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Der Abschied von meinem Hörgerät Teil 2

 
Hätte ich beim Schreiben des ersten Teils schon gewusst was nach der Erstanpassung mit meinem Gehör passiert, hätte ich mich für eine andere Überschrift entschieden. Das hole ich jetzt nach:
 
Juchhu die Zukunft hat begonnen
 
Die Erstanpassung bei Herrn Pera von der Firma Cochlear war für mich ein lang erwarteter und spannender Moment. Im Beisein meiner Frau und meiner Tochter wurde der Nucleus ESPRIT 3G nach vorherigen kurzen Programmierungen endlich eingeschaltet. Das war schon ein super Gefühl, wenn nach fast 5 Monaten der Taubheit wieder Töne in das Gehirn strömen.
 
Noch schöner war es, wie ich die ersten Worte von meiner Frau verstanden habe. Nach weiteren kurzen Einstellungen sollten wir erst mal 1 Stunde auf dem Klinikgelände spazieren gehen.
 
Ich erinnere mich gut wie ich mich an der ersten quietschenden Tür richtig erschrocken habe, aber gleichzeitig fasziniert dem Schuhgetrippel auf den Treppen zuhörte. Das erste zaghafte Gespräch mit Susanne (meine Frau) war natürlich mit Nebenwirkungen wie leichtes Klingeln nach jedem Wort oder etwas metallisch hohlem Klang verbunden, aber die üblichen Roboter bzw. Mickeymaus-Stimmen blieben mir erspart. Ich konnte sofort die Stimmen meiner Familie erkennen. Um die Worte zu verstehen musste natürlich noch Blickkontakt bestehen. Es ist berauschend, wenn man hört, wie andere Menschen sich unterhalten und lachen, auch wenn man das Gesagte nicht versteht. Die Stunde war viel zu schnell um und wir mussten noch einmal zu Herrn Pera. 
 
Im Wartebereich waren wir alleine und machten schon ein paar Wortspielchen von einer Wand zur Anderen. Herr Pera programmierte an diesem Tag noch ein zweites Programm in mein Gerät, das ich in einigen Tagen ausprobieren sollte.
 
Am nächsten Morgen ging ich sofort wieder zur Arbeit. Mein Personal war sehr überrascht, dass ich die normalen Sätze sofort richtig verstand. Mit meinem Vorarbeiter lief ich dann den ganzen Tag über das Betriebsgelände und habe mir alle Geräusche, soweit ich diese nicht selbst erkannte, erklären lassen. Das war ein echt lustiger Arbeitstag. Es war mir gar nicht mehr bekannt, dass eine Computertastatur klappert und eine Maus klickt.
 
Der Hörerfolg kam mit riesigen Schritten auf mich zu, so dass ich schon nach drei Tagen das zweite Programm aktivieren musste. Seitdem führte ich schon zaghafte Gespräche über Telefon und Handy mit meiner Frau und meinen Eltern.
 
Acht Tage später kam dann schon Programm 3 und 4, mit denen ich fünf Wochen trainieren konnte. Interessant war, dass ich mit dem CI in dieser Zeit Töne gehört habe, die mir fast 15 Jahre nicht mehr zu Ohren kamen. Die ganze Bandbreite der hellen Töne wie z. B. elektronische Eieruhren waren mir nicht mehr bekannt. Auch in der Gaststätte habe ich auf einmal die Leute auf der anderen Seite der Theke wieder gehört und zum größten Teil verstanden. Seltsamerweise waren aber gerade die dunklen Töne, die ich bis kurz vor Hörverlust am Besten gehört habe, nur noch schwer herauszuhören. 
 
Frau Michels vom CIC Friedberg hat mir aber erklärt, dass die hellen Töne als unbekannte Töne dominierend wären und dass die dunkeln bald wieder von mir wahrgenommen würden.
 
Ich hatte vom 1. Tag an das Gefühl, wieder im Leben zu stehen. Endlich konnte ich mich wieder unter die Leute trauen. Selbstverständlich gab es und gibt es noch große Einschränkungen. Ein CI kann nun mal kein Ohr ersetzen, aber es ist ein großer Schritt in diese Richtung. Man gehört auf einmal wieder zur Gesellschaft. Hätten meine letzten Hörgeräte annähernd die Leistung gebracht, wie mein CI, wäre mir in den letzten Jahren manches leichter gefallen.
 
