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Meine Erfahrungen mit dem Cochlea Implantat

Als ich etwa 30 Jahre alt war, wurde diagnostiziert, dass ich aufgrund erblicher Vorbelastung kein optimales Hörvermögen besaß. Frühere eigene Erfahrungen wurden damit bestätigt. In den Folgejahren wurden mir auf beiden Ohren Mittelohrimplantate als Ersatz für die nicht mehr
ausreichend leitfähigen Mittelohrknöchelchen implantiert. Das half einige Zeit, bis das Hörvermögen doch immer weiter nachließ und ich nicht mehr auf Hörgeräte verzichten konnte. Im Alter von 55 Jahren erwischte mich dann ein Hörsturz auf dem linken Ohr, nach dem ich auf der linken Seite praktisch taub und nur noch auf das schon erheblich schwächere rechte Ohr angewiesen war. Aber auch das entwickelte sich im Laufe der folgenden Jahre immer weiter abwärts und ich entschloss mich
mit 67 Jahren zur Implantation eines CI auf der linken, tauben Seite. Dieser Entschluss fiel mir nicht schwer, da ich schon am Beispiel meiner Mutter erfahren hatte, wie sehr ihr vor Jahren schon ein implantiertes CI geholfen hat.

Anfang Februar 2016 wurde ich in der Uniklinik Frankfurt operiert. Ende Februar erhielt ich dann meinen Cochlear-Prozessor und der erste überraschende Höreindruck war das Vogelzwitschern vor dem Klinikgebäude, das ich seit vielen Jahren nicht mehr gehört hatte. Zu meiner Erstausstattung hatte ich mir einen TV-Streamer ausgesucht, der den Fernsehton drahtlos auf das CI überträgt und das war eine gute Entscheidung. Ich versuchte Fernsehsendungen ausschließlich mit dem CI zu hören und hatte schon nach relativ kurzer Zeit Hörerfolge, insbesondere dann, wenn einzelne Sprecher (z. B. bei Nachrichten oder Natursendungen) ohne Begleitgeräusche oder Musik zu hören waren.

Natürlich war der Klang im CI ein anderer als der gewohnte, vieles hörte sich zunächst wie Computerstimmen an. Aber ich gewöhnte mich im Laufe der Zeit daran und auch das Zusammenspiel zwischen CI und dem Hörgerät auf der anderen Seite war irgendwann immer vertrauter.

Während eines dreiwöchigen Reha-Aufenthaltes in der Kaiserberg-Klinik Bad Nauheim kam ich wieder ein ganzes Stück voran und erhielt wertvolle Informationen für die Praxis in der Zeit danach. Dort erfuhr ich allerdings auch von Menschen, die nicht das Glück hatten, die CI-Implantation ohne Folgeprobleme zu überstehen und die nur geringen oder gar keinen Hörgewinn verzeichnen konnten.

Inzwischen trage ich das CI schon seit mehr als eineinhalb Jahren. Mein Hörvermögen hat sich im Laufe der Zeit stetig verbessert und das CI ist für mich inzwischen die Basis des Sprachverständnisses, was ich immer merke, wenn ich es mal abnehme und nur mit dem Hörgerät höre. Das Hörgerät liefert mir eigentlich nur noch den vertrauten Klang. Probleme macht noch das Telefonieren, aber abhängig von der Tonqualität des jeweiligen Gerätes. Interessanterweise habe ich festgestellt, dass ich mit meinem Handy oft besser verstehen kann als mit einem speziellen Telefon für Hörgeschädigte. So oft wie möglich nutze ich Hörtrainingsprogramme über das Handy, mit dem Telefon oder auf CD. Die in der Reha erhaltene Empfehlung zu konsequentem Hörtraining kann ich nur unterstreichen.

Das Musikhören mit dem CI ist allerdings für mich noch immer kein ungetrübtes Vergnügen und ich glaube auch, dass es da technische Grenzen gibt. Wenn ich meine Ansprüche aber reduziere und mich auf die richtige Musikauswahl konzentriere (z. B. Stücke, die ich schon kenne, mit einzelnen Stimmen oder Instrumenten - gleich ob klassisch oder modern) macht es trotzdem Spaß.

Für mich steht fest, dass ich nicht mehr auf das CI verzichten möchte, und ich bin zuversichtlich, dass sich mein Hörvermögen und die Hörqualität damit auch jetzt noch weiter verbessern können.


August 2017
Hans G. Wagner

  • Erstellt am .

Von Arrangement zur Akzeptanz Teil 2

Mein Leben mit dem CI

Fast zwei Jahre sind seit der Erstanpassung des CI’s vergangen. Jetzt ist für mich der Zeitpunkt gekommen diese Zeit Revue passieren zu lassen. Viel ist mit mir passiert.

In den ersten Monaten ging es darum, dass CI anzupassen. Das war nicht so einfach, da ich seit meiner Geburt auf der rechten Seite taub bin. Die Ärzte waren verhalten optimistisch, ob ich jemals das Sprachverstehen erlangen werde. Wenn überhaupt, dann sicher erst in 2-3 Jahren. Es passt zu meinem Charakter, dass ich diesem verhaltenen Optimismus entgegentreten und es in einer kürzeren Zeit schaffen wollte.

