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„und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…" - Teil 2

„und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…“ - Teil 2

Von Anja

Am 24.09.2019 war es dann soweit und ich bekam auf der linken Seite mein erstes Cochlea Implantat (CI). Glaubt mir, auch wenn meine Entscheidung schnell feststand, hatte ich große Angst vor der Operation. Angst ist eine sehr große Schwäche von mir, die mich in ungewohnten/neuen Situationen immer begleitet. Zum Glück hatte ich im Krankenhaus eine Bettnachbarin, die 11 Jahre jünger war und ihr zweites CI bekam. Wir hatten uns gegenseitig Mut gemacht und uns somit die Angst genommen.

Als ich nach der OP aufwachte, hatte ich einen Bärenhunger, schon mal ein gutes Zeichen, oder? Ich hatte Adrenalin in mir, ich war so happy alles gut überstanden zu haben und zu hören, dass die OP ohne Komplikationen verlief. Ich merkte nur ein leichtes Ziehen am Kopf und fühlte mich, als könnte ich Bäume ausreißen. Das hielt die ersten drei Tage recht gut an, aber dann kam alles heraus. Die vorherige Angst, die OP und ihre Nachwirkungen. Ich fühlte mich zu Hause richtig erschöpft und hatte zum ersten Mal meine Angstattacken mit Zitteranfällen bekommen, so wie ich es im Kindes- und Jugendalter mal hatte. Zum Glück war ich die vier Wochen bis zur Erstanpassung krankgeschrieben, konnte mich erholen und mir Gedanken machen, wie es nun beruflich weitergehen soll. Ich wollte und konnte an meine Arbeitsstelle nicht mehr zurück, aber könnte ich jemals mit meinen Ohren noch als Erzieherin arbeiten? Fragen über Fragen, die sich nicht so leicht beantworteten.

Ich freute mich erst einmal, als am 23.10.2019 mein CI aktiviert wurde. Ich ging mit großer Hoffnung und Freude dahin, auch wenn die Ärzte mir vorher mitteilten, ich soll keine hohen Erwartungen mitbringen. In meinem Inneren spürte ich aber, dass es sich gut anfühlt und dass es die richtige Entscheidung war. Und das war es auch, es wurde aktiviert und ich konnte sogar schon etwas hören, ja sogar mich nach den ersten Einstellungen mit der Therapeutin unterhalten. Da war wieder das hohe Adrenalin und die Freude, so dass ich mich gleich in den Straßenlärm von Würzburg begab und mir einen Kaffee in einer kleinen Bäckerei neben der Uniklinik gönnte. Ich nahm so vieles auf, ja manchmal war es sogar zu laut, aber als ich dann zum ersten Mal die Vögel wieder hörte, kamen mir die Tränen und ich wusste, das war die beste Entscheidung.

Mein Arzt wusste, wie es mir an der Arbeit ging und schrieb mich bis zu meiner Reha krank. So hatte ich Zeit, mir Gedanken zu machen, wie es weitergehen soll. Bis zur Reha nahm ich Logopädie Stunden, die mir und beim Üben mit dem CI sehr geholfen haben.

Ja und dann kam schon die Nachricht, ich kann am 02.01.2020 nach Bad Nauheim in die Kaiserbergklinik auf Reha.

Die Freude war da, aber kurz davor auch wieder meine Angst. Ich, alleine wohin, wo ich niemanden kenne und nicht weiß was auf mich zukommt. Die Angst begleitete mich in den ersten Tagen an der Reha leider wieder mit Zitteranfällen. Ich musste erst einmal ankommen und als ich es war und mich darauf einlies, merkte ich, wie gut es mir tut.

Die täglichen Einzeltrainings mit dem CI aber auch die täglichen Gruppentrainings haben mein schon gutes Hören mit dem CI verbessert, denn es machte einfach Spaß. Ein großes Lob an alle Therapeuten dort. Die psychologischen Gespräche halfen mir, meine Erlebnisse in der Vergangenheit aufzuarbeiten und ich spürte, wie gut so etwas tun kann, wenn man die richtige Therapeutin hat.

