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OP-Bericht für Michaels CInderella

Nun ist es so weit und ich bin zur CI-OP in der medizinischen Hochschule Hannover auf Station 46 angekommen.
Wie schon bei der Voruntersuchung ist ein munteres Sechs - Bettzimmer mit vielen Bildern und netten Mitpatienten ist für die nächsten 10 - 14 Tage mein "Heim".
 
 
Am Ankunftstag legten wir bei der Aufnahme durch den Doc. Fest, daß ich das rechte Ohr mit Clarion/Auria versorgt haben möchte. Ich hatte ein Gespräch mit der Anästhesistin - seit dem weiß ich, daß ich lange Frontzähne habe (Hauer nennt man die, glaube ich Umgangssprachlich) und es sollte noch ein mal ein Hörtest gemacht werden, den die nette Dame sich und mir aber schenkte, weil da ja nun wirklich nichts zu testen ist...
Alle anderen Dinge wie Blut, EKG und und und hatte ich vom Hausarzt mitgebracht, so daß ich sonst nicht mehr zu tun hatte. Ab 0:00 Uhr nüchtern bleiben, fiel mir erstmal leicht, genüsslich in Morpheus Armen schlummernd...
 
 
Am Dienstag den 16.09. sollte ich ja eigentlich so gegen 10/11 Uhr in den OP kommen - aaaaber es dauerte bis ca. 12:30, bis es dann plötzlich hopplahopp ging. Als Grund kursierte das Gerücht, daß irgend ein Gerät nicht ans Laufen zu bringen gewesen wäre - ob´s stimmt???
Wie auch immer, vor dem OP-Raum begrüsste mich der Operateur, ich sagte nochmal welches Ohr und welches CI ich wollte, er bestätigte das und wünschte mir "viel Spaß" ?
Ich weiß noch wie ich in den OP-Vorbereitungsraum geschoben wurde, ein kleiner "pieks" mit einer Nadel..... träum, träummm
 
 
Die OP habe ich prima überstanden!
 
 
Ich hatte zwar direkt nach der OP noch Schwindel, vor allem wenn ich mich zur OP-Seite drehen wollte, schwankte die nächtlich illuminierte Skyline von Hannover doch bedenklich auf und ab, aber der Schwindel verschwand beim ersten Aufstehen am Abend auf nimmer Wiedersehen!
Nach einer durchwachsenen Nacht, in er ich wer weiß wie oft aufwachte und einem leckeren Frühstück, bin ich dann aber auch schon über die Gänge geschlurft.
Begleitet hat mich dabei zwar ein mööörderischer Tinnitus im rechten, dem OP-Ohr aber sonst war alles normal.
Gegen den Tinni sollte ich Infusionen bekommen - Gott sei Dank war die Schwester aber schneller und hatte bereits vorher den Zugang entfernt, so daß der Doc. Meinte, wir warten bis morgen, wenn es nicht besser wird machen wir dann was und es wurde besser!
 
Die Tage waren mit Spazierengehen in der MHH und dem Patientengarten, lesen und netten "Gesprächen", die ich mit den mit Mitpatienten meist in schriftlicher Form führte, ausgefüllt.
 
 
Und dann kam sechsten Tage nach der OP .......DER PROBETON!!!!
 
 
Mit Spannung fieberte ich auf 15:30 Uhr zu, um dann das HörZentrum anzusteuern. Mit gekonntem Griff setzte mir der Techniker das Headpiece an und ließ die automatische Messung ablaufen.
 
Eine kleine Tabelle aus Zahlen war das Ergebnis. Mit großen Augen schaute ich den Mann an und fragte erwartungsvoll :"Und..." und er schrieb ein großes OK auf seinen Bogen....
 
 
Aber es gab dann doch noch einen hörbaren Ton, ein tut tut tut, das ich strahlend bejahte!!! 
 
 
Mensch war ich glücklich!!!! Und wie gern hätte ich gleich viel, viel mehr hören mögen und mußte mich doch noch gedulden. Dennoch - ich schwebte regelrecht zur MHH rüber und mein Tinnitus, der seit der OP ja immer schwächer geworden war, war anscheinend von dem Ton so beeindruckt, daß er sich zeitweise gar nicht mehr hören lies. Freude über Freude.
 
