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Meine CIs und mein Smartphone

Meine CIs und mein Smartphone

Von Wolfgang Kutsche

Im Sommer 2021 funktionierte mein rechter Prozessor CP 910 nicht mehr. Er war nicht mehr zu reparieren und ich bekam den neuen CP 1000 (Nucleus® 7 Soundprozessor) von Fa. Cochlear.

Ende 2021 erhielt ich auch links ein Upgrade auf einen CP 1000. In beiden Fällen wurden meine Einstellungen ohne weitere Anpassungen problemlos übernommen. Eine Überprüfung meiner Einstellungen mit den neuen Prozessoren werde ich zu einem späteren Zeitpunkt vornehmen lassen.

Ich möchte hier über einige positiven Erfahrungen mit dem neuen System berichten.

Das Bild zeigt einen Screenshot der Nucleus Smart-App

  1. Mit meinem Android-Smartphone (Samsung S9) kann ich über die Nucleus Smart-App direkt auf meine Prozessoren zugreifen. Eine zusätzliche Fernbedienung (die auch vorhanden ist) benötige ich nicht mehr. Auch der bis dahin notwendige Telefonclip – für die akustische Verbindung Prozessor zum Smartphone – ist nicht mehr notwendig. Bei entsprechender Einstellung werden die akustischen Signale ohne Umwege direkt auf die Prozessoren geleitet.

    Die für mich wichtigen Zusatzgeräte bzw. Funktionen wie Mini Mic und T-Spule können eingebunden werden. Die Bedienung der App ist leicht zu verstehen.

    Da ich mein Smartphone immer bei mir habe, brauche ich mir über die Aufladung und Mitnahme von Fernbedienung und Telefonclip keine Gedanken mehr machen.

  2. Zur Navigation beim Autofahren nutze ich mein Smartphone. Um die Nebengeräusche auszublenden, hatte ich versucht den Telefonclip zu nutzen. Dies funktionierte jedoch nicht, weil die Herstellung der Verbindung über den Telefonclip zu lange dauerte, sodass ich den Beginn einer Navigations-Durchsage nicht hören konnte. Ich benutzte bei meinem „alten“ System den Lautsprecher meines Smartphones, wenn ich die Navigationsdurchsagen vollständig hören wollte … mit dem Nachteil der Störgeräusche.

    Jetzt benötige ich den Telefonclip nicht mehr und der neue CP 1000 schaltet so schnell um, dass nur ein ganz geringer Teil am Anfang der Durchsage für mich verlorengeht. Damit komme ich gut zurecht und habe kein Problem mit Störgeräuschen.

  3. Bei dem „alten“ CP 910 war die T-Spule so eingebaut, dass die akustischen Signale einer waagerecht verlegten Induktionsschleife nur schlecht übertragen wurden. Aus diesem Grunde hatte ich mir die von Fa. Cochlear vertriebenen „Cochlear™ Nucleus® Loop Booster“ angeschafft, die den Nachteil ausgeglichen haben.

    Bei dem neuen CP 1000 ist die T-Spule wieder so angeordnet, dass ich die Loop-Booster nicht mehr benötige.

Dies sind nur ausgewählte Beispiele, es gibt natürlich noch weitere Vorteile!

Lahntal, den 24.01.2022
Wolfgang Kutsche

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Clip’n’climb mit Cochlea Implantat oder „Taub und trotzdem klettern“

Clip’n’climb mit Cochlea Implantat oder

„Taub und trotzdem klettern“

Von Isabelle Wientzek

Wer Spaß am Klettern hat und immer mal wieder auf der Suche nach unterschiedlich schweren Herausforderungen ist, ist im Clip’n’climb in Karben absolut richtig.

Als meine 11-jährige Cousine mich fragte, ob ich – beidseitig mit Cochlea Implantaten versorgt - Lust hätte, mit ihr in das Clip’n’climb zu fahren, wusste ich erst einmal so gar nicht, was ich damit anfangen sollte. Also recherchierte ich über diesen Ort mit dem fancy Namen.