Aber das was mir am meisten geholfen hat, war der tägliche Austausch mit den anderen CI Patienten. Ich habe mich plötzlich verstanden gefühlt und es gab/gibt Menschen, die interessierten sich für mich und meine Schwerhörigkeit. Tisch Nummer 4 und 5 im Speisesaal, die lautesten überhaupt und wir mussten fast jeden Abend rausgeworfen werden 😊, wir waren zu einer richtig tollen Truppe - „die tauben Nüsschen“ - zusammengewachsen und das nicht nur CI Patienten, sondern auch mit Tinnitus und Schwindel geplagte. In diesen fünf Wochen habe ich rund um das Ohr, das Hören, ja was eigentlich Hörstress bedeutet, vieles gelernt. Hätte mich in den vielen Jahren davor, mit meiner Schwerhörigkeit, kein Arzt damit aufklären können?

Was ich aber in dieser Zeit an mir selbst gespürt habe, ich bin wieder ich. Vielleicht nicht mehr ganz die alte, denn die Vergangenheit mit den Erfahrungen, die man sammelt, prägen einen, aber ich habe mein Lachen wieder zurückgewonnen und meine Mitpatienten wissen es am besten, wie es ist, wenn ich lache 😊.

Von diesem Zeitpunkt an änderte sich so einiges. Natürlich mein Hören, dass plötzlich auf der linken Seite viel besser funktionierte als auf der rechten Seite mit Hörgerät. Ich hatte wieder Freude/Spaß daran auszugehen, mich mit Menschen zu unterhalten. Meine Beziehung veränderte sich zum positiven und ich kündigte an meiner Arbeitsstelle.

Nur eine Frage blieb noch, die mir auf der Reha oft genug gestellt wurde. Was mache ich mit meinem rechten Ohr, wo ich noch ein Hörgerät trage? Alle Therapeuten hatten Recht, ich höre auf der linken Seite mit dem CI schon so gut, dass ich gleich die rechte Seite implantieren lassen könnte. Doch will ich das? Ich klammerte mich auf meiner rechten Seite an meinem guten Restgehör. Ich wollte es nicht verlieren, denn die rechte Seite war schon immer die bessere Seite und ich konnte ohne Hörgerät noch etwas hören, ja sogar telefonieren. Ich testete zu Hause und in meiner Umgebung immer wieder. Mal nur mit linker CI Seite und mal nur mit der rechten Hörgerät-Seite. Mir war es von Anfang an klar, dass das CI viel mehr kann und ich auf dieser Seite viel besser höre. Das ungleiche auf den Seiten fand ich unangenehm, ich wollte auf beiden Seiten gleich hören. Also entschied ich mich dafür, auch die rechte Seite implantieren zu lassen.

Corona machte es erst nicht möglich, aber als ich dann am 11.05.2020 konnte, wagte ich diesen Schritt. Obwohl ich wusste, was auf mich zu kommt, hatte ich komischerweise vor dieser OP noch mehr Angst. Vielleicht lag es einfach an meinem Restgehör, an das ich mich klammerte, aber diese OP verlief sogar noch besser als meine erste. Sie konnten die Elektroden sehr tief einsetzen.

Die Erstaktivierung war wie beim ersten Mal, ich konnte sofort etwas hören und verstehen. Ich merkte, mein Kopf hatte sich durch das erste CI schneller umgestellt und so konnte ich gleich mit der rechten Seite viel besser hören.

Ich bekam wieder Logopädie-Stunden und lustigerweise ging es wieder im Januar am 11.01.2021 nach Bad Nauheim auf Reha. Verrückt, dass sogar fast alle Therapeuten mich nach einem Jahr wiedererkannten und das sogar mit Mundschutz. Diese Reha konnte ich nicht mit der Reha davor vergleichen. Es war eine ganz andere Zeit mit Corona. Das menschliche/miteinander ging diesmal etwas unter, weil einfach die Masken gestört haben aber ich bin trotzdem nach drei Wochen mit einem sehr guten Hörgefühl nach Hause gefahren.

