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Gespräche mit Hildegard Trauth im Bethesda-Cafe in Landau

Gespräche mit Hildegard Trauth
im Bethesda-Cafe in Landau

Von Gisela Mathä

Hildegard Trauth ist seit 2014 hörgeschädigt, erst mit Hörgeräten und seit 2016 mit Cochlea Implantat (CI) links versorgt. 2017 bekam sie auch das 2. CI (rechts) und hat nun zwei Rondos von MED-EL.

Sie ist 60 Jahre alt und lebt seit dem 10.05.2016 im Bethesda-Wohnheim in Landau. Sie ist dort die einzige CI- Trägerin. Sie ist in der Behindertenwerkstätte in Offenbach/Ld. 3x in der Woche berufstätig. Bei Kaffee und Kuchen unterhalten wir uns über dies und jenes. Hildegard und Gisela sind beide Mitglieder im CIV HRM e.V.

Ich (Gisela) frage sie: „Hildegard, bist Du mit Deinen CIs zufrieden?“

Hildegard: „Ich bin sehr zufrieden damit und sehr glücklich, dass es diese gibt.“

G: „Warum wolltest Du ein CI?“

H: „Mit Hörgeräten habe ich nicht mehr richtig gehört und das hat mich sehr, sehr traurig gemacht. Ich wollte unbedingt die Kirchenglocken läuten hören, und die Vögel wieder singen hören. Meine Schwester erfuhr von dem Implantat und wir informierten uns bei Dir.“

G: „Wie kommst Du zurecht mit dem CI, oder gibt es Probleme?“

H: „Am Anfang hatte ich Batterien, das war für mich etwas schwieriger diese zu tauschen. Jetzt habe ich für beide CIs Akkus und es ist für mich ein Kinderspiel. Meine Betreuer helfen mir bei Problemen.  Ich fahre mit meiner Schwester öfters nach Freiburg, dort wurde ich implantiert und bis heute werde ich dort versorgt“

G: „Wissen Deine Kollegen/innen und Mitbewohner, dass Du hörgeschädigt bist und Du zwei Cochlea Implantate hast? Haben sie Verständnis?“

H: „Ja, sie wissen es, doch oft muss ich ihnen sagen, dass sie langsamer und deutlicher sprechen sollen, das regt mich manches Mal auf, sie vergessen es öfters.“

G: „Was machst Du für eine Arbeit und macht sie Dir Spaß?“

H: „Meine Lieblingsarbeit ist das Schweißen. An einem Tag schweiße ich ca. 1525 Kleinteile zusammen, das sind Küchenschrauben. Ich bin in einer Gruppe und habe drei Betreuer, mit denen ich mich gut verstehe.“

G: „Hildegard, ich weiß, Du bist ein Zahlengenie und hast viele Zahlen im Kopf?“

H: „Ja, ich weiß alle Geburtstage von meiner Familie, von Freunden, Kollegen/innen, wie viele Meter ich am Tage laufe, (das habe ich mit einem Bewohner ausgemessen), wie groß mein Zimmer ist, viele geschichtliche Zahlen und auch wann Du Geburtstag hast! Ich kann mir Zahlen merken und vergesse sie nicht.

G: „Toll, Du bist einmalig! Was sind Deine Hobbys, was machst Du gerne in Deiner Freizeit?“

H: „Ich lese gerne, ich habe mich in unserer Werkstatt für Seidenmalerei angemeldet und freue mich sehr darauf. Ich bin gerne in der Natur und liebe die Tiere. Ich singe gerne Volksmusik und Weihnachtslieder, und höre auch gerne diese Musik. Ab und zu gehe ich in die Singstunde, die im Haus 1x im Monat angeboten wird. Das macht mich glücklich.“

G: „Würdest Du auch gerne mal ein Konzert besuchen?“

H: „Oh, ja, das wäre toll, geht aber nicht, weil ich im Heim wohne und kein Betreuer mitgehen kann, die sind alle beschäftigt.“

G: „Liebe Hildegard, da lassen wir uns einmal was einfallen, vielleicht geht es doch einmal!“

