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Wie kam ich eigentlich zu einem CI?

... oder der „alltägliche Lebenslauf einer Schwerhörigen"
 
Um für „Außenstehende" besser verständlich zu machen wie sich Hören, schlecht Hören oder nicht Hören können, auf den Alltag und den Werdegang auswirken kann, erzähle ich mal meine „Hörbiographie".
 
Zuerst eine paar Worte in eigener Sache:
 
Ich habe Regelschulen besucht und das ist ok so. Der unermüdliche Einsatz meiner Eltern, die oft haben kämpfen müssen, damit ich diesen Weg gehen konnte, hat vieles erst möglich gemacht. Im Nachhinein gesehen wäre ein anderer Schulwerdegang vielleicht leichter gewesen. Aber so ist es und ich habe dadurch kämpfen gelernt und auch, daß es wert ist sich anzustrengen.
 
Mein Selbstbewusstsein, z. B. durch schlechte schulische Leistungen oder schlechtes Verständnis im Alltag (Missverständnisse, etwas nicht mitbekommen, oft „hinten dran sein") war oft angeknackst. Es wurde familiär und im Bekannten- oder Freundeskreis nicht nur durch hohe Aufwertung meiner Fähigkeiten, z. B. in der Musik, Kunst oder im Sport, sondern vor allem auch durch die Liebe, die ich zuerst vor allem von meinen Eltern und später von meinem geliebten Freund tief und innig erfahren habe, immer wieder aufgebaut.
 
Ich danke meiner Familie, meinem Freund, meinem Bekannten- und Freundeskreis für die Kraft, die sie mir immer wieder gegeben haben und Ihre Nähe und Unterstützung in meinem Leben. Danke!
 
Geboren wurde ich 1965 in Oggersheim. Ich machte die üblichen Kinderkrankheiten durch, unter denen nur eine starke, zeitgleiche Mumps- und Mundfäuleerkrankung erwähnenswert wäre, weil diese später noch als eventuelle Ursache der Schwerhörigkeit eine Rolle spielen sollte. Immer wieder hatte ich Nasennebenhöhleninfekte und Nasen/Rachenrauminfekte.
 
Bei der Einschulungsuntersuchung bestand ich den "Flüstertest" mit Glanz und Gloria, in dem ich mich nach einiger Zeit der Langeweile, in der ich mit den Rücken zu dem medizinischen Personal stehen musste, umdrehte und fragte:" Kann ich jetzt gehen?..." Ich hatte nur wenig verstanden, nämlich dann als die Damen die Zahlen sehr laut und deutlich sagten.
 
Allgemein schob man mein gutes Sprechen darauf, dass meine Eltern sehr deutlich artikuliert und vor allem Hochdeutsch sprachen. Letzteres ist in der Pfalz ja nicht unbedingt üblich. 
 
Es folgten Hörtests und Untersuchungen an der Uniklinik in Mainz, wo man feststellte, daß ich beidseitig im Hochtonbereich schwerhörig bin und mir für das bessere rechte Ohr ein Hörgerät verordnete.
 
Das es dann jahrelang ein den Tieftonbereich (!) verstärkendes Hörgerät war, was der damalige Akustiker mir anpaßte... wer wußte das da schon? Ich lebte so schlecht und recht und als eine wirkliche Hilfe fand ich das Hörgerät nicht. Dies änderte sich erst, als ich durch Zufall bei einem anderen Akustiker war, der feststellte, dass ich „die falschen Hörgeräte" hatte, hochtonverstärkende Geräte einsetzte und deren zwei empfahl, weil das Kind hat ja auch zwei schwerhörige Ohren!
 
Ab da halfen die kleinen „Whistler", wie wir sie inzwischen nannten (weil sie gerne pfiffen, wenn ich sie zu laut eingestellt hatte oder wenn ich mit der Hand, dem Telefonhörer oder der Mütze zu nah am Gerät war), denn auch endlich brauchbar.
 
In der Grundschule bekam ich für meine miesen Diktate keine Noten, musste aber dafür zu den Legasthenikern, obwohl ich keiner war – nur eben schwerhörig! Für die einzige Schwerhörige in einer Regelschule, war es auch für die Lehrer nicht einfach eine Möglichkeit zu finden, die fälligen schlechten Noten im Diktat zu umgehen und so war es denn eben diese.
 
In meiner Freizeit lernte ich Flöte und Klavierspielen. Beides ging prima, ich machte es gerne und irgendwie merkte ich da das Problem Schwerhörigkeit gar nicht so.
 
Im Gymnasium ging es mit Englisch und Latein weiter. Latein deswegen, weil man es schreibt, wie man es spricht, was bei Französisch oder dem ebenfalls zur Auswahl stehenden Russisch ja nicht unbedingt der Fall ist. Dennoch, Sprachen waren mir ein Greuel !!
 
Freiwillig saß ich immer in der ersten Reihe und "zufälligerweise" neben dem Fenster. Beides erleichterte mir unbewusst dem Reden der Lehrer zu folgen, in dem ich wohl von den Lippen absah.
 
„Hörmäßig" folgten Untersuchungen in der Uniklinik Heidelberg, weil immer noch nicht endgültig geklärt war, woher die Schwerhörigkeit kam und wir uns natürlich immer wieder erhofften, eine heilende Lösung zu finden.
 
Ich hatte immer noch regelmäßig Nasennebenhöhlenentzündungen und Halsentzündungen, wenn es draußen nur ein bisschen „Schietwetter" war. Mit 14 bekam ich wegen zu schmalem Nasenraum eine Begradigung der Nasenscheidewand, um besser durch die Nase Luft zu bekommen, damit die durch den Mund eingeatmete „kalte" Luft nicht immer gleich auf den Hals schlägt.
 
Anlässlich der für Teenager üblichen Zahnspange wurden die üblichen 32 Zähne im Kiefer um 4 reduziert, „damit die anderen ordentlich Platz haben". Fast ausnahmslos alle Erkrankungen, mal von den Kinderkrankheiten, die man üblicherweise so bekommt, abgesehen, fanden im HNO-Bereich statt...
 
