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Mein Cochlea Implantat (CI) Erfahrungsbericht

Mein Cochlea Implantat (CI) Erfahrungsbericht

Von Sabrina Edzards

Ich bin Sabrina, geboren 1983, verheiratet, Mama von zwei Kindern (2017 und 2020) und seit 2019 hochgradig schwerhörig diagnostiziert, zunächst beidseitig mit Hörgeräten von Phonak versorgt; seit 2024 trage ich links ein Cochlea Implantat, bzw. EAS (Sonnet 3 von Med-El). 

Als Expertin im Kontextverstehen, Mundabsehen und maximaler Konzentration auf mein Gegenüber, bin ich sehr lange ohne Hörgeräte ausgekommen – ohne, dass ich wusste dies anzuwenden oder Schwerhörend zu sein. Ich stelle die steile These auf, dass fast alle Schwerhörenden, die ganz schleichend ihr Gehör verlieren, sich einige Kompetenzen aneignen, die das schlechte Hören ausgleichen.

Schwerhörigkeit wurde für mich erst 2019 zum Thema, als ich mich durchringen konnte zum HNO-Arzt zu gehen. Dass ich schlechter als andere hörte, war mir schon früher klar. Dass sich dies direkt auf mein Sprachverstehen auswirkt und es schneller zu Erschöpfung kommt, war mir nicht klar.

Wann genau es begann, dass ich schlechter hörte, kann ich gar nicht genau sagen. Ich weiß, dass mein Tinnitus bereits im Jugendalter begann. Auch war ich während meiner Studienzeit bei einer HNO-Ärztin, die mich aber eher verschreckte und nicht zu regelmäßiger Kontrolle anwies. Ich hatte mir lediglich gemerkt: Ich höre normal und nur die hohen Töne fallen ab.

Auch wenn der Schritt hin zu den Hörgeräten schwer war, habe ich sie von Anfang an konsequent getragen, weil sie mir geholfen haben. Durch das Streaming direkt auf meine Hörgeräte konnte ich wieder ausgiebig telefonieren und auch Fernsehen. Beides hatte ich unbewusst gemieden und als Zeiträuber aus meinem Alltag verbannt.

Doch mein Hörverlust (Hochtonsteilabfall) schritt voran, so schnell, dass ich manchmal nicht mitkam und nach allem griff, was sich mir bot. Pilates, Yoga, Bewegung, ausreichend Schlaf und eine gesunde Ernährung verfolge ich eigentlich schon immer. Oft hieß es entspann dich, dann wirst du auch wieder besser hören. Ich stellte mich in Frage, denn ich hatte mich selbst gar nicht so angespannt erlebt. Was mache ich falsch, was muss ich in meinem Leben auflösen oder lernen, wo kann ich noch optimieren?

Auch Naturheilkunde, Homöopathie, Osteopathie und Kinesiologie konnten mein Hören nicht verbessern. Bei den unterschiedlichen Disziplinen konnte ich allerlei Themen lösen und verbessern und nutze sie nach wie vor gerne, jedoch mein Hören blieb schlecht.

Die Indikation und die Notwendigkeit hatten mir meine HNO-Ärztin in einem intensiven Termin nahegelegt. Erste Berührungspunkte und Informationen erhielt ich in meiner Selbsthilfegruppe bei Mathias Weihbrecht (Audiotherapeut).

Aus den Schirmchen im Ohr meiner Hörgeräte wurde eine Otoplastik, denn so konnte man noch lauter Verstärken ohne die unschöne Rückkopplung. Die Beantragung eines Schwerbehindertenausweises war dann so der Gipfel von allem. Niemals hatte ich damit gerechnet, dass ich einen Grad der Behinderung erhalte. So schlecht höre ich doch nicht. Und dann hielt ich diesen Ausweis in den Händen mit einem Grad 50, RF. Es hat einige Wochen gedauert, bis ich mit jemandem darüber sprechen konnte. Unter Tränen habe ich den Ausweis meiner Freundin gezeigt.