„Erst vor kurzem hast Du die beiden Rondos erhalten, „der Knopf am Kopf“. Gibt es da einen Unterschied zwischen den Hinterohrgeräten und den Neuen?“

H: „Der Rondo ist für mich 1000mal besser als die hinter dem Ohr! In der Coronazeit und bis jetzt muss ich Maske tragen. Auch trage ich eine Brille. Immer hatte ich Probleme mit dem Befestigen der Maske, und die Cis fielen mir immer vom Ohr. Das ist jetzt nicht mehr. Und das Schönste ist: ich verstehe besser mit dem neuen Rondo.“

G: „Liebe Hildegard, was wünschst Du Dir und was wünscht Du Dir von Deinen Mitmenschen?“

H: „Ich wünsche mir viel Gesundheit und dass ich nicht mehr am Rollator gehen muss. Durch einen Sturz bin ich gehbehindert. Ich wünsche mir, dass meine Schwester auch wieder gesund wird und keinen Rollstuhl mehr braucht. Vor kurzem ist mein Lieblingsbruder verstorben, das hat mich sehr traurig gemacht. Ich möchte keine Sterbefälle mehr! Meine Mitbewohner sind ok, manches Mal bin ich verärgert, weil sie nicht an meine Hörschädigung denken.“

G: „Liebe Hildegard, vielen Dank für das interessante Gespräch. Ich wünsche Dir, dass alle Deine Wünsche in Erfüllung gehen und viel Gesundheit. Weiterhin viel Freude mit Deinen beiden Rondos.“





Gisela Mathä
Mai 2023

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Das Beste aus zwei Welten

Das Beste aus zwei Welten

Von Julia Edler

und versorgt jetzt beidseits mit Cochlea Implantaten (CI) 

Hallo, mein Name ist Julia Edler (24 Jahre alt). Letztes Jahr habe ich einen Bericht geschrieben, wie bei mir die Schwerhörigkeit festgestellt wurde und welche Wege ich durchlaufen habe, zuerst mit Hörgeräten, anschließend die erste Operation links mit einem Cochlea Implantat und später dann rechts mit einer Vibrant - Soundbridge. 

Doch heute möchte ich euch in diesem Bericht meine Entscheidung und Erfahrungen mit meinem zweiten Cochlea Implantat mitteilen. 

Ich war seit 2008 links mit einem Cochlea Implantat versorgt und rechts seit 2010 mit einer Vibrant-Soundbridge. Doch wurde mir bereits damals schon gesagt, dass diese Vibrant-Soundbridge (Mittelohrimplantat) keine Dauerlösung sein wird. Denn dafür war mein Gehör schon zu sehr geschädigt, als dass ich damit bis an mein Lebensende hören könnte. Doch warum dann nicht gleich ein Cochlea Implantat, das fragt ihr euch sicherlich auch? Die Antwort war, dass meine Hörkurve damals noch zu gut für ein CI war und die Krankenkasse somit die Kosten nicht übernommen hätte.

Also bekam ich im Januar 2010 die Vibrant-Soundbridge. Ich machte gute Fortschritte und kam damit sehr gut zurecht, genauso wie mit dem CI auf der linken Seite. Die Jahre sind vergangen und im Jahr ca. 2019 merkte ich, dass sich mein Hören rechts verschlechtert. Dies bestätigte sich auch jedes Mal, wenn ich zur Jahreskontrolle musste. Die Ärzte rieten mir zu einem operativen Eingriff, damit ich auch rechts ein Cochlea Implantat bekomme.

Tatsächlich fühlte mich noch nicht bereit, denn die Ärzte konnten mir nicht garantieren, dass ich danach besser hören werde als momentan. Somit entschied ich mich gegen eine Operation, denn nicht zu vergessen, ich befand mich gerade in einer Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin.

Ich kämpfte mich durch die Ausbildung, was kommunikativ sehr herausfordernd war, denn es war zu dieser Zeit die Corona- Pandemie, d.h. Mundschutz und ich hatte kein Mundbild mehr zum Ablesen. Aber ich kämpfte mich durch, schrieb die Prüfungen und habe es geschafft. Danach begann ich wie im vorigen Bericht schon erwähnt, ab 01.08.2021 zu arbeiten.

