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Persönliches zum Buch "Mein Weg aus der Stille"

Nach mehreren Hörstürzen im Jahr 1998 war ich fast komplett ertaubt. Bei Voruntersuchungen, ob ein CI bei mir zum Einsatz kommen kann, stieß ich in einem Wartezimmer der Uni-Klinik Homburg auf einen interessanten Buchtip in der dort ausliegenden Schnecke.
 
Noch am gleichen Tag bestellte ich mir dieses Buch und verschlang es an einem Abend. Dieses Buch wurde zu meinem Begleiter für die nächsten Wochen und Monate, in welchen ich mein CI erhielt und die ersten Erfahrungen damit sammeln konnte.
 
Besser als es die Ärzte konnten, wurde ich hier über jeden anstehenden Schritt informiert. Die Autorin dieses Buches erklärte aber nicht nur sehr genau die medizinischen Schritte, sondern beschrieb auch ihre Gefühle und Ihr persönliches Erleben. Oft konnte ich mich genau in sie hineinversetzen.
 
Das Ertauben und die darauf folgende CI-Operation waren für mich mit vielen Ängsten und Unsicherheiten behaftet. Dieses Buch hat mir dabei geholfen, diese schwierige Zeit gut durchzustehen.
 
Und ich möchte der Autorin Frau Marlis Herzogenrath an dieser Stelle noch einmal meinen persönlichen Dank für dieses Buch aussprechen.
 
 
Gunter Schneider

Ein Nachtrag hierzu:
 
Wie die Schnecke in Ihrer Ausgabe Nr.410 berichtet, wurde das Buch von Marlis Herzogenrath in 2. Auflage von der DCIG herausgegeben. 
 
Es kann bestellt werden für 10 €+2 € Versand bei: DCIG, Postfach 3032, 89253 Illertissen, Fax 07303/43998, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
 
Auch der CIV HRM verfügt noch über einige Exemplare dieses Buchs, es kann daher auch direkt bei der Schriftführung bestellt werden.
 

Michael Schwaninger 

 

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Aus der Stille "Neues Hören"

Mit dem CI ein neues Leben
 
Heute ist mir bewusst, dass ich auf dem rechten Ohr wahrscheinlich schon immer gehörlos war. Auf früheren Fotos ist deutlich zu sehen, dass ich meinen Kopf immer so gehalten habe, dass ich mit meinem linken Ohr gut hören konnte.
 
Mein ganzes Leben war geprägt von diesem Nichtshören und doch keiner, auch meine Eltern nicht, haben oder hatten mir geholfen die Situation zu erkennen oder zu meistern. So weit ich mich entsinnen kann, war mir schon in der Volksschule das Fach Singen ein Greuel, denn nur mit einem hörenden Ohr kann man einfach nicht gut singen. Auf dem Gymnasium war es ebenso.
 
Mit sechzehn Jahren fing bei mir das linke Ohr über Nacht an plötzlich stark nachzulassen und ich bekam damals eine Hörbrille. Wobei die Brille an dem Ding noch das beste war. Einhergegangen war die ganze Geschichte mit heftigen Kopfschmerzen. Damals wurden zahlreiche Untersuchungen in der Uni-Klinik Würzburg gemacht. Vermutet wurde eine Meniersche Erkrankung, in den Befunden war aber meine Schwerhörigkeit als unbekannte Ursache dokumentiert. Meine Eltern, aber auch ich hatten keinerlei Ahnung wie man mit der Schwerhörigkeit umgehen muss und überall hieß es nur: „lass den gehen, der hört ja nichts" oder „der simuliert", „guck doch, das hat er ja verstanden". Schon damals hatte ich gelernt und mit meiner Mutter geübt, vom Mund abzulesen. Bis heute war und ist diese Fähigkeit, die ich fast perfekt beherrsche, 
eine große Hilfe.
 