Bei alle dem wuchs und gedieh ich prächtig, war putzmunter, fuhr täglich meine 2 mal 14 Kilometer Schulweg mit dem Rad bei jedem Wetter, ging 3-5 mal in der Woche zum Fechttraining und am Wochenende auf Wettkämpfe, musizierte und nahm an Aufführungen teil, ein normales prallvolles Teenagerleben eben.
 
Schulisch lief nicht immer alles glatt und so wechselte ich wegen mieser Noten auf die Realschule, um es nach der mittleren Reife (Englisch immer noch 4) noch einmal auf dem Gymnasium zu versuchen. Da plagten mich nun Englisch und Spanisch, wobei ich mit der spanischen Sprache besser zurecht kam, weil Schriftbild und Aussprache gleich sind oder sich zumindest oft ähneln.
 
Mit Abitur in der Tasche studierte ich für drei Semester Textiltechnik, bevor ich die Ausbildung zur Physiotherapeutin begann. 
 
Die Schwerhörigkeit hat sich während dieser Jahre nur gering verschlechtert, ich brauchte glaube ich nur zwei Mal stärkere Geräte.
 
Auch in den folgenden 3 - 4 Jahren in der Berufsausbildung und am Berufsanfang blieb die Schwerhörigkeit weitgehend gleich. Ab und zu hörte ich mal schlechter, dann wieder besser, aber ich machte mir keine Gedanke über meine Schwerhörigkeit, ich lebte damit.
 
Ab 1999 ging es dann leider jedoch rapide abwärts. Ich hatte meinen ersten, mir bewussten Hörsturz, der gleich zur Ertaubung des rechten Ohres führte.
 
Es war Mittwoch, ich war, als Physiotherapeutin auf Hausbesuchtour, als ich bemerkte, dass ich schlechter hörte. Schnell war abgeklärt, ob es die Batterie oder das Hörgerät selbst war. Beides war ok. Und schon stand ich bei meinen HNO-Arzt.
 
Hier dauerte es dann allerdings bis 12 Uhr, bevor ich endlich dran kam um dann zu hören: „Ja heute ist ja Mittwoch ... und jetzt schon so spät, dann fangen wir MORGEN mit der Infusionstherapie an." Ich hatte ja k e i n e Ahnung!
 
Ich bekam also ab Donnerstag Infusionen, Samstags sogar auch eine! Nur für Sonntag sollte ich dann Tabletten nehmen. In der nächsten Woche gab es Probleme. Entweder war es schwierig die Infusion zu legen oder sie lief "para" (,das heißt sie lief nicht in die Vene sondern daneben).
 
Entnervt schickte mich der Arzt zu stationären Infusionstherapie ins Krankenhaus. Hier fing es dann erneut mit dem Zyklus von 10 Infusionen an, man kann ja nicht da weitermachen, wo der HNO-Arzt aufgehört hat.
 
Zu dem Zeitpunkt hörte ich rechts schon seit zwei Tagen gar nichts mehr.
 
Nachdem ich aus dem Krankenhaus wieder zu Hause war, sah sich mein behandelnder HNO-Arzt nicht in der Lage mich über weiteres sinnvolles Vorgehen, z. B. Reha-Massnahmen, Hörtraining, zu informieren, sondern meinte nur lapidar: „ ...über den gelben Schein (Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung) geht das jetzt nicht mehr, ...schauen sie mal was Sie machen."
 
Während diesem Gespräch konnte ich Ihn bei einem Abstand von einem Meter nur sehr schlecht verstehen!
 
Ich war zwar zeitlebens schwerhörig, aber offenbar noch ziemlich unbedarft und hatte keinerlei Ahnung, dass es eine Reha oder Hörtraining für mich zu diesem Zeitpunkt gegeben hätte. Das erfuhr ich erst Jahre später. Schockierend im Nachhinein ist aber auch für mich die frappierende Ahnungslosigkeit unter Fachleuten. Denn auch die folgenden HNO-Ärzte kamen nicht auf solche Gedanken.
 
Und um das kreissägenartige Geräusch im rechten, dem tauben Ohr, das ich seit dem Hörsturz hatte, hat sich auch keiner so recht gekümmert. Tinnitus halt. Da müssen Sie mit leben....
 
Bereits in der Klinik während der Infusionstherapie kam das Thema CI auf.
 
Zunächst jedoch versuchte ich es mit einer Hyperbaren Sauerstofftherapie. Fast sah es so aus, als sollte sie wirken, aber leider bewegte sich in Sachen hören nichts. Die von mir angegangene Biomentaltherapie machte mir zumindest deutlich, dass ich mehr für meine innere Ruhe tun musste. Sehr gut waren für die körperliche Entspannung die Neuraltherapie. Aber das taube Ohr wieder hörbar macht keines davon.
 
Ich bekam von der behandelnden Klinik eine Überweisung nach Wuppertal zur Überprüfung, ob ein CI notwendig, nicht etwa ob es möglich sei.
 
Geschockt durch die Ertaubung meines rechten Ohres, mit dem linken, das immer das schlechtere Ohr war, kaum in der Lage zu Verstehen, war es für mich damals unmöglich Informationen zu sammeln oder mich selbst entsprechend in Diskussion mit den Ärzten oder der Krankenkasse zu vertreten. 
 
Dann kann auch noch der abschlägige Bescheid : ich würde ja noch genug hören, ...damals war ich ganz und gar nicht dieser Meinung!
 
Ich lernte mit der Zeit mit dem linken Ohr besseres Hörverstehen, kam wieder im Alltag und Beruf zurecht, versucht mehr Ruhe hineinzubringen – nun das klappt bis heute nicht immer so wie ich es mir wünsche, aber es wird.
 
Es folgten mehrere kleine Hörstürze, die zwar zunächst das Hörvermögen verschlechterten, aber durch sofortige Behandlung mit Infusionen, Akupunktur und Ruhe keine bleibende Verschlechterung hinterließen.
 
Ich arbeitete inzwischen nicht mehr in einer freien Praxis, sondern in einem Krankenhaus, weil die soziale Absicherung hier, meiner Meinung nach, doch etwas besser ist.
 