Gut zwei Monate nach Erstanpassung gehörte das Hören fast schon wieder zur Normalität. Ich musste meiner Familie aber noch ständig sagen, dass sie nicht so laut reden und vor allem mich nicht erst anstoßen soll, wenn sie mir etwas mitteilen wollte. Das Telefonieren mit Bekannten und Verwandten klappte auch schon ganz gut, nur bei Fremden bekam ich noch Schweißausbrüche und wurde nervös. Dann versteht man natürlich nichts mehr. Aber das war nur noch eine Frage der Zeit……!
 
Ich bin froh, mich für eine Reha-Maßnahme in Friedberg entschieden zu haben, weil man dort nicht nur das Ohr trainiert, sondern auch, dass man lernt daran zu glauben, was man hört.
 
Man merkt beim Hörtraining auch am schnellsten, wo die Schwächen liegen und was man trainieren muss. Ich habe mir die CD Hörtraining 2 besorgt und die ganzen Texte in MP3 umgewandelt. So kann ich mit einem kleinen MP3-Player Hörtraining durchführen. Ich habe auch schon versucht mir das Hörbuch „Der kleine Prinz" anzuhören, aber das war noch zu schwierig. Ich muss aber auch gestehen, dass ich mir viel mehr Zeit zum Hörtraining nehmen müsste, nur hat man(n) nach Feierabend und familiären Pflichten meist keine Lust mehr.
 
Ich habe jetzt fast zwei Monate das CI und schon vor acht Wochen habe ich Michael Schwaninger den zweiten Teil meines Berichtes versprochen. Er möchte mir bitte verzeihen, dass es noch so lange gedauert hat, aber es gab ständig Neuigkeiten, die ich gerne noch mit in diesen Text eingeflochten hätte. Es ist fast unmöglich, alles an die Leser so „rüberzugeben", wie man es gerne möchte.
 
Die Hörtests in Friedberg sind viel versprechend und beim Verstehen von Zahlen komme ich auf 99 %. Bei den Einsilbern auf 40 – 50 %. Auch das Telefonieren fällt mir immer leichter. Aber ich benutze immer noch am liebsten den Telefonschalter von meinem Nucleus ESPRIT 3G. Leider geht das nur mit analogen Telefonen, aber in der Regel steht noch auf jedem Schreibtisch ein solches Gerät. Die digitalen Telefone muss man einfach ausprobieren. Es gibt welche mit guten und schlechten Klangqualitäten. In der Regel bin ich aber bis jetzt mit Siemens-Telefonen und Handys gut zurecht gekommen.
 
Bei einer Fastnachtssitzung im Februar hatte ich Anfangs noch etwas Probleme um die Büttentexte zu verstehen. Aber nach einiger Zeit habe ich bemerkt: wenn man die Lautstärke ganz heruntersteuert, kann man die Worte in einer so großen Halle sehr deutlich verstehen. Somit war ich auch mal wieder in der Lage über Büttenreden zu lachen.
 
Die großen Erfolge haben mich aber auch in meinem Entschluss bestärkt, die zweite Seite in Angriff zu nehmen. Nachdem ich in der Uni Frankfurt noch einige Tests über mich ergehen lassen musste, konnte ich den Antrag Ende Februar bei der Krankenkasse einreichen. 
 
Natürlich bin ich mir im klaren, dass dieser Antrag erst einmal abgelehnt werden könnte. Aber da ich durch meinen Beruf mit vielen Störgeräuschen zu tun habe und auch in die Ruf- und Arbeitsbereitschaft nachts und am Wochenende integriert bin, benötige ich dringend ein zuverlässiges zweites Ohr. Auch aus medizinischer Sicht gibt es keine Einwände. Aus diesen Gründen werde ich den langen Kampf mit der Krankenkasse nicht scheuen. Natürlich werde ich mich dann wieder hinsetzen und Ihnen alles so gut wie möglich berichten.
 
Frau Michels in Friedberg hat jetzt, Ende März, wieder mein Programm überarbeitet. Ich höre morgens die Vögel zwitschern und freue mich auf die anderen Frühlingsgeräusche.
 
Im Sinne meiner zweiten Überschrift wünsche ich allen CI-Trägern und den künftigen viel Erfolg und gutes Hören.
 
