgerät besorgen und einstellen lassen.
02.09.05 1. Besuch CIC Friedberg. Termin mit Sprachtherapeutin Frau Bumann
04.09.05 Besuch einer Veranstaltung von Advanced Bionics in Goethe Uni Ffm.
Vorträge von Herrn Weßel, Frau Dr. Silke Helbig, Oberärztin der Uniklinik
Und Erfahrungsbericht einer Mutter, deren Kind beidseitig implantiert ist. Während anschließendem Imbiss ausreichend Gelegenheit das Fabrikat Auria kennen zu lernen, sowie Frau Dr. Helbig wie Hörgeschädigte zu befragen.
21.09.05 2. Besuch CIC Friedberg für „Kaffeerunde“ der Selbsthilfegruppe
Herr Lehning von Med El hält ein Kurzreferat. Vorher hatte ich ein ausführliches Gespräch über Med El, eines der 3 zur Entscheidung anstehenden Fabrikate.
18.10.05 3. Besuch CIC Friedberg. Termin mit dem Leiter des CIC Prof. Dr. Diller
Habe im Wesentlichen die gleichen Fragen wie schon an die Sprachtherapeutin gestellt. Was kann ich nach der CI-Implantation erwarten? Soll ich mir das mit meinen 77 Jahren wirklich antun? Die Antwort war – ausnahmslos von allen Befragten – ja.
Termin mit Frau Erseker von Cochlear (Nucleus) um auch noch das 3. CI-Fabrikat kennen zu lernen.
19.10.05 Entscheidung für das Fabrikat von Advanced Bionics.
25.10.05 OP Goethe Universität Ffm Prof. Dr. Gstöttner
Außer Schwindel keinerlei Probleme, keine Schmerzen
28.10.05 Entlassung
03.11.05 Fäden ziehen
16.11.05 Letzte Kontrolle der Wunde. Zufriedenstellend. Aber Schwindel noch immer
01.12.05 Erstanpassung des Auria durch die Herren Weßel und Weiß in Ffm.
Bin euphorisch positiv. Höre etwas auf dem 10 Jahre tauben Ohr. Kann mich ohne Hörhilfe links überraschend gut verständigen. Das geht aber auf 3 Komponenten zurück
1. linkes Ohr vorübergehend ohne Hörhilfe
2. vom Mund ablesen
3. rechtes Ohr mit CI-Versorgung
Wenn ich linkes Ohr dicht mache und nicht auf Mund schaue verstehe ich Null.
20.12.05 Zweitanpassung durch Herrn Weiß in Ffm. In den 2 Wochen seit der Erstanpassung leider keinerlei Fortschritte zu erkennen Das linke Ohr ist ohne Hörhilfe für das Verstehen unverändert viel mehr beteiligt als ich erwartet hatte. Wenn ich das linke Ohr abdecke, höre ich rechts viele Geräusche, aber Sprache unverständlich
Also noch keine nennenswerte Verbesserung, aber das rechte Ohr wird zunehmend auf „Ankunft“ vorbereitet.
06.01.06 1. Schulung CIC Friedberg bei Frau Bumann. Bis hierher seit der Erstanpassung keine erkennbaren Fortschritte gemacht. Test im Sprachlabor mit ausgeschaltetem linken Ohr. Selbst Zahlen kaum verständlich. Hausaufgaben: Zahlen von 0 – 5 und 50 – 100 und einige Uhrzeiten wie 20 Uhr 15 usw. vorsagen lassen, die Zahl aber noch vorher wissen. Wie hört sich das an? Manche Zahlen gehen schnell relativ gut, z.B. 8, manche ausgesprochen schlecht, z.B. 7 und 4. Nach 3 Tagen kann ich mit abgedichtetem linken Ohr, aber auf Mund schauen, Zahlen verstehen ohne sie vorher zu wissen. Ohne Mundlesen nur 50%
Soll Termin zur Drittanpassung in Ffm. vereinbaren und den ausgedruckten Hörtest mitnehmen. Das wenn möglicht vor der nächsten Schulung.

