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Mein neues Hören Teil 2

Bereits in der Cinderella-Ausgabe 3/2003 war ein Erfahrungsbericht von mir zu lesen, der auch weiter oben hier zu finden ist. Sie möchten nicht nachlesen?! Kein Problem. Hier eine kurze Zusammenfassung:

Ich war über 26 Jahre auf dem rechten Ohr taub. Links hochgradig schwerhörig und trage seit meiner frühen Kindheit ein Hörgerät. Im März 2002 erlitt ich einen schweren Hörsturz links. Damals hörte ich fast nichts mehr. Im Juni 2002 erfolgte in Würzburg die CI-Operation auf dem ertaubten rechten Ohr. Das linke Ohr erholte sich, also hörte ich wieder wie vor dem Hörsturz. Leider nur für kurze Zeit... 

Dann aber nach der Prozessoreinstellung geschah ein Wunder. Das linke Ohr verbesserte sich ein zweites Mal. Folgenden Satz zitiere ich aus dem vorhergehenden Bericht: „Der Sinn der Sache ist aber, dass man nur mit dem CI hören soll." Schwierig dann nach so langer Zeit, das Hörgerät beiseite zu legen...

Tja, es war wirklich sehr schwer für mich, das Hörgerät in der Schublade zu lassen. Ich habe es leider nicht geschafft! Ich hatte Entzugserscheinungen. Also nicht`s wie rein mit dem Gerät! Schon fühlte ich mich mich viel wohler. Außerdem hörte ich ja dann noch viel mehr und besser als früher. 

Man hat mir in der Uniklinik Würzburg gesagt, es sei nichts dagegen einzuwenden, wenn ich zusätzlich zu dem CI das Hörgerät trage. Ich muß aber damit rechnen, daß es dann länger dauern wird, bis das Sprachverständnis des CI`s da ist . Deshalb ist mir angeraten worden, trotzdem einige Stunden nur mit dem CI zu hören. 

Das tat ich ja eh schon mit dem Hörtraining am PC. Manchmal hab ich echt geflucht, weil ich immer an einer Übung hängen geblieben bin. Ich hatte ständig die Vokale (a,e,i,o,u) verwechselt.

Dank der neuen Prozessor-Einstellung im Dezember 2003 klappt es jetzt viel besser. Ich bin heute noch glücklich darüber, daß das linke Ohr auf dem ich das Hörgerät trage seit 1 ½ Jahren stabil geblieben ist und hoffentlich weiterhin so bleibt, so daß ich damit sogar noch telefonieren kann. 

Ich werde mit dem CI noch Fortschritte machen, aber wie gesagt, es kann noch ein paar Jährchen dauern. Vielleicht schaffe ich es ja dann, das Hörgerät für immer abzulegen.

Auf die Frage „WARUM?" sich das Ohr wieder gebessert hat, gibt es nur eine Antwort. Es ist ein Wunder der Medizin. Dem Wunder habe ich es zu verdanken, dass ich heutzutage meinen erlernten Beruf als Arzthelferin wieder fortführen kann.

Januar 2004 

Maresa Ibisi aus Erlangen

  • Erstellt am .

Erstanpassungsbericht

Hallo Leute!
 
Isch bin der Machtien, den einige evtl. schon aus dem HCIG-Forum sowie aus dem Pinboard des Schwerhörigennetzes kennen. Ich stamme aus einer SH-Familie, d.h. Schwerhörigkeit ist bei uns genetisch bedingt, wird jeweils von einem Elternteil auf die Kinder vererbt. Die Schwerhörigkeit hält sich in jungen Jahren noch in Grenzen. Ab einem Alter von ca. 35 Jahren geht es rapide „bergab". Bei einigen, wie bei einem meiner Brüder, tritt die Schwerhörigkeit auch schon im Kindesalter auf. Bei mir stellte sich ab 1984 zunächst leichte Schwerhörigkeit auf dem linken Ohr ein. Nach einiger Zeit konnte ich damit nicht mehr telefonieren. 
 