Friedhelm van Koeverden
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Das Foto entstand im Januar 2004 bei einer Veranstaltung des CIV HRM auf der ich mich sehr angeregt über mein neues Hören unterhielt und nicht mal wahrnahm, daß Michael Schwaninger mich grade samt Familie fotographierte :-)
 
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Stand: 22.03.2004

 

Das Foto entstand im Januar 2004 bei einer Veranstaltung des CIV HRM auf der ich mich sehr angeregt über mein neues Hören unterhielt und nicht mal wahrnahm, daß Michael Schwaninger mich grade samt Familie fotographierte :-)

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Erfahrungen mit dem ESPrit 3G

Ein Vergleich Taschenprozessor-HdO-CI
 
Seit fast 40 Jahren habe ich eine Innenohrschwerhörigkeit. Zuerst nur leicht – Anfang der 60iger Jahre als „verfrühte Altersschwerhörigkeit" diagnostiziert – bis ich dann schon in den 90iger Jahren als ertaubt galt. Ich hatte links noch ein Resthörvermögen im Tieftonbereich und war an diesem Ohr mit einem Hörgerät versorgt. Rechts konnte ich Sprache auch mit einem Hörgerät nicht mehr verstehen, die Geräusche waren eher störend für mein Sprachverständnis. 
 
Mit dem Hörgerät kam ich gut zurecht. Ich hatte mir unbewusst eine gute Hörtaktik angeeignet, die ich dann, nach meinem Kontakt seit 1991 mit der Hörbehindertenszene in Deutschland und meinem immer tiefer gehenden Engagement in der Selbsthilfe, noch deutlich verbessern konnte.
 
Für unseren Bundesverband (heute Deutsche Hörbehinderten-Selbsthilfe DHS) organisierte ich dann im März 1998 ein Seminar zu dem Thema: „CI – schon bei an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit?". Ich selber beschäftigte mich auch schon geraume Zeit mit diesem Thema. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis gab es bereits CI-Träger, die mehr oder weniger gut mit ihren Geräten zurecht kamen. 
 
Es waren spektakuläre Erfolge darunter, aber eben auch solche, die das Sprachverständnis nicht zurück brachten. Trotzdem war das CI in jeden Fall für die Träger ein deutlicher Gewinn und eine totale Verbesserung im Sprachverständnis. Das bedeutet ja auch ein entspannteres Leben, da das CI in den meisten Fällen besseres Hören und Verstehen ermöglichte, andererseits aber die ständige muskuläre Anspannung bei diesem Prozess verminderte. 
 
Während dieses Seminar sprach unter anderem auch Prof. Lenarz aus Hannover sowie Dr. Zeh aus Bad Berleburg, der wenige Tage nach dem Seminar selber „unters Messer" kam und später sehr erfolgreich mit einem CI versorgt wurde.
 
Das Seminar war sehr gut besucht und so hatte ich Gelegenheit, mich mit anderen Betroffenen, die am gleichen Stand des Denkprozesses angelangt waren wie ich, auszutauschen. Mein Wunsch, es mit diesem Implantat dann doch mal zu versuchen, wurde immer stärker. Aber irgendwie traute ich mich nicht. Wie ich heute weiß, werden die meisten anderen Interessenten von mehr oder weniger den gleichen und vielfach irrationalen Ängsten befallen, wie ich selber. Die größte Angst hatte ich vor einer Gesichtsnervverletzung. Das ist eine OP-Komplikation, die heute etwa so oft vor kommt, wie der Tod als Folge einer normalen Blindarmoperation. 
 
Wie auch immer, eines Tages war es soweit. Genauer: am 07. Januar 2000 wurde ich in Freiburg/Deutschland implantiert. Ich hatte mich für das rechte Ohr entschieden und für ein Gerät der Fa. Cochlear. Die OP war ein voller Erfolg. Ich war praktisch gleich wieder auf den Beinen und hatte keinerlei Probleme, weder mit Schwindel noch mit Übelkeit noch mit sonst was. 
 
Am 14.02.2000 trat ich dann erneut in Freiburg an zur ersten Anpassung. Das war ein merkwürdiges Gefühl. Erwartung, Angst, Spannung...
 
Ich bekam, wie damals noch üblich, einen Taschenprozessor und los ging's. Es wurde ein richtig spektakulärer Erfolg! Ich verstand sofort Sprache sehr deutlich wenn auch etwas ungewohnt hoch und irgendwie weit weg. Ist schwer zu erklären. Was ich nicht mehr hörte waren Nebengeräusche. Das ist meiner Erfahrung nach absolut selten und verunsicherte mich total, wenn ich draußen rum lief. Daher setzte ich kurzerhand auch mein Hörgerät ein und von da an ging es nur noch aufwärts. 
 