Für mich war es ein schrittweises Herantasten, ein schrittweises Verstehen und ein schrittweises Akzeptieren wie schlecht mein Hören ist und welche Kraftanstrengung ich aufbringe, um im hörenden Umfeld zurecht zu kommen. Die Auswirkungen im Beruf zu spüren, dass nicht alle Hörsituationen für mich zu meistern sind oder ich völlig erschöpft am Abend bin. Ebenso Herausforderungen innerhalb der Beziehung mit meinem Mann bei einem Familienalltag, zwei Kleinkindern, wir beide berufstätig, Haushalt und Haus mit Garten sowie eigenen Wünschen und Bedürfnissen nach Freizeit, plus meine Schwerhörigkeit.

Mit dem Wechsel zu einer guten HNO-Ärztin und dem Ankommen in einer wunderbaren Selbsthilfegruppe für Menschen mit Hörminderung, erfuhr ich so viel Unterstützung, dass ich mich getraut habe eine medizinische Rehabilitation für mich zu beantragen. Ich wollte der Frage nachgehen, was die Schwerhörigkeit für mich bedeutet und wann der richtige Zeitpunkt für ein Cochlea Implantat (CI) für mich ist.

Während meines Reha-Aufenthalts wurde schnell klar, dass ich nicht lange warten sollte. Mit Fingerspitzengefühl und ein wenig Hartnäckigkeit auf, die nicht widerlegbaren Fakten wurde, ich dort auf ein CI vorbereitet. In den vier Wochen der Reha habe ich alles an Wissen, Austausch und Entspannung aufgesaugt. Zum allerersten Mal habe ich verstanden, dass ich nur durch eine immense Anstrengung, Kontextverstehen und Konzentration auf das, was gesprochen wird, noch ein „so gutes“ Sprachverstehen habe. Meine Erkenntnis dort war: „Wenn ich mich wirklich entspanne und in dieser Entspannung bleibe, kann ich euch nicht mehr verstehen.“ (Und ich meinte mit euch, diejenigen, die mir so oft geraten hatten mich zu entspannen.) Das war erschreckend am eigenen Leib zu erfahren und zugleich hat es mich beruhigt. Endlich wusste ich, warum mich andere als angestrengt erleben, denn nur so habe ich noch ein Sprachverstehen und ich wusste, was zu tun war.

Meine Reha war sehr gut und gleichzeitig tränenreich. Niemals hatte ich erwartet, dass ich in so kurzer Zeit so viel für mich lerne und Klarheit für meinen Weg zum CI erhalte. Es gab dort die Zeit und den Raum meinen Hörverlust zu verarbeiten und mich mit dem Thema CI auseinander zu setzen. Zu verstehen, dass es Hörstress gibt und ich zwar viel für ein besseres Verstehen tun und einfordern kann, doch um ein CI komme ich nicht drum rum.

Noch während meiner Zeit in Bad Nauheim hatte ich einen Termin zur Voruntersuchung in der Uniklinik Frankfurt vereinbart, die Entscheidung für einen Hersteller und das Modell getroffen sowie in intensivem Austausch mit „meiner“ Hörpatin meines Wunschherstellers.

Trotz meiner Entschlossenheit und Klarheit für ein Cochlea Implantat, blieb die Angst vor dem Neuen, dem Unbekannten und der Operation. Inzwischen ist der Eingriff Routine und die Risiken sind auf ein Minimum reduziert. Auch hatte ich eine gute Prognose relativ schnell in ein Sprachverstehen zu kommen. Doch niemand kann dir sagen, wie es sich für dich anhören wird, wann du in ein Sprachverstehen kommst und wie gut du bzw. dein Gehirn mit den neuen Informationen zurechtkommt. So viele Menschen mit Cochlea Implantat haben mir Mut und Zuversicht gegeben. Sie haben ihre Erfahrungen mit der eigenen Hörminderung und dem Cochlea Implantat geteilt.