09.01.06
Drittanpassung durch Herrn Weiß in Frankfurt. Die tiefen Töne unverändert, die hohen Töne verstärkt. Insgesamt etwas lauter. Herr Weiß möchte nicht zu viel in einem Schritt nachstellen, das würde mich überfordern. Aber weitere Nachbesserungen step by step kommen.
1. Programm neue Einstellung
2. Programm Einstellung wie nach 2. Anpassung
3. Programm Einstellung wie nach 1. Anpassung

Werde ab jetzt Tagebuch führen und die Fortschritte dokumentieren…

Fortsetzung folgt…

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Weihnachten schon im Januar?

Also, für mich fand Weihnachten in diesem Jahr schon im Januar statt. Und zwar am 24.01., also genau elf Monate vor dem eigentlichen Termin. „Wieso das denn?“ werden sie sich jetzt fragen.

Das kam so. Anfang November letzten Jahres wurde ich in der Uni-Klinik in Frankfurt mit einem CI versorgt. OP und Wundheilung verliefen problemlos, so dass die Erstanpassung des Sprachprozessors am 01.12.2005 vor-genommen wurde. Jedoch beschränkte sich mein „neues Hören“, wie bei den meisten von ihnen sicherlich auch, auf Pieps und Zischlaute.

Wenn ich beim abendlichen Fernsehen, welches bei mir schon seit vielen Jahren nur noch mit Kopfhörer möglich ist, des öfteren versuchte (und das natürlich auch immer wieder tue) nur mit dem CI-Ohr zu hören, vermeinte ich, aus dem Piepsen ab und zu auch sehr undeutliche Wortfetzen herauszuhören. Aber eben nichts, was mein Ohr hätte verwerten können.

Die Einstellungen in der Uni-Klinik brachten mich da auch nicht weiter, und die Technikerin Frau von Lüpke meinte, dass es jetzt an der Zeit sei, mit der ambulanten Reha in Friedberg an zu fangen. Da meine Krankenkasse sich aber bei der Kostenübernahme etwas schwer tat, konnte ich erst am 24. Januar mit dem Hörtraining beginnen.

Bei diesem ersten Termin wollte Frau Bumann, die mich während meiner Zeit dort betreuen wird, natürlich außer meinen persönlichen Daten möglichst viel über meine Hörgeschichte wissen. Unter anderem wurden Hörtests gemacht, damit sie sich ein Bild von meiner derzeitigen Situation machen konnte.
Zuerst ein Tonaudiogramm. Ganz ohne Kopfhörer. Nur über die Lautsprecher. Da mein rechtes Ohr noch einigermaßen Töne wahrnehmen kann, legte ich das Hörgerät ab, und hielt mir zusätzlich noch das Ohr zu. Somit konnte ich sicher gehen, dass die Töne nur vom CI-Ohr empfangen wurden.

Dieser Test wurde auch auf dem rechten Ohr (mit Hörgerät) durchgeführt, weil Frau Bumann sehen wollte, wie viel ich mit dem Gerät noch aufnehme.

Danach machte sie noch einen Test, bei dem ich Zahlen (Zweisilber) zu hören bekommen sollte. Zu diesem Zweck zog ich mein Hörgerät wieder aus, und hielt mir das Ohr zu während Frau Bumann den PC vorbereitete. Und nun kommt es: Sie hebt den Kopf, und plötzlich höre ich sie sagen: „Jetzt geht’s los“. Das klingt für mich zwar ziemlich blechern/roboterhaft, aber immerhin!

Ich stutze, nehme meinen Finger aus dem Ohr, und frage sie, ob ich das eben richtig verstanden habe. Sie bestätigt es mir und ich bin glücklich. Soeben habe ich meine ersten Worte nur mit CI verstanden!

Hierzu muss ich noch anmerken, dass es mir bis jetzt noch nicht gelungen ist, von Mund abzusehen. Also habe ich das wirklich gehört!

Die Tatsache, dass ich bei dem nachfolgenden Zahlentest nur zwei von zehn Zahlen richtig hatte (und die waren meiner Ansicht nach auch mehr erraten, als gehört,) stört mich da nur wenig.