Nach der sehr intensiven stationären Reha Anfang letzten Jahres war ich soweit, dass mit dem CI räumliches Hören möglich war. Noch nie zuvor war ich in der Lage zu sagen woher ein Geräusch kommt. Früher musste ich zur Lokalisation eines Geräusches immer meinen Kopf drehen, um mit der linken Seite zu hören, wo das Geräusch am lautesten war. Ich sagte dazu immer, ich muss meinen Radar schwenken. Mit dem CI auf der rechten und dem Hörgerät auf der linken Seite (da bin ich mittelgradig schwerhörig) konnte ich mich ab sofort orientieren. Dies führte zu einer deutlich besseren Sicherheit, insbesondere auch als Teilnehmer im Straßenverkehr.

Das Sprachverstehen dagegen ist nur ansatzweise und im Trainingsbetrieb vorhanden. Hierfür besuche ich seit Mitte letzten Jahres eine ambulante Reha. Das bedeutet einmal die Woche zwei Stunden Training. Danach möchte ich am liebsten alle Hörsysteme ausschalten und nur noch Ruhe haben. Doch dieses intensive Training hat mein Sprachverstehen voran gebracht. Dennoch waren die Erfolge nur sehr spärlich. Ich habe zusätzlich zu Hause am PC trainiert.

Mein ganzes Leben drehte sich nun darum das Sprachverstehen zu erlangen. Oft merkte ich wie müde ich war. Denn das Training fand nach der Arbeit statt und / oder am Wochenende. Hinzu kam, dass ich beruflich von Darmstadt nach Frankfurt umziehen musste. Dies bedeutet für mich zwei Stunden länger unterwegs zu sein als bisher. Stress pur. Ich fuhr mit dem Zug und dachte ich könnte so die Fahrten zur Entspannung nutzen. Doch weit gefehlt. Wie oft hatte ich lautstarke Mitfahrer im Zug. Es war mir nicht möglich diese Geräuschkulisse auszublenden. Hörsysteme ausschalten war für mich auch keine Option, da dies Unsicherheit hervorruft und ich dann das fehlende Hören durch meine Augen zu ersetzen versuchte. Hinzu kam dann auch die ambulante Reha, die ich außerhalb meiner Arbeitszeit machen musste, um nicht zu viele Stunden Arbeitszeit zu verlieren, die ich dann wieder aufholen musste.

Das Gebäude, das seit August letzten Jahres meine neue Arbeitsstätte in Frankfurt wurde, ist neu erbaut worden. Das darin entwickelte Konzept der Raumgestaltung war für mich als Schwerhörige eine Katastrophe. Teppichboden, Schallschlucker an den Wänden und auch eine schalldämpfende Decke. Ich hatte massive Probleme Kollegen zu verstehen. Viele sagten zu mir, deine Schwerhörigkeit ist schlechter geworden. Unterstützung durch meinen Arbeitgeber fand nicht statt. Allein auf weiter Flur kämpfte ich gegen die Behörden an, um technische Hilfsmittel zu bekommen. Ständiges Nachfragen bei den Kollegen, wenn ich etwas nicht verstanden habe, nervte nicht nur mich. Ich wollte auch niemandem auf die Nerven gehen, indem ich immer und immer wieder darauf hinwies, doch bitte langsam deutlich und mir zugewandt zu reden. Hier hatte ich sehr oft das Gefühl, dass die Kollegen dachten, sie hat doch jetzt das CI und muss uns doch jetzt verstehen. Diese Denkweise kann man keinem Normalhörenden verübeln. Der Vergleich mit einer Beinprothese wurde zwar gesehen, dennoch nicht auf das Gehör umgesetzt. Obwohl alle wussten, dass ich massive Probleme und Ängste mit dem Telefonieren habe, wurde ich doch immer wieder gebeten dieses oder jenes telefonisch zu klären.

Wenn ich dies so schreibe, merke ich jetzt im Nachhinein wie stressig das Ganze doch geworden war. In der Situation selbst habe ich das gar nicht so empfunden.

Auch die Signale meines Körpers habe ich nicht verstanden. Viele kleine Wehwehchen, Erkältungen usw. in den letzten Jahren hielten mich nicht davon ab arbeiten zu gehen. Schlaflose Nächte voller Kopfkino waren schon normal für mich. Zunehmende Gereiztheit war die Folge, die in der Regel mein Mann zu spüren bekam. Auf der Arbeit hatte ich mich weitestgehend im Griff. Aber auch da gab es genügend Hinweise darauf, dass ich „am Ende“ war. Ich war zu stolz, um zu sagen, es wird mir zu viel, ich schaffe es nicht mehr. Im Gegenteil, ich nahm immer mehr Arbeit an. Nein sagen passte nicht zu mir. So kannte mich ja auch keiner. Das Ergebnis waren Fehler unter anderem durch ziemlich gravierende Konzentrationsmängel und Vergesslichkeit.

Aufgrund vermeintlich kleiner Wehwehchen suchte ich Ende letzten Jahres meine Hausärztin auf. Das Blut sollte im Labor getestet werden. Das Ergebnis der Blutwerte war sehr schlecht. Viele Werte waren im roten Bereich. Die Ärztin gab mir deutlich zu verstehen, dass ich meine Lebensgewohnheiten dringend ändern muss.