Mit einer heftigen Erkältung schleppte ich mich über den Jahreswechsel 2002/2003. Ich bekam vom Hausarzt die üblichen Medikamente, einschließlich Antibiotika. Es wurde nicht besser, eher schlechter, es kamen noch Ohrenschmerzen hinzu... Mittelohrentzündung.... und zwei Tage später gab dann auch das linke Ohr den Kampf auf.
 
Ich wurde in „mein eigenes" Krankenhaus eingewiesen, bekam dank meinem jetzigem HNO- Arzt ein Einzelzimmer, Infusionstherapie, Akupunktur, Hoffnung, Ermutigung.... aber leider keine grundlegende Besserung.
 
Spätestens jetzt stand das CI sichtbar im Raum.
 
Ich allerdings war noch nicht so weit. 
 
Niemals mehr etwas hören!
 
Die Stimmen meiner Mitmenschen nicht mehr hören können, nicht mehr verstehen können was sie sagen!
 
Keine Musik mehr hören können!
 
Mit einem TechTeil evt. wieder hören können?
 
Wenn ja wie gut?
 
OP am Kopf?
 
Für immer ein Implantat im Kopf?
 
Immer von dem Technikteil abhängig sein!
 
Was wusste ich zu dem Zeitpunkt überhaupt über das CI? Ich wusste, dass es so was gab und 
dass man damit evtl. wieder hören könnte... zu wenig, zu ungenau um eine Zukunft darauf 
aufzubauen.
 
Und woher sollte ich die Informationen darüber bekommen?
 
Wen hätte ich fragen sollen?
 
Wer wüsste Antworten? Und überhaupt ... ich hörte ja nicht mehr!
 
Mir wurde klar, um mich zu entscheiden wie es weitergehen sollte, hatte ich von den Möglichkeiten, die es geben könnte zu wenig Ahnung.
 
Bei den anderen Hörstürzen hatte sich die Akupunktur als hilfreich erwiesen. Da der akupunktierende Arzt leider zur Zeit in seinem Heimatland war, machten sich meine Freunde, während ich noch im Krankenhaus, war auf die Suche nach kompetenten mit Akupunktur behandelnden Ärzten. Diese fanden sie dann in Düsseldorf im Zentrum für Traditionelle Chinesische Medizin.
 
Ich gab mir Zeit, ging regelmäßig zur Akupunktur, mal hatte ich das Gefühl das Ohr würde etwas besser mal wieder nicht.
 
Per Internet begab ich mich intensiv auf die Suche nach Informationen über CIs.
 
Zu Anfang war es nicht einfach. Ich konnte nicht sonderlich gut mit dem PC umgehen, surfen musste ich erst lernen und um an die Informationen zu kommen, die man möchte, muss man auch die richtigen Schlüsselwörter in die Suchmaschine eingeben.
 
Nicht immer geduldig, oft sehr traurig und deprimiert, versuchte ich immer wieder neues in Erfahrung zu bringen. Sehr oft hatte ich einfach nicht die Kraft zu suchen, weil sich so gar kein Licht am Ende des Tunnels zeigen wollte.
 
Jetzt, da ich gar nichts mehr hörte, sollte ich laut Krankenkasse zur Reha. Welche Ironie! Die hierfür zuständige BfA lehnte das aber als „nicht erfolgreich zu erwartende Maßnahme" ab und empfahl eine CI–OP.
 
Buchstabe für Buchstabe entstanden bei mir Informationen und Wissen, aber ich fühlte das da noch was entscheidendes fehlte – Authentizität.
 
Wo waren die Menschen, die ein CI hatten? Welche Erfahrung hatten die mit dieser Möglichkeit, evtl. wieder hören zu können, gemacht?
 
Über das Schwerhörigennetz/Pinboard (www.schwerhoerigen-netz.de) kam ich durch den Tipp zum HCIG-Forum (www.hcig.de) und stellte dort meine sorgenvollen Fragen.
 
Mit unglaublicher Anteilnahme und Freundlichkeit wurden diese Fragen mit viel Verständnis und Knowhow von den Teilnehmern des Forums beantwortet und diskutiert. Was ich hier an Informationen und Hilfe erfahren habe, war seit Beginn der Odyssee „Schwerhörigkeit" das Kompetenteste und Beste was mir passiert ist!
 
Hier waren die Insider, die, die das alles schon erlebt hatten und wussten wie es mir ging. Die, die sich für „wieder hören wollen" entschieden hatten und da, das wusste ich plötzlich ganz genau – wollte ich auch wieder hin!
 
Ich las auch, das es nicht immer supertoll klappte, aber für mich wurde deutlich, das jeder Ton, den ich hören konnte eine Hilfe zum Verstehen der Umwelt war.
 
Hier fand ich auch die persönlichen Kontakte, Menschen die voll Power mitten im Leben mit CI standen.
 
„Ich auch, ich auch", schrie es in mir!
 
Mit den für mich wichtigen und richtigen Infos, dem ungemein positiven Feedback, das ich in so kurzer Zeit so erlebte, ging die Entscheidung „pro CI" auf einmal unglaublich schnell und leichten Herzens und ich konnte sie im Innersten auch voll mittragen.
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Erstanpassungsbericht für Michaels CInderella

Mit wem soll ich meine Freude teilen, wenn nicht mit Euch die Ihr erfahren habt aus welcher Stille wir kommen!
 
Diese Gedanken kamen mir, als ich am zweiten Tag nach der Erstanpassung in der Kapelle saß und zuhörte wie jemand am Flügel spielte.
Jeder, aber auch wirklich jeder Ton war da, klar, brillant klingend und fast so wie ich es in Erinnerung hatte.
 
Aber zurück zum Anfang der Story!
 
Am Montag den 27.10.2003 um 10:00 Uhr begann das Abenteuer "Hören mit CI" im HörZentrum Hannover.
 