Das rechte Ohr folgte dann ca. 2 Jahre später. Es war deprimierend. Kein Telefon mehr, Musik nur noch aus dem Kopfhörer. Das Sprachverstehen nahm rapide ab, also: Hörgeräte beidseitig. Für mich als reinen Kontaktmenschen war es anfangs schwierig, auf die Menschen zuzugehen. Es hat sich später aber wieder weitgehend normalisiert, so dass ich auch heute mit Freunden und Bekannten, die ich teilweise schon mehr als 20 Jahre kenne, in regem Kontakt stehe. Es kommen jetzt auch immer noch welche dazu.
 
Über das CI hatte ich das 1. Mal vor ca. 10 Jahren gehört bzw. in der Zeitung gelesen, damals war ich noch mittelgradig schwerhörig, was sich dann im Laufe der Zeit verschlechtert hat. Einer meiner Freunde sagte: „Das wäre doch auch was für dich." Nur steckte das noch in den Anfängen und ich hatte da meine Zweifel. Ich sagte: Warten wir erst mal die Entwicklung ab. Ich habe das dann zunächst nicht mehr weiterverfolgt, bis ich 1997 bis 2000 eine berufliche Rehabilitation absolviert habe, und zwar in Hamburg im Berufsförderungswerk in einer Schwerhörigengruppe. 
 
Damals hatten sich zwei, drei Leute aus der Gehörlosengruppe, mit denen wir natürlich in Kontakt standen, implantieren lassen. Da hatten mich zwei Dinge abgeschreckt: Die riesige Narbe am Kopf und die Verkabelung für den Taschenprozessor. Ich sagte mir: „Nee! So läufste nicht herum!" 
 
Zurück in Köln. Ich absolvierte ein mehrwöchiges Berufspraktikum für SH. Da sah ich bei einem Kollegen das erste Mal einen HdO-Prozessor. Keine Riesennarbe mehr am Kopf. Trotz meiner mittlerweile 90% GdB konnte ich mich noch nicht dafür entscheiden. Im Hinterkopf blieb das CI aber „haften". 
 
Die Wende kam, als ich frisch ins Schwerhörigennetz-Pinboard „reingeflattert" bin und irgendwann das CI zur Sprache kam. Die DiskussionsteilnehmerInnen hatten natürlich mehr Ahnung als ich und ich konnte daher viele Informationen, die ich bisher nicht hatte, in meine Entscheidung pro oder contra einbeziehen. Irgendwann gab mir der Manfred dann den Tipp, mal ins HCIG-Forum reinzuschauen und meinen „Landsmän" Peter zu kontaktieren, der auch in Köln implantiert wurde. Nachdem ich mit dem Peter ein persönliches Gespräch führen konnte, fiel dann die Entscheidung innerhalb von drei Tagen. Pro.
 
Zunächst folgte aber erst ein Gespräch mit meiner Frau. Die habe ich damals übrigens kennen gelernt, als ich schon hochgradig schwerhörig war, daher kann sie sich sehr gut auf mich einstellen. Die Besprechung verlief positiv und als ich dann endlich den VU-Termin hatte, drückte sie mir die Daumen, dass für mich ein CI möglich wäre. Es war ja auch als Hörende eine Belastung für sie, die ganze Zeit lauter sprechen müssen, Geduld zu haben, aufzuschreiben, wenn etwas nicht in meinem Sprachverstehenssektor ankommen wollte etc. 
 
Nachdem die VU ein erfolgreiches Ergebnis gebracht hatte, naja, teilweise, weil der linke Hörnerv tatsächlich geschädigt ist, folgte dann die Befundbesprechung eine Woche später. Auch da war nicht alles so einfach. Ich hörte also, dass nach der Implantation auf dem rechten Ohr möglicherweise kein Hörgerät mehr benutzt werden kann - was ja auch tatsächlich eingetreten ist- und ich nur noch auf dem linken Ohr noch Hörgerät tragen kann. 
 