Vielen Hörenden ist einfach nicht klar, dass man sich auf seinen Gegenüber einstellen kann und oft seine Antwort schon im voraus weiß, wenn man die Thematik kennt. Mein Wunsch war immer Betriebsingenieur zu werden, denn auch heute noch bin ich vielseitig an vielen technischen und handwerklichen Dingen interessiert. Neues ist für mich immer interessant.
 
An ein Studium war damals nicht zu denken, schon weil meine Eltern und aber auch ich nicht wussten wie. Zudem hatte ich damals starkes Asthma, was zu häufigen Erkrankungen führte und mit 15 Jahren nach einer erstmaligen längeren Abwesenheit vom Elternhaus zu einer Kinder-Kur völlig verschwand.
 
So gingen die Jahre ins Land und entgegen vielen Meinungen habe ich in einem Prozess vor dem Sozialgericht eine Umschulung durchgedrückt. Bei dieser Umschulung lernte ich meine heutige Frau kennen, und habe dieses Kennenlernen nie bereut. Meine Frau ist und war mein drittes und mein viertes Ohr. Ohr Nummer fünf, dazu komme ich noch später.
 
Ich habe mein ganzes Leben lang versucht zu hören. Es gibt kaum ein Mittel, eine Behandlung oder eine Erfindung, die ich nicht ausprobiert habe. Von Tabletten, Spritzen, Hypnose, Yoga, autogenes Training, Frischzellen, Trockenzellen, Tinkturen, Bestrahlungen und Salben kann ich Ihnen alles mögliche erzählen, nur eines nicht, dass das Mittel geholfen hat. Mein Gehör wurde im Laufe der Zeit immer schlechter. 
 
Mit dem Schlechterwerden wurde mein Freundes- und Bekanntenkreis auch immer kleiner, weil es immer mehr Probleme mit dem Hören, aber auch mit mir selbst gab. Ich hatte ein Motorboot, hatte einen Wohnwagen, habe geangelt, gekegelt, getanzt, bin Autorennen gefahren, alles mögliche und unmögliche angestellt, um zu beweisen: „Ich kann das auch", nicht nur Hörende, ich kann mithalten. Meinen beruflichen Werdegang habe und hatte ich auch nur zusammen mit meiner Frau durchführen können. Sie hat immer mit einem Ohr für mich gehört. Anscheinend bin ich nun mit 61 Jahren in den „Wechseljahren", denn voriges Jahr im Frühjahr 2001 hatte ich schon eine deutliche Verschlechterung bemerkt und dies ist bis zum Sommer so rapide schlechter geworden, dass ich große Probleme selbst mit dem Verstehen meiner Frau hatte. Da erinnerte ich mich an eine Dame, die ich von einem Seminar in Rendsburg her kannte. Ihr damaliger Name war Hanna Stuhr aus Wischhafen an der Elbe. Heute vielen von der Zeitschrift Schnecke her als Hanna Hermann bekannt. Sie hatte ein Cochlea-Implantat damals bekommen und zwar in Hannover. Da fiel mir Hanna wieder ein. 
 
Da ich weder ein noch aus wusste mit meinem „Hören", setzte ich mich an meinen Computer und suchte, die Adresse der Medizinischen Hochschule Hannover heraus. Meine Frau rief dort an und bekam einen Termin im Oktober 2001 zur Vorstellung in Hannover. Dort wurde mir nach einer speziellen Computertomographie des Hörzentrums geraten, das Implantat in mein linkes Ohr, wo sich noch ein geringer Hörrest befand, implantieren zu lassen, da die Erfolgsaussichten wesentlich besser seien. Gegen die Bedenken meiner Frau habe ich dies auch durchführen lassen. Mein Motto ist: „Ich will hören" und zwar so gut als möglich. Nach weiteren Untersuchungen wurde ich dann im August 2002 mit einem Cochlea-Implantat von Clarion versorgt. Seit der Operation bin ich auf beiden Ohren gehörlos. Ob Med-El, Nucleus oder Clarion, die Cochlea-Implantate sind alle gut. Mich für ein Clarion zu entscheiden, wurde durch den Kontakt mit Klaus Grünwald ausgelöst. Ich war begeistert, wie gut er hören konnte. Klaus habe ich anlässlich des Besuchs der CI-Selbsthilfegruppe Frankfurt kennen gelernt, in der sich Sigrid und Wolfgang Kaiser sehr engagieren. 
 