Zuerst bekam ich grooooße Augen als mein Techniker das dicke Paket von Advanced Bionics hervorholte und meinte...."Das ist wie Weihnachten...."
"Inside" fanden sich nebst diverser Verpackungsmaterialien, etlichen Schriften und Video auch MEIN CI :-)
Mit flinken Fingern steckte der "Tech" den T-Mig-Bügel an den Sprachprozessor, ließ diesen mit seinem Computer kommunizieren und dann hatte ich das Teil auch schon am Ohr und sollte sagen ob die Töne hörbar und wenn ja ob sie angenehm, laut oder leise sein.
Schnell kam ein Ton nach dem andern und wurde auf die mir angenehme Lautstärke eingestellt.
Die Stimmen des Techs und meines anwesenden Freundes klangen noch super hoch und ich musste mich sehr anstrengen sie zu verstehen, aber welch ein Jubel, es ging!
Nach abschließender Überprüfung und Speicherung der Daten im PC war ich hier schon fertig und durfte zu Pädagogin wechseln.
Auch ihre Stimme klang noch hoch aber ich konnte Sie schon etwas besser verstehen als die beiden Herren zuvor.
Zunächst sollte ich Trommel, Glocke, Schellen und Klanghölzer hören und differenzieren. Anfangs konnte ich ja zusehen welches Instrument den Klang hervorrief, dann aber durfte ich mich umdrehen und es klapperte oder schepperte hinter meinem Rücken!
Oh je ...und jetzt das Richtige zuordnen....
Bei Trommel und Klangholz kein Problem, aaaaaber bei Glocke und Schelle das war schon viel, viel kniffliger.
Anschließend sollte ich, freundlicherweise erst mit Lippenabsehen später ohne, erkennen aus wie viel Silben das vorgelesene Wort besteht, "juhu" hat das Spaß gemacht!
Als "Hausaufgabe" sollte ich meine Umwelt erhören ? wozu ich auch reichlich Gelegenheit bekam als mein Freund und ich am Nachmittag in die Stadt fuhren. 
Was in unsere hörbaren Umwelt so alles irgendwie rauscht ist doch kaum zu glauben. Das fängt bei Autos und Klimaanlagen an und hört bei Rolltreppen noch längst nicht auf.
Die nächsten Tage waren angefüllt mit Worten aus bestimmten Kategorien, in der Kategorie Berufe habe ich den Koch kurzerhand zum Pabst gemacht, was uns alle sehr zum Lachen gebracht hat, na ja - schließlich haben ja beide ne weiße Mütze ... und mit Zahlen, mit ganzen Sätzen, mit Sätzen im Störgeräusch (Schlimmeres gibt es nicht!) und mit Telefonieren.
Ja, auch das wurde geübt, und nicht zu knapp!
Als ich dazwischen meinte :"Puuuh das ist anstrengend... konterte meine Pädagogin nur: 
"Frau Drabek, telefonieren sie gerne und viel?"...Naiv antwortete ich :"Ja sehr sogar..." und schwupps kam die Antwort:" Ja dann können wir das ja noch ein bisschen üben." Und weiter ging's am Telefon.
Ach ja und das berühmt berüchtigte "buut, baat, beet, kam natürlich auch noch, wobei beet und biit mindestens so gemein sind wie buut und boot!
 
Nachmittags, nach den Übungen am PC, übte ich auf meine Art.
Mal spazierten wir, mein Freund der mich die ganzen Tage begleitete und ich, um den Altwarmbücher See und ich hörte Blätter im Wind rauschen oder Sand und Kies unter meinen Füßen knirschen... wann habe ich das dass letzte Mal gehört...?
Mal versuchte ich, leider vergebens, die Haltestellenansage in der Straßenbahn zu verstehen (Störlärm, sage ich nur!!!!!!!)
Oder wir waren im Regenwaldhaus und ich lauschte den Erklärungen die man hierüber Kopfhörer zu Fauna und Flora des Amazonasdschungels bekommt. Übrigens, das kann ich jedem der nach Hannover kommt wirklich wärmstens empfehlen, das ist eine ganz, ganz faszinierende, tolle Sache!
 
Immer wieder realisierte ich was für ein Wunder das war... ich saß am Tisch und spielte mit meinen Freund Karten und wir redeten ungezwungen miteinander, ich brauchte Ihn teilweise noch nicht mal anzusehen und konnte Ihn verstehen. Mehr als einmal habe ich Freudentränen unterdrücken müssen!
 
Am Freitag kam dann schon der Abschlusstest unter anderem mit der Geschichte von dem Apfel- und dem Aprikosenbaum, die ich leider nicht ganz bis zum Ende geschafft habe so das ich leider nicht weiß was aus dem kleinen Baumzwitter wohl wird. 
 
Tja und seit fünf Tagen bin ich zu Hause und Alle, wirklich Alle, wollen mit mir Erzählen und Reden und sind mit mir glücklich das es soooooo gut klappt!
 
Ich hoffe ich kann all denen die noch über der Entscheidung zum CI grübeln Mut machen.
 
Ich weiß auch das nicht immer alle so toll läuft und denke es wäre auch wichtig das gerade die, bei denen nicht alles so "problemlos" geht erzählen, um ein realistisches Gesamtbild von CI-Erfahrungen zu erhalten.
Es ist ja auch bei mir noch längst noch nicht alles "Perfekt" aber es ist glücklicherweise in so rasant kurzer Zeit schon so toll. Klar, vieles klingt noch anders als ich es in Erinnerung hatte, aber ich HÖRE und darauf kommt es an!
Und das ist meiner Meinung nach ein immens wichtiger Punkt: nicht nur für den CI -Träger, sondern auch für seine ihn liebevoll umgebenden Mitmenschen, zumindest bei Spätertaubten, die oft in einem hörenden Umfeld leben.
 
Sicher ist es wesentlich schwerer von Schwierigkeiten zu berichten als von Erfolgen aber auch das gehört zu Erfahrungsberichten mit CI und nur dann können Außenstehende ein realistisches Gesamtbild von uns CI-Trägern, von der Arbeit der Techniker, Pädagogen und nicht zuletzt der Schwestern und Ärzte erhalten!
Und das ist wirklich notwendig. Es sind mir nämlich schon hörende Mitmenschen begegnet, die meinten: "Ja dann hören Sie ja wieder...." Hier immer wieder deutlich zu machen, dass das nur und nur mit dem technischen Wunderwerk CI geht und ohne diese ist und bleibt man taub, bringt die Mitmenschen erst zum Nachdenken.
 