Ich atmete tief durch und schaute, wie es von der Kommunikation her klappt, ich muss sagen mein Team war super, es klappte sehr gut mit der Kommunikation, denn ich konnte wieder auf den Mundbild schauen und habe alle super verstanden. Aber ich merkte halt in manchen Situationen, wie z.B. der Teamübergabe, wenn wir mehrere Leute an einem Tisch waren, dass es mir schwerfiel, den Gesprächen zu folgen und ich musste mehrmals nachfragen und vieles mehr. Ich merkte, es kamen immer mehr Dinge dazu, so dass ich so sehr vom Mundbild abhängig war. 

Ich suchte eine andere Klinik auf und bat um eine zweite Meinung, mein rechtes Ohr betreffend. Es wurden einige Untersuchungen gemacht und der Chefarzt bat mich dann ins Ärztezimmer. Er bestätigte mir, dass ich schlechter höre, und zwar in diesem Bereich der hohen Töne und gab mir einen Rat mich zu operieren. Er gab mir Bedenkzeit und sagte mir auch, dass die Möglichkeit besteht, aber die Entscheidung bei mir liegt.

Ich fragte ihn dann, ob ich danach besser hören würde, da mir das die andere Klinik nicht versichern konnte und er nickte mit dem Kopf und sagte: „Ja, mit der Reha, die anschließend ansteht, werde ich besser hören können, mit viel Geduld“, betonte der Chefarzt. Ich überlegte nicht lange, denn ich wusste, dass der Tag eines Tages kommen wird und entschied mich sofort für die Operation. Ich selbst wollte so nicht mehr weiterleben und wusste schlechter kann es nicht mehr werden, es kann nur noch bergauf gehen. Ich bekam dann den Termin für die Vorsorgeuntersuchung und den OP-Termin gleich mit. 

Am 12.04.22 war es so weit, genau gesagt der OP-Termin. Ich bin morgens ins Krankenhaus gegangen, bekam ein Zimmer und meine Sachen für die Operation. Dann hieß es warten und warten. Die Zeit, zu warten, bis es in den OP-Saal ging, zog sich sehr in die Länge, genau gesagt waren es fünf Stunden, die ich warten musste. Zum Glück hatte ich in dieser Zeit, seelische und moralische Unterstützung bekommen von meiner Familie und Freundinnen. 

Die Operation verlief problemlos, als ich abends auf meinem Zimmer kam, durfte ich dann erstmal was essen. Leider merkte ich schnell, dass mein Geschmacksnerv wieder getroffen wurde, wie damals 2010 auch. Ich habe die Ruhe bewahrt, denn ich wusste, dass es wieder weggehen wird, spätestens nach dem 5 Tag oder es bleibt für immer.

Ich habe auch starke Schmerzen gehabt und bekam nochmal Schmerzmittel dagegen. Bevor ich schlafen gehen wollte, wurde es mir schlecht und ich musste mich übergeben, doch danach war alles wie weggeblasen und mir ging es sehr gut auf einmal.

Ich legte mich hin und versuchte einigermaßen zu schlafen und mich zu erholen von der CI- Operation. Am nächsten Morgen kam die Krankenschwester herein, um Blutdruck zu messen und zu schauen, wie es mir geht. Mir ging es gut und dieses teilte ich der Krankenschwester mit, doch als sie das Frühstück reinbrachte und ich mich aufrecht hinsetzten wollte, wurde es mir schlecht und ich hatte Kreislaufprobleme, ich fing an zu weinen und bekam Panik.

Die Krankenschwester fragte mich, ob ich eine Infusion mit einem Mittel gegen die Übelkeit bekommen möchte, sie würde es mit den Ärzten abklären. Doch ich wollte es nicht und hoffte, es selbst in den Griff zu bekommen und legte mich hin. Ich muss dazu sagen, ich bin eine Person, die nicht gerne Medikamente nimmt. Doch nach fünf Minuten kam sie nochmal rein und ich bat sie weinend, ihr Angebot doch anzunehmen. Sie klärte es ab und kam dann mit einer Infusionsflasche wieder, in die schon das Mittel gegen Übelkeit reingespritzt wurde und zur Stützung des Kreislaufs.