Vier Wochen nach der Operation, am 16. September 2002 bekam ich mein „fünftes Ohr", den Sprachprozessor angepasst. Das erste was ich damit hörte war schrecklich! Krach, Lärm, Geräusche, undefinierbares Gebrabbel und weitere komische Sachen. Nach 15 Minuten (!) hörte ich das erste Mal (!) eine Triangel, nicht gut deutlich, aber ich hörte die Triangel aus anderen Geräuschen heraus. Nach einer Stunde habe ich schon etwas von meiner Frau verstanden, natürlich auch mit Mundablesen zusammen. 
 
14 Tage nach meiner Operation war Gründungsversammlung vom CIV HRM in Frankfurt. Natürlich war ich dabei, aber noch gehörlos, weil ich noch keinen Prozessor hatte. Nach nur drei Wochen war ich in Frankfurt am 12. Oktober endlich mit meinem „fünften Ohr" dabei und muss sagen, dass ich mit Mundablesen und hören keinerlei Probleme hatte. Meine übrigen „vier Ohren" waren nicht funktionsfähig bzw. nicht vorhanden. Ab sofort hatte ich nur noch meinen braunen Lauscher und ich muss sagen, dass ich damit wunschlos glücklich bis heute bin. Ich kann wieder „hören", wirklich richtig „hören", nicht raten, nicht vom Mundablesen und nicht nach meiner Frau gucken, welches Gesicht sie gerade macht. 
 
Jetzt habe ich fünf Wochen Hörtraining in der Baumrainklinik in Bad Berleburg hinter mir und habe meinen Prozessor seit drei Monaten auf Empfang. Am 17. Dezember 2002 wurde bei mir in Hannover ein ganz neues Programm eingegeben, das völlig neu ist und alle 16 Elektroden sind nun im Betrieb. Ich kann telefonieren auch mit fremden Personen, habe beim Umgang mit Freunden und mit meiner Frau keinerlei Probleme mehr, kann selbstständig ohne meine Frau Geschäfte abschließen und bin nun dabei mir ein ganz neues Selbstbewusstsein aufzubauen. Ich versuche und mache schon vieles ohne mein „Ohr Nummer drei und vier" und es geht wunderbar. 
 
Es muss jedem klar sein, dass ein Sprachprozessor kein Musikprozessor ist, denn die übertragene Frequenz von ca. 250 Hertz bis ca. 8000 Hertz entspricht in etwa nur der Sprache eines Guthörenden, während Musik, Singstimmen und andere Geräusche von Hörenden weit darüber hinaus wahrgenommen werden. Doch die Technik schreitet immer weiter fort und die Chips in dem Prozessor werden immer leistungsfähiger. Eines Tages gibt es wahrscheinlich voll implantierte Hörcomputer, Mikropumpen mit Hormonen, die die Hörschnecke wieder funktionsfähig machen und Prozessoren, die das volle Spektrum eines Guthörenden übertragen können. 
 
Ich habe mir einen MP3-Spieler zugelegt und habe auf diesen von meinem Computer mir bekannte Musiktitel übertragen. Nun höre ich stundenlang und singe manchmal Lieder mit, die mir bekannt sind. Die Musikgeräusche sind als Störgeräusch zu betrachten und so übe ich gleichzeitig mein Hören. Nur das Singen ist nach Auskunft meiner Frau natürlich in den Ohren von Guthörenden kein Singen, mit einem Lauscher geht es auch schlecht, sondern mehr das Hören der eigenen Stimme. Aber ich möchte auch noch so einen zweiten „Lauscher". Mal sehen ob es klappt.
 