Ganz wichtig ist mir noch, auch an dieser Stelle- vielleicht schaut ja mal jemand rein - ein ganz, ganz herzliches Dankeschön an das Schwesternteam der 46, an die behandelnden Ärzte, an meinen "Techniker", der viel mehr ist als ein einfacher Tech, aber das weiß er ? und vor allem an meine Pädagogin die meine "Hörenlernstunden" so spannend gestaltet hat das es immer ein Genuss war und Konsequenz und Lockerheit gekonnt miteinander harmonierten und auch der Spaß nicht zu kurz kam.
Danke!
 
Und ein dickes Danke an Alle im HCIG-Forum!!
Eure wichtigen Infos, Euren Rat, die vielen Berichte, Eure guten Wünsche und fetzigen Bilder alles hat mir sehr, sehr geholfen bei der Entscheidung für ein CI und beim Sammeln von Wissen um das CI.
 
Wenn Ihr Fragen an mich habe könnt ihr über die Selbsthilfegruppe Hannover oder über Michael meine Adresse oder meine Mailadresse kommen. Ich freue mich von meinen Erfahrungen weitergeben zu dürfen!
 
Liebe Grüße 
Silke D.
  • Erstellt am .

Erfahrungsbericht

Nachdenkliches und Heiteres 
 
Die Vermutung, daß ich irgendwie schlecht hörte, hatte ich so Mitte bis Ende Zwanzig. Damals habe ich meine Ohren auf Funktionstüchtigkeit hin bei einer HNO-Ärztin testen lassen, die mir dann mitteilte, daß mein Hörvermögen etwas eingeschränkt sei. Meine Vermutungen wurden also bestätigt. Was und wie ich im Detail nicht mehr so richtig wahrnehmen konnte, ist mir eigentlich überhaupt nicht mehr so in Erinnerung. Jedenfalls verschrieb mir jene erwähnte Ärztin zwei Im-Ohr-Hörgeräte, die ich in ihrer Praxis angepaßt bekam. Heute frage ich mich ab und zu, ob es nicht vielleicht der Profitgedanke jener Ärztin war, der sie daran gehindert hat, mir die wahre Diagnose zu stellen. 
 
Zur Erklärung möchte ich anmerken, daß ich an Otosklerose leide und diese Krankheit ist eigentlich durch einen einfachen Test nachweisbar, so wie mir kürzlich erst nochmals bestätigt wurde. Denn Otosklerose ist in einem bestimmten Stadium, solange sich noch alles im Mittelohr abspielt, durch eine nicht überaus komplizierte OP zu beheben. Jedenfalls war mir das Wort Otosklerose noch längere Zeit unbekannt.
 
Die zwei `Dinger` für die Ohren jedenfalls, lagen zu 99,9 % in der Schublade. Irgendwie kam ich damit nicht zurecht. Als mein Hörvermögen jedoch immer schlechter wurde, entschloß ich mich einen Akustiker aufzusuchen, bei dem ich mich dann auch besser beraten fühlte. Von ihm bekam ich dann ein HDO-Gerät angepaßt, mit dem ich endlich auch besser zurecht kam. 
 
Nach all den mehr oder weniger schlechten Erfahrungen bei meiner 1. HNO-Ärztin, wechselte ich dann auch zu einem anderen HNO-Arzt. Dieser stellte dann bei mir die Diagnose, daß mein Hörnerv kaputt sei. SO EIN QUATSCH!! Das weiß ich heute!! Wie ein Arzt einfach so etwas sagen kann, ohne irgendeine spezielle Untersuchung durchzuführen! Das ich über kurz oder lang ertauben würde, das hatte er wohl erkannt und sagte mir dies auch ohne Umschweife! 
 
Ich war erst einmal `schocking` und mußte diese Nachricht irgendwie `verdauen`. Aber auch hier kein Wort über Otosklerose oder ähnliches. Also habe ich brav mein Hörgerät weiterhin getragen. Nach und nach folgten mehrere Hörstürze. SCHRECKLICH! Kann ich heute nur im Nachhinein sagen. Dieses Gefühl der plötzlichen Stille....aus dem Nichts...ohne jegliche Vorankündigung! In solchen Situationen war ich nervlich am Ende! Es folgten immer wieder Aufenthalte im Krankenhaus mit endlosen Infusionen u. Tabletteneinnahmen. Im Grunde genommen hat mir das alles nicht geholfen, das weiß ich heute. 
 
Damals war ich noch voller Hoffnung! Schließlich vertraut man doch den Ärzten! All diese Hörstürze stürzten mich auch tiefer in die Stille rein. Immer ging ein wenig meiner Hörfähigkeit verloren. Daher kam dann auch irgendwann die Überlegung, auch das 2. Ohr mit einem Hörgerät zu versorgen. Die Akustikerin, bei der ich mittlerweile gelandet war, hat mir dies wärmstens empfohlen. Jedoch habe ich ehrlich gesagt lange dafür gebraucht, dies einzusehen. Heute kann ich nur jedem empfehlen, so früh wie möglich zwei Hörgeräte zu benutzen, auch wenn´s anfangs schwer fällt. Ich profitiere heute noch davon, daß ich bis vor kurzem immer noch zwei Hörgeräte getragen habe.
 
Zu all dem Übel mit den Hörstürzen gesellten sich dann auch noch Schwindelanfälle vom feinsten. Echt übel sowas! Ich weiß nicht was Schlimmer ist, Hörstürze oder diese schrecklichen Schwindelanfälle, die mir den Boden unter den Füßen nahmen. Es war nicht möglich in dieser Situation, alleine auf Toilette zu kommen, ich wäre umgefallen vor Schwindel. Alles schwankte um mich herum. Daher kann ich jetzt annähernd nachempfinden, wie schlimm Morbus Meniére sein muß! Die Menschen tun mir in der Seele leid, die von dieser Krankheit geplagt sind!
 