Sie meinte dann, dass es müde macht, aber es mir danach besser gehen wird. Sie schloss die Infusion an und nach einem Viertel der Infusion schlief ich ein und habe bereits nochmal 1 1/2h bis 2 h geschlafen. Danach wachte ich auf und mir ging es im ersten Moment gut, doch ich hatte Angst mich aufrecht zu setzen. Ich habe mein Kopfteil ein wenig hochgestellt, so dass ich noch ein wenig in der liegenden Position war und versuchte dann, das Brötchen zu essen, das auf meinem Teller war. Im Anschluss klingelte ich, denn ich traute mich nicht allein auf die Toilette zu gehen. Die Krankenschwester unterstützte mich dabei und es lief sehr gut, denn ich hatte keine Kreislaufprobleme mehr sowie auch keine Übelkeitsbeschwerden. Danach durfte ich zum Verbandswechsel, die Ärzte machten mir den Druckverband ab und es war eine Erleichterung, weil der Verband schon sehr fest gewesen war und ich bekam dann eine Ohrenklappe.

Ich blieb noch drei weitere Tage zur Beobachtung im Krankenhaus, aber es verlief alles sehr gut und ich durfte dann am Freitag nach Hause. Warum ich den Tag noch weiß? Weil es genau der Freitag vor dem Osterwochenende war.

Am 16.05.22 war es dann so weit, der große Tag, und zwar die Erstanpassung. Ich war mega aufgeregt und wusste, es ist ein neuer Lebensabschnitt, der auf mich zu kommt. Ich wurde herzlich in der Reha empfangen, einige Gesichter kannte ich noch von damals und einige Gesichter waren neu. Nun war es so weit, ich wurde aufgerufen und es ging zur Anpassung.

Ich bekam den Prozessor, es wurden einige Hörtests gemacht und dann wurde er eingestellt. Ich war sehr überrascht, aber auch überfordert. Denn ich hatte eine ganz andere Erwartung, ich dachte, ich bekomme das CI und höre dann einigermaßen etwas so, wie mit der Vibrant- Soundbridge, ich fange an und höre dann wieder Schritt für Schritt immer besser.

Leider war es nicht die Realität, die Realität sah anders aus. Ich hörte etwas, aber es klang alles metallisch, robotormäßig, jedenfalls nicht natürlich. Doch das Team der Reha sprach mir immer wieder Mut zu und sagte, ich soll geduldiger werden und mir die Zeit nehmen, die das Gehirn auch braucht.

Trotzdem machte ich in der Anpassungswoche bereits gute Fortschritte. Zuhause übte ich fleißig weiter, indem ich das CI links abnahm, um mich rechts besser zu konzentrieren. Ich hörte Lieder, von denen ich den Text kenne, danach fing ich an Sprachmemos abzuhören, nur mit diesem neuen Ohr und es wurde langsam und schleichend besser, aber ich merkte die Fortschritte und war sehr motiviert weiterzumachen. 

Doch im Oktober der Schock, ich hörte rechts auf einmal immer schlechter. Ich war an diesem Tag im Fußballstadion, alles war super gewesen, ich hatte nicht das Gefühl, dass es zu laut war oder ähnliches. Nach dem Spiel ging ich in den Fanshop, beim Rausgehen ging die Alarmanlage an, nein, ich hatte nichts geklaut oder Sonstiges, es waren vermutlich meine Implantate.

Es war so ein hoher Ton, dass ich mich selbst sehr erschrocken hatte. Ich fuhr nach Hause und am nächsten Tag merkte ich, das was nicht stimmt, zuerst dachte ich meine Batterie ist zu schwach und ich wechselte sie, doch ich merkte keine Besserung. Somit wandte ich mich an die Reha, um es abzuklären. Das Team sah kleine Auffälligkeiten, dass die Impedanzen (sind Elektroden, die in der Gehörschnecke verlegt sind) sehr schwankten. Wir versuchten, es erstmals mit lauter Stellen. Ich ging nach Hause und war beruhigt, dass ich wieder besser höre, doch am selben Tag merkte ich, das es sich wieder verschlechterte.