Es war am Anfang sehr stressig, dauernd im Hochtonbereich hören zu müssen, was ich seit Jahren ja nicht mehr konnte. Auch mein Hörgerät war immer im Tieftonbereich eingestellt, weil ich so das beste Sprachverständnis hatte. 
 
In den folgenden Jahren hatte ich dann 2-3 x noch Anpassungstermine. Ich brauchte eigentlich recht wenige und war total zufrieden. Ich verstand ohne Blickkontakt, konnte im Auto wieder meine Beifahrer/Mitfahrer verstehen, konnte Radio hören und verstehen und brauche beim Fernsehen keine UT mehr. Auch Musik wurde schnell wieder angenehm für mich, eine ziemliche Überraschung. Damit hatte ich gar nicht gerechnet. Abgesehen von Blasmusik habe ich an allem Freude, verstehe die Sänger sogar wieder und schaue mir sehr oft Opern und Operetten im TV an. Es war und ist eine tolle Erfahrung! 
 
Theoretisch hätte ich auch schon telefonieren können. Aber daran traute ich mich einfach nicht. Im Gegensatz zu anderen, die nach der Anpassung als erstes das nächste Telefon ansteuern, um zu probieren, ob das klappt. 
 
Es hatte sich im Laufe der Anpassungen auch schnell ergeben, dass ich mit dem Sprachprogramm SPEAK nicht so gut verstehen konnte. Daher bekam ich relativ schnell ACE. Für mich wurde die Sprache dadurch noch „schärfer" und so auch besser verständlich. Merkwürdigerweise störten mich Nebengeräusche nur unwesentlich. Wo andere CI-Träger kaum noch etwas verstanden, hörte ich zwar den "Krach", konnte einem Gespräch aber noch sehr gut folgen. Wobei mich zugegebener Maßen, die in vielen Jahren entwickelte Hörtaktik sehr unterstützte!
 
Im Herbst 2000 war ich dann beruflich „gezwungen" den Versuch mit dem Telefon zu machen. Und siehe da: es klappte einwandfrei. Lange Zeit benutzte ich dazu das mitgelieferte Kabel. Heute brauche ich das auch nicht mehr, sondern kann den Hörer ganz normal „ans Ohr" halten. Ich kann auch ganz normal telefonieren. Selbst mit Menschen, die ich nicht kenne.
 
Im Sommer 2000 probierte ich schon den damals erhältlichen ESPrit von Cochlear aus und war total unzufrieden. Ich konnte mit diesem HdO-Gerät nicht mehr in der mittlerweile gewohnten Form kommunizieren. Das lag wohl daran, dass dieses Gerät vorerst nur mit SPEAK eingestellt werden konnte. Also blieb ich vorerst weiter beim Taschenprozessor.
 
In diesem Jahr nun hatte ich Gelegenheit, den ESPrit 3G (nachfolgend 3G genannt), das neueste HdO-Gerät von Cochlear auszuprobieren. 
 
Die Anpassung war für mich sehr viel mühevoller als seinerzeit mit dem Taschenprozessor. Die für mich optimale Einstellung verbrauchte Unmengen an Energie. Die drei Knopfzellenbatterien waren nach nicht mal 2 Tage leer. Eine teure Sache also!! 
 
Zusammen mit meinem Akustiker, der schön länger Einstellungen macht, versuchten wir, das Bestmögliche aus dem 3G herauszuholen. Immer wieder hatte ich das Problem, dass ich Nebengeräusche kaum hörte, selten mitbekam, wenn ich von hinten angesprochen wurde und ähnliches. Absolut phantastisch war von Anfang an die Möglichkeit, selbst bei 120 und mehr Stundenkilometer im Auto die Radioansagen sehr gut verstehen zu können. Da ich viel unterwegs bin war das kein unwesentlicher Vorteil. 
 
