Zum Hauptinhalt springen

Mein langer Weg zum besseren Hören mit Cochlea Implantat

Mein langer Weg zum besseren Hören

mit Cochlea Implantat

Von Marina Mattburger

Ich bin Marina, geboren 1964, bei mir fing alles wohl schon bei der Geburt an. Als einzige Tochter eines schon immer schwerhörigen Vaters (alle auf der väterlichen Seite hatten Hörprobleme) wurde es bei mir wohl erst ziemlich Ende der Kindergartenzeit entdeckt. Einer Erzieherin wurde es wohl bewusst, dass ich mich immer zurück zog, abschaltete, und dann mein eigenes Ding machte. Daraufhin ist meine Mutter mit mir von Ohrenarzt zu Ohrenarzt gerannt. Man diagnostizierte, dass ich rechts taub bin, das ja alles nicht schlimm ist, da ich ja links höre und dieses Ohr alles übernimmt.

Über die vielen Jahre anschließend zu berichten wäre schon ein ganzer Roman, daher lasse ich viele Jahre einfach mal weg. Leider war damals auch nicht darauf geachtet worden, evtl. Gebärdensprache und/oder eine andere Schule in Betracht zu ziehen.

Es war sehr schwierig als Kind, die Konzentration war eingeschränkt, also wenn es mir zu anstrengend wurde, konnte passieren was wollte, ich habe abgeschaltet und mein Ding gemacht. So waren dann auch meine Noten, da ich ja oft nicht aufgepasst habe.

Zuhause war es dann meine Schuld, du musst dich konzentrieren, aufpassen, nachfragen, wenn du was nicht verstehst und nach vorn sitzen. Toll....

Kinder sind grausam, vielleicht unbewusst, aber ich habe oft gelitten wenn sie mich gehänselt haben, wollte oft nicht in die Schule, hatte Bauchschmerzen. Heute läuft so was unter Mobbing.

Immer wieder sind wir zu Ärzten, um vielleicht doch was zu ändern an der Situation, auch als ich volljährig war bin ich damals in die Uniklinik in Gießen, um alles abzuklären. Taub bleibt Taub, Hörgerät ging nicht. Also Ende.

Auch von einem Schwerbehindertenstatus usw. war nie die Rede. Heute habe ich (seit 1996) 50%, allerdings kam es durch meinen damals frisch diagnostizierten Diabetes Typ 1 zustande, wobei ich mein taubes Ohr mit angab.

Naja... In den vielen Jahren war es halt so... Es ist normal... Man lebt damit, steckt vieles weg. Mit Beginn um die Jahre 2000 +/- wurde es auch immer schlechter auf der linken Seite. Bedingt und genervt vom familiären Umfeld... Ich bekam damals eine Bicross Versorgung welche über mein Brillengestell lief.

Aber auch das war irgendwann nicht mehr kompatibel genug. Also bekam ich mein erstes Hörgerät auf der linken Seite. War aber immer noch rechts taub. Richtungshören, Stereo usw. war mein ganzes Leben noch nie gegeben. Es ging weiter so... Über Jahre…

Bis ich ca. 2008 einen ersten heftigen Hörsturz auf der linken Seite hatte. Hammer, ich dachte das bleibt jetzt so... Ich war am Boden zerstört und gleich beim Ohrenarzt. Dort bekam ich über Tage Infusionen. Zum Glück kam das Gehör zurück... Zwar etwas schlechter, aber es war wieder etwas da.

Das Hörgerät wurde erneuert, so ging es wieder eine Weile gut. Die Ohrenärzte haben nie etwas gesagt... wegen dem rechten Ohr, es wurde regelrecht vergessen, totgeschwiegen, ignoriert, es war unwichtig. Es kamen immer wieder Hörstürze in Folge... Meist hat es sich nach Tagen aber wieder gebessert.

BIS eines Morgens nichts mehr ging. Also wieder Ohrenarzt, dieser meinte, so, das war es jetzt, das bleibt so. Am besten sie fahren mal mit der Überweisung nach Tübingen in die HNO. 