Die Google-Bildersuche spuckte daraufhin eine ziemlich schrill-bunte Kletterwelt aus. Überall blinken grelle Lichter, eine Kletterwand nach der anderen in bunten Farben, viele Attraktionen – das reinste Paradies für Kinder und Jugendliche, so schien es mir auf den ersten Blick.

Nun ja, ich klettere gerne – bin letztes Jahr auf die Zugspitze gewandert und hab den letzten Abschnitt mit dem Klettersteig abgeschlossen. Aber ob Clip’n’climb etwas für fast 29-jährige ist?! Ich weiß nicht. Ich mache es aber meiner Cousine zuliebe, es macht mir eine große Freude, wenn ich sie glücklich machen kann. Daher sagte ich schlussendlich auch zu.

In der grellbunten schrillen Kletterarena in Karben angekommen, sollte ich schnell eines Besseren belehrt werden. Nach der 30-minütigen Sicherheitseinweisung mit Erhalt der Klettergurte ging es dann an die Wände. Und ich habe das ganze völlig unterschätzt.

Clip’n’climb ist definitiv auch eine große Herausforderung für Erwachsene. Als ich die erste Wand hochkletterte, merkte ich doch recht schnell, dass ich eine ganz schön große Portion Kraft investieren musste. Aber hey, das hat mich total angespornt. Das einzig nervige an dem Kletterspaß war, dass wir die Masken durch die aktuelle Corona-Situation anbehalten mussten.

Für mich sind die Masken und das dadurch versteckte Mundbild ein großes Problem und damit spreche ich sicherlich nicht nur für mich, sondern für viele andere Hörbehinderte. Alltägliche Situationen, die man vorher vielleicht einfach gemeistert hat, fallen einem umso schwerer und man zieht sich vielleicht zurück. Das ist schade.

Aber auch hier bei meinem Klettererlebnis habe ich mal wieder eine Erfahrung gemacht, die mir zeigt, dass man sich von schwierigen Situationen, ganz egal welcher Art, nicht unterkriegen lassen sollte: Die Einweisung fand logischerweise auch mit Maske statt und ich hatte wirklich große Schwierigkeiten, der Trainerin in einem Raum, in dem es nur hallte, zu folgen, geschweige denn sie zu verstehen.

Ich machte sie also darauf aufmerksam, dass ich ein Hördefizit habe und große Schwierigkeiten mit den Masken habe. Und siehe da, sie war total verständnisvoll und nahm sich extra für mich noch einmal die Zeit, um mir ohne Maske und mit genügend Abstand die wichtigsten Regeln zu erklären.

Wenn ich solche Erfolge erzielen kann, macht mich das schon sehr glücklich. Im Prinzip kann man das sogar mit dem Klettern vergleichen. Steht man unten und schaut hoch und sieht den Berg oder hier in dem Fall die hohe Wand vor einem, erscheint einem das wie ein riesiges und mächtiges Hindernis, doch erklimmt man einmal den Fuß und arbeitet sich Schritt für Schritt voran, wird man belohnt. Und diese Belohnung bereichert einem das Leben!

Und so war es auch bei Clip’n’climb – zwar ein verrückter Laden mit viel Hintergrundgeräuschen, lauter Musik und jede Menge Action. Vielleicht ein bisschen viel für CI-Träger, aber dennoch kein Hindernis!

Es hat sich gelohnt. Ich bin (fast) so wie Reinhold Messner geklettert. Naja, fast. Man ist nie zu alt zum Klettern und das Clip’n’climb ist definitiv eine Herausforderung für Jung und Alt.

Ich bin also sehr froh, diese Erfahrung gemacht zu haben und kann dieses Klettererlebnis jedem weiterempfehlen. Und vor allem: Bleibt mutig und lasst euch nicht durch Masken oder andere Hindernisse die Lebensfreude nehmen!

Ich sage ja immer wieder, meine Cochlea Implantate sind meine besten Freunde, meine ständigen Begleiter und das ist, was mich ausmacht. Also, immer weiter so!