Und als ebenso bereichernd empfand ich die integrierte Induktionsspule! Meines Wissens ist der 3G immer noch das einzige HdO-CI mit dieser Funktion. Zusammen mit meinem Hörgerät, welches ebenfalls eine Induktionsspule hat, kann ich bei entsprechenden Gelegenheiten problemlos und stereo hören und verstehen. Eine Freundin hat in ihrem Wohnzimmer z.B. eine Indusktionsschleife verlegt. Hier kann ich mit meinen beiden so gut ausgerüsteten HdO-Geräten schnurlos am Fernsehen verstehen. Auf meinem Wunschzettel steht daher schon eine Weile eine solche Induktionsschleife ?. 
 
Auch telefonieren geht mit dem 3G bestens. Dazu benutze ich jedoch keine Induktion, sondern halte den Hörer einfach an das Mikrophon. Hier gilt auch wieder: einfach alle Möglichkeiten ausprobieren und herausfinden, was persönlich am besten ist.
 
Mit der Einstellung Whisper Setting, die in bestimmten Situationen auch leisere Geräusche der Umgebung hervorheben soll, konnte ich leider bisher nichts anfangen. Ich weiß aber von anderen Trägern des 3G, dass sie davon sehr profitieren. 
 
Wie in allen Bereichen des CI kann also niemand sagen, so und so geht das. Jeder muss für sich selber die verschiedenen Möglichkeiten ausprobieren, die ein CI bietet. Mit dem 3G bin ich jedenfalls schon fast so zufrieden wie mit dem Taschenprozessor. 
 
Der Einstellungsprozess ist ja noch nicht abgeschlossen. Erst vor kurzer Zeit erfuhr ich z.B, dass der 3G nur mit 20 Elektroden arbeiten kann und also 2 abgeschaltet werden müssen. Das machen die Techniker meist aufgrund der vorliegenden Einstellungsergebnisse, so dass der CI-Träger meist gar nicht merkt, was da jetzt „fehlt". 
 
Das scheint bei mir nicht so zu sein. Bei der nächsten Einstellung werden wir auch hier etwas ausprobieren. Ich gehe davon aus, dass anschließend mein Sprachverständnis mit dem 3G nicht wesentlich anders sein wird als mit dem Taschenprozessor. 
 
Spaß macht mir persönlich auch die Möglichkeit, je nach Laune oder Kleidung die Batteriekammerfarbe wählen zu können. Schon seit Jahren trage ich ein rotes Hörgerät mit rotem Ohrstück und entsprechendem Schlauchteil. Von Cochlear wünsche ich mir, dass es bald auch hier mehr Farbauswahl für den Magnetteil gibt und die entsprechenden Kabel. Dieses triste beige und braun ist nichts für mich!!
 
Wer gern persönlich mit mir Kontakt aufnehmen möchte darf das gerne tun. 
 
Erika Classen
Uferpromenade 9
88709 Meersburg
Fax: 07532-6995
Tel. 07532-808149
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
 
Dieser Beitrag erschien zuerst im Forum der Deutschen Hörbehinderten-Selbsthilfe e.V. im Heft 19 im Juni 2003
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Mein neues Hören Teil 2

Bereits in der Cinderella-Ausgabe 3/2003 war ein Erfahrungsbericht von mir zu lesen, der auch weiter oben hier zu finden ist. Sie möchten nicht nachlesen?! Kein Problem. Hier eine kurze Zusammenfassung:

Ich war über 26 Jahre auf dem rechten Ohr taub. Links hochgradig schwerhörig und trage seit meiner frühen Kindheit ein Hörgerät. Im März 2002 erlitt ich einen schweren Hörsturz links. Damals hörte ich fast nichts mehr. Im Juni 2002 erfolgte in Würzburg die CI-Operation auf dem ertaubten rechten Ohr. Das linke Ohr erholte sich, also hörte ich wieder wie vor dem Hörsturz. Leider nur für kurze Zeit... 

Dann aber nach der Prozessoreinstellung geschah ein Wunder. Das linke Ohr verbesserte sich ein zweites Mal. Folgenden Satz zitiere ich aus dem vorhergehenden Bericht: „Der Sinn der Sache ist aber, dass man nur mit dem CI hören soll." Schwierig dann nach so langer Zeit, das Hörgerät beiseite zu legen...

Tja, es war wirklich sehr schwer für mich, das Hörgerät in der Schublade zu lassen. Ich habe es leider nicht geschafft! Ich hatte Entzugserscheinungen. Also nicht`s wie rein mit dem Gerät! Schon fühlte ich mich mich viel wohler. Außerdem hörte ich ja dann noch viel mehr und besser als früher. 