Immer noch war ich nicht bereit meine kritische Situation zu erkennen. Das ambulante Reha Training stagnierte und ich fühlte dadurch immer mehr Druck. Eine ziemlich heftige Erkältung zwang mich dann Anfang des Jahres erneut meine Ärztin aufzusuchen. Ich wollte ein Mittelchen, am liebsten mit sofortiger Wirkung, dass ich gleich wieder arbeiten gehen kann. Sie lehnte meinen Wunsch ab und wollte mich für zwei Wochen krankschreiben. Das wiederum lehnte ich ab. Sie muss wohl gemerkt haben, wie sehr ich unter Druck stand und beharrte auf dieser Krankmeldung. Die Ärztin gab mir auch deutlich zu verstehen, dass es so nicht weitergeht und ich dringend psychologische Unterstützung In Anspruch nehmen sollte.

Zwei Wochen später hatte ich den ersten Termin bei dem Psychologen. Dieser hat mich dann sofort „aus dem Verkehr“ gezogen. Mein Widerstand war auch nicht mehr so groß, hatte er mich doch 45 Minuten intensiv bearbeitet. Seit dieser Zeit, fast ein halbes Jahr schon, bin ich nun krankgeschrieben. Regelmäßige Gespräche mit dem Psychologen bringen mich Stück für Stück voran. Meine Depressionen und Konzentrationsprobleme sind die Folge von jahrelangem Ignorieren bzw. Arrangieren meiner Hörbehinderung. Wie ich im ersten Teil meiner Dokumentation schilderte, war der Umgang mit meiner Hörbehinderung für mich ein ewiger Kampf dagegen. Ich wollte immer und überall mithalten können. Erst im letzten Jahr wandelte sich das Arrangieren in Akzeptanz der Hörbehinderung. Vielleicht musste dieser Schritt erst sein, um auf den richtigen Weg zu kommen.

Stolz auf die Akzeptanz mit der Behinderung erzählte ich dem Psychologen, wie sehr ich seit meiner Geburt daran arbeitete, dass niemand etwas von der Behinderung merkte. Es war ja auch für mich etwas ganz Normales, da meine Eltern diese Behinderung auch nicht als solche ansahen. Ich war stolz darauf, dass ich mit Normalhörenden aufwuchs, zwei Berufsausbildungen absolvierte und dann im Arbeitsleben „meinen Mann“ stand. Nicht wahrhaben wollte ich, dass es mit meinem Älterwerden für mich immer schwieriger wurde die Hörbehinderung zu amortisieren. Der berufliche Umzug nach Frankfurt gab mir dann den Rest. Der Psychologe hörte in der Regel kopfschüttelnd zu. Am Ende meiner Schilderung zeigte er mir sehr deutlich auf, dass ich praktisch seit meiner Geburt über meine Verhältnisse lebe. Kommunikation ist ein sehr großer und wichtiger Bestandteil im menschlichen Miteinander. Ca. 80% unserer Energie verwenden wir für die Kommunikation. Ich dagegen wahrscheinlich 150%, da ich die gesprochenen Buchstaben (von denen ich manche aufgrund meiner Behinderung gar nicht verstehen kann) erst in meinem Kopf zu einem sinnvollen Wort und dann die Worte zu einem Satz zusammenstellen muss. Das geschieht in einem Bruchteil von einer Sekunde im Unterbewusstsein. Dieser Schritt benötigt einen deutlichen Anteil an Energien. Dies 55 Jahre lang so durchgeführt, lässt den Rückschluss zu, dass ich vollkommen ausgebrannt bin. Zusätzlich kommt noch dazu, dass ich langsam Sprachverstehen entwickele und dies ebenfalls sehr viel Energie kostet, da diese Hirnareale noch nie gearbeitet haben. Auch die Konzentrationsprobleme lassen sich so gut erklären.

In der Anfangszeit meiner Krankschreibung plagte mich das schlechte Gewissen gegenüber den Kollegen und das Eingestehen einer Depression bei mir selbst. Ich brach als erstes alle Kontakte zur Arbeit ab. Mein Mann hielt den notwendigen Kontakt aufrecht und informierte meine Chefin über die Krankmeldungen. Alle Reaktionen von dort, aber auch im privaten Bereich stellten sich mir zunächst nur negativ dar. Ich war gegenüber allen Dingen misstrauisch und negativ eingestellt. Das zog mich immer mehr runter. Die depressive negative Spirale wurde immer länger. Diese Situation war auch für meinen Mann extrem schwierig. Er sagte immer wieder, er fühle sich so hilflos der Krankheit gegenüber. Bei einem gebrochenen Fuß könne er den Hocker drunter schieben, damit ich besser sitzen kann. Aber hier weiß er sich keinen Rat. Mein Gegenargument, dass das bloße neben mir sein schon genügt, konnte er nur schwer nachvollziehen. Wie wichtig ist es in dieser Zeit Unterstützung zu haben, einfach Menschen um sich zu haben, die ohne viel zu fragen da sind. Inzwischen bin ich dank der Antidepressiva ziemlich stabil und auf dem Weg der Besserung. Dennoch gibt immer wieder mal Tiefpunkte, die mich aber nicht mehr soweit runter ziehen, sodass die Kurve insgesamt nach oben geht. Ziel wird sein, auch ohne die Medikamente stabil zu werden.