Wer mehr über meinen Weg wissen möchte, kann gerne meinen ersten Erfahrungsbericht nachlesen unter Mit beiden Ohren im Leben

Isabelle Wientzek

Januar 2022

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Vom Betriebsarzt zum Cochlea Implantat

Vom Betriebsarzt zum Cochlea Implantat

Von Dennis Arczynski

Heute möchte ich (36) meine Erfahrungen mit dem Cochlea Implantat (CI) teilen.

Heute bin ich auf meinem linken Ohr taub. Seit Kindheit an habe ich auf dem Ohr schlecht gehört. Warum? Das weiß man heute nicht mehr so genau. Ich hatte als Kleinkind eine Mittelohrentzündung, die auf das Innenohr geschlagen ist. Über die Jahre wurde das Hören immer schlechter. Dies hat mich aber lange Zeit nicht in meinem Alltag beeinträchtigt. Ich war immer der Meinung, ich höre doch ganz gut.

Im November 2020 war ich bei einem routinemäßigen Check beim Betriebsarzt. Dort wurde festgestellt, dass mein Hörvermögen links noch deutlich schlechter geworden ist. Man verwies mich an den Facharzt zur Abklärung.

Mein HNO Arzt vermutete eine Verknöcherung der Ohrknöchelchen und überwies mich an die HNO Klinik in den Kliniken Maria Hilf Mönchengladbach. Dort wurden einige Tests gemacht. Zur Besprechung der Ergebnisse saß mir dann der Professor gegenüber, womit ich überhaupt nicht gerechnet habe. Ich dachte mir, jetzt kommt es Dicke.

Professor Windfuhr hat sich die Zeit genommen und mir eröffnet, dass ich auf meinem linken Ohr ertaubt bin. Das war erstmal ein kleiner Schock, damit hatte ich nicht gerechnet. Im Verlauf des Gespräches eröffnete er mir meine Möglichkeiten. Im Prinzip hatte ich drei Möglichkeiten, die Erste wäre nichts zu tun. Da aber dann die Frage, was ist, wenn dem gesunden Ohr etwas passiert? Möglichkeit Zwei wäre eine Cros-Versorgung mit Hörgeräten und Möglichkeit Drei ein Cochlea Implantat.

Ich bin mit folgendem Fahrplan aus der Klinik raus. Ich soll die Cros-Versorgung ausprobieren und ein MRT machen lassen, um andere Ursachen auszuschließen. Zudem soll ich mich mit dem Thema CI auseinandersetzen. Puuuh, ein CI, sich etwas in den Kopf einsetzen lassen? Da musste ich lange drüber nachdenken…

Im Frühjahr 2021 bin ich dann mal zu meinem HNO, wir haben dann die Cros-Versorgung und das MRT angeleiert. Die Cros-Versorgung war nichts für mich. Das gesunde Ohr jetzt noch doppelt belasten? Nein, das war mir zu viel. Der Hörstress wurde nur noch schlimmer.
Das MRT war ohne Befund.

Also gingen noch einmal ein paar Monate ins Land. Ich setzte mich mit meiner einseitigen Taubheit auseinander und stellte fest, so mit einem Ohr hören ist doch anstrengend. Das wurde mir immer mehr bewusst, umso mehr ich mich mit dem Thema auseinandersetzte und auf die Signale achtete. In lauter Umgebung oder mit vielen Menschen zusammen (Restaurant, Geburtstage usw.), das war mir oft schnell zu viel. Ich war schnell gereizt oder einfach erschöpft und bekam ohne Grund schlechte Laune. Heute weiß ich warum, ich hatte Hörstress. Wenn alle Signale über nur ein Ohr kommen, ist das für das Gehirn einfach anstrengend.

Im August 2021 entschied ich mich dann, das Thema nochmal richtig anzugehen. Ich vereinbarte wieder einen Termin im Maria Hilf. Den bekam ich auch recht zügig. Anfang September war ich dann in der Klinik, es wurden noch einmal ein paar Tests gemacht. Die Indikation für ein CI ist gegeben und es spricht nichts dagegen, ein CI einzusetzen. Also entschied ich mich dafür.