Also rechts: Vollkommen taub, kein Restgehör mehr, das musste man erst mal verkraften... 
Ich entschied mich dann aber noch keine Minute später für die OP und fiel fast vom Stühlchen, als mir die Ärztin den OP-Termin schon eine Woche später vorschlug. Ich dachte: Bringen wir's hinter uns... Zu Hause angekommen, teilte ich das meiner Frau mit, die sofort ziemlich aufgeregt war. Tenor: "Das muss ich erst mal verkraften! Soooo schnell..." 
 
Am Mittwoch, dem 12. November war es soweit: Einchecken in der Klinik. Abends kam dann noch der Peter zu Besuch, wahrscheinlich und insbesondere aus Gründen der moralischen Unterstützung... 
 
Noch was Untersuchungen, Donnerstag um 8:15 Uhr gings ab auf die "Schlachtbank". Reichlich Gewusel im OP, 100 Krankenschwestern, Narkoseärztin und was weiß ich wer noch alles. Kleiner Pricks in die rechte Hand, und wech war ich! 
 
Später. Ich wache aus der Narkose auf, 2 Schwestern um mich herum. Schwerer Kopf, dick verbunden und ein tierischer Tinni, lauter als alles, was ich vorher miterlebt habe. Den war ich aber in Kürze wieder los, und zwar waren die Schwestern nicht ganz "unschuldig" daran. Die fragen mich nämlich beinahe gleichzeitig: Hamse Schmerzen? Ich: "Nee!" Da kam bei mir der Peng-peng-Effekt auf: "Peng-Peng! Ich komme grad ausse Narkose und da fragen die mich ob....; huhuuu!" Das hat für reichlich Ablenkung gesorgt und der Tinni war vorläufig weg. Der kam vehement zurück, als ich wieder im Zimmer war und versuchte, den Kopf ein bissel zu bewegen. 
 
Also hielt ich die Birne erstmal ruhig und versuchte etwas zu schlafen. Abends um 23 Uhr dann schon die ersten Gehversuche. Reichlich schwankend, und ich konnte mich an einer nicht ganz so hübschen Krankenschwester festhalten... Der Gleichgewichtstest bei der VU hatte also seinen Sinn! Nächsten Morgen das gleiche Spiel, aber dann bis zum WC und wieder zurück, 2 Mal. Das dritte Mal lief ich dann selber ohne Begleitung, mit der Hand am Flurgestänge und gaaanz langsam! 
 
Freitag kam dann nochmal der Peter zu Besuch, um mein groilisches Gesicht mit den Verbänden zu betrachten. Samstag war dann meine Frau da und hat die Station auf Vordermän gebracht. Die diensthabende Ärztin war bald selber reif für'n Krankenbett... 
 
Sonntag durfte ich dann schon nach Hause. Aus Gründen des "Kerlduschaffstdasschon" bin ich mit Bus und U-Bahn gefahren und auch unfallfrei nach Haus gekommen. Schwindlig wars mir unterwegs aber auch noch, wenn auch nicht mehr allzu stark. zu Hause vorsichtige Begrüßung und dann ab inne Heia. 
 
Vier Wochen Wartezeit auf den SP. Die OP-Narbe verheilt relativ schnell, leichter Druck am Kopf, wo das Implantat sitzt. Naseputzen verboten, Haarewaschen ganz vorsichtig (den schmierigen Jod hatte ich erst nach einer Woche rausbekommen, groilisch!). Nach einer Woche Pause wieder zur Arbeit, mit nur dem linken Hg an, mit dem ich sowieso schon immer schlechter gehört habe. Kollegen mussten verstärkt aufschreiben, alles kein Problem! 
 
Dann der Tag X: Erstanpassung. Unser Audiologe packt das Weihnachtsgeschenk aus, mein funkelnagelneues Esprit 3G samt Starterkit. Laptop aufgeklappt, Kabel rein und mit dem SP verbunden. 
 