Irgendwann lagen meine Nerven so blank, daß ich Angst- u. Panikattacken bekam. Aus heterem Himmel überfielen mich plötzlich diese Attacken. Sogar während der Autofahrt auf dem Weg von der Arbeit nach Hause. Ich bin dann einfach über die rote Ampel gebrettert, in der Hoffnung, zu Hause sterben zu dürfen! Im nachhinein kann ich sogar etwas lächelnd darüber den Kopf schütteln, aber wenn man wirklich in der Situation ist, hat man Todesangst! Auch im Urlaub überkamen mich solche Attacken, plötzlich...während des Frühstücks z.B. Ich habe nur das Brötchen auf den Teller plumsen lassen und habe angefangen zu rennen...ich...eigentlich überhaupt kein Joggertyp...bin plötzlich gelaufen...gelaufen...und gelaufen. Eigentlich hätte ich einen Herzinfarkt von der ungewohnten Anstrengung bekommen müssen. Wahrscheinlich hatte ich soviel Adrenalin im Blut, das irgendwie abgebaut werden mußte, daher die extreme Anstrengung.
 
Meine Ärztin hat mich dann zum Psychiater geschickt, da sie mit Angst- u. Panikattacken überfordert war. Dieser verschrieb mir dann irgendwelche Beruhigungs- und Schlaftabletten. Bei einer Bekannten nachgefragt, die aus der Branche kam, erfuhr ich, daß ich sozusagen die stärksten Mittelchen bekommen hatte, die ein Arzt verschreiben konnte. Die Schlaftabletten z.B. durften nur auf der Bettkante eingenommen werden. Schusselig wie ich war, vertauschte ich die Tabletten, nahm mittags um ein Uhr statt einer Beruhigungstablette besagte Schaftablette. Daß der Tag daraufhin gelaufen war, könnt ihr euch sicher denken. Ich habe versucht, so wenig wie möglich diese Tabletten einzunehmen. Sie haben mir geholfen, soviel kann ich aber schon sagen.
 
Da wir technisch zuhause immer am neuesten Stande waren, war mir der Zugang zum World Wide Web auch nicht verwehrt. So begann ich in Sachen `Ohren` zu suchen. Auch hatte ich mittlerweile schon von der Möglichkeit gehört, sich mit einem Implantat versorgen zu lassen. Davon wollte ich mehr wissen, begann also zu suchen...und zu finden! Immerhin hatte man mir gesagt, daß ich über kurz oder lang ertauben würde. Für diesen Fall wollte ich natürlich gewappnet sein. Ich bin kein Typ, der alles dem Zufall überläßt. Gelandet bin ich dann auch u.a. im Schwerhörigennetz und irgendwie darüber bin ich im HCIG-Forum gelandet. Dort habe ich mich erstmals ausgiebig über die Möglichkeit eines Implantates informiert.
 
Es war gerade um die Zeit, als Michael Schwaninger sein 1. CI bekommen sollte. Seine Beiträge weckten mein Interesse. Und lieb wie Michael so ist, hat er sich löchern lassen von meinen Fragen und mir immer sachkundig Auskunft gegeben. 
 
Jedenfalls entschloß ich mich dann irgendwann, die Voruntersuchungen in Frankfurt in der Uniklinik für ein CI machen zu lassen. Begleitet wurde ich von meiner treusten Freundin Susi. Als alle Untersuchungen abgeschlossen waren, hatten wir zum Schluß dann ein Gespräch mit Dr. Kiefer. Während der Betrachtung meiner Röntgenbilder meinte meine Freundin Susi dann freudig, daß man wohl auch ein Gehirn auf den Bildern erkennen könne: Na wunderbar! Endlich hätte ich es schwarz auf weiß, daß ich auch ein Gehirn besäße. ? Vermutet hatte ich das ja auch schon ?. Da meine Freundin wunderbar blond ist, meinte Dr. Kiefer daraufhin, bei Blondinen wäre an dieser besagten Stelle ein schwarzes Nichts ? ?. Wie ihr merkt, hatten wir zu alledem auch unseren Spaß! 
 
Aber zurück zum Untersuchungsergebnis: Dr. Kiefer meinte, es könne etwas komplizierter werden bei mir mit der OP, da mein Innenohr eine schon relativ starke Verknöcherung aufweisen würde, aber eine OP wäre auf jeden Falle möglich. Damit hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet, daß es so kompliziert werden würde. Auch bekam ich die Empfehlung mit, mich mit MedEl zu implantieren zu lassen. 
 
Da ich mich jedoch im Nachhinein für ein anderes Implantat entschieden habe, habe ich mich dann auch dafür entschieden, mich in Hannover implantieren zu lassen, da die MHH mit diesem Model die meisten Erfahrungen hatte. Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, da Dr. Kiefer und die Uniklinik Frankfurt einen sehr guten Eindruck bei mir hinterlassen hatten und auch entfernungsmäßig Frankfurt von meinem Heimatort nicht so weit entfernt war.
 
Jedenfalls mußte die komplette Voruntersuchung nochmals in Hannover gemacht werden. Das Ergebnis war in etwa gleich wie in Frankfurt, jedoch plädierten die Ärzte in meinem Falle dafür, das besser hörende Ohr zu implantieren, da dieses noch nicht so verknöchert wäre. Bei dem schlechteren Ohr müsse ich damit rechnen, ein Spezialimplantat zu bekommen, ein sog. Double Array, was auch keinen so guten Hörerfolg erwarten ließ. Das war ziemlich niederschmetternd für mich, da ich noch relativ gute Hörreste auf dem Ohr habe. Ein OP-Termin wurde mir dann angeboten und bis zu diesem Zeitpunkt habe ich ziemlich viel Tränen vergossen, da ich mich einfach nicht damit abfinden konnte, mein besser hörendes Ohr herzugeben. 
 
Nach reiflicher Überlegung kam ich kurz vor dem OP-Termin (26.07.2003) auch zu dem Schluß, mein schlechteres Ohr implantieren zu lassen. Ich danke den vielen Freunden u. Bekannten, die dann für mich gebetet haben, daß trotzdem doch alles gut wird. Im HCIG-Forum (unter: Entscheidungsphase: OP Elfi***Mein Bericht***) steht ein ausführlicher Bericht über die OP, wen es interessiert, es würde den Rahmen hier etwas sprengen ?.
 
