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Mein Weg zum CI

„Mein Weg zum CI –Hörbiographie von Elke Kraft" 
 
Ich werde bald 26. Genau so alt war meine Mutter, als sie mich geboren hat. Und für mich bedeutet dieses Alter nun so etwas wie eine Wiedergeburt…
 

1. In der Kindheit „ganz Ohr"

 
Die Schwerhörigkeit schlich sich zunächst unbemerkt in mein Leben. Ich war ein normalhörendes Kind, das früh viel sprach und seinen Eltern mit Begeisterung Löcher in den Bauch fragte. „Elke ist mitteilungsfreudig" heißt es auch im Zeugnis aus Grundschultagen. 
 
Mein Großvater war Musiklehrer. Er wohnte im gleichen Haus, nur eine Etage tiefer. Bis ins hohe Alter gab er noch privat Klavierunterricht und verbrachte jeden Tag mehrere Stunden an seinem Flügel. Immer war ich von seiner Musik umgeben, hier nahm meine Liebe zur Musik ihren Ursprung. Mein erstes Instrument war die Blockflöte und natürlich lernte ich die beim Großvater. Als er starb und sein Klavier zu verwaisen drohte, setzte ich mich daran und brachte mir selbst das Klavierspielen bei. Experimentierte mit Tönen, spielte Klavier nach Gitarrennoten und mit eigens erfundenem „Drei-Klang-Begleit-System" – wenig Notenkenntnis, alles nach Gehör. Und auch das mit wachsender Begeisterung.
 

2. Ohrfeigen mit Folgen…

 
Auf dem Gymnasium war ich eine Streberin - und damit für viele Altersgenossen verachtungswürdig. Die Verachtung einer besonders rabiaten Mitschülerin entlud sich dann eines Tages in Form von Ohrfeigen. Links und rechts, mehrere Male. So heftig, dass ich glaubte, gleich ohnmächtig zu werden. Als ich kurz danach nicht mehr hörte, wenn mir etwas zugeflüstert wurde, zweifelte ich mehr an meinem Verstand als an meinen Ohren. Denn wer denkt schon mit 15 daran, schwerhörig zu sein? Und im Alltag kam ich ja noch sehr gut zurecht. 
 

3. Ich traue meinen Ohren nicht mehr!

 
Nach erfolgreichem Abitur zog ich dann 1997 zum Studium nach Bonn. Sprachwissenschaften interessierten mich brennend; ich schrieb mich für Germanistik und Russisch ein. Viele Vorlesungen fanden in einem ehemaligen Schloß statt: die Räume riesig, die Decken hoch, die Akustik – schrecklich. Eines Tages besuchte ich eine Veranstaltung zur deutschen Literatur. Die Ausführungen des Dozenten konnte ich kaum verstehen, alles klang so unscharf. Ich hatte gerade eben den Titel des besprochenen Buches aufschnappen können: „Der Quietschball". „Komischer Name für ein Buch", dachte ich noch - da schrieb der Prof. den tatsächlichen Titel an die Tafel: „Der Zwiespalt". 
 
In mir keimte zum ersten Mal der Verdacht, dass mit meinen Ohren etwas nicht in Ordnung ist. Da bis zur nächsten Vorlesung noch etwas Zeit war, beschloss ich, mein Gehör ganz unverbindlich prüfen zu lassen. Ich ging zum einem Hörgeräteakustiker. Nach erfolgten Tests sah dieser mich mit ernstem Blick an und fragte, seit wann ich denn so schlecht höre?! Erst da erfuhr ich auch, dass die Wucht der Ohrfeigen damals einen Schaden hinterlassen haben muss. Und sich damit auch der Abfall der hohen Frequenzen erklären lässt.
 
Kurz darauf bekam ich meine ersten Hörgeräte – kleine, hautfarbene Im-Ohr-Pfropfen. Ich hörte zwar plötzlich vieles lauter. Meine Erwartung, nun wieder alles „normal" zu verstehen, wurde jedoch nicht erfüllt. Dass dieser Anspruch unrealistisch war und die Gewöhnung an Hörgeräte einige Zeit in Anspruch nimmt, wusste ich damals nicht. Die Hörgeräte ereilte ein für sie typisches Schicksal – statt in meinen Ohren verschwanden sie in der Schublade.
 
Das in Bonn begonnene Studium entsprach auch nicht meinen Erwartungen - übrigens nicht nur wegen der schlechten Akustik in den „Hör"sälen… Ich wechselte nach einem desillusionierenden Semester Uni und Studiengang. Beruflich wollte ich weiterhin in jedem Fall etwas mit Kommunikation und „mit Menschen" zu tun haben. Ich schrieb mich an der Uni Siegen für Sozialpädagogik ein. Mein Hörverlust machte sich natürlich weiter bemerkbar, doch habe ich mein Siegener Studium in sehr positiver Erinnerung. Ich fühlte mich nach der missglückten Bonner Zeit endlich „angekommen" (fachlich) und – verstanden (menschlich). Auch wenn ich akustisch nicht immer alles verstand. Lehrstoff, den ich akustisch nicht mitbekam, las ich eben nach. Via Internet konnte ich mir alle Informationen barrierefrei beschaffen. 
 
2002 hatte ich mein Studium erfolgreich abgeschlossen und stand nun vor der Frage: „Wohin im Anerkennungsjahr?" Als Sozialpädagogin kann ich grundsätzlich in ganz verschiedenen Handlungsfeldern (Jugendarbeit, Erwachsenenbildung, Altenarbeit etc.) tätig werden und so hatte ich die Qual der Wahl… - oder doch nicht?! Ich wollte eigentlich gern mit Kindern arbeiten, doch mittlerweile war das nahezu unmöglich geworden: mit meinem Hochtonverlust konnte ich hohe Kinderstimmen nicht mehr ausreichend verstehen. 
 