Manchmal wusste ich gar nicht wohin mit all den Gefühlen, Fragen und Nöten. Mein Instagram-Account als #hochgradig.sabrina gab und gibt mir einen weiteren Zugang zu Austausch und meiner Auseinandersetzung mit dem CI. Daher teile ich auch gerne meine Erfahrungen.

Die letzten drei Monate vor der Operation waren eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Ich rate jedem und jeder sich jede Art von Hilfe und Unterstützung für diese Zeit zu suchen und anzunehmen.

Endlich war es dann so weit und ich wurde am 17.12.2024 operiert. Die Operation selbst lief sehr gut – alles wie gewünscht und vorgesehen. Ich hatte mich entschlossen erst meine linke Seite implantieren zu lassen, denn rechts hatte ich ein subjektiv besseres Sprachverstehen.

Mit dem Konzept der Uniklinik Frankfurt bekam ich am zweiten Tag den Prozessor angepasst und in den nächsten zwei Wochen weitere zwei Anpassungen. Mit diesem schnellen Vorgehen hatte ich gar nicht die Möglichkeit ins Grübeln zu kommen, wie wohl das Hören sein wird, ob es nun doch die richtige Entscheidung war, sondern ich war mit all den Höreindrücken beschäftigt.

Mein linkes operiertes Ohr war nun taub. Im doppelten Sinn: zum einen war mein Gefühl weg, die Nerven wurden bei der Operation durchtrennt und mein Ohr fühlte sich pelzig an. Zum anderen war auch mein letztes Sprachverstehen auf dem Ohr verschwunden. Dieses Gefühl nichts mehr zu hören und ja ich würde es als ein Gefühl beschreiben, war sehr verstörend. Für mich war klar, dass nun ein Prozess der Akzeptanz genauso scheibchenweise wie für den progressiven Hörverlust vor der OP ein Prozess der Akzeptanz für das CI und all die Begleiterscheinungen einsetzen muss und ich mich mit dem „Taubsein“ auseinandersetzen muss. Es war und bleibt ein Verlust und ein Trauerprozess.

Die ersten Tage mit Prozessor fühlten sich nicht wie hören an. Es war ein ständiges Rauschen und Verzerren. Doch ohne den Prozessor war es noch unangenehmer, denn dann trat das taube Gefühl noch viel offensichtlicher in den Vordergrund. Zudem war der Tinnitus laut, so laut war er noch nie. Er tobte! Nach der Operation war er links durch die Decke geschossen, was sich aber nach einigen Tagen auf ein bekanntes „Normal-Niveau“ wieder eingependelte.

Meine Erwartung war, dass ich zu Beginn nur stundenweise den Prozessor tragen werde, doch ohne ihn fühlte es sich auch nicht richtig an. Das war komisch und hatte ich so nicht erwartet. Ich trug ihn gleich zu Beginn von früh bis abends, nur zu meinen (kurzen) Hörpausen und dem fest etablierten Mittagsschläfchen während meiner Rekonvaleszenz nahm ich ihn ab.

Nach ungefähr einer Woche kam ich körperlich wieder zu Kräften. Das schnelle erschöpft sein und mich zerbrechlich Fühlen wich langsam.

Gleichzeitig weinte ich noch viel. Es war hart von einem Selbstverständnis „noch hörend“ zu „taub“. Klar, in einigen Frequenzen war ich hochgradig schwerhörig an Taubheit grenzend, aber eben nur grenzend. Ich selbst habe mich als hörend wahrgenommen. Ich habe schlecht gehört…. Das ist immer noch so. Ich höre schlecht. Doch dieses Gefühl eines tauben Ohrs hatte ich nie. (Hohes) piepsen habe ich nicht mehr gehört, Vögel nicht zwitschern, doch ich habe mich bei ruhiger Umgebung noch gut unterhalten können.

Jetzt hörte ich links nichts mehr. Das machte was mit mir.

Hörverlust trifft es sehr gut. Ich hatte einen Verlust zu beklagen. Und was hatte ich im Gegenzug dafür bekommen? Druckschmerzen und ein Gerät am Kopf das zischt, knackt, kracht und drückt.