Und so war es dann auch, die Gebete wurden erhört, ich hatte ein „normales" CI. Ihr könnt euch meine Freude und Erleichterung darüber nicht vorstellen, alle meine Ängste fielen in dem Moment von mir, in dem die OP-Schwester mir mitteilte, ich hätte kein Spezialimplantat. Ich war kaum 5 Minuten wach nach der OP, da war ich vor Freude außer mir, habe geheult vor Freude. An Schlaf, wie das bei den meisten so üblich ist nach einer OP, war bei mir nicht zu denken. 
 
Und ich kann heute erst so richtig einschätzen, wie richtig doch meine Entscheidung von damals gewesen ist. Ich profitiere von meinem besser hörenden Ohr in der Kombination mit dem implantierten Ohr sehr. Auf der einen Seite habe ich im Tieftonbereich noch gute Höreindrücke und auf der anderen Seite mit CI eher den verloren gewesenen Hochtonbereich. Im Gegensatz zu vielen anderen, bin ich schon ziemlich früh implantiert worden, obwohl auch noch auf dem implantierten Ohr recht brauchbare Hörreste vorhanden waren. Jedoch steigt das Risiko bei einer Verknöcherung mit der Zeit immer mehr, nicht mehr implantiert werden zu könnnen. Das CI ist für mich auf jeden Fall aber eine Bereicherung! Ich entdecke zwar keine für mich unbekannten Geräusche, das Schöne ist, man kann mit mir auch im Flüsterton jetzt sprechen ? und ich verstehe es! Und die Vogelstimmen, die genieße ich auch, manchmal mehr als das Geplapper mancher Mitmenschen! 
 
Die nächste Einstellung liegt bald vor mir und ich bin unendlich gespannt, wie es mit meinen Höreindrücken weiter geht!
 
Elfi Fries im November 2003
 
Für Fragen oder Kommentare könnt ihr gern unter:
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Ein steiniger Weg

Hallo liebe Leser/innen,

vor einiger Zeit berichtete ich in der Schnecke und auf der Ohrenseite über meine rechtsseitige CI-Implantation nach völliger Ertaubung durch Morbus Menière (ich bin beidseitig ertaubt, obwohl der Menière meist nur einseitig das Hörvermögen beeinträchtigt!) Der Artikel lautete "Ein steiniger Weg". Heute möchte ich Ihnen nun das vorläufige Ende des Märchens erzählen.

Am 13.06.02 war die CI-OP auf dem rechten Ohr. Am 15.07.02 erhielt ich den Prozessor und hatte die Erstanpassung, die mir die Tränen in die Augen trieb, als der Mitarbeiter von MED EL, Herr Lehning, mich fragte: "Können Sie mich verstehen!?" Ich konnte Ihn verstehen. Zwar war der Klang „wie durch eine Gießkanne gesprochen", aber ich konnte seine Worte verstehen!

Nach einigen Tagen wurde die Einstellung verfeinert. Und mein Hören wurde noch ein Stückchen besser. Und so war es nach jedem Einstellungstermin, es wurde immer ein klein wenig besser. Um ganz ehrlich zu sein, es ist nicht einfach Demjenigen, der die Einstellung vornimmt zu sagen, wie der Klang „zur Zeit" ist, und in welche Richtung die Klänge verändert werden sollten (höhere oder tiefere, dumpfere oder hellere). Man müsste noch mehr Wörter für die Klangfarben der Töne erfinden, um 100% genaue Aussagen machen zu können. Es ist als beschreibe man ein Gefühl!

Mit meinem neuen Hören war ich sehr zufrieden. Auf der Arbeit konnte ich wieder genaue Auskunft auf Fragen geben (allerdings nur, wenn mich der Kollege direkt ansprach und keine störenden Nebengeräusche (z.B. Drucker bei Ihrem Werk) zu vernehmen waren), und mit Freunden konnte ich wieder „babbeln" wie der Hesse sagt?. Allerdings machten mir die störenden Nebengeräusche zu schaffen.

Ende November frage mich der Ingenieur, der die Einstellungen vornahm, ob ich denn daran denken würde, die 2. Seite auch implantieren zu lassen? Im ersten Moment war ich sprachlos! Denn die 1. Implantation bei der Krankenkasse durchzusetzen war ein absoluter Kraftakt! So kam ich beispielsweise abends von der Arbeit nach Hause und sah, dass der Anrufbeantworter blinkte. Da ich ja völlig taub war (bin!), hatte ich keine Möglichkeit den AB abzuhören. Mein Mann erzählte mir dann, dass die Krankenkassenmitarbeiterin darum bat, dass ich zurückriefe! Mein Mann rief damals zurück (da ich die Möglichkeit nicht hatte!) und die Mitarbeiterin fragte, ob ich nicht wenigstens mal „ganz kurz" ans Telefon kommen könne, um einige Fragen zu beantworten!!!!!! NEIN, denn ich war taub! Nach einigem Bitten wurden mir die Fragen dann zugesendet und ich konnte sie schriftlich beantworten. Dann erhielt ich die Zusage zum ersten CI.

Ehrlich gesagt, nach dieser Anstrengung überhaupt EIN CI zu erhalten, hatte ich wenig Hoffnung, dass die Krankenkasse das 2. CI bezahlt!!! Aber ich wäre nicht ich, wenn ich es nicht zumindest mit einem kleinen „Schimmer Hoffnung" auf ein Wunder versucht hätte. Also hatte ich einen Hörtest und Gesprächstermin mit dem mich Erst-Implantierenden Arzt in Frankfurt. Dieser Arzt war sehr nett und verständnisvoll und wollte meine Bemühungen um das 2. CI nach Kräften unterstützen. Ich bekam einen „Sprachtest" und ein Schreiben mit, welches die 2. Implantation bekräftigen sollte.


Diese Unterlagen reichte ich bei meiner Krankenkasse ein (17.12.02). Leider erhielt ich ein Ablehnungsschreiben. Man (die Krankenkasse) hätte die Unterlagen zum Medizinischen Dienst weitergeleitet und dieser sei der Meinung, dass das 1. Implantat reiche für ein integriertes Sozialleben. Somit teilte mir die Krankenkasse mit, sie habe mit der Implantation der 1. Seite genüge getan und mir ein Leben in Gesellschaft ermöglicht.