Mein Glück ist, dass ich wenigstens im Mundablesen, wenn klar und deutlich gesprochen wird, einigermaßen fit bin. Wir haben einen Termin gemacht und mein Mann fuhr mit mir in die Klinik. Tests bis zum abwinken fanden statt.

Okay... Sie sind Kandidat für eine CI-Versorgung auf der linken Seite.  Was bitte ist ein CI? Noch nie gehört davon... Informationsmaterial mitgenommen. Aber.. Nee.. Da bin ich ja lange Zeit komplett taub auf beiden Seiten... Nee... 

Zum Glück hat sich das Spiel noch 2-3 mal wiederholt. Beim letzten Hörsturz Anfang 2018 war ich soweit, dass ich sagte, okay da muss ich halt jetzt durch.

Ich verstand nur durch Mundablesen und wenn man mir direkt ins Ohr schrie. Meinungen gab es von außen viele, mach das nicht... nachher bist Du noch blöde, schwerbehindert usw. (was man so denkt, wenn man erfährt, es wird am Kopf rumoperiert). Aber okay, mein Kopf sagte schon lang, ich lasse es machen. 

In der Klinik wartete ich geduldig, und als die Frau Dr. vor mir saß, wieder alles anschaute und überlegt wurde, meinte sie, wir machen das rechte Ohr zuerst...

Ich dachte erst, ich hätte nicht verstanden... Schaute meinen Mann an... Die Ärztin... War ungläubig und sagte: „Das linke Ohr kommt dran…“.

„Nein“, sagte sie... Was haben sie zu verlieren? Tauber kann das Ohr nicht werden, aber es könnte sein, das sie auf dem rechten Ohr hören lernen können.

Dann ist im Falle eines neuen Hörsturzes links jedenfalls die Chance rechts zu hören wahrscheinlich gegeben.

Egal welches Ohr... Hauptsache ich höre wieder was,  mein Entschluss war jetzt gefestigt.

Wiedermal hat sich mein linkes Ohr erholt. Aber mein Entschluss stand fest. Ich habe mich für die Versorgung mit einem CI von  AB entschieden.

Bei der Untersuchung vor der OP fragte mich die Ärztin noch, ob ich lieber noch ein paar Wochen warten möchte, da gerade zu der Zeit das neue CI von AB rauskam, welches bei einer MRT Untersuchung ohne Probleme drin bleiben kann, das neue HiRes Ultra 3D CI, aber ich hatte mich entschieden, außerdem wollte ich nicht mehr warten, da ja auch der Weg weit ist… und andere Gründe mir im Kopf rumschwirrten. NEIN, ich bin soweit und MRT muss nicht unbedingt sein. Ich will jetzt nach so einer Entscheidung nicht noch mal warten müssen.

Somit wurde ich am 31.10.2018 (Halloween) auf meinem tauben rechten Ohr mit CI versorgt. Ich habe noch meine Späßchen gemacht und gebeten mir bitte keine „Mister Spock Ohren“ zu machen, da ja heute Halloween sei…

Noch während der OP hat man geschaut, was wohl ankommt. Alle waren begeistert und überrascht. Es klappte, es wird was ankommen... Wow.

Im Nachhinein war/ist immer noch nicht klar, warum bei mir rechts nie etwas ankam... da alles intakt schien. Ja, es wird immer ein Rätsel bleiben, warum ich taub bin auf der rechten Seite.

Jetzt ist mein Blechöhrchen schon ein Jahr alt geworden. Ich bin Happyyyyyy... Es kommt viel an... Wenn auch noch sehr leise, beim Üben direkt aufs CI, höre ich schon recht viel, aber halt sehr leise. Daher ist es dann auch sehr anstrengend. Ist alles egal. Ich bin sehr glücklich und froh diesen Schritt gemacht zu haben. Vieles hört sich noch fremd an und ist noch weit weg von normalem Sprachverstehen. Aber ich glaube fest daran, dass ich eines Tages gut und verständlich (auch Stereo) hören werde.

Im Moment ist mein linkes Ohr gut versorgt, mit einem passenden Hörgerät von Phonak, welches mit dem CI gekoppelt ist. Es hat seither auch keine Probleme mehr mit einem Hörsturz gegeben.