Das war für den Anfang schon mehr als ich mir erhofft hatte und deshalb wie ein vor verlegtes Weihnachtsfest.

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Michael Stötzel - Erfahrungsbericht - Teil 2

Meine Akustische Wiedergeburt – Die Erstanpassung


Montag, den 05.12.2005

Nun ist es endlich so weit, nach fünf Wochen, geht es zur Erstanpassung des Sprachprozessors wieder in die Medizinische Hochschule Hannover. Nach der kurzen Aufnahme an der Pforte und auf der Station machte ich mich auf den Weg ins Hörzentrum. Ich war nervös vor dem was mich jetzt erwartet. Im Hörzentrum angekommen kam ich in das Büro von Herrn Gärtner, dem Techniker, der mich die Woche über betreute.

Das Hörgerät, das ich im linken Ohr trug, musste ich abnehmen. Nun bekam ich rechts meinen Nucleus Freedom Sprachprozessor. Es wurden mir verschiedene Töne vorgespielt, bei denen ich immer die Lautstärke dieser angeben musste. Nach einigen Minuten der Einstellung sagte Herr Gärtner zu mir: „Und wie ist es jetzt, können sie mich hören?“ Ich schaute Ihn groß an und fing an zu weinen. Ich hatte jedes Wort, was er mir sagte deutlich verstanden. Es klang zwar ein wenig in Richtung einer Roboterstimme, war aber klar und deutlich zu verstehen. Nun wurden mir dann die verschiedenen Funktionen des Sprachprozessors erklärt. Ich bekam auch noch ein umfangreiches Zubehör mit. Bei diesem Gespräch, so über den Schreibtisch hinweg, verstand ich jedes gesprochene Wort.

Nun kam ich zu Frau Krüger meiner Therapeutin. Ich saß ihr am Schreibtisch gegenüber und wir unterhielten uns. Es war phänomenal. Ich verstand wieder jedes Wort. Die Stimme von Frau Krüger klang für mich auch natürlich und deutlich. Nun wurden die ersten Übungen mit Vokalen und Konsumenten durchgeführt. Anschließend auch schon Wortübungen. Das klappte alles gut. Nun bekam ich noch meinen Therapieplan für die Woche. Auf dem Weg in die Klinik hörten sich die Geräusche der Umgebung (Straßenbahn, Autos, Springbrunnen) noch alle gleich an. Wieder auf dem Zimmer angekommen, unterhielt ich mich mit meinen Zimmerkollegen. Es ist ein Traum. Ich konnte mich wieder angenehm mit Menschen unterhalten.

Auch der Hall in dem großen Krankenzimmer störte beim Unterhalten nicht mehr. Mit den Hörgeräten war gerade das für mich immer ein großes Problem gewesen. Nun ging ich weiter auf Entdeckungstour. Alltagsgeräusche wie das Rauschen des Wassers beim Händewaschen, das Betätigen der Toilettenspülung, das Klappern des Essgeschirrs, das Auftreten von Absätzen auf Steinbelag usw. klang schon sehr vertraut. So ging ein ereignisreicher Tag zu Ende. Mit einem so schnellen Erfolg des Verstehens hatte ich nie gerechnet. Ich war so aufgewühlt, daß ich am Abend kaum einschlafen konnte.

Dienstag, den 06.12.2005

Morgens ging es wieder ins Hörzentrum. Die Einstellung wurde von Herrn Gärtner noch ein wenig verändert und dann ging es zur täglichen Therapie zu Frau Krüger. Wir trainierten Satzübungen, Zahlenübungen und Textverständnisübungen. Es war nicht zu fassen. Ich verstand in dieser ruhigen Umgebung alles. Da für den Nachmittag keine Termine vorgesehen waren, sollte ich mal nach Hannover fahren, um die neue Geräuschkulisse zu erkunden.