Also wandte ich mich wieder an das Rehateam, wir forderten dann einen Mitarbeiter von Cochlear an, die hatten noch andere Techniken, die wir ausprobierten. Doch er konnte auf den ersten Moment nichts Genaues sagen, aber er vermutete, dass einige Elektroden kaputt sind und die dann Unruhe reinbringen und es sozusagen auf die guten Elektroden übertragen. Ich habe mich mit dem Rehateam zusammengesetzt und wir hatten beschlossen die Elektroden erstmals auszustellen, um zu schauen, ob es sich dann beruhigt und ob es einen Einfluss aufs Hören hätte. Zum Glück wandte sich das Blatt zum Guten und es beruhigte sich und es hat keinen Einfluss mehr auf mein Hören. Ich komme damit sehr gut klar, auch wenn 2-3 Elektroden ausgeschaltet sind.

Ich absolvierte bereits schon zwei weitere Rehawochen und bei jeder werde ich immer besser und bin im Allgemeinen sehr zufrieden und bereue keine einzige Minute diese Operation durchgeführt zu haben. 

Ich kann sagen, wenn ich die CI‘s beidseits trage, merke ich keinen Unterschied im Alltag. Doch habe ich sie einseitig dran, merke ich, dass ich links sehr gut höre und da alles sehr neutral klingt, wenn ich die rechte Seite nur trage, dann merke ich, dass es noch etwas metallisch klingt, aber dies hat sich deutlich verbessert, es ist nicht mehr so extrem, wie ganz am Anfang. Es geht in der Richtung Normalität, ich denke, in ein paar Jahren ist es weg und ich habe dazu gelernt, es gibt immer ein Führungsohr, es wird immer ein Ohr geben, mit welchem man ein klein wenig besser hört als mit der anderen Seite. 

Auch wenn es manchmal Höhen und Tiefen gab oder man Umwege gehen musste, um dort hinzukommen, wo man hinmöchte, habe ich eins ganz besonders gelernt, und zwar geduldiger zu sein und mit viel Geduld und Mut sowie Training kommt man ans Ziel. 

Ich bin glücklich mit meine Blechohren. 

Julia Edler
März 2023

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Meine Ohr-Hör-Reise

Meine Ohr-Hör-Reise

Von Melanie

Ich bin Melanie, 43 Jahre jung. Als ich 13-14 Jahre alt war, also so richtig im Teenageralter, sagte eines Tages meine beste Freundin zu mir: „Melli, du hörst nicht richtig“.

What? Mmmm, ist mir noch nicht bewusst aufgefallen. Was sagt sie da? Naja, ich hatte schon mal ein Piepsen im Ohr oder Rauschen und vielleicht habe ich auch das ein oder andere mal die Lippen abgelesen. Falsche Wörter in der Schule schreiben, naja das war auch ziemlich oft. Zu Mama brauchte ich nicht gehen und Papa war immer auf Achse. Ich würde sagen, im Rückblick habe ich mich echt ganz schön durchgeschummelt in der Schule.

Ich verbrachte meine Freizeit mit meiner besten Freundin inclusive Discobesuchen und chillen, wie man es heute ja nennt.

Im Laufe der Jahre verschlechterte sich mein Gehör, ich merkte, das Rauschen ist jetzt dauerhaft eingezogen auf beiden Ohren, hin und wieder das Piepsen. Immer mehr Schwierigkeiten beim Verstehen, Kommunizieren und immer wieder kam der kurze Gedanke: „Da stimmt was nicht“. Meine Ausbildung absolvierte ICH AUCH MIT ACH UND KRACH.

Kurz vor meinem 18. Lebensjahr wagte ich den Schritt zum HNO-Arzt und teilte ihm meine Symptome mit. „Gut“, sagte er, „dann ab zum Hörtest“. Ganz klar sagte er danach zu mir: „Du hast ein Hörproblem und das ist mächtig, gewaltig“. Okay, dachte ich, kann man ja reparieren, oder?