Vielleicht weiß mein linkes Ohr, dass es besser anständig bleibt, da ich jetzt keine fünf Jahre mehr überlegen würde, sondern gleich das Ohr mit einem CI versorgen lassen werde.

Ängste, dass ich von der rechten Seite noch zu wenig verstehe, habe ich auch nicht, da ich glaube im Falle dessen, müsste mein rechtes Ohr schneller lernen, ich glaube, es ist nur so faul, weil es ja das linke zur Verstärkung hat.

Ich gehe regelmäßig einmal die Woche zur Logopädie, dort habe ich öfter mit meiner Logopädin darüber gesprochen, dass ich es toll fände mit mehr CI Träger/innen in Kontakt zu kommen.

Die Idee wurde aufgegriffen und wir haben ein erstes Treffen mit den dort behandelten CI-Träger/innen gestartet. Da ich ein wenig die war mit der Idee, habe ich auch gleich dabei gefragt, ob Interesse an mehr solcher Treffen bestehen würde. Somit haben wir uns (wir wachsen sogar) jetzt schon fünfmal getroffen, das nächste Treffen haben wir für Februar 2020 ausgemacht.

Mittlerweile sind wir so um die zehn Leutchen, es wird sich ausgetauscht und viel geredet und gelacht. Da wir das in verschiedenen Lokalitäten machen, wird auch eine Kleinigkeit gegessen. Heute im Zeitalter der Smartphones haben wir natürlich auch zum Austauschen eine Whatsapp-Gruppe gemacht, dort wird mal mehr, mal weniger kommuniziert. Aber ich glaube für alle sprechen zu können, wir sind froh, dass wir uns zum Reden treffen können. Die nächsten Selbsthilfegruppen sind einfach zu weit weg. Daher kam mir auch diese Idee. Ich hoffe, wir werden weiter wachsen und noch viele Jahre Erfahrungen austauschen.

Ich kann es jedem nur anraten, sich auch über eine CI-Versorgung Gedanken zu manchen. Vielleicht hätte ich dieses schon zehn Jahre länger, aber niemand kam je auf die Idee das man da etwas machen könnte. Schade eigentlich, es sind viele Jahre verschenkt.

Daher sollten auch die Ärzte viel mehr über CI aufgeklärt sein, das auch sie bei solch aussichtslosen Fällen wie bei mir (ist halt so, Taub ist Taub), zumindest die Versorgung mit in Betracht ziehen.

So lieber Michael, liebe Blechöhrchen und die es vielleicht noch vor sich haben: DANKE, dass ich das hier weitergeben kann, vielleicht macht es dem einen oder anderen Mut, und er/sie findet sich in dem Bericht wieder.

Ich wünsche euch allen eine schöne Adventszeit, erholsame, besinnliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2020!!!

Dezember 2019
Marina Mattburger

Weiterlesen: Mein langer Weg zum besseren Hören mit Cochlea Implantat

  • Erstellt am .

Die Fortsetzung meiner Hörgeschichte!

Die Fortsetzung meiner Hörgeschichte!

Von Alice Springorum (vormals Breukmann)

Ich habe schon einmal im Blog über meine Hörgeschichte berichtet, wie sich meine Taubheit entwickelte und wie ich dann mit 2 CI´s versorgt wurde, 2015 am linken und 2016 am rechten Ohr.

Aber ich finde, außer der Hörreise, wie sich alles entwickelt und wie man mit dem Hören zurechtkommt, gibt es ja auch noch das Zwischenmenschliche und mein Umfeld. Wie gehen diese mit meiner Taubheit um, mit meinen Falschverstehern und daraus resultierenden Missverständnissen? Welche Belastung ist es auch tatsächlich für mein Umfeld, reagiere ICH immer äquivalent, oder bin ich eher empfindlich durch mein Handicap? Darüber habe ich mir Gedanken gemacht und möchte diesbezüglich schreiben.