Man hat mir in der Uniklinik Würzburg gesagt, es sei nichts dagegen einzuwenden, wenn ich zusätzlich zu dem CI das Hörgerät trage. Ich muß aber damit rechnen, daß es dann länger dauern wird, bis das Sprachverständnis des CI`s da ist . Deshalb ist mir angeraten worden, trotzdem einige Stunden nur mit dem CI zu hören. 

Das tat ich ja eh schon mit dem Hörtraining am PC. Manchmal hab ich echt geflucht, weil ich immer an einer Übung hängen geblieben bin. Ich hatte ständig die Vokale (a,e,i,o,u) verwechselt.

Dank der neuen Prozessor-Einstellung im Dezember 2003 klappt es jetzt viel besser. Ich bin heute noch glücklich darüber, daß das linke Ohr auf dem ich das Hörgerät trage seit 1 ½ Jahren stabil geblieben ist und hoffentlich weiterhin so bleibt, so daß ich damit sogar noch telefonieren kann. 

Ich werde mit dem CI noch Fortschritte machen, aber wie gesagt, es kann noch ein paar Jährchen dauern. Vielleicht schaffe ich es ja dann, das Hörgerät für immer abzulegen.

Auf die Frage „WARUM?" sich das Ohr wieder gebessert hat, gibt es nur eine Antwort. Es ist ein Wunder der Medizin. Dem Wunder habe ich es zu verdanken, dass ich heutzutage meinen erlernten Beruf als Arzthelferin wieder fortführen kann.

Januar 2004 

Maresa Ibisi aus Erlangen

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Erstanpassungsbericht

Hallo Leute!
 
Isch bin der Machtien, den einige evtl. schon aus dem HCIG-Forum sowie aus dem Pinboard des Schwerhörigennetzes kennen. Ich stamme aus einer SH-Familie, d.h. Schwerhörigkeit ist bei uns genetisch bedingt, wird jeweils von einem Elternteil auf die Kinder vererbt. Die Schwerhörigkeit hält sich in jungen Jahren noch in Grenzen. Ab einem Alter von ca. 35 Jahren geht es rapide „bergab". Bei einigen, wie bei einem meiner Brüder, tritt die Schwerhörigkeit auch schon im Kindesalter auf. Bei mir stellte sich ab 1984 zunächst leichte Schwerhörigkeit auf dem linken Ohr ein. Nach einiger Zeit konnte ich damit nicht mehr telefonieren. 
 
Das rechte Ohr folgte dann ca. 2 Jahre später. Es war deprimierend. Kein Telefon mehr, Musik nur noch aus dem Kopfhörer. Das Sprachverstehen nahm rapide ab, also: Hörgeräte beidseitig. Für mich als reinen Kontaktmenschen war es anfangs schwierig, auf die Menschen zuzugehen. Es hat sich später aber wieder weitgehend normalisiert, so dass ich auch heute mit Freunden und Bekannten, die ich teilweise schon mehr als 20 Jahre kenne, in regem Kontakt stehe. Es kommen jetzt auch immer noch welche dazu.
 
Über das CI hatte ich das 1. Mal vor ca. 10 Jahren gehört bzw. in der Zeitung gelesen, damals war ich noch mittelgradig schwerhörig, was sich dann im Laufe der Zeit verschlechtert hat. Einer meiner Freunde sagte: „Das wäre doch auch was für dich." Nur steckte das noch in den Anfängen und ich hatte da meine Zweifel. Ich sagte: Warten wir erst mal die Entwicklung ab. Ich habe das dann zunächst nicht mehr weiterverfolgt, bis ich 1997 bis 2000 eine berufliche Rehabilitation absolviert habe, und zwar in Hamburg im Berufsförderungswerk in einer Schwerhörigengruppe. 
 
Damals hatten sich zwei, drei Leute aus der Gehörlosengruppe, mit denen wir natürlich in Kontakt standen, implantieren lassen. Da hatten mich zwei Dinge abgeschreckt: Die riesige Narbe am Kopf und die Verkabelung für den Taschenprozessor. Ich sagte mir: „Nee! So läufste nicht herum!" 
 
Zurück in Köln. Ich absolvierte ein mehrwöchiges Berufspraktikum für SH. Da sah ich bei einem Kollegen das erste Mal einen HdO-Prozessor. Keine Riesennarbe mehr am Kopf. Trotz meiner mittlerweile 90% GdB konnte ich mich noch nicht dafür entscheiden. Im Hinterkopf blieb das CI aber „haften". 
 