Gesagt getan. Mit der Straßenbahn fuhr ich zum Hauptbahnhof. Ich ging über den Weihnachtsmarkt in die Einkaufsstrasse. Ich bummelte einfach durch mehrere Geschäfte. Es war ein Genuss. Mit den Hörgeräten war in dieser geräuschvollen Umgebung immer alles zu laut für mich. Mit dem CI störten die Umgebungsgeräusche nicht mehr. Ich empfand alles sehr angenehm. Nun traute ich mich auch Menschen anzusprechen. Ich fragte nach dem Weg zum Bahnhof, bestellte mir Essen und Trinken am Weihnachtsmarkt und fragte zweimal am Auskunftsschalter der Bahn nach Zugverbindungen. Als ich mit der Straßenbahn zurück in die Klinik fuhr, konnte ich schon, wenn die Bahn langsam fuhr, die Durchsagen des nächsten Haltepunktes verstehen. In der Klinik angekommen verstand ich nun auch die Durchsagen im Flur sowie Stationsangabe im Aufzug. Am Abend sah ich dann die unglückliche Niederlage unserer Schalker in Mailand wodurch wir unverdient aus der Champions League ausschieden. Ein weiterer ereignisreicher Tag mit vielen neuen Höreindrücken ging zu Ende.

Mittwoch, den 07.12.2005

Am Vormittag spazierte ich viel durch die Klinik und das Außengelände und genoss die vielen neuen Höreindrücke. Nachmittags hatte ich dann meinen täglichen Therapietermin bei Frau Krüger. Wir übten nun das Telefonieren. Frau Krüger ging in ein anderes Büro und rief mich an. Sie lass mir Sätze vor, die ich wiederholen musste und stellte mir Fragen die ich beantwortete. Ich verstand dabei schon fast jedes Wort. Jetzt rief ich meine Mutter an. Wir führten ein längeres ausführliches Telefongespräch, das sehr gut klappte.

Es war der Hammer. Ich führte zum ersten mal seit fast drei Jahren wieder ein entspanntes, längeres Telefongespräch bei dem ich gut verstand. Mit diesem Erfolg nach nur drei Tagen hatte ich nie im Leben gerechnet. Es folgten noch verschieden Frage – und Antwortübungen, bei denen ich kein Problem mit dem Verständnis hatte. Ich fühlte mich inzwischen wie neu geboren. Während ich früher meine Hörgeräte tagsüber oft ausschaltete, weil ein längeres Hören für mich immer so anstrengend war, hatte ich mit dem CI damit keine Probleme. Der Sprachprozessor wurde nach dem Aufstehen angelegt, lief den ganzen Tag und wurde erst zum Schlafen wieder abgelegt. Am Abend traute ich mich mal Fernsehen mit Ton zu schauen. Bei der Tagesschau verstand ich schon recht gut was gesprochen wurde. Mein Tinnitus hatte sich die Tage auch stark verbessert, so dass ich ihn kaum noch wahrnehme.

Donnerstag, den 08.12.2005

Ein neuer ereignisreicher Tag begann. Im Laufe des Vormittags rief ich zweimal mit dem Münzsprecher des Krankenhauses meine Mutter an. Solange es bei dem Telefonat in der Umgebung ruhig war, verstand ich das Gesprochene sehr gut. Am Nachmittag hatte ich wieder meinen täglichen Therapietermin bei Frau Krüger. Es wurden mehrere Verständnisübungen mit Hintergrundgeräuschen geübt. Erstes Hintergrundgeräusch war ein Flusslauf. Dabei verstand ich gut was gesprochenen wurde. Als zweites Hintergrundgeräusch kam dann Straßenlärm. Diese Übung war schon schwieriger als die vorherige. Das dritte Hintergrundgeräusch war dann die Geräuschkulisse einer Kneipe. Diese Übung war die bisher Schwerste. Ich verstand aber trotz der, jetzt doch sehr störenden, Hintergrundgeräusche die Hälfte der vorgesprochenen Wörter. Bei dieser Übung merkte ich deutlich den Unterschied des Verstehens in ruhiger und geräuschvoller Umgebung. Mein Sprachverständnis war aber schon phänomenal gut. Nun fing ich an zu „Spinnen“. Am Abend schloss ich mich im Stationsbad ein und telefonierte mit meinem Handy. Dabei hatte ich schon ein gutes Verständnis.