Und warum ich von Geburt an überhaupt schwerhörig bin, das konnte mir noch keiner genau sagen. Seit ich in der Uniklinik in Behandlung bin, forscht das Institut für Humangenetik an was es liegt.  

Nun bin ich glückliche Besitzerin zweier Cochlea Implantate und trage sie mit Stolz und arbeite immer noch als Erzieherin. Ich bin nun mit den Kindern im Wald, in der Natur unterwegs, denn ich wollte in den engen kleinen Räumen nicht mehr arbeiten, auch wenn es mit den CI´s besser geklappt hätte. Wenn alles gut läuft, kann ich mit meiner Hundedame eine Ausbildung machen, so dass sie mich jeden Tag mit den Kindern begleiten kann. Das ist mein nächstes Ziel, mein Wunsch. Das alles wäre glaube ich nie so gekommen, wenn ich mich nicht für die beiden CI´s entschieden hätte.

Mit meinen beiden Erfahrungsberichten möchte ich anderen zeigen, was eine Schwerhörigkeit beinhaltet und wie sie uns verändern kann. Ich möchte denjenigen Mut machen, die vor so einer Entscheidung stehen und anderen die Kraft geben weiter zu üben, die vielleicht ein CI besitzen aber damit noch nicht zurechtkommen.

Eins dürft ihr aber nie vergessen, bleibt euch selbst treu und seid stolz darauf, was ihr erreicht habt und welche Menschen euch dabei unterstützt haben. Diese Menschen sind wahre Schätze.

„und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…“

Viele Grüße
Anja
November 2021

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„und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…" - Teil 1

„und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…“ - Teil 1

Von Anja

Dieser Spruch begleitet mich seit dem 24.09.2019 in meinem Herzen, Kopf ja auch in meinem Zuhause und auf meinen Profilen. Denn damit begann

mein Neuanfang.

Ich heiße Anja Vorndran bin 32 alt und von Geburt an schwerhörig. Was heißt von Geburt an? Die Ärzte sagen es, aber zum aller ersten Mal wurde es zu meiner Einschulung bemerkt. Mein Ohrenarzt wollte, dass ich Hörgeräte trage, doch die Hörakustiker waren nicht der Meinung, ich hörte noch zu gut.

Von da an saß ich wie eine brave Schülerin immer in der ersten Reihe. Ich habe lesen, schreiben, rechnen wie alle anderen gelernt und nichts von einer Schwerhörigkeit bemerkt. Am Ende meiner Hauptschulzeit kam dann alles zusammen. Ich habe gemerkt, dass ich in der Schule nicht mehr gut mitkomme, die Noten waren schlecht und ich wurde von meinen Mitschülern gemobbt. Ich wurde nicht nur deshalb gemobbt, sondern auch von den Jungs, weil ich noch nicht so eine weibliche Figur, wie meine Mitschülerinnen, hatte. Jeder Tag war sehr quälend für mich, aber ich hatte Angst, es irgendjemand zu sagen, weil ich dachte, dass macht es noch schlimmer. Ich hatte eh ein sehr kleines Selbstbewusstsein. So bestand ich meinen Quali nicht und fing direkt im Anschluss meine Ausbildung zur Erzieherin an.

Auf der einen Seite eine große Wende für mich, denn ich hatte super Mitschüler und Lehrer. Die Schule machte mir wahnsinnig viel Spaß, weil es das war, was ich immer machen wollte. Damit holte ich sogar meine mittlere Reife nach.