Letztes Jahr im Januar 2018 trennte ich mich nach 14-Jähriger Lebensgemeinschaft von meinem Partner und ich kann nicht behaupten, dass meine veränderte Hörsituation nicht auch ein Grund dafür war. Wir lernten uns kennen, als ich noch mit HGs versorgt gut hörend war und meine Hörbehinderung nicht groß auffiel. H. wusste um meine Schwerhörigkeit, aber da sie nicht groß ins „Gewicht“ fiel, war diese kein Thema zwischen uns. Auch wussten wir, dass es nicht immer so bleiben würde… wir machen uns sogar zusammen auf und nahmen mehrere Kurse für Gebärdensprache zusammen wahr, um uns im Falle eines Falles auch weiterhin „unterhalten“ zu können. Ich fühlte mich unterstützt und gestützt. Mein Gehör ließ immer mehr nach und so langsam kippte die Situation. Es gab immer mehr Missverständnisse, mein Partner zeigte keine große Geduld beim ewigen Wiederholen während unserer Kommunikation. So konnte es nicht weitergehen und ich konnte auch ihn verstehen, dass das Mühsame jeglichen Dialog teilweise zerpflückte, weil man immer in seinen Gedankengängen unterbrochen wurde, von vorne anfing, den Faden verlor usw. Wir machten uns zusammen nach Bad Nauheim auf zu einem Informationswochenende und erfuhren dort alles, was man über eine Versorgung mit CI wissen sollte. Guten Mutes und voller Hoffnung, war uns nach dem Wochenende klar, dass ich ein CI benötigen würde. Und so ließ ich im Januar 2015 mein ertaubtes linkes Ohr mit einem CI versorgen.

Jedoch, meine Hörreise bis zum Sprachverstehen dauerte, war viel Arbeit und zunächst klappte es dann mit der Kommunikation noch schlechter als zuvor. Ich merkte die Enttäuschung von H. und setzte mich immer mehr unter Druck, um keine anstrengende Gesprächspartnerin zu sein. Verfiel natürlich in die Fehler, die wir alle kennen, „Ja“ zu sagen, obwohl man nichts verstanden hat, zustimmend zu nicken, nicht nachzufragen usw. So breitete sich zwischen uns immer eine größere Sprachlosigkeit aus. Als ich dann das Jahr drauf mit dem 2 CI am rechten Ohr versorgt wurde, und erneut eine lange Hörreise - auf der ich mich immer noch befinde – antrat, kippte die Situation noch mehr. Zum Beispiel benutzte ich zum Fernsehen das System Domino – ich trage zwei MedEl Sonnet. So konnte ich den Filmen gut folgen, H. fand es aber doof, da er sich mit mir dann während des Films nicht mehr austauschen konnte. Ich war immer darauf angewiesen, um H. zu verstehen, dass er mich ansah, weil ich sein Lippenbild benötigte…, wenn ich in der Küche war und H. aus dem Wohnzimmer mir etwas zurief, hatte ich keine Chance... usw. Wir kennen alle solche Situationen. Natürlich ist es für den Partner auch anstrengend und manchmal mühsam, jedoch hat nur ER die Chance mir und sich die Situationen zu erleichtern, indem es eben in der Kommunikation Regeln einzuhalten gibt, die beide Seiten befolgen müssen. Auffällig war jedoch, dass ich andere Menschen im Freundeskreis wesentlich müheloser und besser verstand. Viele guthörende Freunde bestätigten mir immer wieder: „na den verstehe ich auch nicht immer, der nuschelt ja auch total“!

Auf Anraten meiner Audiologin aus der Uniklinik Köln, bei der ich mir Rat holte, konnte ich H. dazu überreden, mich einmal zu einem Termin zu begleiten, um evtl. in eine bessere Kommunikation zu kommen, gegenseitig voneinander zu lernen. Die Audiologin stellte fest, dass H. sehr leise sprach, und die Wortenden immer verschluckte, sodass es für mich zu einem Wortbrei führte, der in der Tat schwer zu verstehen war. Froh die Ursache gefunden zu haben, fuhr ich mit H. voller Tatendrang nach Hause, um mit der Zeit festzustellen, dass das Wissen darum alleine auch nicht weiterhalf, wenn H. nicht bereit war, an seiner Aussprache etwas zu ändern, was dann leider nicht der Fall war. Die Spitze und der „Point of no return“ (auch für unsere Beziehung) war dann sein Satz nach einem Streit, die wir nun oft hatten „Man kann sich mit dir nicht mehr gescheit unterhalten, also rede ich mit dir einfach nicht mehr!“