Freitag, den 09.12.2005

Morgens wurde die Einstellung des Sprachprozessors noch etwas von Herrn Gärtner optimiert und verfeinert. Es folgte nun der Abschlusstermin bei Frau Krüger. Es wurde mir fünf Minuten lang ein Text vorgelesen. Ich musste das Verstandene nachsprechen. Diese Übung wurde mit Lippenablesen durchgeführt. Ich verstand jedes vorgesprochene Wort direkt. Es waren 73 Wörter pro Minute. Bei der im März erfolgten Voruntersuchung waren es bei dieser Übung „mit Hängen und Würgen“ gerade mal 39 Wörter pro Minute. Nun erfolgte diese Übung ohne Lippenablesen. Ich musste in den fünf Minuten ungefähr zehn bis fünfzehn Wörter nachfragen. Als das nichtverstandene Wort wiederholt wurde, verstand ich es dann sofort. Bei dieser Übung waren es 52 Wörter in pro Minuten. Bei der im März erfolgten Voruntersuchung verstand ich bei dieser Übung gar nichts.

Nun wurde noch eine ganz spezielle Übung durchgeführt. Im Hintergrund wurde Englisch gesprochen und dann kamen Sätze auf Deutsch die ich wiederholen musste. Diese Übung klappte noch besser als die gestrigen Übungen mit Hintergrundgeräuschen und machte richtig Spaß. Ich war wieder hin und weg. Auch Frau Krüger meine Therapeutin war sehr begeistert von meinem neuen Hören. Die Betreuung und Kompetenz sowie das Verständnis für die Situation im Hörzentrum der Medizinischen Hochschule Hannover war absolute spitze. Auch auf der Krankenstation fühlte ich mich gut aufgehoben. Das Pflegepersonal und die Ärzte waren zuvorkommend und freundlich. Nun ging es mit der Bahn wieder zurück in das schneereiche Siegerland. Während der Heimfahrt konnte ich die Durchsagen im ICE und den Schaffner bei der Fahrkartenkontrolle verstehen.

Die erste Zeit Zuhause

Wie die Zeit vergeht. Seit drei Wochen bin ich mit meinem neuen Hören auf täglicher Entdeckungsreise. Die tägliche Freude an den neuen/alten Hörerlebnissen, die wieder zum Vorschein kamen, ist nicht zu beschreiben. Nachrichten im Fernsehen, jetzt aber ohne Untertitel dafür wieder mit Ton, zu sehen sind schon ein normales alltägliches Fernseherlebnis geworden. Musik hören, was seit Jahren für mich kein Thema mehr war, geht auch wieder. Deutschsprachige Musik ist für mich schon wieder gut zu verstehen. Geräusche, wie z.B. das Ticken des Sekundenzeigers von Wanduhren, das Klicken der Computermaus, das Knistern des brennenden Holzes im Ofen usw., die ich seit Jahren nicht mehr hörte, sind inzwischen zurückgekehrt. Gespräche und Diskussionen sind für mich in ruhiger Umgebung wieder zu verfolgen und ich kann mich endlich wieder daran beteiligen. Die täglichen Situationen, wie beim Einkaufen und beim Arzt, bei denen man mit Menschen spricht, sind nun wieder für mich wieder gut zu bewältigen. Vor diesen Situationen hatte ich die letzten Jahre immer Angst davor, dass ich angesprochen werde und nicht verstehe. Diese Angst ist verschwunden. Ich suche diese neuen Situationen nun auch zum täglichen Training. Das Telefonieren auch mit dem Handy geht auch schon gut. Im Beruf wird nun auch wieder Vieles angenehmer für mich zu bewältigen sein. Der Zukunft sehe ich seit langer Zeit wieder positiv entgegen. Ich bin froh, dass ich den nicht einfachen Schritt zum CI gewagt habe.

eb_michael_stoetzel

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Meine schöne Erinnerung an die REHA-Zeit

Mit 36 Jahren bekam ich mein CI und 2 ½ Jahr später ging ich in Reha. Im vergangenen Jahr im Mai/Juni 2005 war es so weit. Ich bekam einen Termin in Bad Berleburg. Anfänglich nur vier Wochen, aber es wurden sechs daraus. Ich bekam den Termin so schnell, dass ich sogar meinen Geburtstag verschieben und alle Gäste wieder ausladen musste. Aber die REHA war halt wichtiger.