Nur die andere Seite war meine Schwerhörigkeit, die sich stark verschlechterte und ich bekam nun endlich Hörgeräte. Was heißt endlich? Die Freude war gar nicht groß, denn ich war natürlich noch in der End-Pubertätsphase und alles andere als glücklich damit nun Hörgeräte tragen zu müssen. Damals gehörten Hörgeräte für mich zu älteren Menschen. Dass heißt also, ich habe mich wahnsinnig geschämt. Kein Pluspunkt für mein eh schon geringes Selbstbewusstsein. Meine Haare habe ich immer so schneiden lassen, dass sie nicht zu kurz und nicht zu lang waren, um einen Zopf machen zu müssen. Ich wollte einfach nicht, dass es irgendjemand sieht. Klar, meine Familie wusste es, aber von meinen Freunden habe ich wirklich nur die engsten eingeweiht.

Wenn ich das jetzt so schreibe und an diese Zeit zurückdenke, kann ich nur grinsen. Ich habe es mir damit einfach selbst schwer gemacht, aber gut, diese Erfahrungen musste ich erst sammeln.

Meine 6-jährige Ausbildung habe ich mit einem sehr zufriedenstellenden Ergebnis beendet und startete in das Berufsleben. Die ersten fünf Jahre hatte ich in der Einrichtung wahnsinniges Glück. Ein freundliches und offenes Team und ein neueres Gebäude mit Schallschutz integriert. Das tat meinen Ohren gut, denn wie ihr sicherlich wisst, können Kinder sehr laut werden und wenn es dann noch 20 in einem Raum sind, ja da geht’s natürlich rund.

Als ich dann mit meinem Freund zusammenzog, war die Fahrtstrecke dorthin sehr weit und ich schaute mich nach etwas Neuem in der Nähe um und siehe da, zwei Dörfer weiter wurde jemand gesucht und ich stieg sofort ein. Hätte ich nur gewusst, was da alles auf mich zu kommt.

Eine große Wende in meinem Leben…. Ein altes Gebäude ohne Schallschutz, laute Kinder, laute Kollegen, ein Team, das mich und meine Schwerhörigkeit nie akzeptierte.

Drei Mal dürft ihr raten, was dieser Lärm aber auch das Psychische mit meinen Ohren gemacht hat? Richtig, sie von Jahr zu Jahr schlechter werden lassen. Es war verrückt, wie schnell sich in einem Jahr mein Gehör so verschlechtern konnte, selbst mein Akustiker verstand es nicht.

Nach knapp drei Jahren konnte ich einfach nicht mehr. Ich verstand mich zum Teil selbst nicht mehr. Auf der einen Seite hörte ich doch noch was und ich konnte die Kinder und Kollegen verstehen, aber auf der anderen Seite, strengte es mich so an, dass ich jeden Tag sehr erschöpft nach Hause kam.

So erging es mir auch im privaten. Es machte mir keinen Spaß mehr mit Freunden auszugehen, weil ich nichts mehr verstand und noch dazu von manchen so hingestellt wurde, als hätte ich keine Lust, ich sei egoistisch, weil ich mich nicht mit ihnen unterhalte. Was für ein Schlag. Ich war doch früher immer eine fröhliche und gut gelaunte Anja, wo ist die nur hin?

Ich kam einfach nicht mehr mit mir selbst klar. Ich verstand nichts mehr. Ich war ziemlich oft schlecht gelaunt, ich war schnell gereizt und auf der anderen Seite auch traurig. Ich zog mich zurück. Meine Familie, mein Freund und meine engsten Mädels standen mir immer zur Seite, auch wenn sie mich oft nicht verstanden. Mein Freund, der mit mir zusammenlebte, hatte es am schwersten. Als unsere Beziehung auf der Kippe stand, ja fast zu Ende war und an der Arbeit ein erneuter Vorfall kam, dachte ich mir, jetzt ist SCHLUSS!!

Ich sprach mit meinem Arzt darüber, er schickte mich zum HNO-Arzt, aber ich bekam auch Psychotherapie. Leider half diese mir sehr wenig, da ich zwei Therapeutinnen kennengelernt hatte, die mir beide nicht sympathisch waren. Ich legte das ganze erst mal aufs Eis, denn mein HNO-Arzt schickte mich damals gleich weiter in die Uniklinik nach Würzburg.