Nach einiger Zeit zu Hause habe ich einen anderen Biorhythmus entwickelt. Ich schlafe für meine Verhältnisse lang, habe gesündere Essgewohnheiten. Mein Körper hat sich umgestellt. Allergien gegen dies und jenes sind verschwunden. Fast 6 Monate bin ich zu Hause, langweilig war mir noch kein einziger Tag. Die ambulante Reha (Hörtraining) wird seit Mai fortgesetzt. Die Ergebnisse im Sprachverstehen sind deutlich besser geworden, wenn man davon absieht, dass ich nach einer Stunde mit den Konzentrationsproblemen kämpfe. Mein Blut wurde ebenfalls erneut getestet. Auch hier spricht das Ergebnis eine deutliche Sprache. Alle Werte fast wieder im Normbereich. Langsam beginne ich wieder zu leben und dieses Leben bewusst nach meinen Wünschen zu gestalten. Ich treffe mich wieder mit Freunden und habe Spaß am geselligen Zusammensein mit Menschen. Der Wunsch wieder einen Hund aufzunehmen wächst. Auch wenn ich mich damit vom Verstand her leider noch gedulden muss, das Herz sagt etwas anderes. Aber solange meine berufliche Zukunft nicht geklärt ist, muss ich leider Pläne in dieser Hinsicht zurückstellen. Das ist für mich nun eine neue Aufgabe, der ich mich schweren Herzens stellen muss - Geduld üben.

Ich gehe sehr offensiv mit meiner Erkrankung um. Viele, die mich kennen, hätten nie gedacht, dass mich eine Depression irgendwann mal im Griff haben könnte. Ich wäre doch immer so taff und zupackend gewesen. Stimmt, aber ich bezahle jetzt dafür. Noch rechtzeitig hat meine Ärztin mir ins Gewissen geredet und ich bin den notwendigen Schritt zu einer psychologischen Behandlung gegangen. Dies hat sicher den totalen Absturz verhindert.

Ursula Krumb

  • Erstellt am .

Vom „Hä?“ zum „…das hab ich gehört!“

„Blindheit trennt von den Dingen, Taubheit von den Menschen“ (Zitat Helen Keller)

Mit diesem Satz beschreibt Helen Keller sehr treffend wohl nicht nur meine Sicht auf die Welt der Gehörlosigkeit, sondern die vieler von Gehörlosigkeit Betroffenen. Aufgewachsen bin ich in einer Familie bei der das Wörtchen „Hä?“ zur Tagesordnung gehört/gehörte. Großmutter, Mutter, Tante, Cousine und Cousin, allesamt schwerhörig bis an Taubheit grenzend /gehörlos. Meine Cousine und ich sind jetzt die 3. Generation, die beidseitig mit einem Cochlea Implantat versorgt wurden. Die OP war bei uns allen ein voller Erfolg, keiner bereut seine Entscheidung. Durch diesen wichtigen Schritt haben wir alle ein sehr GROSSES Stück an Lebensqualität und Selbstständigkeit gewonnen.

Doch es war nicht immer leicht in einer Familie aufzuwachsen, in der nahezu niemand, außer meinem Vater, etwas hört. Sicher, es gab/gibt die lustigen Momente in der „Rose“ mit „Hose“ verwechselt wird. Aber es gibt auch Augenblicke, die die Kehrseite eines solchen Handicaps aufzeigen. Meine Mutter konnte mit ihrer letzten Hörgeräteversorgung nicht telefonieren und nicht an Gruppendiskussionen teilnehmen, sie war „wohl oder übel“ auf ihren Mann angewiesen. Ich persönlich schätze meinen Vater dafür sehr, er ist und war immer geduldig mit uns beiden. Ich bin stolz auf meine Mutter, dank der CI’s konnte sie sich ihre Selbstständigkeit zurückholen.

Für mich als Kind war der Werdegang zum Implantat und der Weg danach sehr spannend. Meine Mutter hatte als Erste den Mut in der Familie, sich operieren zu lassen. Danach ging es zu wie bei den Lemmingen (:D). Das schwerste bei Ihr war damals noch der Kampf mit der Krankenkasse. Man muss es sich vorstellen, bis kurz vor der Operation (beim ersten CI) wollte diese nicht bezahlen. Neben der Angst vor der OP eine zusätzliche Belastung. Nachdem endlich das „Go“ der Krankenkasse erfolgte, kam das Zittern und Hoffen. Die Operation verlief ausgezeichnet. Die ersten Gehversuche mit dem Implantat (damals noch 4-6 Wochen nach der OP), waren auf dem Nachhauseweg im Auto. Ich hatte mir eine Liste auf einem Stück Pappe zusammengeschrieben mit Worten, die für meine Mutter schwierig waren. An ein Wort kann ich mich heute noch genau erinnern, denn das war „Fenstergardine“. Mich erfüllte es voller Stolz als meine Mutter, die auf dem Beifahrersitz saß (ich hinter ihr auf dem Rücksitz), das Wort verstanden hatte. Die lauten Umgebungsgeräusche von Auto, Radio und Co. störten und hinderten sie nicht mehr. Mit den Hörgeräten wäre das unmöglich gewesen!