Ich brauche hier nicht zu erklären, wie ich mich nach diesem Satz fühlte und dennoch versuchte ich noch zwei Jahre an unserer Beziehung festzuhalten. Natürlich ist nicht ausschließlich das Scheitern nun an meiner Hörsituation festzumachen, aber es wurde dadurch mit ausgelöst und war ein großer Bestandteil der Konflikte. Wir wurden ein sehr sprachloses Paar, die Leichtigkeit und der Humor ging uns komplett abhanden, für beides benötigt man Kommunikation und Dinge des Alltags, die wir uns vorher ausführlich erzählt hatten, wurden nun „TOTgeschwiegen“, der Tod für jede Beziehung.

Ich trennte mich, zog in eine eigene Wohnung und startete im April 2018 alleine neu durch. Mit H. verband und verbindet mich noch eine Freundschaft, denn durch unseren gemeinsamen großen Freundeskreis wollten wir versuchen, all diese Menschen, die uns am Herzen lagen, nicht in Loyalitätskonflikte zu stürzen.

Im Mai 2018, vollkommen ungeplant und nicht in meiner damaligen Lebensplanung vorgesehen, lernte ich meinen heutigen Mann kennen. Wir trafen uns durch puren Zufall am 03.05.2019 in einem vollkommen überfüllten Café, er setzte sich zu mir, weil alles voll war. Wir kamen ins Gespräch und ich war so fasziniert, dass ich diesen Menschen in dem akustisch vollkommen lauten Café verstehen konnte, seine Stimme sehr deutlich und akzentuiert, dunkel und kräftig und sein Mundbild so klar und deutlich. Es war für mich fast unglaublich, so gut hatte ich selten einen Gesprächspartner verstanden. Um 0:30 als schon alle längst gegangen waren, kehrten uns die Kellner aus dem Laden. Ich hatte U. von meiner Hörsituation und Hörreise erzählt. Für ihn war ich die erste Person, mit CI und auch war es für ihn das erste Mal überhaupt, von CIs zu erfahren. Ein spannendes Thema schien es für ihn zu sein, er zeigte viel Interesse. Wir schrieben uns die nächsten Tage intensiv und U. berichtete mir von seiner Internetrecherche über CI und alles was das Thema hergibt, fand auch meinen Blog hier auf der Seite und las ihn aufmerksam durch, las sich quer durch die diversen Foren usw. Ich war sehr beeindruckt und freute mich, auf Verständnis und Interesse zu treffen. Als ich ihn fragte, warum er sich so intensiv darüber informiere, meinte er nur, dass er doch wissen müsse, was ich bräuchte, um ihn gut verstehen zu können. Dieser Satz war wie Musik in meinen Ohren und so viel Verständnis und Einfühlungsvermögen machten mich dann doch auch einmal sprachlos. Und tatsächlich U. kapierte schnell, was ich brauche, sprach mich immer direkt an, wusste, dass ich im Auto schlechter kommunizieren konnte, als in Ruhe zu Hause, bekam aber auch mit, dass ich mich sicher in großen Menschenmengen bewegte und mich auf Gespräche fokussieren konnte. Er sagte mir, dass er stolz auf mich sei, wie gut ich mit den CIs hören könne, wie er es bewundere, dass ich mich sicher und souverän auch bei großen Menschansammlungen bewege und, dass wenn man es nicht wüsste, so gut wie nichts merken würde. Seine positive und aufbauende Einstellung meiner Situation gegenüber, die ich ja so vorher gar nicht gewohnt war, gab mir einen großen Schub nach vorne an Sicherheit und Selbstvertrauen. Musik ist für mich immer noch ein schweres Thema, Livemusik kann ich inzwischen hören und genießen, aber alles was aus einem Radio – Fernsehen oder von der Anlage kommt und sobald dort ein Sänger mit im Spiel ist, wird es für mich anstrengend und der Hörgenuss lässt sehr zu wünschen übrig. Er wird alles zu einem Klangbrei. Oft muss ich dann erst fragen, was es für ein Lied ist und wenn ich es dann von früher her kenne, erkenne ich es auch.