Durch Zufall entdeckte ich eine Stellenausschreibung für Sozialpädagogen beim Hörfunk: ich war begeistert -medienpädagogische Arbeit interessierte mich seit langem- und bewarb mich sofort per e-mail bei der „Radiowerkstatt Bergisch-Gladbach". Meine Hörbehinderung ließ ich unerwähnt. Sehr schnell erhielt ich eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Jetzt überkamen mich arge Zweifel: Wie soll ich z.B. Radiobeiträge bearbeiten, wenn ich ohne Lippenablesen ziemlich aufgeschmissen bin? Wie soll – oder besser: soll ich überhaupt erklären, dass ich schwerhörig bin? Ich traute mir die Radioarbeit selbst nicht so richtig zu – wie soll ich dann den Radiowerkstatt-Chef von mir überzeugen? Ich sagte das Vorstellungsgespräch zwei Tage vor dem vereinbarten Termin ab. 
 
Stattdessen nahm ich kurze Zeit später eine Stelle beim Sozialen Dienst eines Altenheimes an - nicht zuletzt aus rein pragmatischen Überlegungen. Mein Anerkennungsjahr verlief frustrierend: ich fühlte mich fachlich unterfordert, vom Hören her jedoch immer mehr überfordert. Eine denkbar schlechte Kombination. Bei der regelmäßigen Arbeit mit größeren SeniorenGruppen konnte ich kaum auf Gesprächsbeiträge reagieren; stattdessen agierte ich oftmals „ins Blaue" hinein, schnappte ein paar Informationsfetzen auf, setzte sie fragmentarisch für mich zusammen, nickte vieles ab, lächelte verständnisvoll, ohne wirklich verstanden zu haben. Innerhalb dieses einen Jahres (2002-2003) nahm mein Hörvermögen noch einmal dramatisch ab. 
 
Warum es mit meinen Ohren immer weiter abwärts ging, ist übrigens bis heute nicht ganz klar. Die Ärzte tippen auf Vererbung. In meiner Familie ist zwar kein ähnlicher Fall bekannt, jedoch kann die Schwerhörigkeit auch mehrere Generationen unbemerkt übersprungen haben. Die Ursache blieb im Vagen, doch eins merkte ich sehr deutlich: Die Welt um mich herum klang immer dumpftönernder, verschluckte immer mehr Buchstaben, verzehrte immer mehr Töne. Besonders schmerzlich war es auch beim Klavierspielen, wo ich quasi an den Tasten abzählen konnte, um wieviel weniger ich jetzt wieder hörte.
 
Ich zog mich immer mehr zurück und wurde immer verzweifelter. Als meine HNO-Ärztin nach einem weiteren niederschmetternden Hörtest eine Reha-Maßnahme speziell für Schwerhörige vorschlug, konnte ich mir darunter zwar noch nicht allzu viel vorstellen. Aber die Aussicht, körperlich und seelisch wieder neue Kraft zu schöpfen, machte mir Hoffnung. Auch auf den Austausch mit anderen Hörgeschädigten war ich gespannt. 
 
Die Reha in der Berleburger Baumrainklinik (Ende 2003) übertraf alle Erwartungen: zum ersten Mal begegnete ich Menschen, die meine Erfahrungen teilten! Ich erfuhr, dass meine Reaktion auf die Hörschädigung – Selbstüberforderung, Selbstzweifel und Rückzug- keineswegs untypisch oder gar „pathologisch" war. Mir wurde auch klar, dass ich das Fortschreiten meiner Schwerhörigkeit bis vor kurzem stark verdrängt hatte - nicht zuletzt die Unsichtbarkeit 
der Behinderung macht das ja möglich. Fassade des Normalhörens – wie viele Missverständnisse, wieviel unnötige Kraft hatte sie gekostet! Hoffnungsvolles Umdenken: Mit einer derart massiven Hörschädigung ein glückliches Leben zu führen, ist nicht unmöglich: ich will sie als einen Teil meines Lebens annehmen. Und: offensiv damit umgehen! Erfordert zunächst Mut, ist dann aber ein unglaublich befreiendes Gefühl! 
 
Viele Gespräche haben wir geführt, eindrucksvolle, ehrliche. Freundschaften wuchsen daraus und ich wurde wieder zu dem kontaktfreudigen Menschen, der ich eigentlich bin. Während der Reha bekam ich auch neue Hochleistungs-Hörgeräte. Diesmal wurde ich umfassend über die Möglichkeiten und Grenzen von Hörhilfen aufgeklärt, was dazu führte, dass ich trotz einiger Rückschläge durchhielt und die Hörgeräte konsequent trug. Gestärkt durch die geballten Informationen, Gespräche und Begegnungen kehrte ich nach Hause zurück. Die 6 Wochen Aufenthalt in der Baumrainklinik hatten mir einen enormen Energieschub gegeben.
 
Gerade heimgekehrt, musste ich mich erst mal arbeitslos melden. Meine Stelle im Altenheim war von vornherein auf ein Jahr befristet gewesen und hatte während der Reha ganz regulär geendet. Nun standen also Bewerbungen an. Ich wollte jetzt unbedingt im HörgeschädigtenBereich arbeiten, um dort mein Fachwissen als Sozialpädagogin und die persönliche Erfahrung als Schwerhörige konstruktiv verknüpfen zu können!
 
Mein Plan wurde durch rasch fortschreitenden Hörverlust ziemlich utopisch. Innerhalb weniger Wochen bemerkte ich, dass nun auch mein bislang immer noch etwas „besseres" linkes Ohr schwächer wurde. Telefonieren? – nicht mehr möglich. War nun die Zeit reif für ein CI? In der Reha hatte ich ja einiges darüber erfahren, doch galt ich damals noch als „zu gut hörend" für ein Cochlea Implantat. Meine HNO-Ärztin überwies mich Ende Januar 2004 zwecks genauer Klärung an die Uniklinik Frankfurt.
 

4. Die Zeit ist reif für ein CI…

 
Die Nachricht, dass ich nun die Kriterien für ein CI erfülle, war erleichternd und aufwühlend zugleich. Ich erbat mir Bedenkzeit, um alles zu begreifen. Abwägen: Was habe ich zu verlieren? Ein Restgehör, zu lückenhaft, um im Alltag damit zurecht zu kommen. Ich kann nur gewinnen: an Sprachverstehen, an Sicherheit in Gesprächssituationen, an Lebensqualität. 
 