Um mich herrscht die große Stille, 
nicht ein Laut durchdringt das dichte Zelt, 
es war einfach Gottes Wille,
nichts zu hören auf dieser Welt.
Doch jetzt hab ich einen Lauscher,
der für mich die Ohren ist,
er ist der Weg aus meiner Stille, 
alles ist nun wieder lauter, 
hör ich doch die ganze Welt,
wunschlos ist mein Glück bestellt.
 
Nach meinen Erfahrungen und Beobachtungen möchte ich noch anmerken, dass ein Cochlea-Implantat nur sinnvoll ist, wenn noch das Hörzentrum im Gehirn intakt ist. Verschiedene Gehörlose, die noch nie gehört haben und ein Implantat haben, lehnen das Implantat ab, es mache nur Krach usw. und benutzen es nicht. 
 
Es ist eine Hörprothese und man muss Bereitschaft mitbringen, das Hören neu zu erlernen, nur so ist das Hören damit dann auch ein Erfolgserlebnis. 
 
Ich möchte meinen Lauscher nicht mehr missen.

 

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Mein Weg zum CI (B. Becker)

Meine Schwerhörigkeit begann vor etwa 20 Jahren mit leichter Hörminderung. Da meine Mutter und Großmutter auch schwerhörig waren, stand für mich fest, dass es sich um eine Vererbung handelte, was mir auch später von einem HNO-Arzt bestätigt wurde.
 
Bis vor 3 Jahren kam ich mit meiner Schwerhörigkeit ganz gut zurecht. Es reichte noch, um selbstständig im Berufsleben und im Alltag zurecht zu kommen. Da bei der Art von Schwerhörigkeit, ein totaler Hörverlust im Hochton, der Tiefton jedoch noch gut vorhanden war, Hörgeräte bei mir kaum helfen konnten, verwahrte ich sie meist in der Schublade auf.
 
Nach einer Erkältung vor drei Jahren wurde mein Gehör zunehmend schlechter. Im Januar 2000 verordnete mir die HNO-Klinik in Marburg neue Hörgeräte. Nun begann das Aussuchen und Probieren mehrerer Geräte, aber der ersehnte Erfolg blieb aus. Meine Enttäuschung wurde immer größer, hatte ich doch meine ganze Hoffnung auf Hörgeräte gesetzt.
 
Im Mai 2000 waren meine Ohren plötzlich wie zugeschwollen und alles hörte sich wie durch Watte an. Ich wurde sofort in die HNO-Klinik eingewiesen, wo ich 10 Tage Infusionen und Cortison bekam. Ohne Erfolg, die Watte im Ohr blieb und dadurch war das Spracheverstehen kaum noch möglich. Der Befund der Klinik: beidseitige Schallempfindungsschwerhörigkeit im Innenohr und akuter Tinnitus.
 
Damit wollte ich mich noch nicht abfinden. Ich habe auf eigene Kosten Akupunktur und 10 x Druckkammer machen lassen, wieder ohne Erfolg. Jetzt kam auch noch eine starke Depression hinzu, wodurch der Tinnitus immer schlimmer wurde. Ich war soweit, dass ich nicht mehr leben wollte. Ich zog mich mehr und mehr zurück, konnte meinen Beruf nicht mehr ausüben, selbst die Hausarbeit fiel mir schwer.
 
Im Oktober 2000 machte ich dann einen siebenwöchigen Kuraufenthalt in Bad Arolsen in einer Tinnitus Klinik. Dort wurde ich wieder etwas aufgebaut. Man machte mir klar, dass es keine andere Möglichkeit für mein schlechtes Hören gibt als Hörgeräte, die ich dann auch gekauft habe. Nur mein Hören wurde dadurch auch nicht besser. Es folgten noch Gesprächstherapien beim Psychologen, Untersuchung beim Kieferorthopäden, Internisten, Neurologen, Orthopäden, alles vergeblich. Mein Gehör wurde nicht besser.
 