Auch da war U. unermüdlich mir die Situation zu verbessern. Spielte mit dem Equalizer rum, bis ich sagte, dass es sich für mich so fast wieder normal anhören würde, testete viel aus und gab mir immer das Gefühl, dass es ihm wichtig ist, mir eine absolute Komfortzone einzurichten in der ich mich wohl fühle.

Ich erlebte ein ganz anderes partnerschaftliches Miteinander, Kommunikation auf Augenhöhe und Verständnis bei „Verhörern“, über die wir herzlich lachen können. Natürlich kommt es auch bei uns zu Situationen, wie z.B.: ich zu meinem Mann, „Mein Lieber, wenn du den Kopf aus der Spülmaschine nehmen würdest, könnte ich dich auch besser verstehen!“

Keiner und nichts ist perfekt, aber der Wille einander zu verstehen, auf Augenhöhe zu begegnen, all dies hat mir U. gezeigt, dass Beziehung auch wieder Spaß machen kann. Dass Kommunikation wieder Spaß machen kann und nicht nur noch eine „anstrengende Sache“ ist

Meine komplette neue Familie, U. hat zwei Brüder mit Frau und Kindern, U, ist selber Vater von zwei Töchtern und Opa von fünf Enkeln, alle haben mir nie das Gefühl gegeben „anders“ zu sein und haben sich alle auf das „Abendteuer“ CI eingelassen, offen und ohne Vorbehalte.

Warum ich Euch das hier erzähle? Mir ist es wichtig zu beschreiben, dass Kommunikation in einer Beziehung, egal ob Freundschaft oder Partnerschaft der Schlüssel zu allem ist und es für beide Seiten Hindernisse gibt, die zu meistern sind, aber es eben auch Menschen gibt, die einen an den Rand des Zweifelns bringen können und man dennoch nie den Glauben und das Wissen um das was man kann und was man nicht kann verlieren sollte. Es wird immer wieder Menschen geben, die uns „weis“ machen wollen wir, die „Schwerhörigen“ oder Gehörlosen seien die, die sich bemühen müssten, noch konzentrierter zuzuhören, noch mehr Training usw., aber genau diese Menschen haben unser Gehör doch gar nicht verdient!

Übrigens am 21.12.2018 haben U. und ich geheiratet und ich weiß, dass ich in ihm immer einen verständnisvollen und unterstützenden Partner haben werde, der mich auf meiner Hörreise begleitet und auch schon diesbezüglich mit mir einige Seminare vom CI Verband NRW besucht hat, um einfach immer noch mehr über CI´s zu erfahren.

Mit herzlichen Grüßen
Alice Springorum

Weiterlesen: Die Fortsetzung meiner Hörgeschichte!

  • Erstellt am .

Nr. 4 Entscheidung für den Kindergarten

Maries Blog Nr. 4 - Entscheidung für den Kindergarten

www.marie-kann-hoeren.de

Förderkindergarten, Integration, Inklusion oder klassisches Modell?

Es gibt in Deutschland spezielle Einrichtungen, in denen speziell ausgebildete Erzieherinnen schwerhörige, taube und Kinder mit Cochlea Implantaten (CI) gezielt fördern. Ab 3 Jahre können diese Kinder die so genannte SVE, die „schulvorbereitende Einrichtung“ besuchen. Die Gruppenräume sind so gestaltet, dass die Kinder eine Umgebung mit möglichst wenig Störgeräuschen vorfinden. Teppiche, Vorhänge, schalldämmende Materialen und Lärmschlucker sorgen dafür, dass es in den Räumen nicht hallt. Die Gruppengröße ist auf maximal acht Kinder beschränkt, was eine optimale Förderung der Kinder erlaubt. Die Kinder und Erzieherinnen arbeiten mit technischen Hilfsmitteln wie beispielsweise einer FM-Anlage, bei der etwa im Morgenkreis das, was gesagt wird, direkt auf das CI des Kindes übertragen wird. Da es solche speziellen Einrichtungen verständlicherweise nicht wie Sand am Meer gibt, kommen die Kinder von weit her.