Rational betrachtet eine klare Sache. Aber die Ängste dabei! Das Gefühl, lebenslang mit einem Fremdkörper im Kopf herumzulaufen (die Langzeitfolgen sind ja noch unbekannt!). Eine OP, bei der eventuell der Gesichtsnerv geschädigt werden kann (auch wenn das selten vorkommt. „Selten" heißt ja nicht „nie")… Das künstliche Hören mit CI – menschliche Stimmen, die klingen wie Roboterstimmen! Und was ist mit meiner Musik ? Mit Musikgenuss?! – Darauf kann, will ich nicht verzichten! 
 
Aus dem Internet sog ich alle verfügbaren Informationen: las Beiträge aus CI-Foren, CI-Erfahrungsberichte (an dieser Stelle DANKE an Ihre wirklich sehr ergiebigen Ohrenseiten, Herr Schwaninger!). Sprach und e-mailte mit anderen CI-TrägerInnen. 
 
Nach drei Wochen Bedenkzeit stand meine Entscheidung fest: JA – ich werde es wagen! Das war Anfang Februar. Mein OP-Termin wurde für den 23. März 2004 angesetzt. „So bald?! Sehr optimistisch…", dachte ich, „wo doch die Krankenkasse noch gar nicht wegen Kostenübernahme entschieden hat…" Mein Arzt riet mir, regelmäßig bei der Krankenkasse nach dem Stand der Dinge zu fragen. Oder anders ausgedrückt: ständig nachhaken, Dringlichkeit und bereits feststehenden OP-Termin betonen, die armen Mitarbeiter also quasi dermaßen auf Trab zu halten, dass eine schnelle Entscheidung zustande kommt. Ob's an meiner Hartnäckigkeit lag? -Vier Tage vor der OP (!) erhielt ich endlich die schriftliche Zusage meiner Krankenkasse. 
 

5. Klinikaufenthalt (22.3. – 28.3. 2004)

 
Während meines Aufenthalts in der Frankfurter Uniklinik habe ich eifrig CI-Tagebuch geführt. Davon nun einige Auszüge:
 
Montag, 22.3.04: 
Stationäre Aufnahme. Meine Eltern begleiten mich; bin froh, nicht allein zu sein. Komme mir ziemlich elend vor, denke: „Heute ist der letzte Tag deines Lebens mit DIESEM Gehör." Auch wenn ich mit dem rechten (= für die OP—gewählten) Ohr keine Sprache mehr verstehen kann – die tiefen Töne höre ich dort noch gut! Und ich habe plötzlich große Angst, genau dieses Restgehör zu verlieren! (…) 
Lange Wartezeit (3,5 Stunden!) vor der Narkoseaufklärung raubt mir fast den letzten Nerv. Gespräche mit meinen Ärzten. Ich habe mich nach letzter Beratung mit Prof. Gstöttner endgültig entschieden: für eine lange Elektrode, bei der trotzdem versucht wird, mein Restgehör zu erhalten (Insertionstiefe 22 – 24 mm). Hoffe inständig, dass diese Entscheidung richtig war!
Angenehme Randnotizen: Zwei-Bett-Zimmer (als Kassenpatientin!), sehr freundliches Personal, sehr nette Bettnachbarin.
 
Dienstag, 23.3.04:
OP-Tag! Habe zu wenig geschlafen, weil meine Bettnachbarin heftige schnarchte. Und ausgerechnet diese Töne höre ich ja noch deutlich! Ironie im Krankenbett… Fühle mich nach einer Dusche aber wieder etwas wohler. Abgesehen von den Bauchschmerzen, die meine Angst verraten.
Gegen 11.00 h bekomme ich ein Beruhigungsmittel, werde in den OP gefahren. Weine, denke an meine Klaviermusik. Eine Melodie von Rubinstein geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Der Anästhesist versucht, mich mit Scherzen aufzuheitern: „Na, Frau Kraft, schon mal Drogen genommen?! -Nein? –Na, dann wird's aber Zeit!" Spricht's und spritzt mir das Narkosemittel…Gegen 16.35 h werde ich wieder im OP-Vorraum wach. Frage ungläubig, ob tatsächlich schon operiert wurde und ob denn alles gut gegangen sei? Kann die Antworten der Schwester zwar akustisch nicht verstehen. Entnehme aber ihrem entspannten Blick, dass alles geklappt hat…
Werde aufs Zimmer gefahren, wo meine Eltern schon auf mich warten. Fühle mich erstaun-lich fit, direkt nach der Narkose. Der Verband am Kopf liegt nur über dem operierten Ohr vollständig, d.h. links kann ich sogar weiter mein HdO-Hörgerät tragen! Bin also nicht – wie befürchtet - akustisch völlig schachmatt gesetzt!
Nach der OP keine Schmerzen, nur auf der nicht(!)-operierten Seite Druckstellen: darf ja nur noch auf der linken Seite liegen…Bin so froh, dass alles gut verlaufen ist: Gesichts-, Geschmacks- und Hörnerv intakt, keinerlei Schwindel, keinerlei Schmerzen! Schlafen ist unbequem, weil ich immer nur auf einer Seite lagern kann. 
Sonst geht's mir sehr gut!
 
Mittwoch, 24.3.04:
Nach dem Aufstehen ab ins Bad: waschen, ein bisschen Farbe auf Wangen und Lippen und schon sehe ich wieder frisch und rosig aus. Meine Mutter (die die ganze Woche über mit mir in Frankfurt bleibt) ist hocherfreut, mich so zu sehen. Bekomme per Infusion Medikamente: Antibiotikum (prophylaktisch) und Kortison (auch, um Vernarbung möglichst gering zu halten).
 
Fühle mich besser, als ich es in so einer Situation jemals zu hoffen gewagt hätte!
 