Nichtsdestotrotz hatte ich mir die Geräusche schlimmer vorgestellt - unerträglich, mühsam und fremd. Ja fremd waren sie, doch nicht unangenehm. Das Zischen nervte. Ich fragte mich, ob ich ohne das Zischen schon Wörter verstehen könnte.

Natürlich hatte ich mich vorweg intensiv mit dem Prozess eines CI auseinandergesetzt – das empfehle ich wirklich allen CI-Kandidat:innen – und dass ich nicht von Beginn an hören werde können.

Mein Kopf wusste das alles. Es wird besser werden. Es braucht Zeit und Geduld. Doch mein Herz, mein Bauch, mein Gefühl sagte mir, S**** was habe ich getan. Ich höre schlechter als vorher…..

Es war, als ob meine Seele noch einige Runden brauchte, bis sie auch angekommen war. Eine Operation mit Vollnarkose, intubiert, Magnet am Kopf, Elektrode in der Hörschnecke und mit diesem großen Gerät, mit dem ich elektrisch höre.

Was nicht alles Geräusche von sich gibt. So viel mehr Geräusche. Der Wasserkocher piepst mit CI ganz anders, wenn ich ihn anstelle.

Den Backofenwecker höre ich nun!!! Ich habe es ausprobiert.

Selbst ein Filzstift macht unterschiedliche Geräusche auf Papier.

Papier oder besser noch Klebeband knistert beim zusammenknüllen. Und noch viel krasser: Wenn sich Cellophan selbst entfaltet, ganz sacht und langsam, macht es auch knisternde Geräusche. Die kannte ich nicht.

Alle Geräusche, die ich nicht zuordnen konnte, also Töne, die ich bisher nicht mehr hörte, brutzelten. Als ob die Geräusche und Töne in einer Pfanne in Fett vor sich hin brutzelten. Das war schon auch komisch, aber ich wusste, das wird sich verändern. 

Vor all den hohen Tönen hatte ich Angst. Es hieß, dass mich wohl all diese hohen Töne überfordern werden. Mein Gehirn mit all der Information überfordert sein wird. Nach der zweiten Einstellung vom CI gab es keine Töne, die mich überforderten. Ich brauchte viele Pausen. Aber vor allem auch, weil der Druck auf meinem Implantat noch hoch war und die Wunde hinter dem Ohr noch sehr empfindlich. Damit ich den Prozessor dennoch ganztags tragen konnte, hatte ich ihn mir mit einer Haarspange im Haar oberhalb des Ohrs befestigt.

Ich freute mich aufs Haare waschen. Letztlich war es nur etwas mehr als eine Woche ohne Waschen und mit Trockenshampoo gar kein Thema. Ich hätte sicherlich noch länger durchgehalten.

Meine Anschlussheilbehandlung, das ist eine Rehabilitation direkt im Anschluss an eine Operation – man kennt das von Hüft- oder anderen Gelenkoperationen, begann zwei Wochen nach Entlassung aus der Klinik. Im Rückblick war es eine sehr erfolgreiche sowie anstrengende und arbeitsintensive Zeit.

Bereits vor der Anschlussheilbehandlung hatte ich in den zwei Wochen mit Prozessor ein Sprachverstehen von 60% erreicht und nach weiteren fünf Wochen Rehabilitation in Bad Nauheim erzielte ich ein Sprachverstehen von 80%. Die Prognose war sehr gut, doch dass es tatsächlich so schnell so gut werden würde, damit hatte niemand gerechnet.

Bei meiner letzten Einstellung drei Monate nach Operation bzw. Erstanpassung des Prozessors, konnte ich dieses hohe Niveau halten. Auch mein Resthörvermögen im Tieftonbereich hat sich wunderbar erholt und ist fast wieder auf dem Stand wie vor der Operation. Lediglich Einbußen von 10-20 Dezibel sind zu beklagen. Somit ist mein Tieftonbereich so gut, dass ich im Tieftonbereich ganz ohne akustische Unterstützung über mein Ohr höre und ab ca. 350 Hz mit der Elektrode von meinem CI. Sollte sich der Tieftonbereich verschlechtern, wird der akustische Teil durch mein EAS-CI (Elektro-Akustische-Stimulation) verstärkt. Das EAS ist eine Kombination aus Cochlea Implantat (elektrische Stimulation) und Hörgerät (akustische Stimulation meines Resthörvermögens im Tieftonbereich).