Als der Rest der Familie miterlebte, wie viel besser es meiner Mutter mit dem implantierten Ohr ging, zogen sie nach. Es war nun möglich an Geburtstagen, Weihnachten oder bei anderen Familienfeiern, sich normal zu unterhalten. Naja, vielleicht nicht ganz „normal“. Es ist heute noch immer sehr amüsant auf unseren Feiern. Aber nicht, weil jemand „Hose“ statt „Rose“ versteht, sondern weil wir uns alle EIGENTLICH normal unterhalten KÖNNTEN. Bei uns sieht es aber so aus: auf die anderen wird keine Rücksicht genommen. Von einem Tischende zum anderen werden Unterhaltungen „geschrien“. Sehr unterhaltsam! Man sollte meinen durch die eigene Schwerhörig-/Gehörlosigkeit seien wir sensibilisiert. Nichts da! Innerhalb der Familie wird, wie man auf hessisch so schön sagt, „einfach druff los gebabbelt“.

Mein eigener Gang zu einer beidseitigen Cochlea Implantat Versorgung ging schnell. Nach meiner Berufsabschlussprüfung vereinbarten wir im November 2016 einen Termin in der Uniklinik Frankfurt zur Voruntersuchung. Beim nächsten Besuch wurde mir ein OP-Termin im Dezember 2016 angeboten. Selbstverständlich zögerte ich nicht lange und nahm diesen an. Die Entscheidung, mich operieren zu lassen und damit das Risiko einzugehen, mein zu diesem Zeitpunkt noch vorhandenes Resthörvermögen zu verlieren, fiel mir ziemlich leicht. Zum einen hatte ich vier positiv Beispiele in der Familie, zum anderen dachte ich mir, schlimmer kann es nicht werden. Ich hatte viel Unterstützung von meinen Eltern und auch von meinem Mann. Das vereinfachte die große Entscheidung, denn es ist immerhin ein Eingriff am Kopf.

Am Tag meiner Operation war ich das reinste Nervenbündel. Zu warten bis man in die OP-Vorbereitung geschoben wird, ist grausam. Ich saß in dem OP-Kittel auf dem Bett und habe mir die Augen ausgeweint. Das ganze Prozedere dauerte bei mir etwas länger als üblich, aber auch bei mir verlief es sehr gut. Nach dem Aufwachen war das erste was ich fühlte, Hunger! Meine Eltern und mein Mann warteten mit Essen auf mich. Auch wenn ich noch leicht benommen von der Narkose war, bekam ich mit, dass meine Mutter Tränen in den Augen hatte. Alle waren überglücklich, dass ich die Operation so gut überstanden hatte. Ich für meinen Teil, war einfach froh wieder in die Gesichter der Menschen zu schauen, die ich am meisten liebe.

Die Nachuntersuchung verlief leider nicht ganz so wie ich mir es vorgestellt hatte. Frisch operiert, wurde ich von den Schwestern, vollkommen gehörlos, alleine zum Röntgen geschickt. Das Gebäude, in dem die Aufnahmen gemacht werden, ist ein ganzes Stück von der Poliklinik entfernt. Auf dem Gelände der Frankfurter Uniklinik fahren Autos, die ich vollkommen gehörlos, nicht hätte kommen hören. Etwas gefährlich, wenn man mich fragt. Das Personal war vielleicht nicht gerade das freundlichste, aber bei Problemen stets parat. Deshalb würde ich mich jederzeit wieder für die Frankfurter Uniklinik entscheiden. Dem Tag meiner Entlassung fieberte ich entgegen, nach drei Tagen durfte ich endlich nach Hause.

Die Uniklinik bot mir vor der Operation die Frühanpassung (Anpassung einige Tage nach der OP) an. Diese Art der Anpassung war für mich genau das Richtige. So wurde mir die Möglichkeit geboten, schneller wieder in das Berufs- und Sozialleben einzusteigen. Eine Woche nach dem Eingriff war es dann soweit, meine Erstanpassung. Die Erwartungen lagen natürlich sehr hoch. Durch meine Mutter, Oma, Tante und Cousine wusste ich was auf mich zukam. Die Technikerin schloss mich am Computer an und stellte mich das erste Mal “online“. Das erste was ich gehört habe waren Töne, gleichmäßige Töne im Einklang der Geräusche. Manch einer kann sich das vielleicht nicht vorstellen, aber ich war überglücklich einfach nur einen Ton hören zu können. Es mischte sich aber auch das Gefühl der Traurigkeit ein, da ich das gesprochene Wort der Technikerin nicht verstehen konnte. Nur durch Ablesen der Lippen konnte ich dem Gespräch folgen. Daher ein Tipp von mir, lest keine Erfahrungsberichte über die Erstanpassung. Sollte es bei einem selbst nämlich nicht so klappen, ist man Ende nur deprimiert.