Donnerstag, 25.3.04:
Der erste Hörtest bestätigt, was ich auch fühlte: es ist tatsächlich noch Restgehör auf dem implantierten Ohr da!!! Zwar nicht vollständig, aber doch soviel, dass es fürs Hören mit dem CI richtig nützlich ist. Freue mich riesig darüber!
Weniger schön: die Infusion bereitet Schwierigkeiten, blockt, fließt nicht mehr freiwillig durch meine Vene. Da Kortison aber nur auf diesem Weg läuft (wg. großer Menge), muss Dr. Süssmann einen neuen Venenzugang stechen. Und ich hab doch so Angst vor Spritzen bzw. Nadeln!...Gott sei Dank klappt's aber sofort.
Fühle mich ziemlich schlapp und müde – vom Antibiotikum? Hören mit nur einem Ohr (Luftleitung rechts noch ziemlich zugeschwollen) strengt sehr an.
 
Freitag, 26.3.04:
Morgens 2. Hörtest. Verbesserung u.a. der Luftleitung auf dem CI-Ohr um 10 dB. Röntgen und spezielle CT zeigen: Elektrode sitzt „regelrecht", alles in Ordnung!
 
Da ich – seit Sonntag!- nie richtig durchschlafe und dann noch dieses schlappmachende Antibiotikum kriege, fühle ich mich unendlich müde.
Meine Mutter bleibt trotzdem „tapfer" bei mir, auch wenn ich vor ihren Augen manchmal fast eindöse…Frage, ob ich am Wochenende nach Hause darf (die Krankenkasse zahlt ja sowieso nur bis Sonntag!). Grünes Licht vom Arzt –wenn's so weitergeht, kann ich in 2 Tagen wieder nach Hause!
Statt Verband seit gestern Ohrenklappe: jetzt sehe ich, wie viele Haare tatsächlich abrasiert wurden… Ziemlich breiter Streifen. Meine Mutter hält das fotodokumentarisch fest. Die kahl geschorene Stelle macht mir aber weniger aus, als zunächst befürchtet. Bin einfach froh und dankbar, dass sonst alles super geklappt hat!
 

6. Wieder daheim

 
Am Sonntag (28.3.) durfte ich wie geplant nach Hause zurück. Nun beginnt die lange Wartezeit: bevor die Wunde nicht sauber verheilt ist, kann der Sprachprozessor nicht angepasst werden. Habe mir aber (bin ja Optimistin ;-) schon mal einen Termin für Ende April geben lassen…Dann also ist mein großer „Tag des Wieder-Hörens"…
 

Ganz aktuell –„Neues aus der Warteschleife" - Freitag, 2.4.04:

Bin jetzt wieder um eine Erfahrung reicher: schlimmer als abrasierte Haare sind doch Haare, 
die (zugunsten der Wundheilung) seit dem 22.März nicht mehr gewaschen werden durften! 
Fühle mich gerade wie ein ölverschmierter Nordseevogel. Muss beim Sonnenbaden im Gar-
ten glatt aufpassen, dass Greenpeace mich nicht retten und entfetten will ;-) 
 
Trage „in der Öffentlichkeit" ein lustig-buntes Kopftuch mit dreierlei Funktion:
1. Schutz meiner kleinen CI-Glatze vor Sonnenbrand
2. Schutz der Bevölkerung vor dem Anblick öligsten Haupthaars…
3. Bewusste Irritation von sauerländischen Kleinstadtbürgern nach dem Motto (wie gesagt, es ist ein schönes BUNTES Kopftuch): „Bringt endlich Farbe in euer Leben!" ;-)
Ja, mit Humor geht alles leichter!
 
Fortsetzung folgt! 
 
Elke Kraft / 2. April 2004
© Copyright 2004 Elke Kraft
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Erfahrungsbericht Teil 2

Fast ein Jahr nach meiner zweiten CI–Operation möchte ich wieder in einem Bericht meine Erfahrungen schildern.
 
Kurz zu meiner Person. Mein Name ist Meike Adam, ich bin seid frühester Kindheit hörgeschädigt und habe fast zwanzig Jahre zwei Hörgeräte getragen. Im August 2002 bekam ich an der Uni-Klinik Würzburg mein erstes CI. Mehr dazu kann man unter http://www.gschwaninger.de/ohrenseite/eb_meike_adam.html nachlesen. Ich konnte schon sehr bald wieder richtig gut hören und verstehen, so dass ich unbedingt ein Zweites wollte! 
 
Ich war überglücklich und sehr gespannt, wie es wohl sein würde, nach so vielen Jahren wieder mit zwei Ohren zu hören. Angst vor dem Eingriff hatte ich nicht, im Gegenteil, ich freute mich sogar darauf. Schließlich war mir ja schon alles bestens bekannt.
 
Im Gegensatz zu meiner ersten OP schraubte ich meine Erwartungen allerdings nun doch ziemlich hoch. Und wieder hatte ich Glück! Die zweite Anpassung verlief viel besser als beim ersten Mal. Irgendwie auch logisch, dachte ich, schließlich wusste ich nun ganz genau, wie fremdartig und merkwürdig das Hören mit dem CI sein würde. Ich war nicht mehr überrascht oder erschrocken über diese ungewohnte Geräuschevielfalt.
 
Außerdem hatte ich den Eindruck, dass alles wieder an Ort und Stelle saß. Nach der ersten OP kam es mir stets so vor, als ob mein Mund vollkommen verdreht wäre und ich mich nur auf einer Seite reden hören konnte. Meine andere Seite schien vollkommen taub zu sein, zumal ich auch mein Hörgerät nicht mehr zusätzlich benutzte. Nach der zweiten OP war das Gefühl von Gleichklang wieder hergestellt. 
 
Dann kam für mich der schönste und spannendste Augenblick überhaupt, als beide CI's zusammengeschaltet wurden. Wow, was für ein wahnsinniges Gefühl! Es war, als würde sich eine Tür öffnen, die vorher für immer geschlossen zu sein schien. Ein wirklich ergreifender Moment, da beide CI's auch von der ersten Sekunde an sehr gut miteinander harmonierten.
 
Das neue CI alleine zu tragen, war anfangs natürlich nicht sehr angenehm, aber das war mir egal. Ich wusste ja inzwischen, dass es Zeit brauchen würde sich auszubilden. Wieder zu Hause, trainierte ich mein „neues Ohr", indem ich es oft stundenlang am Tag alleine trug. Ich hörte Musik und kaufte mir neue CDs, mit denen ich das Verstehen übte und ich zwang mein Ohr, sich im Alltag anzustrengen. 
 