Ich habe mir im Vorfeld die SVE am Förderzentrum in Johanniskirchen angeschaut, um die bestmögliche Entscheidung bei der Kindergartenwahl treffen zu können.

Die Förderung des Wortschatzes und der Spracherwerb stehen am Förderzentrum Hören in Johanneskirchen im Vordergrund. Beim Morgenkreis sitzen die Kinder im Halbkreis um die Erzieherin herum, und es werden spielerisch neue Wörter, „Vokabeln“, gelernt. Dabei geht es nicht nur um den Erwerb der Laut-, sondern auch der Gebärdensprache, da es bei CI-Kindern nie sicher ist, wie erfolgreich sie in die Lautsprache kommen.

Als ich mit meiner Tochter zum Schnuppern da war, ging es um das Thema Nikolaus. Der Morgenkreis dauerte eine dreiviertel Stunde und war erst beendet als alle Kinder die neuen Vokabeln „Nikolaus“, „Sack“ und „Mandarine“ richtig aussprechen und gebärden konnten. Danach wurde gemeinsam Brotzeit gemacht und anschließend gemeinsam gebastelt (einen Nikolaus mit einer Nuss – da wurden noch einmal die Vokabeln wiederholt). Danach war eine Stunde Freispiel und um 12 Uhr war der Kindergartentag auch schon wieder vorbei.

Um die Eltern bei der langen Fahrzeit zu entlasten, werden die Kinder von Kleinbussen abgeholt und später wieder nach Hause gebracht. Das heißt, dass je nach Fahrzeit die Kinder gegen 12:30 Uhr wieder daheim eintreffen. Mittag gegessen wird zuhause.

Spielerisch lernen

Ich finde es toll, dass wir hier in Deutschland die Möglichkeit haben, unsere Kinder so speziell fördern zu können. Aber für mich und viele andere Eltern stellt sich die Frage, wie man bei solchen Zeiten einigermaßen praktikabel berufstätig sein kann. Es gibt neben der SVE aber auch ein Tagesheim, da könnte man sein Kind dann für den Nachmittag anmelden. Aber dann muss es dort bis 17 Uhr bleiben, weil dann erst wieder die Busse fahren. Früher abholen ist nur in Ausnahmefällen gestattet, weil diese Plätze vom Bezirk Oberbayern finanziert werden und die Leistung nicht nur zu Hälfte bezogen werden kann. Für ein Kind von drei Jahren, das um 7 Uhr in der Früh mit dem Bus hingebracht wird und dann erst gegen 18 Uhr wieder nach Hause kommt, ist das wahnsinnig stressig.

Das war aber nur einer der Gründe, warum ich mich letztlich gegen die SVE entschieden habe.

Ein weiterer Grund war, dass meiner Meinung nach zu wenig Freiraum und Entfaltungsmöglichkeit für das einzelne Kind geboten war. Irgendwie heißt es zu Recht „schulvorbereitende Einrichtung“ und nicht „Kindergarten“. Für meine Tochter, und selbst für mich, war es nicht einfach, eine dreiviertel Stunde beim Morgenkreis ständig diese drei neuen „Vokabeln“ zu üben. Ich hatte auch den Eindruck, dass es hier schwer werden würde, dass sich richtige Freundschaften unter den Kindern entwickeln. Einerseits hinkten die meisten anderen Kinder sprachlich doch sehr hinterher. Andererseits gab es kaum die Möglichkeit des gemeinsamen Spielens. Nicht wenige von den anderen Kindern bleiben nachmittags im Tagesheim, und die anderen wohnen in ganz München verstreut.

Bis zu diesem Besuch in der SVE hatte ich gedacht, dieses spezielle Konzept würde uns vielleicht dabei helfen, meine Tochter sprachlich soweit fit zu machen, dass sie später in einer Regelschule mit gleichaltrigen Kindern sprachlich gleichauf ist. Aber als ich die SVE besuchte, kam bei mir das Gefühl auf, mein Kind wohl sprachlich und auch mental unterschätzt zu haben.  Sie war ja vorher auch in einer „normalen“ Krippe, wo sie sehr gut zurechtkam, und zudem von den anderen Kindern und insbesondere ihrer Freundin lernte. Am selben Tag noch rief ich in der Arche an, wo uns dann ebenfalls ein Schnuppertag ermöglicht wurde.