Der Hörtest verlief sehr gut, aber der Zahlentest vermieste mir meinen Tag. Keine einzige Zahl kam bei mir an. Die Töne änderten sich auch im weiteren Tagesverlauf nicht, gesprochene Worte waren nur hohe und tiefe Töne. Die sehnlichst erwünschte „Mickey Mouse“ ließ auf sich warten. Am Abend allerdings, als ich das CI schon verflucht hatte, konnte ich das erste Mal eine Stimme vernehmen. Es klang wirklich sehr witzig, dieses Gequietsche. Für mich war es ein volles Erfolgserlebnis. Die nächsten Anpassungen verliefen reibungslos. Zuhause trainierte ich mit meinen Mann und auch alleine meine Ohren. Durch üben, üben, üben, konnte ich sehr schnell wieder am Leben teilhaben.

Selbstverständlich nahm ich auch das Angebot der ambulanten Reha beim CIC Rhein Main an. Hier lernte ich mich zu konzentrieren, um auch bei lauten Umgebungsgeräuschen einem Gespräch gut folgen zu können. Laute, die sehr ähnlich klingen, wie „M, N“, kann ich nun besser unterscheiden. Heute ist für mich telefonieren kein Problem, Gruppengesprächen kann ich ohne Schwierigkeiten folgen, Unterhaltungen in lauten Umgebungen und Musik hören und verstehen ist eine Selbstverständlichkeit meines Alltags geworden. Endlich fühle ich mich wieder wie ein selbstständiger, selbstbewusster Mensch und als Teil der Gesellschaft.

Ich würde mich jederzeit wieder für diesen Schritt entscheiden, es war das Beste was mir passieren konnte!

Juli 2017

Ann-Kathrin Lamm

  • Erstellt am .

Mein Leben vor und nach der CI Versorgung

Im Alter von einem Jahr wurde ich hochgradig schwerhörig, an Taubheit grenzend. Fragt mich nicht, woher das kommt. Ich habe schon über 20 Jahre nachgeforscht und leider die Ursache nicht gefunden. Heute habe ich damit abgeschlossen.

Zu Beginn zunächst eine kleine, aber ein wenig traurige Geschichte, aber meine Eltern hatten gekämpft und niemals aufgegeben. Von der ersten Untersuchung - das war in Kassel – (genauer weiß ich es nicht) hatten meine Eltern mir erzählt, dass ein Arzt gesagt hatte, dass ich in Heim sollte. Mein Vater war natürlich richtig sauer gewesen.

Danach waren wir in Marburg, wo uns das gleiche gesagt wurde. Durch Bekannte meines Vaters erfuhren wir von Uniklinik Würzburg. So sind wir nach Würzburg gefahren. Dank des Professors und des Hörgeräteakustikers in Würzburg nahm ich eine gute und intensive Entwicklung.

Ich hatte eine wunderbare Kindheit mit meinen Eltern. Ich wurde von ihnen sehr viel gefördert und bin in einem normalen Kindergarten aufgewachsen. Einen privaten Logopäden hatte ich gehabt, um Sprache und Hören optimal zu fördern. Ich trug damals zwei analoge Hörgeräte. Meine Eltern wollten, dass ich ganz normal aufwachse wie andere Kinder auch. Wir waren regelmäßig in Würzburg bis der Professor starb.

Ich machte selbst Musik (C-Flöte und Alt-Flöte) und war früher im Gesangverein mit meinen Eltern. Ich sprach sehr viel, hörte sehr viel instrumentale Musik trotz meines Hörgeräts. Meine Sprache wurde immer mehr gefördert, da ich mehr in der hörenden Welt aufgewachsen war. Bei der Einschulung kam ich nach Homberg in die Schule für Gehörlose und Schwerhörige. Ab da hatte ich zusätzlich die Gebärdensprache gelernt, auch im Unterricht. Meine Eltern konnten keine Gebärdensprache, aber es war ja auch lustig, da ich immer gesagt hatte, dass es eine Geheimsprache war.

Privat war ich oft abwechselnd mit Hörenden und auch mit Gehörlosen zusammen gewesen. Das waren tolle Zeiten. Tja bei Gesprächen mit Normalhörenden, z.B. wenn meine Eltern Besuch hatten, war das nicht einfach. Ich konzentrierte mich voll auf das Lippen ablesen, aber wenn kreuz und quer gesprochen wurde, bin ich dann entweder aus dem Zimmer gegangen oder habe Musik gehört. Durch die Musik konnte ich sehr gut die Töne unterscheiden. Das war mein ganzer Stolz gewesen.

Mein Vater hatte mich überall mitgenommen, damit ich immer wieder etwas Neues lernen konnte und so viele Erfahrungen gesammelt hatte. Bis 1984 war ich in Homberg in der Schule und hatte dort die mittlere Reife gemacht. Kontakte hatte ich genug mit Hörenden, Schwerhörigen und Gehörlosen.

Da ich noch keinen Ausbildungsbildungsplatz gefunden hatte, war ich noch ein Jahr zur Fachhochschulreife für Naturwissenschaft in Essen. Meine Sprache war viel zu gut, da dachten einige, dass ich Normalhörend wäre. Anderseits war es auch mit der Verständigung nicht so einfach für mich. Dann bekam ich digitale Hörgeräte und hörte was ich bisher nur ganz wenig gehört hatte. Ich war happy, als ich zum ersten Mal das Gezwitscher von Vögeln gehört hatte und den Lärm von der Autobahn. Ich konnte fast alles hören mit digitalen Hörgeräte. Telefonieren konnte ich auch schon, aber nur mit meiner Mutter. Mit Fremden war ich am Telefon eher ablehnend, denn trotz mehrmaliger Wiederholungen hatte niemand Rücksicht auf mich genommen.