Im Anschluss fügte sich die Wiedereingliederung von vier Wochen an zurück in die Arbeit. Jede Woche wurde ich stabiler und nach Abschluss der letzten Woche, wusste ich, dass ich nach wie vor meinen sehr kommunikativen Beruf in der Personalentwicklung ausüben kann. Das hat mir so viel Kraft, Zuversicht und Selbstvertrauen gegeben.

Mit meinem rechten Ohr habe ich noch einen Rest an Sprachverstehen, der für kurze Absprachen in verständlicher Aussprache und wenig Abstand ausreicht. Doch ohne die CI- Seite hört es sich an, als ob meine Gegenüber nuscheln. Wenn ich mein CI aktiviere, spricht er oder sie viel deutlicher und klarer. Mein Sprachverstehen ohne Hilfsmittel, vor allem nur mit einer Seite ist sehr eingeschränkt: Unklar, genuschelt und nur mit viel Anstrengung verständlich.

Die Entscheidung für ein Cochlea Implantat war genau richtig. Für mich zum richtigen Zeitpunkt. Nicht zu spät und auch nicht zu früh, denn die Zeit habe ich gebraucht, um mich mit dem Thema, den Veränderungen und Konsequenzen vertraut zu machen.

Ich bin sehr dankbar, dass es die Möglichkeit und diese Innovation gibt. Ich kann wieder teilhaben und mein Leben mit einigen wenigen Einschränkungen leben.

Sabrina Edzards
Mai 2025

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CI-Frischling auf (Hör-)Reise

CI-Frischling auf (Hör-)Reise

Von Regina

Mein Name ist Regina (58) und meine Hörreise begann 2019 nach einem Hörsturz beidseitig. Mein Hörvermögen verschlechterte sich von da an stetig auf beiden Ohren, rechts deutlich stärker, der Tinnitus ist seitdem 24/7 beidseitig mein ständiger Begleiter.

Ende 2021 bekam ich Hörgeräte. Irgendwann kam noch Schwindel dazu und nach einiger Zeit dann Gleichgewichtsstörungen. Dazwischen war es immer wieder ein Wechselbad der Gefühle. Im Sommer 2023 riet mir mein Akustiker mich langsam mit einem Cochlea Implantat (CI) zu beschäftigen, da das Hörgerät am rechten Ohr an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit kam. Den Termin an der Uni habe ich umgehend angefragt – was hatte ich für eine Alternative? Ich wollte HÖREN!

Nach der Implantatsberatung an der Uni, vielen Tests und Untersuchungen, war am 10. Februar 2025 die Besprechung zur OP-Planung. Hier erfuhr ich, dass die Chancen für eine erfolgreiche Implantation nicht gut waren und diese deshalb möglichst schnell erfolgen sollte.

Meine Cochlea rechts war lt. CT schon stark verknöchert. Gefühlschaos – kein Plan B falls die OP nicht klappt. Am linken Ohr haben die Ärzte auch eine beginnende Verknöcherung gesehen, deshalb sollte dieses auch baldmöglichst operiert werden.

Mein Plan war eigentlich, dass ich am linken Ohr noch eine längere Zeit mit Hörgerät leben kann. Wenn ich inzwischen auch nicht mehr viel höre ohne mein Hörgerät, so habe ich doch das Gefühl, dadurch in der hörenden Welt daheim zu sein. Was also, wenn es an beiden Ohren nicht funktionieren sollte…

Am 25. Februar – dem internationalen Tag des Cochlea Implantats - wurde ich erfolgreich rechts operiert, alle Elektroden haben funktioniert. Zwei Tage später durfte ich heim. Ich hatte keine Schmerzen und es wurden auch keine Haare für die OP wegrasiert. Das hatte ich mir alles schwieriger vorgestellt.