Damit wollte ich mich allerdings nicht zufrieden geben! Ich wusste nur nicht, wie ich es anstellen sollte, mich gegen die Ablehnung zu wehren!?? Der Zufall wollte es, dass vom CIV HRM e.V. Frankfurt genau zu diesem Zeitpunkt eine Veranstaltung war, die über die weiteren Schritte bei einer Ablehnung durch die Krankenkasse Auskunft gab.

Und ich tat genau das, was ich gehört und gelernt hatte! Ich legte Einspruch gegen den Ablehnungsbescheid ein. Nach einigen Tagen schrieb ich die Begründung meines Einspruches gegen den Ablehnungsbescheid der Krankenkasse und schickte das Schreiben sofort ab.

In der Post fand ich nach einigen Tagen ein Schreiben, dass man meine Begründung des Einspruches nicht akzeptieren kann, da diese von einem Arzt geschrieben werden muss!? Man teilte mir allerdings mit, dass ich mich doch an die BFA wenden solle. Natürlich habe ich auch dorthin geschrieben. Aber man hat bei der BFA meinen Antrag auf ein 2. CI an das Arbeitsamt weitergeleitet, weil man dort nicht zuständig war. Das Arbeitsamt schickte mir einen langen Brief inclusive einem Stapel Fragebögen, mit dem Schlusssatz, dass wenn es sich um eine Arbeitsplatzerhaltende Maßnahme handele doch das Integrationsamt zuständig sei….Es war ein Spiesrutenlauf, aber ich dachte nicht im Traum daran an dem „Papierkram" zu scheitern und aufzugeben!

Wie paradox, dass man die Begründung von einem Arzt verfasst haben wollte, obwohl ich doch schon ein Gutachten einer Uni-Klinik eingereicht hatte! Das erste Schreiben bezüglich eines 2. CIs wurde ja von einem Arzt verfasst! Und nun was sollte ich nun tun? Ich muss gestehen, dass mir nun Kommissar Zufall zu Hilfe kam! 

Auf einer weiteren Veranstaltung des CIV HRM lernte ich einen sehr netten und kompetenten Herrn kennen, der mir zu einem Termin in der Uniklinik Würzburg riet. Zu verlieren hatte ich ja nichts und so fuhr ich dort hin. Dieser Termin war am 17.03.03. Es wurden bis auf den Promontorial-Test (Hörnervtest) alle Untersuchungen durchgeführt. Ein langes und ausführliches Gespräch mit Herrn Dr. Müller, machte mir Hoffnung, denn ich stehe ja voll im Berufsleben und dies ist ein hervorragendes Kriterium wenn es um die Begründung der Implantation geht. 

Dann musste ich Geduld haben, denn es dauerte 3 Monate bis ich das Schreiben der Uniklinik erhielt, welches ich der Krankenkasse vorlegen konnte. Ich muss sagen, es war ein hervorragendes Schreiben, das den Sachverhalt auch für eine Laien verständlich machte (mittlerweile erfuhr ich auch, dass beim Medizinischen Dienst die Unterlagen zwar von Ärzten bearbeitet werden, diese aber nicht immer „Spezialisten" sein müssen, sondern unter anderem auch Allgemeinärzte, die mit der Materie des CIs nicht vertraut sind). 

Dieses Schreiben habe ich also wieder, nachdem ich bei der Krankenkasse um „Aufschub" bat, eingereicht. Bei so einem langen Papierkrieg ist es ratsam immer auf die „Einspruchzeiten" zu achten, denn wenn man nicht aufpasst, ist ruckzuck eine Einspruchsfrist abgelaufen und man hat keinen Anspruch mehr auf die Weiterbearbeitung des Falles! Außerdem habe ich ein Schreiben verfasst, welches meine berufliche Situation widerspiegelt. Dieses legte ich meinem Chef vor und bat ihn um seine Unterschrift. Dieses „Befürwortungsschreiben" und die Arbeitsplatzbeschreibung reichte ich parallel mit ein.

Jetzt dauerte es nur noch eine relativ kurze Zeit (2 Wochen) bis ich wieder von der Krankenkasse hörte. Ehrlichgesagt ich bzw. mein Mann haben die arme Sachbearbeiterin auch permanent gelöchert und ständig nachgefragt. Die nette Dame teilte mir nun mit, dass die Antwort vom Medizinischen Dienst diesmal positiv ausgefallen ist und nun noch Krankenkassenintern entschieden werden muss, ob man meinem Antrag statt gibt. 

Dann ging alles ganz schnell. Die Sachbearbeiterin fragte noch nach, zu welchem Resultat der Antrag bei der BFA geführt hatte, dieser wurde ja wie oben erwähnt abgelehnt. Aber nachdem ich beide Seiten des Schreibens der BFA und des Arbeitsamtes, welches seine Zuständigkeit ja auch versagte, der Krankenkasse zufaxte, fand man ein Einsehen und genehmigte mir die Kosten für das 2. Implantat. 

Ich denke, dass hauptsächlich die aktuelle berufliche Situation (ich bin Bürokauffrau) und das Schreiben von der Klinik in Würzburg, sowie meine Beharrlichkeit dazu beigetragen haben, dass der medizinische Dienst und die Krankenkasse einer zweiten Implantation zugestimmt hat. 

Hätte die Krankenkasse auch im 2. Anlauf nicht zugestimmt wäre ich vor das Sozialgericht gezogen, hätte mich an die Zeitungen gewand oder ich hätte die Krankenkasse gewechselt. Irgendwas wäre mir sicher eingefallen! Aber ich würde diesen Weg auf jeden Fall zu Ende gehen.

Jetzt hoffe ich, dass nachdem die OP Anfang Oktober in Würzburg ein Erfolg war und ich Mitte November meine Erstanpassung dort habe, nun bald auf beiden Seiten ganz „Ohr" sein kann.

Ihre 
Ilka Kaiser
November 2003

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