In meiner Ausbildungszeit zur handwerklichen Buchbinderin lief alles super. Es war ein ganz kleiner Betrieb. Mein damaliger Chef hatte sich sehr viel Zeit für mich genommen. Da er oft auch außerhalb etwas besorgen musste, war ich häufig alleine im kleinen Betrieb. Er hatte Vertrauen zu mir gehabt und ich konnte mit den Kunden sehr gut kommunizieren, was die Kunden wünschen oder wenn die Bestellung abzuholen war. Alles lief reibungslos bis mein Vater starb, da war ich 17 Jahre alt. Genau an diesem Punkt musste ich schon früh Verantwortung übernehmen. Das hatte ich meinem Vater versprochen.

Ich stand sehr offen zu meiner Hörbehinderung. Wenn mich einer nicht akzeptierte, wurde er von mir abgewiesen. Ich machte den Führerschein, aber das erste Auto kam erst später. In Blockzeiten fuhr ich mit dem Zug nach Essen in die Berufsschule. In der Fahrschule hatte ich nur Theorie gemacht, zusammen im Auto lief es nicht so gut und ich bekam somit nur schlechte Fahrpraxis. Deshalb hatte ich beschlossen die Theorie fertig zu machen und diese Prüfung auch bestanden. Die Fahrstunden hatte ich dann bei einem Bekannten gemacht und das war perfekt für mich, so dass ich die praktische Prüfung auch gleich bestand, denn dieser Bekannte konnte ein wenig Gebärdensprache.

Im Schwerhörigen- und im Gehörlosen-Verein hatte ich immer Gebärdensprache benutzt. Nach der Ausbildung war ich erst einmal vier Monate arbeitslos und durch den Bekanntenkreis meines Vaters, bin ich dann in eine große Firma reingekommen. Für mich war es ehrlich gesagt ein sehr harter Kampf gewesen. Da ich sehr gut sprach und auch sehr gut gebärden kann, wurde ich leider von Kollegen immer wieder geärgert, allerdings habe ich mich stets gewehrt, denn das war richtig unfair gegen mich.

Nach zwei Jahren bekam ich einen anderen Posten in der Druckerei, aber auch dort verschlechterte sich die Situation rasch. Ich kam mit den Kollegen einfach nicht zurecht, da die meisten denken: „Die ist hörbehindert und versteht sowieso nichts!“. Ich war in verschiedenen Positionen gewesen mit meinem Kampfgeist. Zum Schluss kam ich dann in die Poststelle, denn da ging es einigermaßen, denn ich hatte einen Kollegen, der zu mir gehalten hat. Trotzdem war es schwer, aber wenigstens konnte ich alleine in Ruhe arbeiten.

Da ich weiterhin Spaß hatte zu lernen, habe ich ein Fernstudium als Tierheilpraktikerin gemacht und fuhr nur zum Praxis-Seminar nach Soltau. Dies begann im März 2008 als es unserem Hund nicht so gut ging. Dort waren wir eine kleine Gruppe und alle haben bei der Unterhaltung Rücksicht auf mich genommen und mir viel geholfen, was sehr lehrreich war.

Im Juni 2009 bekam ich durch meinen HNO-Arzt den Termin in der MHH in Hannover. Ich hatte mich vorher mit meinem HNO-Arzt sehr lange darüber unterhalten ohne Druck und Zwang und entschied mich erst einmal für Untersuchungen zur MHH zu fahren. Drei Tage lang hatte ich dort Untersuchungen gehabt. Auf dem rechten Ohr waren bei mir schon die tiefen Töne fast nicht mehr zu hören. Die ganzen Untersuchungen hatte ich mitgemacht, um Klarheit zu bekommen. Ich war CI-Kandidat auf beiden Ohren.

Dann hatte ich mich mit dem Professor darüber lange unterhalten. Der Professor war sehr überrascht, wie gut ich sprechen und mich ausdrücken konnte. Nach langen Diskussionen mit meinem Mann und meiner Mutter hatte ich mich für das CI entschieden. Mein Mann hatte mich sehr aufgemuntert und gestärkt. Im Oktober 2009 wurde ich auf dem rechten Ohr operiert und implantiert.

Ich habe mir selbst Mut gemacht und mich selbst darin bestärkt, dass das alles gut klappt und dass ich immer positiv denken soll. Die OP war sehr gut verlaufen ohne Komplikationen. Nebenbei hatte ich weiter studiert und gelernt. Sechs Wochen nach der OP bekam ich das erste CI angepasst. Ich war mit meinem Mann dort und wir hatten für eine Woche eine Ferienwohnung gemietet in Hannover. Das war eine unmögliche Micky-Maus-Stimme, die hatte mich so genervt, aber für den ersten Tag war es okay.