 
Die letzten zwei Tage im der MHH vergingen schnell und ich durfte nach Hause. Wenige Tage darauf bekam ich bei "meinem" HNO - Arzt die Fäden gezogen.
Davor hatte ich merkwürdigerweise mehr Bammel als vor der OP, aber es machte nur 7 - 8 mal "knck" neben meinem Ohr und dann war die Prozedur erledigt.
Ja und nun hieß es noch vier lange Wochen geduldig sein uns warten auf die Erstanpassung.
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Mein langer Weg zum neuen Hören

Das Cochlea Implantat (CI) ist ein technisches Wunderwerk. Dennoch kann der Weg zum neuen Hören sehr lang und dornenreich sein. Bei mir waren die ersten Höreindrücke so niederschmetternd, dass ich kurz davor stand, Prozessor und Head-Set in die hinterste Schublade zu legen und aufzugeben. Zum Glück habe ich das nicht getan. Nach fünf Monaten geduldigen Ausharrens stellte sich dann doch noch ein Hörerfolg ein. Um all denen Mut zu machen, die einen ähnlich schlechten Start mit dem CI haben, möchte ich über meinen Weg zum neuen Hören ausführlich berichten.
 
Ich litt seit meiner Geburt an einer erblich bedingten Innenohrschwerhörigkeit. Die Behinderung war zunächst nur gering, wurde aber mit der Zeit allmählich schwerwiegender. In den achtziger Jahren wurde meine Schwerhörigkeit „an Taubheit grenzend". Trotzdem kam ich mit guten Hörgeräten zurecht und konnte weiterhin meinen Beruf als Richter am Amtsgericht ausüben. Doch es ging weiter abwärts. Telefonieren wurde für mich immer schwieriger und war ab 1995 nicht mehr möglich. Deshalb musste ich meinen Beruf aufgeben und ließ mich ab 1.1.1996 vorzeitig in den Ruhestand versetzen.
 
Aber was heißt „Ruhestand"? Weder von „Ruhe" noch von „Stand" konnte die Rede sein. Es gab keinen Stillstand. Das Leben ging weiter. Meine aktive Mitgliedschaft im DSB Ortsverein Wiesbaden hielt mich auf Trab. Inzwischen bin ich dort stellvertretender Vorsitzender. Mein Terminkalender war nach der Pensionierung praller gefüllt als vorher. Nur mit dem Hören ging es sehr schlecht. Ich dachte damals, dass ich jetzt den Tiefpunkt erreicht haben würde, noch schlechter konnte es doch eigentlich nicht werden. Aber da täuschte ich mich. Ab 2001 hörte ich meine eigene Stimme nicht mehr. Eine lautsprachliche Kommunikation war nicht mehr möglich. Man musste mir alles aufschreiben. Eine sorgfältige Vermessung am Universitätsklinikum Frankfurt ergab: Sprachverständnis 0%!
 
Was nun? Ich sah zwei Möglichkeiten: entweder ich würde mich mit Mundabsehen behelfen und Gebärdensprache lernen oder mir ein CI implantieren lassen.
Mundabsehen ist gut als Ergänzung zum Hören. Wenn es darum ging, akustisch ähnliche Wörter zu unterscheiden, hat mir das Mundabsehen früher viel geholfen. Doch wenn jemand zu Übungszwecken ohne Stimme sprach oder ich die Hörgeräte ausgeschaltet habe, konnte ich nur wenig ablesen und war niemals sicher, ob ich richtig verstanden habe. Gebärdensprache ist gut, weil man dann mit Hilfe eines Dolmetschers vieles erledigen kann, etwa Arztbesuche oder Behördengänge. Aber was tun, wenn man als Notfall schnell zum Arzt muß und die Zeit nicht reicht, um vorher einen Dolmetscher zu organisieren? Davon abgesehen war mein Kommunikationsmittel trotz aller Schwierigkeiten immer die Lautsprache gewesen. Bei einer Umstellung auf Gebärdensprache hätte ich von vorn anfangen müssen. Man sagt ja, die Deutsche Gebärdensprache sei mindestens so schwierig wie das Chinesische. Ich hätte also mit fast 60 Jahren eine schwierige und fremdartige neue Sprache lernen müssen. Das wollte ich mir nicht antun. Also entschied ich mich für ein CI.
 