Im Vorfeld habe ich mich viel über die einzelnen Hersteller informiert und habe mich für MedEl entschieden. Den OP Termin habe ich auch wirklich schnell bekommen. Ich dachte erst, das dauert bestimmt noch ein paar Monate, aber nein, die OP soll bereits vier Wochen später stattfinden.

4. Oktober 2021

Der Tag der Operation. Ich war echt nervös. Hoffentlich geht alles gut. Hoffentlich keinen Schwindel, bitte keinen Tinnitus und bitte keine Verletzungen der Nerven. Die Operation verlief komplikationslos. Als ich wach wurde, habe ich erstmal alles abgecheckt. Schwindel? Nein. Tinnitus? Alles still, wunderbar.

Einzig die Zunge hat sich auf der operierten Seite etwas taub angefühlt. Dieses Gefühl blieb auch ein paar Wochen. Zudem stellte ich schnell fest, dass auch der Geschmacksinn auf der Seite nicht mehr funktionierte. Man versicherte mir, dass es in ein paar Wochen wieder gut sein wird. Mittlerweile ist auch wieder alles in Ordnung.

Schmerzen? Ja, am OP Tag selbst hatte ich schon ordentliche Schmerzen. Die waren mit Medikamenten gut in den Griff zu bekommen. Der Tag nach der OP war schon deutlich besser, nur noch leichte Schmerzen, die mit Ibuprofen auch schnell verschwunden waren.

Der zweite Tag nach OP war dann schon schmerzfrei, und ich bin den Druckverband los geworden. Es wurde ein Hörtest und eine Röntgenaufnahme gemacht. Alles in Ordnung und ich durfte am nächsten Tag nach Hause. Zuhause hat die Wunde ein paar Tage genässt. Das war nervig, ansonsten ist die Wunde gut verheilt.

4. November 2021

Der Tag der Erstanpassung. Leute, das war aufregend. Wie wird es sein, wenn das E-Ohr eingeschaltet wird? Mit einem Schlag, waren da Geräusche auf der linken Seite. Krass, dachte ich, da kann man ja auch was hören. Von da an war ich begeistert.

Ich wusste, die Entscheidung zum CI war genau richtig. Wir haben alle Elektroden getestet und die Lautstärke eingestellt. Die vier Programme, die man zur Verfügung hat, haben wir so eingestellt, dass jedes Programm lauter ist als das vorherige. Der nächste Termin fand dann 14 Tage später statt. In der ersten Woche bin ich recht schnell bis ins lauteste Programm gekommen und habe das auch bis zum nächsten Termin beibehalten.

Im zweiten Termin haben wir das CI deutlich lauter einstellen können. Zudem haben wir die Töne angepasst. Ich war mit der Einstellung erstmal zufrieden. Nach ein paar Tagen merkte ich allerdings, dass mir die hohen Töne zu laut / zu hoch waren. In den 14 Tagen konnte ich das CI nicht lauter stellen. Was mich ein wenig geärgert hatte, da ich für mich keinen Erfolg verbuchen konnte. Im Sinne von: „Ach schau mal, kannst ja wieder lauter stellen.“

Der dritte und letzte Termin in der Klinik zur Anpassung war jetzt vergangenen Freitag. Ich war nochmal kurz bei den Ärzten drin. Alles prima. Dann wurde der erste Hörtest mit CI gemacht. Was soll ich sagen, der ist toll ausgefallen. Die Aussage „Für vier Wochen nach Einschalten ist das prima“, ging runter wie Öl.

Auf dem Flur haben wir den Professor getroffen, dem hat man das Ergebnis unter die Nase gehalten. Auch von ihm kam ein Daumen hoch. Ich habe mich richtig gefreut. Danach ging es zum Techniker. Ich teilte ihm mit, dass mir die hohen Töne zu hoch sind. Wir haben einiges nachjustiert. Mit der Einstellung bin ich momentan super zufrieden.

FAZIT:
Ich bin glücklich, mich für das CI entschieden zu haben. Ich lege es morgens an und erst wieder ab, wenn ich ins Bett gehe. Ich trage es mit Stolz, es gehört zu mir, mein E-Ohr.