Dann kamen Töne, RICHTIGE TÖÖÖÖNE!!! Brummen, Piepen, Klackklackklack, mal laut, mal leise. 
 
Er fuhr mit dem Fingernagel über die Tischplatte: Gehört! War vorher nie der Fall! Er hat geatmet, ich auch, alles zu hören, Töööne! Ich war vom Hocker, könnt ihr mir glauben! Dann kam die Sprache. Er fing an zu sprechen, aber nicht langsam, aber ich konnte das meiste mitverfolgen, weil er eine tiefe Stimme hat. Seine Mitarbeiterin habe ich da schon schlechter verstanden. 
 
Dann gings zurück zur Arbeit. Ein Chaos! Aus der Werkstatt unter meinem Büro Geräusche, in meinem Büro Geräusche, laufendes Radio, hereinplatzende MitarbeiterInnen. Ich war abends total geschafft und müde. Kopfschmerzen waren auch da. Bei jedem Geräusch fing es dann auch noch an zu piepen. Dann kam noch einer meiner Freunde bei uns zu Besuch, und ich hatte Mühe, den zu verstehen, weil noch nebenher Musik lief und meine Frau ihren Schnabel auch nicht halten konnte, was weiter nicht verwunderlich ist... :o) 
 
Die Tage danach. Ich nahm erst mal frei für den Rest der Woche. Es wurde einfach zuviel und zu Hause hatte ich es ruhiger. Ich hörte plötzlich das Maunzen unserer Katzen, jedes kleine Gekratze, jedes Gepolter meiner Frau aus dem Nebenzimmer. Nur die Sprache war zu leise, kam aus dem Hintergrund. Jedenfalls kam das bei mir so rüber. Meine Frau musste dann auch so laut und langsam wie bisher sprechen, vor allem, wenn nebenbei noch der Fernseher lief. 
 
An die vielen neuen Geräusche musste ich mich erst einmal gewöhnen. Dazu gehören Atemzüge, das Ticken einer Uhr, das Klicken des Blinkers im Taxi. Einfach überwältigend für den Anfang!
 
Mittlerweile war ich zum Nachjustieren beim Dipl.-Ing. Das Gepiepe ist weitgehend abgestellt, die Sprache kommt etwas klarer rüber, die Nebengeräusche stehen nicht mehr so im Vordergrund. Trotzdem wird es noch einige Zeit dauern, bis die optimalen Einstellungen gefunden sind. Da heißt es: Übe dich in Geduld...
 
An dieser Stelle möchte ich mich zum Schluss für die vielen Tipps und für die Unterstützung aus dem HCIG-Forum sowie aus dem Pinboard, bedanken. Ich hoffe auch, mein Erfahrungsbericht hilft denen, die ein CI in Erwägung ziehen, bei ihrer Entscheidungsfindung weiter.
 
Herzliche Grüße
Martin aus Köln
  • Erstellt am .

Meine Erfahrung mit der CI-Operation und die Folgen!

Ich heiße Cemile Sch., bin 35 Jahre alt und habe eine Tochter.

Als mir mein Ohrenarzt Anfang dieses Jahres gesagt hat, daß sich mein Hörvermögen immer weiter verschlechtern wird, was auch passiert. Am rechten Ohr taub und auf dem linken Ohr ein Hörgerät. Was kann schlimmer sein, als mein Kind nicht aufwachsen hören.

Mein Arzt empfahl mir nach Würzburg zu fahren und mich beraten zulassen, ob ich die Möglichkeit habe bzw. als Cochlear-Implantat-Trägerin geeignet wäre.

Es wurde ein Termin vereinbart und ich fuhr mit voller Zuversicht nach Würzburg, es wurden einige Voruntersuchungen gemacht, wo man mir sagte, ich wäre dafür geeignet. Oh Mann, ich hätte vor Freude in die Luft gehen können, mir kamen die Tränen, aber das war mir egal. Ich würde nicht taub sein, ich würde wieder hören und das war mir sehr wichtig.Wichtig in dem Sinne, die Stimme von meiner Tochter und meiner Umwelt wahr zunehmen.