Im Januar 2002 suchte ich wieder einen HNO-Arzt auf, der nach gründlicher Untersuchung einen totalen Hörverlust im linken Ohr feststellte. Nachdem ich in einer Schnecke Berichte über CI gelesen hatte, sprach ich den Arzt darauf an. Von Ihm bekam ich dann auch die Adresse und die Überweisung für die HNO-Uniklinik Frankfurt.
 
Hier wurde mir nach einigen Untersuchungen ein CI empfohlen. Da ich auf meinem linken Ohr sowieso kein Gehör mehr hatte, gab es keine Zweifel, schlechter konnte es ja nicht mehr werden. Im Juni 2002 wurde mir ein CI von Med-El implantiert.  
 
Die OP verlief problemlos. Ich konnte schon nach fünf Tagen die Klinik verlassen. Im Juni wurde mir dann der Sprachprozessor angepasst. Auch bei mir war das Verstehen anfangs noch sehr schlecht. Ich konnte Geräusche hören, aber keine Sprache verstehen. Im Oktober 2002 bin ich dann fünf Wochen zu einem stationären Hörtraining nach Bad Berleburg gefahren, wo sich durch häufigere Einstellungen meines CIs der Hörerfolg deutlich verbesserte.  
 
Ich kann jetzt schon besser hören als vor zwei Jahren mit Hörgeräten. Für mich ist das Hören ohne CI kaum noch denkbar. Mit Bedauern musste ich feststellen, wie wenig HNO-Ärzte oder Kliniken über Cochlear Implantate Bescheid wissen. Bei meinen Fragen danach, wurde immer ablehnend reagiert. Meist hieß es, wollen Sie sich etwa operieren lassen, damit können sie auch nicht besser hören. Es gibt doch heute gute Hörgeräte, erst bei einer kompletten Ertaubung ist ein CI ratsam. Deshalb ist es wichtig, die Öffentlichkeit auf unseren guten Hörerfolg aufmerksam zu machen, damit es „hoffnungslos Schwerhörigen" besser ergeht, als es  mir ergangen ist und man die fast gehörlosen Menschen nicht einfach ihrem Schicksal überlässt.
 
Heute weiß ich, dass man mir auch schon vor zwei Jahren hätte helfen können, wenn ich einen Arzt gefunden hätte der einem CI gegenüber positiv eingestellt wäre.

Brigitte Becker: Auf dem Foto links 

 

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Ein Traum ging in Erfüllung

Ein Traum ging in Erfüllung von Anna Krott
 
Bevor ich von meinem Weg zum CI berichte, möchte ich mich kurz vorstellen. Ich bin 40 Jahre alt, verheiratet und habe einen Sohn(20 Jahre ) und eine Tochter(16Jahre ).
 
Schwerhörig wurde ich durch eine Kinderkrankheit (Masern) in meinem 6. Lebensjahr. In dieser Zeit besuchte ich die Volksschule in meinem Heimatort. Eines Tages hörte ich etwas schlechter. Ich verstand damals auch nicht so recht, was mit mir los war. Doch meiner Mutter war es schon aufgefallen, denn ich wusste nicht einmal was ich an Hausaufgaben aufhatte. Sie fragte sich: Entweder sie weiß es nicht oder sie will es nicht oder sie kann es nicht. Ein richtiger Alptraum begann. Nach langem hin und her wurde ich vom Gesundheitsamt untersucht. Dort stellte man fest, dass ich schwerhörig sei. Damals besuchte ich die 4. Klasse. In der HNO–Klinik Würzburg wurde meine Schwerhörigkeit bestätigt. Man sagte uns, dass man diesen Hörverlust durch Hörgeräte ausgleichen kann. So bekam ich mein 1.Hörgerät auf der linken Seite. Zu dieser Zeit hatte ich einen Hörverlust von 60%. Im September 1974 musste ich in die Schwerhörigenschule nach Würzburg. Dies war für mich ein großer Schock. Von heute auf morgen war alles anders. Meine Eltern, meine Schwester, meine Oma und meine Freunde durfte ich für eine Weile nicht mehr sehen, da ich im Heim lebte. Mit der Zeit gefiel es mir aber gut. Es war eine meiner schönsten Zeiten. Nach dem Schulabschluss machte ich eine Lehre als Hauswirtschafterin. Dabei besuchte ich die normale Berufsschule und hatte keine Probleme. 
 