Auf die Erstanpassung, drei Wochen später, war ich sehr gespannt: Wie sich alles anhören wird, verstehe ich schon etwas? Die Geräusche klangen metallisch und die Stimme der Audiologin klang nicht natürlich, aber ich konnte einzelne Worte verstehen, das war schon sehr motivierend.

So vieles ist bei meiner Hörreise schlecht gelaufen, endlich hatte ich mal wieder positive Erlebnisse. Leider haben sich etwa drei Wochen nach der OP-Schwindel und Gleichgewichtsstörungen wieder eingefunden. Da hatte ich mich zu früh gefreut.

Inzwischen habe ich den ersten Flug mit CI überstanden, die Nervosität war umsonst, es gab keinen Alarm bei der Personenkontrolle und meinen CI-Ausweis hatte ich ja auch parat.

Ich trage daheim oft nur das CI, ohne Hörgerät, damit mein Gehirn vertraute Geräusche speichert, ich übe viel mit meiner App und höre täglich die langsam gesprochenen Nachrichten, von denen ich den Großteil gut verstehe.

Musik ist noch nicht so toll. Aber ich höre mit dem CI Töne in Bereichen, die ich länger nicht mehr hören konnte und teilweise vergessen hatte, das sind dann unbeschreibliche Gefühle.

In Gesprächen empfinde ich das CI aktuell eher stressig, weil rechts dann meist nur Geräuschbrei oder Rauschen ankommt. Mein Gehirn muss definitiv noch lernen, die unterschiedlichen Hörsysteme zu verbinden, ich hoffe, das schafft es.

Die Reise bleibt spannend.

Regina
April 2025

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Genau der richtige Zeitpunkt

Genau der richtige Zeitpunkt

Von Luisa W.

Hörgeräte, Schwerhörigkeit, Hörverlust, Hörsturz, Tinnitus, Cochlea Implantat. Das alles kann echt total verwirrend sein und man kommt sich vor, als wäre man in einem Dschungel. So ähnlich erging es mir auch, als ich Anfang des Jahres 2024 eine starke Migräneattacke mit Tinnitus und vermutlich einen Hörsturz hatte. Mein Name ist Luisa W., ich bin achtundzwanzig Jahre alt und seit vier Jahren Sozialarbeiterin.

Ich bin schwerhörig und beidseitig mit Hörgeräten versorgt in einer hörenden Familie aufgewachsen und war sowohl an der RWR Dortmund als auch dem RWB Essen. Beides Schulen für hörgeschädigte Schüler*innen. Während meiner Zeit am RWB war ich auch im Internat.

All diese Begriffe, Hörgeräte, Schwerhörigkeit, Hörverlust, Hörsturz, Tinnitus, Cochlea Implantat sind mir also nicht neu. Im Gegenteil, seit ich elf Jahre alt bin, beschäftige ich mich aktiv damit und doch kam der Hinweis und Rat meiner HNO-Ärztin, mal über ein Cochlea Implantat nachzudenken, unerwartet und hat viel Chaos in meinem Kopf verursacht.

Ich habe wochenlang damit verbracht das Internet nach neuem Wissen zum Thema Cochlea Implantat zu durchforsten und mir alle Broschüren, Webinhalte, etc. zu den verschiedenen Herstellern durchzulesen. Für mich war nach dem Termin bei meiner HNO-Ärztin zum Glück sehr schnell klar, wenn die Untersuchungen in der Klinik eine CI-Indikation ergeben, lasse ich mich operieren. So lange habe ich nun schon mit dem Gedanken gespielt irgendwann mal ein CI zu haben.