Es war letztlich meine Tochter mit noch nicht mal drei Jahren, die die Entscheidung traf. Während unseres Besuchs in der SVE stand sie immer wieder auf und wollte nach Hause. Nach dem Schnuppertag in der Arche fragte sie mich ständig, wann sie da wieder hin dürfe.

Neben dem liebevollen und spielerischen Umgang mit den Kindern dort, spielte es auch eine große Rolle, dass ihre beste Freundin in die Arche gehen würde. Mit ihr kann sie einfach Kind sein, spielen, toben und Quatsch machen. Die hilft ihr auch schonmal beim Batteriewechseln des CIs (das blinkt nämlich rot wenn die Batterien leer sind) – für sie das normalste der Welt.

Und ist es nicht so, dass überall von Integration bzw. Inklusion gesprochen wird? Im Kindergarten geht dieses Konzept doch ganz gut auf. Wichtiger als alles technisches Equipment und Fachwissen ist es meiner Meinung nach, sich bewusst auf jedes einzelne Kind einzustellen – ob mit oder ohne speziellem Förderbedarf.

Wie es später mal in der Schule aussieht, sei erstmal dahingestellt, und lassen wir auf uns zukommen. Aber letztlich denke ich, profitieren Kinder mehr von Inklusion als von Separation. Für die Kinder ist es jedenfalls ganz „normal“. 😊

Weiterlesen: Nr. 4 Entscheidung für den Kindergarten

  • Erstellt am .

Mein Weg zum Cochlea Implantat

Mein Weg zum Cochlea Implantat

Von Sarah Berger

Ich bin 22 Jahre alt und habe mein Cochlea Implantat (CI) am 25. Juli 2019 erhalten.

Ich war von Geburt an stark schwerhörig, hatte mehrere Hörstürze auf beiden Seiten, aber meine Eltern waren damals gegen die Operation eines Cochlea Implantates. Viele Jahre später hat mein Hals-Nasen-Ohren Arzt dann bemerkt, dass ich quasi ertaubt bin und somit habe ich mein Cochlea Implantat dieses Jahr bekommen, auch durch Unterstützung von meinen Betreuern.

Zur Operation selbst kann ich direkt nichts sagen, da gab es nicht besonderes zu berichten. Als der Sprachprozessor am 19. August 2019 bei der Erstanpassung aktiviert wurde, war ich aber sprachlos. Ich habe ich das Sonnet 2 von Med-El bekommen und an diesen Tag hat sich mein Leben verändert.

Ich konnte bereits direkt verstehen und übe seitdem jeden Tag 20 Minuten, mache Training mit dem CI, während meine Betreuer und Mitbewohner fleißig Gebärdensprache üben. Mein Bruder und meine Schwägerin sagen mir immer wieder, dass ich mit dem CI schon sehr viel besser höre und sie nicht mehr so laut sprechen und auch nicht mehr alles immer wiederholen müssen. Die Kommunikation klappt insgesamt schon sehr viel besser und dafür bin ich sehr dankbar!

Die beiden sind genauso stolz auf mich wie meine Betreuer und das macht mich sehr glücklich. Ich kann mit dem CI Musik hören, Gitarre spielen und singen und das macht wiederum mich glücklich, ich bin selbstbewusster und selbstsicherer geworden. Ich mache gerne Musik. Das habe ich mir teilweise selbst beigebracht, ich schaue aber auch auf YouTube nach Anleitung und einer meiner Betreuer ist selbst auch Musiker!

Ich fotografiere zudem sehr gerne, ich genieße mein Leben mit meinem Cochlea Implantat und das habe ich dem Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern und der Bosenberg Klinik in St. Wendel zu verdanken.

Liebe Grüße an alle Leser!

Sarah Berger
November 2019

Weiterlesen: Mein Weg zum Cochlea Implantat

  • Erstellt am .