1982 heiratete ich, 1983 kam mein Sohn zur Welt, 4 Jahre später meine Tochter. Die Elternabende der Kinder im Kindergarten und in der Schule konnte ich solange es ruhig zuging, gut verfolgen, da ich das Lippenablesen beherrschte. Ob im Beruf, Freizeit, Kindergarten, Schule, Kirche, Veranstaltungen, Sportplatz u.s.w., ohne dass ich die Leute von vorne sah, hörte ich gar nichts. Telefonieren konnte ich nur mit Hörhilfe, fernsehen nur mit Untertitel . Beim Radio hörte ich nur, dass er angeschaltet war, aber ich konnte nichts verstehen. Musik hörte ich zwar gerne, verstand aber nichts vom Text.
 
Je älter ich wurde um so schlechter wurde mein Gehör. Dabei wurde ich immer unzufriedener und baute auch körperlich ab. Es folgten Gesprächstherapien bei Psychologen, Orthopäden, Ärzten u.s.w. Zum Schluss simulierte ich. Eines abends kam die Sendung „Die Sprechstunde" in Bayern 3. Hier wurde über das CI, das in der MHH in Hannover implantiert wird berichtet. Das war 1995. Voller Hoffnung dachte ich, das ist was für mich. Einen Termin hatte ich auch, doch geholfen wurde mir dort nicht. Mein Leben wurde immer unerträglicher. Immer wieder wurde mir gesagt: „Anna das hast du nicht richtig gehört" oder „Das ist nicht so." Mit der Zeit fühlte ich mich als Mensch 2. Klasse. Im Job wurde es auch immer schlimmer. Dort wurde ich gemobbt. 
 
In meiner Not ging ich zu meinem Hörgeräteakustiker Herr Kockmann. Zu ihm hatte ich noch Vertrauen. Er sagte: „Frau Krott ich kann ihnen auch nicht helfen, denn es gibt keine Geräte ihrer Hörstärke auf dem Markt. Aber ich kenne eine Kundin, die sich ein CI einbauen ließ. Wenn Sie möchten, mache ich einen Termin in der HNO–Klinik in Würzburg bei Dr.Moser. Der ist selber Hörgeräteträger.
 
 
 
Am 20.02.2002 war es soweit. Dr. Moser hatte viel Zeit für meine Fragen. Mit einem Prospekt und gemischten Gefühlen ging ich nach Hause. Tag und Nacht überlegte ich, was ich machen sollte. Meine Mutter meinte: „Mein Gott Anna so was hast du vor. Als du das erste Mal in der HNO–Klinik warst sagten sie, dass deine Gehörnerven kaputt sind. Es ist nichts mehr zu machen." Ich sagte: „Mutter, das war vor Jahren. Die Medizin macht doch große Fortschritte. Ich lasse mich jetzt erst einmal drei Tage lang untersuchen." 
 
Gleichgewichtstest, Hörnerventest, Hörtests, CT und andere Untersuchungen wurden durchgeführt. Zwei Tage vor Ostern sagte man mir, dass ich für ein CI geeignet sei. Damals war ich zu 85 % schwerhörig. Anschließend hatte ich unendliche Ängste vor der OP, Narkose, Haare ab,.... Mit solchen Gefühlen entschied ich mich für die OP. Mein rechtes Ohr wollte ich opfern, denn wenn die OP nicht gelingen sollte, so konnte ich noch auf mein linkes Ohr zurückgreifen, denn hier trage ich schon seit 30 Jahren mein Hörgerät.
 