Es ist jedes Mal, wenn ich es abnehme einfach nur krass, wieviel da einfach weg ist an Eindrücken. Wie leise es doch dann wird und ich mich mehr anstrengen muss, um zu hören. Ich bin gespannt, wie es sich weiterentwickelt.

Dies ist ein Einblick in meine CI Geschichte, die eben erst begonnen hat. Ich hoffe sie hilft dem einen oder anderen bei seiner Entscheidungsfindung.

Liebe Grüße
Dennis Arczynski
Januar 2022

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Das Beste aus zwei Welten – und versorgt mit Cochlea Implantat (CI) und Vibrant Soundbridge (VSB)

Das Beste aus zwei Welten –

und versorgt mit Cochlea Implantat (CI) und Vibrant Soundbridge (VSB)

Von Julia Edler

Hallo mein Name ist Julia Edler (23 Jahre alt).

Ich war ein ruhiges kleines und zurückhaltendes Mädchen. Mich konnte man in eine Ecke setzen mit Spielzeug und ich spielte solange bis ich müde wurde. Meine Eltern merkten schnell, dass was nicht mit mir stimmte, denn ich reagierte nicht auf Zurufe und fing nicht an zu reden. Sie fuhren mit mir zu sämtlichen Ärzten, doch die meisten meinten, mein Ohr produziere zu viel Ohrenschmalz, es wurde dann abgesaugt, doch keinerlei Besserung war in Sicht. Bis zu meinem 5. Lebensjahr konnte keiner wirklich meinen Eltern sagen, was ich habe. Nur am Ohrenschmalz lag es ja dann offensichtlich nicht.

Doch dann gerieten wir an eine Ärztin in einer HNO-Ambulanz, bei der viele Untersuchungen auf mich zukamen, wie z.B. Hörtests (Lautstärke, Frequenz- und Sprachhörfähigkeit), Impedanzmessungen (Funktionsfähigkeit der Gehörknöchelchen) sowie Hirnstammaudiometrie. Zum Schluss erfolgte ein Abschlussgespräch, dort erfuhren meine Eltern, dass ich beidseitig hochgradig schwerhörig bin und an einer an Taubheit grenzenden Schallempfindungsschwerhörigkeit leide.

Darüber wurden meine Eltern aufgeklärt und ich wurde erstmals mit Hörgeräten versorgt. Ich war sehr begeistert davon, weil ich endlich die Geräusche wahrnehmen konnte. Ich war dreimal wöchentlich bei einer Logopädin und versuchte, das zu lernen, was ich die letzten fünf Jahre verpasst habe. Ich zeigte einen starken Willen und schaffte es innerhalb eines Jahres so viel aufzuholen, dass meine Ärzte sprachlos waren., weil sie so etwas auch noch selten erlebt haben, weil ich meine Sprachentwicklung so schnell aufgeholt habe.

Doch es lief nicht lange gut mit den Hörgeräten und ich verlor nach und nach mein Gehör, da sich meine Ohren ständig entzündet hatten. So wurde ich im Alter von zehn Jahren am 01.10.2008 mit einem Cochlea Implantat versorgt (links). Ich wusste nicht so wirklich, was auf mich zukommt. Doch als ich dann abgeholt wurde für die OP, weinte ich sehr stark und wollte nicht mit in den OP-Saal. Die Krankenschwestern beruhigten mich und lenkten mich ein wenig ab und erklärten mir alles Schritt für Schritt.

Nachdem die Operation komplikationslos verlief, wachte ich im Aufwachraum auf. Die Oberärztin kam am Abend nochmal vorbei und gab das OK, dass ich auf Normalstation verlegt werden darf. Dann ist der Tag gekommen und zwar die Erstanpassung. Die ersten Töne wurden gegeben und ich habe direkt etwas gehört und war sehr glücklich wieder etwas hören zu können, auch wenn erst einmal alles gleich klang.

Doch als wir auf dem Rückweg waren, hörten meine Mutti und ich wie ein Vogel auf die Frontscheibe kackte. Ich fragte meine Mutti, ob sie dieses Geräusch auch gehört hatte und sie fragte mich welches Geräusch ich meinte. Ich konnte ihr dann voller Freude zeigen und sagen, dass gerade eben ein Vogel auf die Frontscheibe gekackt hat.