Aber erst mußte ich mich gedulden, denn es waren noch weiter Untersuchungen notwendig .So wurde ich im Februar 2003 stationär aufgenommen, wo die Untersuchungen folgten. Mein Operationstermin wurde auf Mai gelegt, was mich erfreute und auch gleichzeitig ängstigte. 

Zuhause ging mir so vieles durch den Kopf, soll ich es wagen oder soll ich es unterlassen. Meine Familie und meine Freunde waren da und unterstützen mich bei meiner Entscheidung, egal wie ich mich entschieden hätte.

Mein Freund, den ich in Würzburg kennengelent habe und auch ein CI-Träger ist, nahm mir die Angst vor der Operation. Also fuhr ich am 12. Mai nach Würzburg zu der Operation, leider wurde meine Operation 3mal verschoben, was mich an den Rand eines Nervenzusammenbruchs führte. So durfte ich am Wochenende nach Hause mit dem Versprechen, daß ich endlich am Montag operiert werde. 

Gesagt getan so wurde ich am Montag operiert, die Operation verlief ohne Komplikationen, was ich annahm. Am ersten Tag ging es mir so gut, daß ich aufstehen konnte und spazieren ging, am zweiten Tag und am dritten Tag ging gar nichts mehr, ich hatte solche Schmerzen, daß man mir ständig Medikamente gab. 

Dr.Müller kam am dritten Tag und sah wie dreckig es mir ging, da sagte er, daß bei mir ein Halswirbel verschoben wäre und er veranlasste, daß ich am nächsten Tag zur Orthopädischen Klinik ging. Dort bekam ich 2 Spritzen, die mir den Schmerz nahmen, ich war so erleichtert und als ich wieder auf die Station kam, ging gar nichts mehr. 

Dort bekam ich einen Medikamentenschock und wurde auf die Intensivstation verlegt, wo ich solche Angst empfand, daß ich glaubte zu sterben, ne ne ich lebe noch. 

Am nächsten Tag wurde ich wieder auf meine Station verlegt, wo ich meinte, schlimmer kann es nicht mehr kommen. Aber leider doch! 
Meine Schmerzen am Hals und Nacken waren verschwunden, aber die Schmerzen am Kopf waren höllisch, man sagte mir, es sind Wundschmerzen und werden nach 6 Wochen vergehen, also nahm ich es an, daß das stimmte. 

6 Wochen vergingen und die Schmerzen wurden immer intensiver, so daß ich manchmal mit dem Kopf gegen die Wand gerannt wäre und ich bekam kreisförmigen Haarausfall. Ich war so froh, daß ich wieder ins Klinik mußte wegen der Anpassung, so konnte ich Dr. Müller sagen, was mit mir los ist, weil ich schon verschiedene Ärzte aufgesucht habe und immer das gleiche zuhören bekam: „Gehen Sie wieder nach Würzburg, die haben es Ihnen eingebrockt."

So kam es auch als ich schon erhebliche Probleme mt der Anpassung bekommen habe, wo ich erhebliche Gleichgewichtsstörungen bekam und unerträgliche Schmerzen. 
Es wurden 5 Tage Aufenthalt in der Klinik, man fand die Ursache, jetzt bin ich Patient in der Schmerzambulanz und muß meine Medikemente einnehmen, damit ich einigemaßen ein Leben führen kann ohne ständige Schmerzen.

Ich bereue tief, daß ich mich je operiert lassen habe, denn ich kann bis heute mein CI nicht tragen, wegen der Schmerzen, die die Elektronen verursachen. 

 

Ob dieser Bericht je auf diese Seite erscheint, zweifele ich sehr daran! Weil er NEGATIV ist! 

  • Erstellt am .