Allerdings bin ich auch nicht gerade entscheidungsfreudig und habe mich ziemlich schwergetan, mich für einen CI-Hersteller zu entscheiden. Ich habe sie alle mindestens einmal favorisiert, angefangen mit Med-El. Ich bin Hobbymusikerin, spiele Klavier und Flöte und singe super gerne. Da erschien mir diese Firma als genau die richtige für mich. Allerdings gefiel mir dann das Material und der Sitz des Sonnet 2 nicht. Cochlear war nur knapp an zweiter Stelle und ich hatte mich nach Monaten endlich für diesen Hersteller entschieden, geworden ist er es allerdings dann doch nicht.

Ich habe mich letztendlich für Advanced Bionics entschieden, da mir die Bi-Modalität mit dem Phonak Naída M zugesagt hat und der Tragekomfort hier am höchsten war. Zudem habe ich schon mein ganzes Leben lang Phonak Hörgeräte und war auch immer super zufrieden damit. Den entscheidenden Schubser in diese Richtung gab mir jedoch eine Audiologin aus der Klinik, die mich ermutigt hat, alle in Frage kommenden Hörgerät für das andere Ohr mal zu testen. Phonak hat mich von der ersten Minute an überzeugt.

Vielleicht liest man aus meinem Bericht heraus, dass die Entscheidung für ein CI superschnell ging. Allerdings habe ich schon seit meinem achtzehnten Lebensjahr mehr oder weniger die CI-Indikation. Ich habe mich aber schon immer schwer getan mit Entscheidungen und wurde glücklicherweise damals kurz vor meinem achtzehnten Geburtstag mit neuen Hörgeräten versorgt und konnte das erste Mal so richtig gut mit meinen Hörgeräten hören, sodass mir die Entscheidung eigentlich abgenommen wurde und ich zunächst kein CI bekommen habe.

Ähnlich verlief es vor ein paar Jahren. Ich brauchte neue Hörgeräte und wieder kam das Thema CI auf. Ich bin also erneut zur Beratung ins CIC Ruhr gegangen, habe mich aber nicht mit einer OP anfreunden können und habe mich somit auch wieder nicht entscheiden müssen.

Anders kam es dann letztes Jahr. Ich war endlich bereit für eine Entscheidung, auch weil mein Hörzustand einfach nur noch schmerzhaft war. Alles war zu laut, aber gleichzeitig auch zu leise. Sprache und Geräusche taten auf meinem linken Ohr weh, weil sie so laut verstärkt werden mussten, an meine Hobbies Klavierspielen oder singen und gar Flötespielen war nicht mehr zu denken. Auch Gespräche, Videocalls oder Telefonate bedeuteten nur noch puren Stress.

Meine chronische Migräne hat ihr bestes dazugegeben, sodass ich permanent nur noch gestresst war. Ich habe mich also im August 2024 für ein CI entschieden und hatte meine OP dann drei Monate später im Oktober. Miss Migräne war immer noch meine tägliche Begleiterin, aber ich habe mich auf die OP gefreut.

Im Frühjahr habe ich nämlich eine ganz liebe junge Frau auf Instagram kennengelernt und wir hatten doch tatsächlich unsere OPs mit einem Tag Unterschied im gleichen Krankenhaus und lagen auf dem gleichen Zimmer. Richtige CI-Buddies.

Der Kontakt hat uns beiden extrem viel Sicherheit und Kraft gegeben, die OP durchzuziehen. Der Tag der OP war dann super aufregend und ich war ein einziges Nervenbündel. Meine Mutter hat mich an dem Tag begleitet, bis ich in den OP kam und später wieder auf mein Zimmer zurückgebracht wurde.

Ich war so extrem aufgeregt, hatte im Endeffekt aber ein total liebes und entspanntes OP-Team und ich hatte zu keinem Zeitpunkt tatsächliche Angst und habe mich super aufgehoben gefühlt. Auch der Aufenthalt im Krankenhaus selbst, war mit einer Ausnahme durchweg positiv.