Ich war sehr glücklich endlich wieder hören zu können.

Dann folgte am 14.01.2010 im Alter von 12 Jahren die Versorgung mit einer Vibrant Soundbrigde (rechts). Dort wusste ich schon eher, was auf mich zu kommt und hatte große Angst. Auch hier war der Ablauf gleich wie beim CI. Ich hatte panische Angst in den Operationssaal zu fahren, doch dann kam ein junger Pfleger und ich fragte, wie lange die Operation dauern würde. Er beantwortete mir die Frage und lenkte mich dann ab und fragte mich, ob ich mir denn schon einen schönen Traum ausgedacht habe. Daraufhin beantwortete ich die Frage mit „Nein“ und der Pfleger sagte mir dann in einem sehr ruhigen Ton, dass ich mir noch schnell einen Traum aussuchen soll, bevor ich schlafe. Dies habe ich dann getan und ich bekam das Narkosemittel.

Auch hier durfte ich, nachdem ich im Aufwachraum war, am Abend nach oben. Doch am Abend merkte ich, dass ich nur halbseitig etwas schmecke. Ich habe Wasser mit Geschmack getrunken, links war es total sauer und rechts merkte ich gar nichts, ich dachte, es läuft aus meinem Mund heraus.

Meine Mutti sagte der Krankenschwester Bescheid und sie teilte uns mit, dass die Ärzte bei der Operation mein Geschmacksnerv getroffen haben. Doch die Aussage war auch von der Krankenschwester, dass wenn der Geschmack nicht nach fünf Tagen zurückkäme, dann hätten die Ärzte den Nerv komplett durchschnitten. Das war erstmal ein Schock!

Tatsächlich hoffte ich von Tag zu Tag, dass mein Geschmack wieder zurückkommt und tatsächlich am fünften Tag kam mein Geschmack gegen Mittag wieder zurück und ich war sehr erleichtert.

Dann kam der große Tag „der Erstanpassung“!Auch hier konnte ich die Töne sofort hören und war sehr überwältigt. Ich wusste, jetzt kann es nur bergauf gehen, weil jetzt höre ich endlich auf beiden Ohren wieder.

Warum zwei unterschiedliche Prothesen? Weil sich auf der linken Seite mein Gehör so verschlechtert hat, dass nur noch ein Cochlea Implantat in Frage kam. Auf der rechten Seite hatte ich noch ein Restgehör von 60dB, deshalb bekam ich dort ein Vibrant Soundbrigde, denn dort habe ich das Hörgerät allergiebedingt nicht vertragen, wie sich erst später herausstellte. Sollte sich allerdings mein Gehör dort weiterhin verschlechtern, kommt auch rechts ein Cochlea Implantat in Frage.

Ich wurde in der 1. Klasse in eine normale Schule eingeschult mit 29 weiteren Kindern in einer Klasse, doch ich kam nicht hinterher im Unterricht, ich wurde von einer Lehrerin aus der Carl- Kehr Schule (eine Schule für Gehörlose und Schwerhörige) beobachtet und sie merkte schnell, dass ich die Schule wechseln muss und besprach alles weitere mit meine Eltern.

Ich ging dann von der 2. Klasse an bis zur 10. Klasse dort auf die Schule. Hier gab es kleinere Klassen mit max. 9 Schüler/innen in einer Klasse. Dort absolvierte ich 2017 meinen Realschulabschluss.

Wie steh ich dazu? Als ich die Implantate bekam, kam zunächst einmal viel Arbeit auf mich zu, wie z.B. die Reha, die ich aber mit Bravour absolvierte hatte. Ich bin in einer hörenden Familie aufgewachsen, doch im Jugendalter (14-17Jahre) war ich damit nicht mehr zufrieden, denn ich konnte mich nicht einordnen, zu welcher Welt ich gehöre, ob zur hörenden oder zur gehörlosen Welt. Ich lag oft am Abend im Bett und dachte mir, warum muss es mich betreffen. Warum kann ich nicht einfach gehörlos oder hörend sein. Ich war mit mir selbst unzufrieden, ich dachte ich war nicht so wirklich Willkommen.