Die Operation fand am 27.11.2002 im Universitätsklinikum Frankfurt unter der Leitung von Prof. Gstöttner statt. Sie verlief reibungslos. Das Restgehör auf dem linken (implantierten) Ohr ging verloren. Aber dem trauerte ich nicht nach. Es war ja so gering, dass es mir nichts mehr genützt hatte. Mit großer Spannung erwartete ich die Erstanpassung des Sprachprozessors, die am 19.12.2002 bei Prof. Stürzebecher in Frankfurt stattfinden sollte. Ich schraubte meine Erwartungen bewusst nicht hoch, um dann nicht zu sehr enttäuscht zu werden. Hauptsächlich kam es mir darauf an, meine eigene Stimme wieder zu hören. Denn wenn ich meine eigene Stimme nicht kontrollieren kann, entsteht irgendwann folgende Situation: ich verstehe die anderen nicht, weil ich taub bin; aber die anderen verstehen mich nicht, weil ich zu undeutlich spreche. Des weiteren hoffte ich, dass ich mit Hilfe von Mundabsehen einige Worte verstehen würde. Als Schwerhöriger erfaßte ich ja immer nur ungefähr die Hälfte und war gut geübt darin, die andere Hälfte sinngemäß zu ergänzen. Meine Erwartung an das CI beschränkte sich darauf, dass dieser Zustand wieder erreicht würde. Ich hoffte also auf einen Schritt zurück aus der Taubheit in die Schwerhörigkeit. Daran, dass ich ein Guthörender werden könnte, verschwendete ich keinen Gedanken.
 
Doch im Hinterkopf hatte ich noch eine weitere Hoffnung. Als Jugendlicher hatte ich Querflöte gespielt. Es gab auch damals schon einen Hochtonverlust, ich hörte nicht den ganzen Umfang der Flöte, aber doch so viel, dass ich z.B. Barockmusik, wo extrem hohe Töne selten vorkommen, recht gut spielen konnte. Doch der Hochtonverlust nahm zu. Vor 30 Jahren hatte es keinen Zweck mehr. Seitdem liegt die Flöte im Keller. Da nach meinen Informationen das CI hohe Töne besonders gut wiedergibt, hoffte ich, dass ich das Flötenspiel wieder aufnehmen könnte.
 
So bescheiden meine Erwartungen an das CI auch waren, sie wurden bitter enttäuscht. Dabei fing alles gut an! Bei der Erstanpassung am 19.12.2002 wurde mein Sprachprozessor (SPrint von der Fa. Cochlear) wie üblich zunächst an einen Computer angeschlossen. Ich hörte nun künstlich erzeugte Töne verschiedener Höhe und Lautstärke. So reine und klare Töne habe ich bis dahin nie in meinem Leben gehört. Ich war ganz begeistert. Offenbar funktionierte es ja. Aber dann, als der Prozessor vom Computer abgenabelt wurde, geschah etwas merkwürdiges. Hatte da jemand einen Vogelbauer ins Labor gebracht? Ich hörte nur noch ein seltsames Piepsen. Da bemerkte ich, dass Prof. Stürzebecher sich mir zugewandt hatte und offenbar mit mir sprach. Er bewegte jedenfalls wie ein Sprechender die Lippen. Ich aber hörte keine menschlichen Töne, sondern immer nur „Pieppiep-piep". Bei jeder Silbe machte es „piep". Wenn ich auf den Tisch klopfte, hörte ich „piep". Wenn ich hustete, hörte ich „piep". Wenn ich sprach, hörte ich „piep-piep-piep". Die Lautstärke dieses „Pieps" variierte, aber Tonhöhe und Klangcharakter waren immer gleich. Offenbar war das Implantat nur in der Lage, ein und denselben Piepton zu erzeugen, egal welches akustische Signal der Auslöser war. Da ich immer nur „Piep" hörte, konnte ich kein Geräusch erkennen, auch nicht das „Sprechgeräusch" und natürlich kein einziges Wort verstehen. Ein niederschmetterndes Ergebnis!
 
Was mich bald wieder aufrichtete, war die Erfahrung, dass sehr viele Menschen mir beistanden: Herr Dr. Kiefer und Prof.Stürzebecher vom Klinikum Frankfurt, Dipl.-Ing. Pera und Dr. Hessel von der Fa. Cochlear, Herr Schwaninger und andere vom CIV HRM, der Vorstand und andere Mitglieder des DSB OV Wiesbaden, Frau Michels vom CIC Friedberg und nicht zuletzt meine Frau, die mich durch alle Höhen und Tiefen begleitete, die mein Leid mit mir teilte und mir nun weiterhin geduldig alles aufschrieb – sie alle standen mir mit Rat und Tat zur Seite. Ich hatte das gute Gefühl, nicht allein zu sein. Allein hätte ich es nicht geschafft.
 