Von da an ging es langsam bergauf. Ich hatte in der Uniklinik Vorgespräche und Untersuchungen und mir wurde das Cochlea Implantat (CI) vorgestellt. Das hatte ich, wie wahrscheinlich viele von euch, nicht gekannt, aber ich fand es vom ersten Moment an sehr interessant.

Ich muss ehrlich sagen, meine Entscheidung stand schnell fest. Was hatte ich auf meinem linken Ohr noch zu verlieren, es ist ja jetzt schon fast nichts mehr vorhanden?

Mein Hausarzt wusste jemanden im gleichen Dorf, die auch eins besitzt, aber von Geburt an auf diesem Ohr taub war. Danke Petra für deine Erfahrungen, die du mit mir geteilt hast und das Buch „Taube Nuss“. Sie haben meine Entscheidung beschleunigt und ich wurde auf der linken Seite am 24.09.2019 mit dem ersten Cochlea Implantat von MED-EL operiert.

Und wie es oben schon steht, das war mein NEUANFANG!!

Wie es mir mit dem ersten CI ging, was die Reha in Bad Nauheim dazu beigetragen hat und wieso ich mich schnell für das zweite CI entschied, dass erfahrt ihr in meinem zweiten Teil „und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…“

Die liebsten Grüße
Anja
Oktober 2021

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Unser Erfahrungsbericht: Wenn das eigene Kind durch eine schwere Krankheit taub wird...

Unser Erfahrungsbericht: Wenn das eigene Kind
durch eine schwere Krankheit taub wird...

Von Ruth

Mit dem Thema "Schwerhörigkeit" und "Taubheit" hatte ich bis vor vier Jahren fast keine Berührungspunkte - klar, da gab es diesen einen Film "Jenseits der Stille", der mich als Jugendliche sehr fasziniert hatte. Aber sonst nichts...

... so traf mich die Diagnose "Taubheit" mit voller Wucht. Und zwar in einem Moment, in dem ich langsam zurück zur Normalität fand. Aber von vorne:

Im Mai 2017 kam unser kleines Mädchen zur Welt - unser Glück war riesengroß. Die Kleine war kerngesund und sofort der Liebling ihrer drei Jahre älteren Schwester. 
Anfang August erkrankte meine damals neun Wochen alte Tochter sehr schwer an der tückischen Krankheit Meningitis, hervorgerufen durch Pneumokokken. Es gab - bis auf Fieber - keine Anzeichen für diese Erkrankung. Erst als sie einen Krampfanfall bekam und wir den Notarzt riefen, der wiederum einen Rettungshubschrauber anforderte, war klar, dass irgendetwas nicht stimmte.

Unser kleines Mädchen kam direkt auf Intensivstation der Nürnberger Kinderklinik und wir bangten lange Zeit um ihr Leben. 

Nach einigen Notoperationen kämpfte sie sich Tag für Tag zurück ins Leben. Wie glücklich wir waren, als wir Anfang September - nach wochenlangem Klinikaufenthalt, unser kleines Mädchen wieder mit nach Hause nehmen durften.

Ich hatte während der Klinikaufenthalte viel über die Meningitis und ihre Spätfolgen gelesen und mein Gefühl sagte mir, dass wir dringend das Gehör überprüfen lassen sollten. So kam es, dass wir schon im September einen Termin bei einem Pädaudiologen hatten, der zum ersten Mal aussprach, dass unsere Tochter aufgrund der Krankheit ertaubt war. Für mich brach eine Welt zusammen.

Gerade noch glücklich, dass meine Tochter überlebt hatte, die schweren Wochen des Klinikaufenthaltes noch nicht verarbeitet, die nächste Schockdiagnose.

"Wir müssen schnell handeln, bei einer Meningitis besteht die Gefahr, dass die Gehörschnecke verknöchert und dann können wir nicht mehr implantieren!" sagte der Nürnberger Pädaudiologe, der uns direkt die Medizinische Hochschule Hannover empfahl. 