Die Geräusche waren ganz anders, so blechern und quäkend, aber ich konnte erkennen welche Geräusche das waren. Ich hatte auch immer gesagt was fehlt und es wurde auch gleich neu eingestellt. Es ist typisch für mich, dass ich unbedingt eine Feineinstellung haben wollte. Nach paar Tagen gab es immer mehr zu hören und es wurde immer angenehmer. Auf der linken Seite hatte ich immer noch das Hörgerät angehabt. Und ich konnte auch telefonieren, auch bei Bekannten und Freunde. Ich habe immer gedacht, was andere können, kann ich auch.

Durch intensives Training im Umfeld und Alltag klappte es immer besser. Das Sprachverstehen wurde immer besser, denn ich habe nie aufgegeben. Ich hatte auch viel mit Tieren zu tun gehabt und war gerne mit dem Tierarzt zusammen. Trotz vieler Störgeräusche konnte ich sehr gut verstehen.

Vogelgezwitscher, Blätter rauschen, Wind, Fahrgeräusche und vieles mehr… Dies hatte ich alles in meinem Kopf durch das Hören aufgenommen. Ich war total happy und so ging das immer weiter. Mit meinen Freunden hatte ich mich regelmäßig getroffen zum Reiten, denn auch der Reithelm war kein Problem. Mal abends ein Bierchen trinken, usw., dies alles war kein Problem für mich.

Meine Tochter wurde 2011 geboren. Meine Tochter und meine ganze Familie sind normalhörend. Erst später sagte meine Tochter zu mir, dass sie gerne Gebärdensprache lernen möchte, weil diese für sie spannend ist. Ich brachte ihr einiges bei. Mit meiner Hörbehinderung kam meine Tochter sehr gut zurecht und darauf bin ich sehr stolz!

Seit 2015 trug ich auf dem linken Ohr kein Hörgerät mehr, denn ich hatte festgestellt, dass inzwischen Hörgerät und CI gar nicht mehr passen und zu unterschiedliche Töne bzw. Sprache ergaben, was mich sehr genervt hatte. So hatte ich das Hörgerät abgenommen und bin nur beim CI geblieben. Im Laufe der Zeit merkte ich, dass das Hören auf nur einem Ohr immer anstrengender wurde.

Die Kommunikation ging zwar gut, aber die notwendige Konzentration machte mich einfach müde mit all den Geräuschen und Unterhaltungen und dann war ich froh, wenn ich Feierabend hatte und dann in der Natur und damit in der Ruhe war. Ich schrieb eine Mail,  dass ich gerne das zweite CI machen lassen möchte.

Im Juni 2017 wurde das zweite CI implantiert. Direkt nach der OP hatte ich schon das CI angehabt. Nun hatte mich die Micky-Maus-Stimme schon gar nicht mehr gestört und die Töne erkannte ich sofort wieder, was mich sehr erleichtert hat. Auch die zweite OP lief ohne Probleme und schon letzte Woche war die Erstanpassung. Nach bereits zwei Tagen hatte ich die Feineinstellung und die Sprachverständigung war schon sehr gut.

Die Last ist endgültig von mir gefallen und mir fiel alles leichter. Mit beiden Ohren zu hören ist einfach herrlich. Ich genieße alles viel intensiver, ich höre Musik, Blätterrauschen, Holz knacksen und viele Geräusche. Alles was in die Ohren rein fließt ist wunderbar. Unterhaltungen genieße ich sehr mit meinen Freunden, meiner Familie und Bekannten. Bald werde ich 50 Jahre alt und Hut ab, dass ich noch alles geschafft habe und bin stolz auf mich selbst und meine wunderbare Familie.

Hier einige meiner Freizeitaktivitäten ohne und mit dem CI

Ich war 25 Jahre im Roten Kreuz als Rettungsassistent, 2 Jahre beim ASB als Rettungssanitäterin, Studium als Tierheilpraktikerin und Verhaltenstherapeutin für Hunde und Pferde, ich habe mein Pferd ausgebildet einschließlich des Einreitens.

In meiner Freizeit treffe ich bis heute auch Gehörlose und Schwerhörige und da unterhalten wir uns in Gebärdensprache ganz automatisch. Mit Normalhörenden spreche ich automatisch ganz normal. Natürlich springe ich auch ein wenn ein Gehörloser meine Hilfe braucht. Dann benutze ich Lautsprache und Gebärdensprache zusammen, damit die beiden Gesprächspartner verstehen. Das ist für mich kein Problem.

In meiner Freizeit bin ich sehr aktiv und mache Kampfkunst Wing Tsun, ich repariere alles Mögliche, fahre mit meinem Oldtimer-Trecker über Felder und Wiesen mit meiner  Tochter, genieße Natur pur. Repariere auch Maschinen mit meinem Mann zusammen, wir basteln, alles Mögliche eben *lach*.

Ich danke meinen Eltern von ganzem tiefsten Herzen, dass ich so gut normal sprechen kann und ihr tolle Förderung. Ich danke meinem Mann sehr, dass er mich voll unterstützt hatte und meiner Tochter, die so verständnisvoll damit umgeht. Ich genieße mein Leben sehr mit meiner Familie, Bekannten, Freunde, auch ein paar Gehörlosen und Schwerhörigen. Immer positives Denken und dann klappt es auch immer (think positive!)

Ich sage DANKE SCHÖN, dass es so etwas gibt, denn von klein auf wollte ich unbedingt alles hören.

Tina Bogdon 

  • Erstellt am .