Der Einweisungstag am 03.07.2002 war da. Einen Tag später um 11:30 Uhr lag ich im OP. Dr.Müller und sein Team setzten mir das Cochlear-Implant von Med-El ein. Die OP verlief problemlos. Auf der Station waren Schwestern und Pflegern und alle anderen, die dazugehörten einfach super. Ihnen gehört mein herzliches Dankeschön. Für mich war dieser Aufenthalt Erholung.
 
Als ich nach 10 Tagen zu Hause war, fragte mich jeder: „Na Anna hörst du jetzt wieder besser ?", doch so schnell ging es nicht. Erst musste die Wunde heilen, dann wurde der Sprachprozessor angepasst. 6 Wochen später am 27.08.2002 war es soweit. Doch die Enttäuschung war groß. Eine Woche darauf war es schon etwas besser. Manche Geräusche hörte ich anders. Es war nicht unangenehm. Ich hörte Vögel, den Regen, Grillen, das Raschen des Baches, Blätter, meinen Atem. Alles hatte Wellen. Wenn ich an früher denke, so hörte ich alles nur in einem Ton. Mein Hörgerät ist analog, d.h. diese Tone und Geräusche sind alle nur ein „Gebrumm". Mit dem CI höre ich wellenartiger, klarer, sauberer, lauter. Mit Worten kann man dies schwer beschreiben. Es hört sich einfach schöner an .
 
Schnurlose Telefone und Handys waren für mich bis dahin out, da ich nichts hörte und auch nicht ran ging. Seit ich das CI habe, ist alles anders. Ich kann telefonieren. In der Kirche, bei Veranstaltungen, beim Fernsehen, Radio....
 
Ich habe das Gefühl dabei zu sein. Die Menschen in meiner Heimat sagen: „Schaut euch die Anna an. Sie hört ja und spricht nicht mehr so laut. So richtig verändert ist sie."
 
Meine Familie hatte nun ein Problem. Jetzt heißt es: „Was, das hast du gehört?" Oder „Nicht so laut, sie hörts !". Ich kann jetzt das Auto meines Sohnes hören, meinen Mann, wenn er von der Arbeit nach Hause kommt, meine Tochter im Treppenhaus, den Hund, wenn er schnarchte...
 
Insgesamt hatte ich noch zwei Prozessor-Einstellungen. Bei einer der Einstellungen sagte ich: „Ich weiß gar nicht, warum ich hier bin. Es klappt doch ganz super mit dem Hören." Als ich die Klinik verließ, schaute ich zum Himmel und hatte vor Glück Tränen in den Augen. 
 
Was ich mit dem Hörgerät links und dem CI rechts nicht kann, ist das Richtunghören. Zu einer Prozessoreinstellung begleitete mich mein Mann. Bei diesem Test hörte ich über den Lautsprecher genau so gut wie er und der Akustiker. Dort fragte ich auch, ob es mit einem zweitem CI noch besser werden kann. Die Auskunft war: „Vielleicht." Zur Zeit plane ich mein zweites CI .
 
Eine Reha oder ähnliches habe ich nicht mitgemacht. Dafür habe ich meine Umwelt, in der ich lebe und übe.
 
Auf diesem Wege möchte ich mich bei meinem Arbeitgeber, der Fa. Otto Hein aus Haibach mit Familie, bei Herrn Kockmann von Optik Schäfer (Wertheim), bei Dr. Müller und seinem Team von der HNO–Klinik Würzburg, bei Dr. Brix aus Dammbach, bei meiner Familie (die all die Jahre mit mir ausgehalten hat) und bei meinen Freunden und Bekannten herzlich bedanken.
 
Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Durch das Hören hat für mich ein neues Leben angefangen. Ich wünsche allen CI-Trägern von Herzen Glück und Erfolg.
 
Juli 2003
 
Anna Krott
Grabenweg 7
63874 Dammbach
Tel. und Fax 06092/6289
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