Wir bekamen sehr schnell einen Termin zur Voruntersuchung für die Cochlea-Implantation in der MHH in Hannover. Ich fühlte mich völlig überrollt von den Ereignissen. Schließlich war das alles Neuland für uns.

Nach und nach puzzelten wir die Informationen zusammen und informierten uns, welchen Weg unsere Kleine gehen könnte. Cochlea Implantat oder doch kein Implantat?

Schnell stand fest, dass wir auf jeden Fall implantieren würden, sollte sich der Verdacht bestätigen, dass unsere Tochter taub ist. Denn wie der Pädaudiologe schon sagte: bei einer Meningitis gibt es nur ein kurzes Zeitfenster, oftmals von nur einigen Monaten, in denen implantiert werden kann. Ist die Gehörschnecke erst mal verknöchert, ist eine Implantation aussichtslos.

Ende September kamen wir also nach Hannover, tief in mir noch immer der Gedanke "Das kann doch alles gar nicht sein?" gefolgt von "Bitte, bitte, lass es ein Irrtum sein. Bitte, lass sie hörend sein!" in einer Endlosschleife in meinem Kopf.

Dann kam die Freifeldaudiometrie. Meine kleine Tochter saß auf meinem Schoß, ich hatte Lärmschutzkopfhörer auf. Sie nicht. ich dachte, mir platzt gleich der Kopf, denn die Mitarbeiter der MHH gaben alles. Was für ein Krach! Und meine Tochter?! Sie saß ungerührt da und strahlt mit einem freundlichen Lachen die Leute an.

Mir liefen die Tränen. Ich war mir sicher, sie ist taub. Keine Reaktion bei dieser Lautstärke. Die nächsten Tage vergingen mit Untersuchungen, ich bekam alles nur durch einen Nebel mit. Zu geschockt war ich von allem.

Mit der Diagnose einseitige Ertaubung verließen wir die MHH in Hannover. "Sehen Sie es so, sie hat Glück im Unglück gehabt. Links ist sie ertaubt, aber rechts hört sie normal!" sagte der Arzt im Gespräch. Tatsächlich war das rechte Ohr beim o.g. Hörtest bedingt durch einen Paukenerguss sowie den Einsatz eines Paukenröhrchens gleichfalls massiv eingeschränkt zu dieser Zeit. Am liebsten wäre es ihnen wohl gewesen, wenn die Operation für das Cochlea Implantat sofort stattgefunden hätte, doch ich war noch nicht dazu bereit.

Wir fuhren zurück nach Bayern und bekamen dort schnell einen Termin in der Uniklinik Erlangen. Dort holten wir uns eine zweite Meinung ein. Unser Mädchen war schließlich erst vier Monate alt.

In Erlangen bestätigten sich die Untersuchungsergebnisse, die in der MHH gemacht wurden. Wir beschlossen, dass wir hier operieren lassen würden, denn die Entfernung nach Hause war nur gut 1,5 Stunden - nicht wie nach Hannover so weit. Immerhin hatten wir ja noch eine dreijährige Tochter, die unter der ganzen Situation erheblich litt.

Im November 2017 war es dann so weit. Unsere kleine Tochter wurde in einer mehrstündigen Operation mit einem Cochlea Implantat versorgt. Mit knapp fünf Monaten. "jünger hätte sie nicht sein dürfen," sagte der Arzt anschließend, "älter aber auch nicht. Wir haben während der OP gesehen, dass die Gehörschnecke schon angefangen hat zu verknöchern. Wir haben gerade noch den richtigen Zeitpunkt erwischt!" Nach der OP erholte sie sich erstaunlich schnell, so dass wir nach einer Woche nach Hause durften.

Die Erstanpassung erfolgte im Dezember 2017. Der große Aha-Moment blieb aus, wohl auch, weil sie ja rechts normalhörend war und links bis zum Zeitpunkt ihrer Erkrankung gehört hatte und erst dann taub wurde.