Ich dachte, der Prozessor sei defekt. Aber man sagte mir, technisch sei alles in Ordnung, die Ursache für das Piepsen sei physiologischer Natur. Dr. Kiefer wies darauf hin, dass eine Gehirnblutung, die ich Ende 1992 hatte, das Hörzentrum im Gehirn geschädigt haben könnte. Aber dieses Hörzentrum passe sich mit der Zeit den elektrischen Reizen des Implantats an. Ich solle den Prozessor so oft wie möglich einschalten. Wenn der Hörnerv ständig stimuliert werde, werde es eines Tages einen Hörerfolg geben. Das war leichter gesagt als getan. Das Piepsen nervte furchtbar. Stellen Sie sich vor: sie hören den ganzen Tag absolut nichts, außer immer gleiche, sehr hohe Pieptöne. Das ist zum Verrücktwerden! Zu allem Überfluß nahm sich auch mein Tinnitus dieses Pieptones an. Wenn ich Headset und Prozessor längst abgelegt hatte, „hörte" ich immer noch: „piep-piep-piep". Auch nachts piepste es nervtötend und schlafraubend.
 
Ich konnte kaum glauben, dass sich an diesem desolaten Zustand etwas durch Anpassung der Nerven ändern könnte. Aber was sollte ich tun? Aufzugeben hätte bedeutet, dass ich für den Rest meines Lebens völlig taub sein würde. Weiterzumachen barg immerhin die aus meiner Sicht verschwindend kleine Chance, dass sich doch noch etwas bessert. Also machte ich weiter und ertrug geduldig das eintönige Piepkonzert.
 
Lange Zeit tat sich nichts. Erst nach ungefähr drei Monaten bemerkte ich erste geringfügige Veränderungen. Der Ton war nicht mehr so hell und schrill, sondern wurde nach und nach volltöniger, klang fast wie ein Akkord. Dadurch wurde es leichter, ihn zu ertragen und Frau Michels vom CIC Friedberg konnte schrittweise die Pegel erhöhen. Weiterhin sollte der Hörnerv so oft wie möglich stimuliert werden. Bei mir zu Hause ist es sehr ruhig, da wir in einer ländlichen Gegend wohnen und meine Frau ganztags arbeitet. Um trotzdem den Hörnerv zu „füttern", setzte ich mich jeden Tag eine Stunde hin und las laut eine Erzählung. Als Auditorium hatte ich meine beiden Katzen. Sie schauten mich bei meinen Vorträgen so mitleidig an, als wollten sie sagen: „jetzt ist er völlig verrückt geworden." Aber ich hielt die Lesestunden durch. Am rechten (nicht implantierten) Ohr trug ich ein Hörgerät. Dadurch hörte ich sehr leise und dumpf meine Stimme, aber ohne mich selbst zu verstehen.
 
Der Durchbruch kam Mitte Mai völlig überraschend. Während einer meiner einsamen Lesestunden hörte ich plötzlich meine Stimme ungewöhnlich laut und verstand sogar, was ich sagte. Aufgeregt lief ich im Haus herum. Überall hörte ich Geräusche, die mir bis dahin unbekannt waren. Auf der Holztreppe hörte ich sehr laut jeden meiner Schritte, ich hörte das Zischen beim Öffnen einer Mine
ralwasserflasche und das Gluckern beim Eingießen in ein Glas. Auch vernahm ich zum ersten Mal das Maunzen meiner Katzen. Draußen im Garten hörte ich die Vögel singen. Wegen des Hochton
verlustes von Geburt an war mir Vogelgesang bisher nicht zugänglich gewesen. Nun hörte ich es sehr laut Trillern und Trällern. Mir kamen fast die Tränen. Ich musste 59 Jahre alt werden, um zum ersten Mal in meinem Leben einen Vogel singen zu hören. Als abends meine Frau von der Arbeit heimkam, hörte ich ihre Stimme und verstand sogar vieles, wenn auch nicht alles. Aber jetzt konnte ich endlich das Hören und Verstehen systematisch üben. Das tat ich denn auch fleißig, teils zu Hause mit Hilfe einer CD, teils in Friedberg mit Frau Michels. Das Sprachverständnis wurde immer besser. Meine Frau braucht mir nichts mehr aufzuschreiben.
 