Ähnlich war es beim Fernsehen und Telefonieren. Ich wollte unbedingt, dass mein zweites Ohr genauso leistungsstark wird wie mein erstes. An das Richtungshören dachte ich dabei zunächst gar nicht, bis man mir sagte, ich solle doch überwiegend beide CIs zusammenschalten, damit sich auch dieses ausbilden konnte.
 
Zuerst zeigte sich bei dem Test zum Richtungshören noch nicht so viel, aber mit der Zeit wurde auch das deutlich besser. Ich war wirklich recht schnell in der Lage, zu bestimmen, ob ein Ton nun von rechts oder links kam. Das kann zum Beispiel im Straßenverkehr lebenswichtig sein! Mit nur einem Ohr ist es nicht möglich genau zu erkennen, aus welcher Richtung ein Fahrzeug kommt. In einer solchen Situation sprang ich, anstatt auszuweichen, in die falsche Richtung und nur knapp vor ein Auto. Glücklicherweise konnte der Fahrer Schlimmeres verhindern.
 
Nun fühle ich mich im Straßenverkehr wieder sicher, da ich sogar an einer stark befahrenen Ampelkreuzung in der Lage bin, eine Fahrradklingel herauszuhören.
 
In Gesellschaft habe ich kaum noch Probleme einem Gespräch zu folgen, selbst bei sehr starken Hintergrundgeräuschen. Ich erkenne meistens genau, welche Person mich anspricht, ohne dass ich ständig den Kopf drehen muss.
 
Fremde Leute merken zu einem Normalhörenden keinen Unterschied. Andere hingegen, die von meiner Hörbehinderung wussten, sind über diesen positiven Wandel total verblüfft und begeistert.
 
Werde ich gefragt, in welchen Situationen ich noch eingeschränkt bin, muss ich erst überlegen. Ich antworte dann, dass mir das Telefonieren mit dem Handy manchmal noch Probleme macht. Sonst fällt mir wirklich nichts ein!!!
 
Oft kann ich es selbst kaum glauben, wie sich mein Leben durch moderne Technik, innerhalb nur eines Jahres, derart positiv verändert hat. Es ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl, Musik stereo zu hören und den Klang der Instrumente so richtig zu genießen.
 
Außerdem ist es für mich ein großer Ansporn, mein neues Hören sinnvoll zu nutzen. Ich besuche inzwischen EDV-Kurse bei der Volkshochschule, was mir früher nahezu unmöglich erschien. Den für mich sonst so wichtigen Blickkontakt zum Lehrer oder Dozenten brauche ich heute nicht mehr. 
 
Trotz allem will ich aber ehrlich sein und sagen, dass ich es mir schon fast zur Gewohnheit gemacht habe, das Hören in schön und nicht schön einzuteilen. Ich habe ja eindeutig einem Normalhörenden gegenüber den Vorteil, in Lärmsituationen einfach meine Ohren abschalten zu können. 
 
Ein Buch liest sich zum Beispiel viel angenehmer, ohne das Brummen von Nachbars Rasenmäher. Kochen geht ohne Gebrutzel von Pfannen und ohne Rauschen der Abzugshaube ebenfalls entspannter.
 
Dazu kommt noch, dass ich öfter mal „abschalte", wenn viele Kinder in der Nähe sind. „Die kleinen Geister" können ja manchmal ziemlich kräftig Radau machen. Diese Beispiele sollen jetzt aber keineswegs widersprüchlich wirken. Ich sehe allerdings nicht ein, meine Nerven unnötig zu strapazieren.
 
Ich weiß von Bekannten, dass ich um diese Fähigkeit sogar etwas beneidet werde. Jeder andere würde diesen Vorteil sicherlich auch gerne nutzen.
 
Zum Schluss möchte ich noch bemerken, dass es vom ersten zum zweiten CI noch einmal ein enormer Sprung und Fortschritt ist. Für das absolute Wohlgefühl ist eine zweite OP meiner Meinung nach unglaublich wichtig. Ich würde mir wünschen, dass alle Betroffenen, die dies möchten, in den Genuss eines zweiten CIs kommen könnten.
 
 
Meike Adam
Borken
März 2004
  • Erstellt am .

Der Abschied von meinem Hörgerät Teil 2

 
Hätte ich beim Schreiben des ersten Teils schon gewusst was nach der Erstanpassung mit meinem Gehör passiert, hätte ich mich für eine andere Überschrift entschieden. Das hole ich jetzt nach:
 
Juchhu die Zukunft hat begonnen
 
Die Erstanpassung bei Herrn Pera von der Firma Cochlear war für mich ein lang erwarteter und spannender Moment. Im Beisein meiner Frau und meiner Tochter wurde der Nucleus ESPRIT 3G nach vorherigen kurzen Programmierungen endlich eingeschaltet. Das war schon ein super Gefühl, wenn nach fast 5 Monaten der Taubheit wieder Töne in das Gehirn strömen.
 
Noch schöner war es, wie ich die ersten Worte von meiner Frau verstanden habe. Nach weiteren kurzen Einstellungen sollten wir erst mal 1 Stunde auf dem Klinikgelände spazieren gehen.
 
Ich erinnere mich gut wie ich mich an der ersten quietschenden Tür richtig erschrocken habe, aber gleichzeitig fasziniert dem Schuhgetrippel auf den Treppen zuhörte. Das erste zaghafte Gespräch mit Susanne (meine Frau) war natürlich mit Nebenwirkungen wie leichtes Klingeln nach jedem Wort oder etwas metallisch hohlem Klang verbunden, aber die üblichen Roboter bzw. Mickeymaus-Stimmen blieben mir erspart. Ich konnte sofort die Stimmen meiner Familie erkennen. Um die Worte zu verstehen musste natürlich noch Blickkontakt bestehen. Es ist berauschend, wenn man hört, wie andere Menschen sich unterhalten und lachen, auch wenn man das Gesagte nicht versteht. Die Stunde war viel zu schnell um und wir mussten noch einmal zu Herrn Pera. 
 