Leider hatten wir nicht so viel Glück mit der Reha vor Ort, denn es gab oft Wechsel im Personal und auch sonst fühlte sich unser Mädchen nicht wohl. Sie lehnte Hörtests und Anpassungen komplett ab und wir bekamen eher ein schlechtes Gewissen eingeredet, anstatt dass konstruktiv geholfen wurde.

So war es gut, dass wir 2020 von Bayern nach Schleswig-Holstein umzogen und somit auch das CI-Zentrum wechselten. Hier erleben wir eine völlig andere, sehr familiäre und kindgerechte Reha. Unser Mädchen lässt sich inzwischen richtig gut darauf ein, macht bei Anpassungen sehr gut mit und akzeptiert inzwischen auch die Hörtests, die für sie immer besonders schlimm waren.

Nun habe ich das Gefühl, dass sie sich wohl fühlt und sich auf die Zeit im CI-Zentrum freut. Ein sehr großer und sehr positiver Schritt auf ihrer Hörreise.

Das CI trägt sie übrigens immer. Sie weiß, dass sie nur mit CI auf der linken Seite hören kann und kommuniziert das auch dementsprechend, wenn der Akku leer ist oder die Spule ab ist. Das, was ich mir im September 2017 so schwer vorgestellt habe, der Alltag mit CI - ist eigentlich total einfach. Denn das CI gehört einfach zu ihr, so wie meine Kontaktlinsen zu mir. 

Und wenn jemand ihr CI bewundert, dann stellt sich meine Kleine inzwischen ganz selbstbewusst hin und sagt "Das ist MEIN CI, aber ich habe noch ein Spiel-CI. Möchtest du das mal haben?" Und so kommt es, dass hier ständig CIs getragen werden. Denn das ist unser Alltag und unser Leben. 

Ich bin sehr froh und dankbar darüber, dass es der Menschheit gelungen ist ein solches Wunder“gerät“ zu erschaffen - denn letztendlich wurde meiner Tochter dadurch ein zweites „Ohr“ geschenkt und sie kann beidseitig hören.

 
September 2021
Ruth

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Losing and Regaining the Gift of Hearing

Losing and Regaining the Gift of Hearing

By Jennifer B.

Like most people, I was blissfully unaware of a condition called "Sudden Sensorineural Hearing Loss" that, for reasons usually unknown by medical professionals, can render anyone with normal hearing permanently deaf in one or both ears within a matter of seconds.

I suddenly lost 100% hearing in one ear and about 50% in the other ear overnight. Even hospital staff shrugged this off as probably a "clogged ear" and advised me to just follow up with my ENT later. Neither I, nor to my shock the hospital staff, knew that this was a medical emergency that they should have addressed immediately. By the time I understood what was happening to me, it was too late for any treatment to be effective. My deafness was due to Sudden Sensorineural Hearing Loss, and because it was not treated in time, my sudden deafness was permanent.

As a public school teacher, it was devastating trying to explain to my principal that I was suddenly nearly deaf. I could barely understand my students, I missed important information given at faculty meetings, and I nearly lost my job as I struggled to hear.

I quickly got a hearing aid for the partially hearing ear, then it took a year to finally get approval and scheduling for cochlear implant (CI) surgery for the deaf ear. For most of us, getting a CI is a similarly long process but one very well worth the efforts.

Five years later, I still rely mostly on my partially hearing ear for speech comprehension, but this could still be improved, even now, with specific CI practices.  My CI is a complete game changer that has blessed me with fuller sound, directionally (which can only occur with TWO hearing ears), and a general ability to communicate and function in society without the devastating isolation of suddenly being a deaf person in a hearing world. Words cannot describe the gratitude I feel for receiving, once again, the precious gift of hearing.

Sharing our stories gives such hope to those who live in a world of silence and isolation, especially those who are unaware of the possibilities available through the technology available for us today – technology that grants us, once again, the miracle of hearing.

August 2021
Jennifer B.

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