Seine Worte liegen mir noch heute in den Ohren, Hörgeräte bekommen Sie! What? Hörgeräte, hast Du mal auf n Tacho geguckt, ich bin 18 und nicht 80. Von der Partymaus zur Oma!!! Einmal bitte Applaus.

Der Hörakustiker war unten gleich im Erdgeschoss, die Schwester ging direkt mit mir nach unten mit den Versorgungspapieren. Abdruck machen, Hörgerät aussuchen und fertig.

In ca. drei Wochen können sie die abholen. So war es auch. ABGEHOLT, reingemacht, rausgemacht und dann in die Schublade gelegt, brauch ich ja nicht und da werden sie nicht schmutzig und liegen trocken. Das ging so eine Weile so, bis ich merkte, ich brauch sie doch.

Ich gewöhnte mich dann doch recht schnell und akzeptierte sie dann, wie meine Haare eben zum Kopf gehören.

Eine Diagnose gab es ja noch nicht gleich, erst ein paar Jahre später beim Einholen einer zweiten Meinung in Hannover. Da sagte man mir, dass ich eine hochgradige Schallempfindungsschwerhörigkeit mit hochgradigem beidseitigem Tinnitus habe.

Okay, man sagte mir auch, dass ich EINES TAGES nichts mehr hören könne und dann eventuell ein Cochlea Implantat in Frage käme. Ich habe von dort eine neue Versorgung für Hörgeräte erhalten und den Antrag für einen Schwerbehindertenausweis.

Ich isolierte mich zunehmend, ich ging kaum unter Leute, ich ging nicht mehr raus aus meiner Komfortzone. Größere Gruppen von Menschen mied ich, ich konnte nicht mehr folgen, was man dort erzählte. Wenn zehn Menschen lachen und man selbst nicht weiß warum, dann wurde es ungemütlich für mich. Lachen die über mich? Nachfragen kassierte man mit Augen verdrehen. So einfach war das. Also ließ ich es.

2010 wollte ich beim Hörakustiker meine neue Versorgung klar machen, probiert, probiert, probiert und da sagte er schon, es wäre nicht möglich, mich zu versorgen. An einen Arbeitstag mitten in der Woche ging es mir nicht gut, ich merkte mir wurde schwindelig, ich hörte fast gar nichts mehr und ich bekam Angst.

Wir fuhren zum HNO-Arzt und sie hatten dort schon sehr Mühe mit mir zu sprechen und man überwies mich nach Hannover.

Mein Mann rief in Hannover an und wollte einen Termin buchen, die Stimme am Telefon sagte, das ginge erst in drei Monaten. Das kann nicht sein, wir brauchen schnell Hilfe. Einen Versuch in Magdeburg gestartet und man gab uns für zwei Tage später einen Termin.

In Magdeburg angekommen, herzlichst begrüßt, wir führten Gespräche, es liefen einige Tests und man sagte zu mir, ich hätte auf dem linken Ohr weniger als 10% Hörvermögen. Es käme nur noch ein Cochlea Implantat in Frage, dafür müsste man aber eine genaue Diagnostik durchführen, okay, na klar.

14 Tage später war ich für drei Tage eingeplant für die Diagnostik, es verlief alles nach Plan und sie gaben mir auch den Termin für die Operation gleich mit. Das Cochlea Implantat hatte ich mir schon gewählt. Also war alles klar.

Die OP verlief nach Plan, sowie komplikationslos. Ein paar Tage im Krankenhaus und dann ging es für vier Wochen nach Hause, mit einem tollen Kopfverband.

Nach vier Wochen war endlich die Anpassung. Was habe ich mich gefreut auf diesen Tag! Ich kann wieder hören. Den Tag werde ich niemals vergessen! Ich saß da und hatte mein Gerät anschalten lassen. Schon bei der Einstellung merkte ich, dass ich noch gar nichts hören kann, gar nichts. Die Tränen liefen über mein Gesicht.

Die Anpassung war fertig und ich wurde wieder zurück auf Zimmer geschickt mit meinem neuen Prozessor, einem Koffer und einer Menge Broschüren.