CI-Erfahrungen aus "Behinderung & Pastoral"

6 Jahre Cochlear Implant – Leben mit „Sound and Silence"
 
Herr Andreas Heek aus Köln bat mich, einen Erfahrungsbericht zum Thema Cochlear Implant (CI) zu schreiben. Die meisten Erfahrungsberichte werden in der ersten Zeit nach der Anpassung geschrieben, wenn vor Begeisterung und Glück wieder hören zu können quasi „das Herz überläuft". Was schreibt man nun, wenn man bereits seit mehreren Jahren ein CI hat und es so selbstverständlich zum Leben dazu gehört, wie z.B. eine Brille. Die man morgens aufsetzt und abends vorm Schlafen wieder ablegt. Die auch mal beschlägt oder störend ist. Aber die man letztendlich nicht missen möchte.
 
Nun von Anfang an. Ich bin 39 Jahre alt. Nach einer guthörenden Kindheit und normalem Spracherwerb, setzte bei mir in früher Jugend eine fortschreitende Schwerhörigkeit ein. Die Ursache ist unbekannt. Mit 14 Jahren bekam ich die ersten Hörgeräte angepasst. Ich absolvierte trotz Schwerhörigkeit das Abitur an einem normalen Gymnasium und ging dann zum Studium an die Uni. Zum Ende des Studiums hin war ich bereits an Taubheit grenzend schwerhörig geworden. Ein offenes Sprachverstehen ohne Lippenlesen (z.B. beim Telefonieren) war kaum noch möglich. Beruflich hatte ich Glück und fand trotz extremer Schwerhörigkeit eine meiner Ausbildung entsprechende Anstellung im öffentlichen Dienst.
 
Zur damaligen Zeit (Ende der 80er) wurden bereits Cochlear Implantate implantiert, jedoch nur bei völlig ertaubten Menschen. Und da diese meist bereits seit Jahrzehnten taub, der Hörnerv und das Hörzentrum also „hörentwöhnt" waren, waren die Erfolge oft nicht so berauschend. Für mich mit meiner fortschreitenden Schwerhörigkeit war es jedoch tröstlich zu wissen, dass es da „noch einen Strohhalm gab", wenn ich mal völlig ertauben sollte. 
 
Durch meine Kontakte im Deutschen Schwerhörigenbund und in der Hörbehindertenselbsthilfe lernte ich in den Folgejahren auch immer mehr CI-Träger persönlich kennen und merkte, dass die Entwicklung im Bereich CI in den 90er Jahren rasant voran ging. Das manche Menschen mit CI telefonieren konnten, was ich mit Hörgeräten schon seit Jahren nicht mehr schaffte, war schon beeindruckend. Ich las Bücher und Berichte im Internet zu diesem Thema. Und nach einem Vortrag von Frau Herzogenrath (selbst CI-Trägerin und Autorin des Buches „Mein Weg aus der Stille") in Düsseldorf im Frühjahr 1996 schrieb ich dann ein Fax an die Medizinische Hochschule Hannover und bat um einen Voruntersuchungstermin. Mittlerweile wurden auch Menschen mit Restgehör in der MHH operiert, und die Erfolge waren zum Teil umwerfend.
 
Die Untersuchung war im Juli 1996, die Ergebnisse waren gut, versprochen wurde mir nichts, der Chefarzt sprach jedoch davon, „ich hätte gute Chancen" und Ende August war dann die Operation. Die OP war nicht so schlimm, die Wundschmerzen waren gut erträglich und am Abend konnte man bereits wieder aufstehen. Allerdings hatte ich Probleme mit der Wundheilung und so wurden aus den geplanten 10 Tagen Krankenhausaufenthalt 3,5 Wochen. Eine sehr langweilige Zeit für einen tauben Menschen in einer Riesenklinik weit weg von Zuhause.
 
Im Oktober 1996 (ca. 6 Wochen nach der OP) war dann die Erstanpassung des Sprachprozessors und das Abenteuer des Wiederhörenlernens begann. Dazu wurde ich wieder stationär in der MHH aufgenommen und es wurde vormittags und nachmittags je ca. 1 Stunde Hörtraining durchgeführt.
 