Gern hätte ich jetzt geschrieben: Ende gut, alles gut. Aber alles ist noch nicht gut. Das Implantat er
zeugt einen merkwürdigen Halleffekt. Auch in akkustisch trockenen Räumen klingt alles wie mit Hall unterlegt, also etwa so wie in einer Kirche. Dadurch klingt die Sprache undeutlich und es fällt mir schwer, bestimmte Konsonanten zu unterscheiden. Worte wie „Tasse" und „Kasse" klingen für mich gleich. Das „S" zischt bei mir genau so wie das „Sch". So bin ich auf das Mund-Absehen als Ergän
zung zum Hören angewiesen. Wohl aus diesem Grund verstehe ich Lautsprecherstimmen nicht. 
Durchsagen auf Bahnhöfen oder in Zügen kommen bei mir nicht an. Ich kann nicht telefonieren und verstehe nur wenig vom Fernsehton. Bei sehr großen Lautsprechern, die an einen guten Verstärker angeschlossen sind, geht es besser. Meine Übungs-CD, die ich über unsere recht hochwertige Stereoanlage abspiele, kann ich gut verstehen.
 
Auch ist mein geheimer Traum von der Wiederaufnahme des Flötenspiels (bisher?) nicht in Erfüllung gegangen. Der Prozessor ist völlig unmusikalisch. Außer der Oktave kann er kein musikalisches Intervall korrekt wiedergeben. Musik klingt daher für mich wie ein unharmonisches Jaulen und Kreischen. Die Flöte musste wieder in den Keller. Aber vielleicht nicht für immer. Man hat mir gesagt, dass auch die noch vorhandenen Probleme nicht am Implantat selbst liegen, sondern physiologische Ursachen haben. Durch weitergehende Anpassung der Hörnerven könnten eines Tages auch der Hall verschwinden und musikalische Intervalle korrekt wiedergegeben werden. Früher hätte ich das nicht geglaubt. Aber meine Erfahrung mit den Pieptönen und ihrer Überwindung nach 5 Monaten hat mich gelehrt, dass man beim CI Geduld haben muß und die Hoffnung niemals aufgeben darf.
 
Das CI ist zweifellos ein Wunderwerk der Technik. Aber ein viel größeres Wunder ist die Anpassungsfähigkeit unseres Gehirns.
 
Peter Gerullis
November 2003
  
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Premiere: Erster Erfahrungsbericht von Med-El an der MHH

Vor Jahren begann meine ererbte zunehmende Innenohrschwerhörigkeit. Nach Untersuchungen in Kassel und Göttingen wurde ich 1998 das erste mal an die Medizinische Hochschule Hannover, MHH, überwiesen. 

Zunächst versuchte man mit einer Infusionstherapie mir zu helfen. 2001 verschlechterte sich jedoch mein Gehör weiter. Mein HNO-Arzt überwies mich wieder nach Hannover. Nach den medizinischen und psychologischen Voruntersuchungen teilte man mir mit, dass ich für ein CI geeignet sei. Mein Restgehör sei jedoch noch zu gut. 

Ich fiel psychisch in ein dunkles Loch. Endlich wieder selbständig arbeiten können, rückte in weite Ferne. Mit einer Mikrolink-Anlage wurde das vorhandene Restgehör verstärkt. Dies half mir ein wenig. Doch mein Hörvermögen ließ weiter nach. Also fing ich an die Gebärdensprachen zu lernen.

Im Mai 2003 hörte ich plötzlich fast gar nichts mehr. Wieder die Reihenfolge der Untersuchung HNO / MHH. Jetzt bin ich für eine OP taub genug. Wegen einer Verknöcherung am Eingang der Cochlea musste man evtl. ein Double-Array (ein doppelter Elektrodenstrang) verwenden. Deshalb musste ich mich zwischen Nucleus und MedEl entscheiden. Ich entschied mich für MedEl. Heute kann ich sagen, eine gute Entscheidung.

Am 23. Juli 2003 musste ich mich in der MHH einfinden. Meine OP sollte am 24. sein, wurde aber auf den 25. verschoben. Obwohl es mir nach der OP nicht sehr gut ging (Erbrechen und Schwindel), wurde ich nach neun Tagen nach Hause entlassen. Bei der Terminvereinbarung für die Erstanpassung hörte ich mit dem CI meine ersten Töne.

Am 15. September ging es mit der Erstanpassung meines Sprachprozessors (ein roter von MedEl, wie ich ihn mir gewünscht hatte) los. Die ersten drei Tage waren so lala. Sollte das alles sein? Meine Erwartungen waren höher. Mein Mann Siegfried, der mich begleitet hatte, hatte große Mühe mich psychisch aufzubauen. 