Im Wartebereich waren wir alleine und machten schon ein paar Wortspielchen von einer Wand zur Anderen. Herr Pera programmierte an diesem Tag noch ein zweites Programm in mein Gerät, das ich in einigen Tagen ausprobieren sollte.
 
Am nächsten Morgen ging ich sofort wieder zur Arbeit. Mein Personal war sehr überrascht, dass ich die normalen Sätze sofort richtig verstand. Mit meinem Vorarbeiter lief ich dann den ganzen Tag über das Betriebsgelände und habe mir alle Geräusche, soweit ich diese nicht selbst erkannte, erklären lassen. Das war ein echt lustiger Arbeitstag. Es war mir gar nicht mehr bekannt, dass eine Computertastatur klappert und eine Maus klickt.
 
Der Hörerfolg kam mit riesigen Schritten auf mich zu, so dass ich schon nach drei Tagen das zweite Programm aktivieren musste. Seitdem führte ich schon zaghafte Gespräche über Telefon und Handy mit meiner Frau und meinen Eltern.
 
Acht Tage später kam dann schon Programm 3 und 4, mit denen ich fünf Wochen trainieren konnte. Interessant war, dass ich mit dem CI in dieser Zeit Töne gehört habe, die mir fast 15 Jahre nicht mehr zu Ohren kamen. Die ganze Bandbreite der hellen Töne wie z. B. elektronische Eieruhren waren mir nicht mehr bekannt. Auch in der Gaststätte habe ich auf einmal die Leute auf der anderen Seite der Theke wieder gehört und zum größten Teil verstanden. Seltsamerweise waren aber gerade die dunklen Töne, die ich bis kurz vor Hörverlust am Besten gehört habe, nur noch schwer herauszuhören. 
 
Frau Michels vom CIC Friedberg hat mir aber erklärt, dass die hellen Töne als unbekannte Töne dominierend wären und dass die dunkeln bald wieder von mir wahrgenommen würden.
 
Ich hatte vom 1. Tag an das Gefühl, wieder im Leben zu stehen. Endlich konnte ich mich wieder unter die Leute trauen. Selbstverständlich gab es und gibt es noch große Einschränkungen. Ein CI kann nun mal kein Ohr ersetzen, aber es ist ein großer Schritt in diese Richtung. Man gehört auf einmal wieder zur Gesellschaft. Hätten meine letzten Hörgeräte annähernd die Leistung gebracht, wie mein CI, wäre mir in den letzten Jahren manches leichter gefallen.
 
Gut zwei Monate nach Erstanpassung gehörte das Hören fast schon wieder zur Normalität. Ich musste meiner Familie aber noch ständig sagen, dass sie nicht so laut reden und vor allem mich nicht erst anstoßen soll, wenn sie mir etwas mitteilen wollte. Das Telefonieren mit Bekannten und Verwandten klappte auch schon ganz gut, nur bei Fremden bekam ich noch Schweißausbrüche und wurde nervös. Dann versteht man natürlich nichts mehr. Aber das war nur noch eine Frage der Zeit……!
 
Ich bin froh, mich für eine Reha-Maßnahme in Friedberg entschieden zu haben, weil man dort nicht nur das Ohr trainiert, sondern auch, dass man lernt daran zu glauben, was man hört.
 
Man merkt beim Hörtraining auch am schnellsten, wo die Schwächen liegen und was man trainieren muss. Ich habe mir die CD Hörtraining 2 besorgt und die ganzen Texte in MP3 umgewandelt. So kann ich mit einem kleinen MP3-Player Hörtraining durchführen. Ich habe auch schon versucht mir das Hörbuch „Der kleine Prinz" anzuhören, aber das war noch zu schwierig. Ich muss aber auch gestehen, dass ich mir viel mehr Zeit zum Hörtraining nehmen müsste, nur hat man(n) nach Feierabend und familiären Pflichten meist keine Lust mehr.
 
Ich habe jetzt fast zwei Monate das CI und schon vor acht Wochen habe ich Michael Schwaninger den zweiten Teil meines Berichtes versprochen. Er möchte mir bitte verzeihen, dass es noch so lange gedauert hat, aber es gab ständig Neuigkeiten, die ich gerne noch mit in diesen Text eingeflochten hätte. Es ist fast unmöglich, alles an die Leser so „rüberzugeben", wie man es gerne möchte.
 
Die Hörtests in Friedberg sind viel versprechend und beim Verstehen von Zahlen komme ich auf 99 %. Bei den Einsilbern auf 40 – 50 %. Auch das Telefonieren fällt mir immer leichter. Aber ich benutze immer noch am liebsten den Telefonschalter von meinem Nucleus ESPRIT 3G. Leider geht das nur mit analogen Telefonen, aber in der Regel steht noch auf jedem Schreibtisch ein solches Gerät. Die digitalen Telefone muss man einfach ausprobieren. Es gibt welche mit guten und schlechten Klangqualitäten. In der Regel bin ich aber bis jetzt mit Siemens-Telefonen und Handys gut zurecht gekommen.
 
Bei einer Fastnachtssitzung im Februar hatte ich Anfangs noch etwas Probleme um die Büttentexte zu verstehen. Aber nach einiger Zeit habe ich bemerkt: wenn man die Lautstärke ganz heruntersteuert, kann man die Worte in einer so großen Halle sehr deutlich verstehen. Somit war ich auch mal wieder in der Lage über Büttenreden zu lachen.
 
Die großen Erfolge haben mich aber auch in meinem Entschluss bestärkt, die zweite Seite in Angriff zu nehmen. Nachdem ich in der Uni Frankfurt noch einige Tests über mich ergehen lassen musste, konnte ich den Antrag Ende Februar bei der Krankenkasse einreichen. 
 
Natürlich bin ich mir im klaren, dass dieser Antrag erst einmal abgelehnt werden könnte. Aber da ich durch meinen Beruf mit vielen Störgeräuschen zu tun habe und auch in die Ruf- und Arbeitsbereitschaft nachts und am Wochenende integriert bin, benötige ich dringend ein zuverlässiges zweites Ohr. Auch aus medizinischer Sicht gibt es keine Einwände. Aus diesen Gründen werde ich den langen Kampf mit der Krankenkasse nicht scheuen. Natürlich werde ich mich dann wieder hinsetzen und Ihnen alles so gut wie möglich berichten.
 