An die genauen Einzelheiten erinnere ich mich nicht mehr richtig. Ich weiß nur, dass alles ziemlich verwirrend war. Nichts klang so, wie man es gewohnt war oder erwartet hatte. Die Fülle der Geräusche war umwerfend, zumal nun auch die hohen Töne wieder für mich hörbar waren, mit Hörgeräten hatte ich zuletzt nur bis ca. 1000 Hertz hören können. Die vielen Einstellungsmöglichkeiten am Sprachprozessor (ich hatte ein CI von Clarion) warfen Fragen auf. Mit welchem Programm, mit welcher Lautstärke, mit welcher Empfindlichkeit sollte ich denn nun anfangen? Sollte ich wild hin und her zappen oder es mit irgendeiner Einstellung erst mal langsam versuchen ?
 
Einige Menschen berichten, dass sie nach der Erstanpassung sofort Sprache verstehen können (wenn auch verzerrt oder wie mit Computerstimme von weit her), bei mir war das nicht so. Stimmen waren für mich nur aus nächster Nähe hörbar (vielleicht war ich damals nicht mutig genug um es lauter einzustellen) und ein offenes Sprachverstehen (d.h. ohne Lippenlesen) entwickelte sich erst langsam nach ein paar Tagen. Als ich am Ende der ersten Woche am Telefon ein paar Worte verstand war ich happy.
 
Die nächsten Wochen und Monate mit dem CI waren ein einziger Rausch. Ständig gab es akustisch Neues zu entdecken, wieder zu erkennen und wieder zu hören. Der Klang wurde von Tag zu Tag besser und „normaler". Es ist erstaunlich, wie flexibel selbst das Gehirn eines Erwachsenen ist und sich anpassen kann. Technisch gesehen bietet ein CI mit seinen paar Elektrodenpaaren nur Bruchstücke dessen an Hörinformation, was ein Guthörender mit seinen ca. 20.000 Haarsinneszellen übermittelt bekommt. Trotzdem funktioniert es und kommt einem Wunder gleich.
 
Zunächst musste ich wieder hören lernen, dann wieder weghören lernen, d.h. lernen unwichtige banale Geräusche, die am Anfang ständig meine Aufmerksamkeit auf sich zogen, einfach zu ignorieren.
 
Verblüffend war für mich, dass ich nach einigen Monaten auch mit Musik zurecht kam. Es hieß vorher, ein CI ist für Sprache programmiert, Musik klingt unschön. Das trifft für mich nur in Einzelfällen zu. Sehr gerne höre ich Popmusik-Oldies, die ich von früher kenne und die nach 3-4maligem Hören fast wieder normal klingen. Beeindruckend ist auch, dass die geballte Klangkraft eines Symphonieorchesters zu einem angenehmen Gesamtklang verarbeitet wird und keineswegs ein grässlicher Geräuschcocktail ist. Was mir aber bis heute Probleme bereitet, ist die Orgel in der Kirche, besonders dann, wenn gleichzeitig auch gesungen wird. Hier spielt wohl die Lautstärke und die hallige Raumakustik eine Rolle, denn im Radio oder Fernsehen hört es sich angenehmer an.
 
Wichtig für mich sind jede Art von technischer Zubehörteile. Mit CI hört man nur in ruhiger Umgebung und über kurze Entfernungen gut. Ich brauche also ein Kabel für mein Telefon mit Induktionsspule zuhause und die Induktionsanlage im Verein, ein anderes Kabel für das digitale Telefon im Büro und eine Microlink-MiniFM-Funkübertragungsanlage fürs Fernsehen und bei Vorträgen, Schulungen usw. Ich probiere da immer wieder Neues aus, um das für mich Optimale zu finden.
 
Ich bin nur einseitig mit einem CI versorgt, die andere Seite ist taub, (mittlerweile gibt es auch Menschen mit beidseitiger CI-Versorgung oder mit CI auf der einen und Hörgerät auf der anderen Seite), das bedeutet, dass ich keinerlei Richtungsgehör habe und vor allem bei Nebengeräuschen schlecht verstehen kann (Party-Cocktail-Effekt).
 