Kaum war ich in Bad Berleburg angekommen, war ich überrascht, dort so viele Gehörlose zu sehen. Wenige CI-Träger und überwiegend hörende Patienten mit Tinnitus. Und es gab noch eine Abteilung für orthopädische Beschwerden. Ich fand schon sehr schnell Anschluss.


Meine Therapieangebote waren:

Hörtraining in der Gruppe A (für Anfänger), Gruppen- und Einzeltherapie, Wörter und Sätze nach Themen wie z.B. „Obst“ nachsprechen ohne Absehbild, im Einzelgespräch mit der Audiotherapeutin auch Silben (einsilbige Wörter sind besonders schwer) und Sätze von lückenhaft bis fließend und später auch mit Hintergrundgeräuschen nachsprechen, ebenfalls ohne Mundabsehbild. Telefontraining fand auch statt. Die Testergebnisse von Vokalen und Konsonanten, Zahlen, Einsilber, Speechtracking (vorgesprochene Geschichte) und Satztests wurden auch dort ausgewertet. Auch wurde das CI häufig nachgestellt.

Ich bekam auch Tipps und Informationen, was/wie ich daheim weiter üben soll, vor allem Hörbücher, Kommunikation und Nachrichten sind das A und O! Allerdings kaufe ich mir Hörbücher (ungekürzte Ausgabe) nach meinem Geschmack, die Preise sind manchmal happig.


Zu dem ganzen Hörtraining kam auch noch ein sportlicher Teil.

Dazu gehörte:

Guss nach Kneipp, Kraftausdauertraining, Ergometertraining, Hydrojetmassage, Thermosandliege, Schwimmen, Sauna, verschiedene Ballspiele. Die vielen Fitnessstunden dienten auch dazu, dass mein Wohlgefühl sich steigerte. Diverse Hobbykurse waren auch noch im Angebot.


Alle Zimmer waren Einzelzimmer und verfügten über Lichtsignalanlage, Telefon, Fax und PC für Hörtraining. Ich bekam wie alle anderen CI-Träger einen Walkman mit Kassetten oder CDs zum selbstständigen Üben und das passende Buch zur Unterstützung zum Mitlesen.

Innerhalb von 3 Wochen merkte ich, dass ich Fortschritte machte, indem ich fleißig übte. Ab und zu telefonierte ich mit meiner Mutter, mit meiner Familie und zwei von meinen Freundinnen. Ich verstand zwar keinen Satz, aber immerhin die Hälfte vom Gesagten. Man hat mir auch gesagt, sie wissen selbst nicht, ob ich jemals freies Sprechen von unbekannten Texten verstehen würde. Trotzdem war ich nicht enttäuscht, da ich weiß, dass ich nicht so viel erwarten soll, mein Gehirn ist bereit, die Wörter zu speichern.

Beim täglichen Mittagessen besprachen wir, was wir am Abend und an den terminfreien Stunden unternehmen können. Es war sehr schön und abwechslungsreich: Karten spielen, wandern, kegeln, schwimmen, saunieren, Badminton, Volleyball, Disco, Billard spielen, Eis essen gehen, bummeln oder einfach nur klönen. Mit einigen Rehafreunden kontaktiere ich heute noch.

Die Reha bedeutet auch zu sich selbst finden. Ich kann die REHA nur empfehlen, da ich dort gute Erfahrungen gesammelt habe, sehr gerne mit den Hörgeschädigten und auch Hörenden zusammen war und mich dabei dort wohl fühlte.

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