Die Wende kam, als ich frisch ins Schwerhörigennetz-Pinboard „reingeflattert" bin und irgendwann das CI zur Sprache kam. Die DiskussionsteilnehmerInnen hatten natürlich mehr Ahnung als ich und ich konnte daher viele Informationen, die ich bisher nicht hatte, in meine Entscheidung pro oder contra einbeziehen. Irgendwann gab mir der Manfred dann den Tipp, mal ins HCIG-Forum reinzuschauen und meinen „Landsmän" Peter zu kontaktieren, der auch in Köln implantiert wurde. Nachdem ich mit dem Peter ein persönliches Gespräch führen konnte, fiel dann die Entscheidung innerhalb von drei Tagen. Pro.
 
Zunächst folgte aber erst ein Gespräch mit meiner Frau. Die habe ich damals übrigens kennen gelernt, als ich schon hochgradig schwerhörig war, daher kann sie sich sehr gut auf mich einstellen. Die Besprechung verlief positiv und als ich dann endlich den VU-Termin hatte, drückte sie mir die Daumen, dass für mich ein CI möglich wäre. Es war ja auch als Hörende eine Belastung für sie, die ganze Zeit lauter sprechen müssen, Geduld zu haben, aufzuschreiben, wenn etwas nicht in meinem Sprachverstehenssektor ankommen wollte etc. 
 
Nachdem die VU ein erfolgreiches Ergebnis gebracht hatte, naja, teilweise, weil der linke Hörnerv tatsächlich geschädigt ist, folgte dann die Befundbesprechung eine Woche später. Auch da war nicht alles so einfach. Ich hörte also, dass nach der Implantation auf dem rechten Ohr möglicherweise kein Hörgerät mehr benutzt werden kann - was ja auch tatsächlich eingetreten ist- und ich nur noch auf dem linken Ohr noch Hörgerät tragen kann. 
 
Also rechts: Vollkommen taub, kein Restgehör mehr, das musste man erst mal verkraften... 
Ich entschied mich dann aber noch keine Minute später für die OP und fiel fast vom Stühlchen, als mir die Ärztin den OP-Termin schon eine Woche später vorschlug. Ich dachte: Bringen wir's hinter uns... Zu Hause angekommen, teilte ich das meiner Frau mit, die sofort ziemlich aufgeregt war. Tenor: "Das muss ich erst mal verkraften! Soooo schnell..." 
 
Am Mittwoch, dem 12. November war es soweit: Einchecken in der Klinik. Abends kam dann noch der Peter zu Besuch, wahrscheinlich und insbesondere aus Gründen der moralischen Unterstützung... 
 
Noch was Untersuchungen, Donnerstag um 8:15 Uhr gings ab auf die "Schlachtbank". Reichlich Gewusel im OP, 100 Krankenschwestern, Narkoseärztin und was weiß ich wer noch alles. Kleiner Pricks in die rechte Hand, und wech war ich! 
 
Später. Ich wache aus der Narkose auf, 2 Schwestern um mich herum. Schwerer Kopf, dick verbunden und ein tierischer Tinni, lauter als alles, was ich vorher miterlebt habe. Den war ich aber in Kürze wieder los, und zwar waren die Schwestern nicht ganz "unschuldig" daran. Die fragen mich nämlich beinahe gleichzeitig: Hamse Schmerzen? Ich: "Nee!" Da kam bei mir der Peng-peng-Effekt auf: "Peng-Peng! Ich komme grad ausse Narkose und da fragen die mich ob....; huhuuu!" Das hat für reichlich Ablenkung gesorgt und der Tinni war vorläufig weg. Der kam vehement zurück, als ich wieder im Zimmer war und versuchte, den Kopf ein bissel zu bewegen. 
 
Also hielt ich die Birne erstmal ruhig und versuchte etwas zu schlafen. Abends um 23 Uhr dann schon die ersten Gehversuche. Reichlich schwankend, und ich konnte mich an einer nicht ganz so hübschen Krankenschwester festhalten... Der Gleichgewichtstest bei der VU hatte also seinen Sinn! Nächsten Morgen das gleiche Spiel, aber dann bis zum WC und wieder zurück, 2 Mal. Das dritte Mal lief ich dann selber ohne Begleitung, mit der Hand am Flurgestänge und gaaanz langsam! 
 