Bei den jährlichen Kontrolluntersuchungen und Tests in der MHH komme ich unter optimalen Hörbedingungen auf Traumquoten von 65-70 % im Einsilberverstehen und ca. 97 % im Satzverstehen. Wird bei diesen Tests ein Rauschen im Abstand von 10-15 Dezibel zur Sprache untergemischt, verstehe ich jedoch kaum noch etwas.
 
Das gute Verstehen ist zum Teil immer noch ein gutes Kombinieren, Sätze und Texte verstehe ich gut, einzelne Worte schlechter, ganz schwierig wird es z.B. bei Namen am Telefon, auch wenn diese buchstabiert werden, verstehe ich sie oft nicht.
 
Am Telefon bin ich davon abhängig, dass mein Gesprächspartner durch langsame und deutliche Aussprache Rücksicht nimmt. So kann ich mitunter mit Wildfremden fließend telefonieren, aber erlebe auch hin und wieder am Telefon „mein persönliches Waterloo", wenn der andere nuschelt, Dialekt oder zu schnell spricht.
 
So ist also mein heutiges Leben ein ständiges Wechselbad zwischen gutem Verstehen und nicht Verstehen. Eine kleine Veränderung in den Umgebungsbedingungen (Störgeräusche, hallige Räume, große Abstände, schlechte Aussprache) führt schnell zum Nichtmehrverstehen.
 
Auch gibt es immer noch Momente der völligen Taubheit, beim Schlafen, Duschen, Schwimmen und immer dann wenn die Batterie alle 7-8 Stunden schlagartig leer ist. Es ist ein Leben mit „Sound and Silence". Trotz aller „technischen Widrigkeiten" ist es ein schönes Leben und ich möchte das CI nicht mehr her geben.
 
Zur Zeit habe ich noch den alten Taschensprachprozessor von Clarion, den ich 1996 bekam. Die neueren Modelle sollen besser sein, auch ist ein HdO-Prozessor schon im Test. Aber solange dieser nicht alle Anschlussmöglichkeiten bietet, wie ich sie gewohnt bin, bin ich skeptisch.
 
Auch darf man bei aller Begeisterung nicht vergessen, dass nicht jeder mit einem CI so gut zurecht kommt. Die Erfolge sind doch sehr unterschiedlich. Das hat zum Teil medizinische Gründe, z.B. die Funktionsfähigkeit des Hörnervs, die Anatomie der Hörschnecke usw.. 
 
Die „Hörhistorie" ist wichtig: frühertaubt, spätertaubt, langsam oder plötzlich ertaubt, resthörig, lange Zeit taub gewesen, lautsprachkompetent usw. 
 
Ein erwachsener Gehörloser, der nie Sprache akustisch wahrnehmen konnte, wird in der Regel nicht mit einem CI versorgt, da es kaum was bringt. Andererseits haben spätertaubte/resthörige Menschen, die volle Sprachkompetenz besitzen und die evtl. durch jahrelange Schwerhörigkeit bereits gelernt haben aus minimalen Hörresten „das Beste zu machen", oft sagenhafte Erfolge. (Zum Thema Kinder und CI möchte ich mich nicht äußern, da gelten wieder andere Regeln.)
 
Ganz besonders wichtig ist aber die persönliche Motivation und Geduld: „Will ich wieder neu hören lernen, auch wenn es vielleicht sehr mühsam wird und anders klingt als erwartet ?!"
 
Es ist ein wunderbares Abenteuer und kein Arzt der Welt kann einem voraussagen, was einen erwartet, wenn man sich darauf einlässt.
 
Martina Graf
Troisdorf
 
 
Erschienen in:
Zeitschrift „Behinderung & Pastoral"
Referat Behindertenseesorge
Georgstr. 20
50676 Köln
 
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