Warum ich so dachte? Ich wurde von beiden Welten teilweise ausgeschlossen, sodass ich zunächst enttäuscht war, dass ich die Implantate hatte. In der Gehörlosenwelt hieß es immer: „Du hast Implantate und kannst gut lautsprachlich kommunizieren“. Doch in der Welt der Hörenden war es für die Hörenden zu anstrengend, mich beim Sprechen anzusehen, da ich zur Unterstützung auch auf das Mundbild achte. Ich bin für diese eine Last, wenn sie es noch einmal wiederholen sollten.

Doch im Jahr 2016/2017 änderte sich das, ich war froh, dass ich die Implantate habe und würde es immer und immer wieder tun. Klar, man weiß immer noch nicht, in welcher Welt man eigentlich zu Hause ist, aber es ist nicht schlimm, denn ich kann in beiden Welten abtauchen je nachdem, wie ich gerade drauf bin.

Woher der Sinneswandel kam? Ich habe gemerkt, es bringt nichts die Schuld bei sich zu suchen, ich sollte stolz sein, dass ich in beiden Welten abtauchen kann, denn ich kann lautsprachlich kommunizieren sowie in der Gebärdensprache.

Ich orientierte mich schon mehr in der Welt der Hörenden und setzte mir fest in den Kopf, dass ich meine Ausbildung zur Sozialassistentin als auch zur Heilerziehungspflegerin auf einer normalen Berufsschule machen werde.

Ich hatte in der Zeit, in der ich die Berufsschulen besuchte, Höhen und Tiefen und kam auch oftmals an meine Grenzen, aber ich habe mir immer wieder vor Augen gehalten, dass ich es schaffen werde.

2019 absolvierte ich meine Ausbildung zur Sozialassistentin mit Bravour und 2021 meine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin ebenfalls mit Bravour. In dieser Zeit haben mir die Implantate die Kommunikation allgemein erleichtert, natürlich mit Einschränkungen, denn ich kam auch schon an meine Grenzen.

2019 kam COVID-19 und wir mussten im Unterricht überwiegend mit Mundschutz sitzen, was mir die Kommunikation sehr erschwerte. Ich kämpfe mich durch und habe es geschafft, dass die Lehrer ohne Maske den Unterricht leiten, sodass ich wenigstens die Lehrer verstehen konnte. An Diskussionsrunden oder ähnlichem nahm ich nicht teil, ich war anwesend, aber ich konnte diese nicht verfolgen.

Trage ich die Geräte einzeln, klingen sie leicht unterschiedlich, aber wenn ich beide zusammentrage, harmonisieren beide Prothesen super zusammen. Ich verbinde Musik mit Gefühlen und Gebärden und setze gerne Lieder in Gebärdensprache um. Ich fahre auch sehr gerne mit dem Fahrrad, oder gehe auch sehr gerne Wandern, um einfach die Naturtöne auf mich einwirken zu lassen.

Seit 01.08.2021 arbeite ich als Heilerziehungspflegerin in einem Wohnheim für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung. Mir liegt es sehr am Herzen, den Menschen zu helfen, die auf Hilfe von uns angewiesen sind. Ich entschied mich für diesen Beruf, da ich mich gut in Menschen hineinversetzen kann, die auch eine Hörbehinderung haben und ich genau weiß, wie sie sich fühlen, z.B. wenn man nicht verstanden wird von Menschen, die nicht in solch einer Situation sind.

Ich habe auch schon sehr freundliche Kolleginnen kennengelernt, mit denen die Kommunikation in Lautsprache sehr gut klappt, aber auch Gebärdensprache beherrsche ich sehr gut, die ich seit der 2. Klasse gelernt und seither auch regelmäßig genutzt habe.

Ich möchte meine Implantate nicht mehr missen, es ist morgens das Erste, was ich an mache und abends das Letzte was ich wieder ausschalte. Ich bin so dankbar dafür, dass diese Technik heutzutage schon so weit ist.

Julia Edler
Januar 2022

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