Frau Michels in Friedberg hat jetzt, Ende März, wieder mein Programm überarbeitet. Ich höre morgens die Vögel zwitschern und freue mich auf die anderen Frühlingsgeräusche.
 
Im Sinne meiner zweiten Überschrift wünsche ich allen CI-Trägern und den künftigen viel Erfolg und gutes Hören.
 
Friedhelm van Koeverden
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Das Foto entstand im Januar 2004 bei einer Veranstaltung des CIV HRM auf der ich mich sehr angeregt über mein neues Hören unterhielt und nicht mal wahrnahm, daß Michael Schwaninger mich grade samt Familie fotographierte :-)
 
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Stand: 22.03.2004

 

Das Foto entstand im Januar 2004 bei einer Veranstaltung des CIV HRM auf der ich mich sehr angeregt über mein neues Hören unterhielt und nicht mal wahrnahm, daß Michael Schwaninger mich grade samt Familie fotographierte :-)

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Erfahrungen mit dem ESPrit 3G

Ein Vergleich Taschenprozessor-HdO-CI
 
Seit fast 40 Jahren habe ich eine Innenohrschwerhörigkeit. Zuerst nur leicht – Anfang der 60iger Jahre als „verfrühte Altersschwerhörigkeit" diagnostiziert – bis ich dann schon in den 90iger Jahren als ertaubt galt. Ich hatte links noch ein Resthörvermögen im Tieftonbereich und war an diesem Ohr mit einem Hörgerät versorgt. Rechts konnte ich Sprache auch mit einem Hörgerät nicht mehr verstehen, die Geräusche waren eher störend für mein Sprachverständnis. 
 
Mit dem Hörgerät kam ich gut zurecht. Ich hatte mir unbewusst eine gute Hörtaktik angeeignet, die ich dann, nach meinem Kontakt seit 1991 mit der Hörbehindertenszene in Deutschland und meinem immer tiefer gehenden Engagement in der Selbsthilfe, noch deutlich verbessern konnte.
 
Für unseren Bundesverband (heute Deutsche Hörbehinderten-Selbsthilfe DHS) organisierte ich dann im März 1998 ein Seminar zu dem Thema: „CI – schon bei an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit?". Ich selber beschäftigte mich auch schon geraume Zeit mit diesem Thema. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis gab es bereits CI-Träger, die mehr oder weniger gut mit ihren Geräten zurecht kamen. 
 
Es waren spektakuläre Erfolge darunter, aber eben auch solche, die das Sprachverständnis nicht zurück brachten. Trotzdem war das CI in jeden Fall für die Träger ein deutlicher Gewinn und eine totale Verbesserung im Sprachverständnis. Das bedeutet ja auch ein entspannteres Leben, da das CI in den meisten Fällen besseres Hören und Verstehen ermöglichte, andererseits aber die ständige muskuläre Anspannung bei diesem Prozess verminderte. 
 
Während dieses Seminar sprach unter anderem auch Prof. Lenarz aus Hannover sowie Dr. Zeh aus Bad Berleburg, der wenige Tage nach dem Seminar selber „unters Messer" kam und später sehr erfolgreich mit einem CI versorgt wurde.
 
Das Seminar war sehr gut besucht und so hatte ich Gelegenheit, mich mit anderen Betroffenen, die am gleichen Stand des Denkprozesses angelangt waren wie ich, auszutauschen. Mein Wunsch, es mit diesem Implantat dann doch mal zu versuchen, wurde immer stärker. Aber irgendwie traute ich mich nicht. Wie ich heute weiß, werden die meisten anderen Interessenten von mehr oder weniger den gleichen und vielfach irrationalen Ängsten befallen, wie ich selber. Die größte Angst hatte ich vor einer Gesichtsnervverletzung. Das ist eine OP-Komplikation, die heute etwa so oft vor kommt, wie der Tod als Folge einer normalen Blindarmoperation. 
 
Wie auch immer, eines Tages war es soweit. Genauer: am 07. Januar 2000 wurde ich in Freiburg/Deutschland implantiert. Ich hatte mich für das rechte Ohr entschieden und für ein Gerät der Fa. Cochlear. Die OP war ein voller Erfolg. Ich war praktisch gleich wieder auf den Beinen und hatte keinerlei Probleme, weder mit Schwindel noch mit Übelkeit noch mit sonst was. 
 
Am 14.02.2000 trat ich dann erneut in Freiburg an zur ersten Anpassung. Das war ein merkwürdiges Gefühl. Erwartung, Angst, Spannung...
 
Ich bekam, wie damals noch üblich, einen Taschenprozessor und los ging's. Es wurde ein richtig spektakulärer Erfolg! Ich verstand sofort Sprache sehr deutlich wenn auch etwas ungewohnt hoch und irgendwie weit weg. Ist schwer zu erklären. Was ich nicht mehr hörte waren Nebengeräusche. Das ist meiner Erfahrung nach absolut selten und verunsicherte mich total, wenn ich draußen rum lief. Daher setzte ich kurzerhand auch mein Hörgerät ein und von da an ging es nur noch aufwärts. 
 
Es war am Anfang sehr stressig, dauernd im Hochtonbereich hören zu müssen, was ich seit Jahren ja nicht mehr konnte. Auch mein Hörgerät war immer im Tieftonbereich eingestellt, weil ich so das beste Sprachverständnis hatte. 
 
In den folgenden Jahren hatte ich dann 2-3 x noch Anpassungstermine. Ich brauchte eigentlich recht wenige und war total zufrieden. Ich verstand ohne Blickkontakt, konnte im Auto wieder meine Beifahrer/Mitfahrer verstehen, konnte Radio hören und verstehen und brauche beim Fernsehen keine UT mehr. Auch Musik wurde schnell wieder angenehm für mich, eine ziemliche Überraschung. Damit hatte ich gar nicht gerechnet. Abgesehen von Blasmusik habe ich an allem Freude, verstehe die Sänger sogar wieder und schaue mir sehr oft Opern und Operetten im TV an. Es war und ist eine tolle Erfahrung! 
 