Freitag kam dann nochmal der Peter zu Besuch, um mein groilisches Gesicht mit den Verbänden zu betrachten. Samstag war dann meine Frau da und hat die Station auf Vordermän gebracht. Die diensthabende Ärztin war bald selber reif für'n Krankenbett... 
 
Sonntag durfte ich dann schon nach Hause. Aus Gründen des "Kerlduschaffstdasschon" bin ich mit Bus und U-Bahn gefahren und auch unfallfrei nach Haus gekommen. Schwindlig wars mir unterwegs aber auch noch, wenn auch nicht mehr allzu stark. zu Hause vorsichtige Begrüßung und dann ab inne Heia. 
 
Vier Wochen Wartezeit auf den SP. Die OP-Narbe verheilt relativ schnell, leichter Druck am Kopf, wo das Implantat sitzt. Naseputzen verboten, Haarewaschen ganz vorsichtig (den schmierigen Jod hatte ich erst nach einer Woche rausbekommen, groilisch!). Nach einer Woche Pause wieder zur Arbeit, mit nur dem linken Hg an, mit dem ich sowieso schon immer schlechter gehört habe. Kollegen mussten verstärkt aufschreiben, alles kein Problem! 
 
Dann der Tag X: Erstanpassung. Unser Audiologe packt das Weihnachtsgeschenk aus, mein funkelnagelneues Esprit 3G samt Starterkit. Laptop aufgeklappt, Kabel rein und mit dem SP verbunden. 
 
Dann kamen Töne, RICHTIGE TÖÖÖÖNE!!! Brummen, Piepen, Klackklackklack, mal laut, mal leise. 
 
Er fuhr mit dem Fingernagel über die Tischplatte: Gehört! War vorher nie der Fall! Er hat geatmet, ich auch, alles zu hören, Töööne! Ich war vom Hocker, könnt ihr mir glauben! Dann kam die Sprache. Er fing an zu sprechen, aber nicht langsam, aber ich konnte das meiste mitverfolgen, weil er eine tiefe Stimme hat. Seine Mitarbeiterin habe ich da schon schlechter verstanden. 
 
Dann gings zurück zur Arbeit. Ein Chaos! Aus der Werkstatt unter meinem Büro Geräusche, in meinem Büro Geräusche, laufendes Radio, hereinplatzende MitarbeiterInnen. Ich war abends total geschafft und müde. Kopfschmerzen waren auch da. Bei jedem Geräusch fing es dann auch noch an zu piepen. Dann kam noch einer meiner Freunde bei uns zu Besuch, und ich hatte Mühe, den zu verstehen, weil noch nebenher Musik lief und meine Frau ihren Schnabel auch nicht halten konnte, was weiter nicht verwunderlich ist... :o) 
 
Die Tage danach. Ich nahm erst mal frei für den Rest der Woche. Es wurde einfach zuviel und zu Hause hatte ich es ruhiger. Ich hörte plötzlich das Maunzen unserer Katzen, jedes kleine Gekratze, jedes Gepolter meiner Frau aus dem Nebenzimmer. Nur die Sprache war zu leise, kam aus dem Hintergrund. Jedenfalls kam das bei mir so rüber. Meine Frau musste dann auch so laut und langsam wie bisher sprechen, vor allem, wenn nebenbei noch der Fernseher lief. 
 
An die vielen neuen Geräusche musste ich mich erst einmal gewöhnen. Dazu gehören Atemzüge, das Ticken einer Uhr, das Klicken des Blinkers im Taxi. Einfach überwältigend für den Anfang!
 
Mittlerweile war ich zum Nachjustieren beim Dipl.-Ing. Das Gepiepe ist weitgehend abgestellt, die Sprache kommt etwas klarer rüber, die Nebengeräusche stehen nicht mehr so im Vordergrund. Trotzdem wird es noch einige Zeit dauern, bis die optimalen Einstellungen gefunden sind. Da heißt es: Übe dich in Geduld...
 
An dieser Stelle möchte ich mich zum Schluss für die vielen Tipps und für die Unterstützung aus dem HCIG-Forum sowie aus dem Pinboard, bedanken. Ich hoffe auch, mein Erfahrungsbericht hilft denen, die ein CI in Erwägung ziehen, bei ihrer Entscheidungsfindung weiter.
 
Herzliche Grüße
Martin aus Köln
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