Die Zeit bis zu meiner Erstanpassung war dann allerdings geprägt von starker Migräne. Alles andere wurde da fast schon zur Nebensache. Aber meine Erstanpassung brachte Spektakel mit sich, denn mein Prozessor, der AB Naída Marvel wurde nicht geliefert. Ich bekam also einen Ersatz, den Naída Q90, das Vorgängermodell. Die Klinik hat einfach vergessen, meinen Prozessor und den von vier weiteren Patien*innen zu bestellen. Also gab es die Erstausstattung erst eine Woche später und dann ging mein Hörgerät plötzlich kaputt. Einfach pures Chaos, meine Anfangszeit mit CI.

Mittlerweile, vier Monate nach der OP und drei Monate nach der Erstanpassung höre ich schon ziemlich gut. Ich habe schon erstes Sprachverstehen, kann Geräusche und Töne hören und unterscheiden. Mein Hörstress hat sich minimiert und ich habe keine Schmerzen mehr beim Hören. Das CI war also die beste Entscheidung zum genau richtigen Zeitpunkt. Aus all den Erfahrungen ist auch mein Instagram Account @ci_buddy entstanden, auf dem ich meine Erfahrungen, Tipps und Tricks teile und als Ansprechpartnerin für Neulinge in diesem Dschungel da bin.

Luisa W.
Februar 2025

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Mein langer Weg zum Cochlea Implantat (CI)

Mein langer Weg zum Cochlea Implantat (CI)

Von Jennifer

Mein Name ist Jennifer,  ich bin 31 Jahre alt. Ich bin 1993 ganz normal hörend auf die Welt gekommen. Mit ca. 2 1/2 Jahren wurde ich krank, aber noch nicht mit dem Gehör.

Mit fünf Jahren hatte ich eine Mittelohrentzündung mit Eiter, von da an fing es an, dass sich mein Gehör verschlechterte. Anfangs war es immer ohne Befunde, bis ich dann 1998 nach München ins Klinikum Großhadern überwiesen wurde. Auch da wurde nichts direkt gefunden,  nur dass mein Gehör sich verschlechtert hat, das wurde bewiesen. 

Meine Mutter wollte schon damals, dass ich ein Cochlea Implantat (CI) bekomme,  leider wurde damals festgestellt, dass bei mir die Hörnerven geschädigt sind und CIs deswegen nicht helfen würden. Untersucht wurden damals fünf Kinder in Deutschland, da gehörte ich dazu, sagten die Ärzte damals.

Ich wurde mit Hörgeräten versorgt, trotzdem aber immer wieder untersucht. Meine Mutter lernte damals Gebärdensprache, obwohl ich mit Hörgeräten gut hörte. Meine Mutter starb 2005 mit 36, ich war damals erst 11 Jahre alt.

Meine Tante ist danach immer wieder mit mir in die Klinik gefahren, leider ohne Erfolg. In der Zeit hat sich mein Gehör, auch psychisch bedingt, verschlechtert.

2008 kam ich dann ins Internat. Auch da musste ich oft zum Hörtest, immer wieder stellten Ärzte fest, dass mein Gehör nicht mehr mitmacht.

2012, als ich 18 Jahre alt wurde, bin ich dann mit einer Betreuerin vom Internat  in die Klinik in München, ins Klinikum rechts der Isar gefahren.  Alles fing von vorne an,  alle Untersuchungen wurden wiederholt.

Ein paar Wochen später sagten die Ärzte dann, dass man bei mir doch ein CI machen kann. Ich musste mich entscheiden, ob ich es machen lasse und wenn ja, welches CI ich wählen sollte.

Ich entschied mich für Cochlear. Am 18.04.2012 wurde ich links implantiert, mit ganz viel Geduld hat es gut funktioniert und ich höre so viel besser, so dass ich mich auch für ein CI für die rechte Seite entschied.

Am 26.09.2013 wurde dann auch die rechte Seite implantiert. Bereits am 21.06.24 wurde ich dort reimplantiert, bekam also ein neues Implantat,  da das alte angeblich kaputt war, denn ich habe damals nicht so viel damit gehört.

Ich bin heute sehr glücklich mit meinen beiden CIs.

Jennifer
Februar 2025

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