Theoretisch hätte ich auch schon telefonieren können. Aber daran traute ich mich einfach nicht. Im Gegensatz zu anderen, die nach der Anpassung als erstes das nächste Telefon ansteuern, um zu probieren, ob das klappt. 
 
Es hatte sich im Laufe der Anpassungen auch schnell ergeben, dass ich mit dem Sprachprogramm SPEAK nicht so gut verstehen konnte. Daher bekam ich relativ schnell ACE. Für mich wurde die Sprache dadurch noch „schärfer" und so auch besser verständlich. Merkwürdigerweise störten mich Nebengeräusche nur unwesentlich. Wo andere CI-Träger kaum noch etwas verstanden, hörte ich zwar den "Krach", konnte einem Gespräch aber noch sehr gut folgen. Wobei mich zugegebener Maßen, die in vielen Jahren entwickelte Hörtaktik sehr unterstützte!
 
Im Herbst 2000 war ich dann beruflich „gezwungen" den Versuch mit dem Telefon zu machen. Und siehe da: es klappte einwandfrei. Lange Zeit benutzte ich dazu das mitgelieferte Kabel. Heute brauche ich das auch nicht mehr, sondern kann den Hörer ganz normal „ans Ohr" halten. Ich kann auch ganz normal telefonieren. Selbst mit Menschen, die ich nicht kenne.
 
Im Sommer 2000 probierte ich schon den damals erhältlichen ESPrit von Cochlear aus und war total unzufrieden. Ich konnte mit diesem HdO-Gerät nicht mehr in der mittlerweile gewohnten Form kommunizieren. Das lag wohl daran, dass dieses Gerät vorerst nur mit SPEAK eingestellt werden konnte. Also blieb ich vorerst weiter beim Taschenprozessor.
 
In diesem Jahr nun hatte ich Gelegenheit, den ESPrit 3G (nachfolgend 3G genannt), das neueste HdO-Gerät von Cochlear auszuprobieren. 
 
Die Anpassung war für mich sehr viel mühevoller als seinerzeit mit dem Taschenprozessor. Die für mich optimale Einstellung verbrauchte Unmengen an Energie. Die drei Knopfzellenbatterien waren nach nicht mal 2 Tage leer. Eine teure Sache also!! 
 
Zusammen mit meinem Akustiker, der schön länger Einstellungen macht, versuchten wir, das Bestmögliche aus dem 3G herauszuholen. Immer wieder hatte ich das Problem, dass ich Nebengeräusche kaum hörte, selten mitbekam, wenn ich von hinten angesprochen wurde und ähnliches. Absolut phantastisch war von Anfang an die Möglichkeit, selbst bei 120 und mehr Stundenkilometer im Auto die Radioansagen sehr gut verstehen zu können. Da ich viel unterwegs bin war das kein unwesentlicher Vorteil. 
 
Und als ebenso bereichernd empfand ich die integrierte Induktionsspule! Meines Wissens ist der 3G immer noch das einzige HdO-CI mit dieser Funktion. Zusammen mit meinem Hörgerät, welches ebenfalls eine Induktionsspule hat, kann ich bei entsprechenden Gelegenheiten problemlos und stereo hören und verstehen. Eine Freundin hat in ihrem Wohnzimmer z.B. eine Indusktionsschleife verlegt. Hier kann ich mit meinen beiden so gut ausgerüsteten HdO-Geräten schnurlos am Fernsehen verstehen. Auf meinem Wunschzettel steht daher schon eine Weile eine solche Induktionsschleife ?. 
 
Auch telefonieren geht mit dem 3G bestens. Dazu benutze ich jedoch keine Induktion, sondern halte den Hörer einfach an das Mikrophon. Hier gilt auch wieder: einfach alle Möglichkeiten ausprobieren und herausfinden, was persönlich am besten ist.
 
Mit der Einstellung Whisper Setting, die in bestimmten Situationen auch leisere Geräusche der Umgebung hervorheben soll, konnte ich leider bisher nichts anfangen. Ich weiß aber von anderen Trägern des 3G, dass sie davon sehr profitieren. 
 
Wie in allen Bereichen des CI kann also niemand sagen, so und so geht das. Jeder muss für sich selber die verschiedenen Möglichkeiten ausprobieren, die ein CI bietet. Mit dem 3G bin ich jedenfalls schon fast so zufrieden wie mit dem Taschenprozessor. 
 
Der Einstellungsprozess ist ja noch nicht abgeschlossen. Erst vor kurzer Zeit erfuhr ich z.B, dass der 3G nur mit 20 Elektroden arbeiten kann und also 2 abgeschaltet werden müssen. Das machen die Techniker meist aufgrund der vorliegenden Einstellungsergebnisse, so dass der CI-Träger meist gar nicht merkt, was da jetzt „fehlt". 
 
Das scheint bei mir nicht so zu sein. Bei der nächsten Einstellung werden wir auch hier etwas ausprobieren. Ich gehe davon aus, dass anschließend mein Sprachverständnis mit dem 3G nicht wesentlich anders sein wird als mit dem Taschenprozessor. 
 
Spaß macht mir persönlich auch die Möglichkeit, je nach Laune oder Kleidung die Batteriekammerfarbe wählen zu können. Schon seit Jahren trage ich ein rotes Hörgerät mit rotem Ohrstück und entsprechendem Schlauchteil. Von Cochlear wünsche ich mir, dass es bald auch hier mehr Farbauswahl für den Magnetteil gibt und die entsprechenden Kabel. Dieses triste beige und braun ist nichts für mich!!
 
Wer gern persönlich mit mir Kontakt aufnehmen möchte darf das gerne tun. 
 
Erika Classen
Uferpromenade 9
88709 Meersburg
Fax: 07532-6995
Tel. 07532-808149
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Dieser Beitrag erschien zuerst im Forum der Deutschen Hörbehinderten-Selbsthilfe e.V. im Heft 19 im Juni 2003
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