Ich war so unendlich traurig, dass ich nicht sofort hören konnte, es war wie eine routinierte Maschine in meinen Kopf. Mit der rechten Seite hörte ich über Hörgerät. Es war so undeutlich und verschwommen. Das änderte sich natürlich rasch, weil ich eben eine Ehrgeizige bin.

Ich hörte Hörbücher, mein Mann trainierte mit mir überall, beim Einkaufen, beim Haushalt, beim Kochen deckte er seinen Mund ab und ich sollte nur hören. Das klappte sehr gut und ich hörte immer mehr, so dass ich auch viel mehr Vertrauen in all dem hatte.

2011 war dann die rechte Seite dran, das gleiche Procedere nur mit etwas mehr Aufregung, da mir es nach der Op nicht so gut ging, starker Schwindel und Erbrechen und ein Aufenthalt auf der Intensivstation, waren nicht unbedingt der Plan, aber notwendig.

Auch das zweite Mal haben wir geschafft, alles neu zu lernen, meine Reha habe ich in Halberstadt absolviert bei ganz lieben und netten Menschen. Hören ist meine Leidenschaft geworden.

2012, mitten in der Lernphase, fing ich meine Ausbildung zur Pflegefachkraft an. Zwischen medizinischer Ausbildung und meiner Hörausbildung kämpfte ich mit vielen Herausforderungen, sei es menschlich, äußerlich oder gesellschaftlich.

Ich ging oft über meine Grenzen. Aber es hat sich tatsächlich gelohnt auf allen Ebenen. Ich bin Mama von zwei Kindern und bin unendlich dankbar, täglich meine Kinder hören zu dürfen. Dass ich meinen Traumjob gefunden habe, dass ich ins Kino gehen kann, dass ich Musik hören und genießen kann. Dafür bin ich aus tiefstem Herzen dankbar, dieses Wunderwerk täglich zu erleben. Hören ist essenziell und sollte immer Thema sein, ob nun gesund hörend oder mit einer Versorgung.

Mein Fazit: Ich würde es immer wieder machen lassen. Weil meine Lebensqualität sich stark verbessert hat und nur das zählt.

März 2023
Melanie

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Meine Hörreise

Meine Hörreise

Von Dirk Volgmann

Ich heiße Dirk, komme aus Hüllhorst, bin 57 Jahre alt und seit meinem 25. Lebensjahr schwerhörig mit anschließender Ertaubung. Ich habe in der Phase der Ertaubung manchmal viel Unverständnis erlebt, z.B. wenn ich nicht so reagiert habe, wie andere es gerne gehabt hätten. Durch den zusätzlichen Tinnitus habe ich leider auch die Feuerwehr aufgeben müssen.

Im Jahr 2018 habe ich in Hannover mein erstes Cochlea Implantat (CI) bekommen, das zweite folgte bereits 2019. Ich habe mich vorher in einer Selbsthilfegruppe und einer Reha lange mit dem Thema CI beschäftigt, denn man sollte etwas vorbereitet an so eine OP herangehen, dann fällt es einem leichter.

Die Erstanpassung lief in Hannover im DHZ nach sechs Wochen. Ich habe eine Woche lang eine sehr intensive Phase der Erstanpassung gehabt. Ich hatte das Glück, zwei super Technikerinnen zu haben, die mich bis heute noch begleiten.

Mittlerweile habe ich ein Sprachverstehen von 92%. Heute bin ich auch als Sportschütze aktiv und nehme an Wettkämpfen teil. Hier wird meine Behinderung voll und ganz akzeptiert.

Auch im Arbeitsleben läuft es zu 95%, hier gab es früher aber auch viel Unverständnis. Man gewinnt durch die CIs wirklich mehr Lebensqualität. Natürlich gibt es immer noch Situationen, in denen das Hören schwerfällt. Zum Beispiel in halligen Räumen und wenn viele Personen durcheinander sprechen.

Aber ich bin froh, dass ich diesen Weg gegangen bin und denke manchmal auch, ich hätte es früher machen sollen.

März 2023
Dirk Volgmann

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