Am 4. Tag ließ ich den SP bei Herrn Gärtner neu einstellen. Lauter – so laut, wie ich es ertragen konnte. Das war der Durchbruch. Laut Frau Rühl war das Hörtraining gut. Ich konnte deutlich besser verstehen. Auch bei den Video- und Computerübungen war das Verstehen besser. So ging es jeden Tag aufwärts. 

Morgens Hörtraining und Nachmittags üben mit Siegfried. Am 23.9. stand telefonieren auf dem Plan. Frau Rühl ging hierzu in einen anderen Raum. Zunächst wurde mit vorgegebenem Lückentext geübt. Dann habe ich anderen Text ohne Vorlage wiederholen können. Zum Schluß führten wir ein freies Gespräch. Frau Rühl und Siegfried waren überrascht, wie gut das klappte. Nach den Abschlussgesprächen konnte ich am 24.9. nach Hause fahren. 

Im Alltag musste ich wieder lernen, viele Geräusche zuzuordnen. Doch es wurde jeden Tag besser. Seit dem 6. Oktober bin ich wieder im Dienst. Auch hier habe ich nur noch wenige Probleme. Selbst telefonieren (auch mit Handy) geht inzwischen. Ich bin glücklich wieder hören zu können. Sich nicht mehr ausgeschlossen zu fühlen, ist einfach wunderbar.

Deshalb möchte ich Danke sagen:

Den Ärzten der MHH für ihr Können und dem Personal für die Begleitung. Der Fa. Kind für ihre jahrelange gute Betreuung und die zeitweise Leihgabe der MikrolinkAnlage. Einen besonderen Dank an meinen Mann. Er war immer für mich da. Ohne ihn hätte ich vor mancher Hürde aufgegeben. Danke sage ich auch meinen Kolleginnen und Kollegen für ihr jahrelanges Verständnis für mich.

Zum Schluß kann ich nur sagen:

Hören ist schön.

      

 

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Habt Geduld ...!

Möchte ich allen CI-Anwärtern ganz laut zurufen! Ich weiss aus eigener Erfahrung wie aufregend, anstrengend und neu alles rund um eine CI-Implantation ist, auch die Anpassung des Prozessors. Auf die man ja einige Zeit warten muss und somit doch sehr gespannt auf das eigene Ergebnis ist.

Meist hat man schon einige Erfahrungsberichte gelesenm, in denen von sehr gutem Verstehen die Rede ist und hofft ebenfalls ein hervoragendes Ergebnis zu erzielen. Das ist verständlich. Oder man hat mit CI-Trägern gesprochen und ist positiv überrascht, dass der andere kaum nachfragen muss.

Und genau hier rufe ich ganz laut: „Habt Geduld".

Ganz deutlich möchte ich an dieser Stelle einmal hervorheben, dass das Ergebnis des Sprachverständnisses von Mensch zu Mensch und von Vorgeschichte zu Vorgeschichte unterschiedlich ist.

Man schaltet nicht einfach den Prozessor auf „an" und alles ist wie mit „gesunden Ohren" zu hören! Es klingt am Anfang meist merkwürdig, blechern oder hohl, was man da auf einmal als Höreindruck empfindet. Seid nicht gleich enttäuscht! Lasst Eurem Gehirn und den Nerven Zeit, sich an das Neue zu gewöhnen! Es bedarf auch der Übung und einer Portion Gelassenheit. Freut Euch, dass zu diesem Zeitpunkt überhaupt wieder etwas ankommt, was man als Höreindruck bezeichnen kann!

Nach einiger Zeit stellt sich das Gehirn auf den Prozessor ein. Hat man vor der Erkrankung der Ohren etwas gehört, so erinnert sich das Gehirn auch wieder daran. Es dauert bei dem einen etwas länger als bei dem anderen. Jedoch ist der CI-Träger meist nach einigen Wochen oder Monaten mit dem Verlauf der Prozessoreinstellung zufrieden und das Hörempfinden wird merklich deutlicher und klarer. 

Also lasst es langsam angehen, setzt Euch nicht selbst unter Erfolgsdruck. Vergleicht Euch nicht mit anderen CI-Trägern deren Vorgeschichte Ihr nicht genauestens kennt! UND lasst Euch nicht von anderen unter Druck setzten nach dem Motto: "Jetzt hast Du ein CI, jetzt musst Du doch wieder alles hören!" Lasst diese Leute reden oder gebt Ihnen meinen Bericht zu lesen! 

Also nur Mut und haltet die Ohren steif, damit der Prozessor nicht runterfällt :-)


Viele liebe Grüsse
Eure
Ilka Kaiser

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