Zum Hauptinhalt springen

Mein Weg zum Cochlea Implantat

Mein Weg zum Cochlea Implantat

Von Ute

Heute möchte ich mal meine Geschichte erzählen 😊. Mein Name ist Ute, ich bin 63 Jahre alt und komme aus dem Rhein-Kreis Neuss.  Ich arbeite als Medizinische Fachangestellte. Meine Hobbys sind lesen, Fahrrad fahren und Reisen.

Schwerhörigkeit ist in unserer Familie grundsätzlich bekannt. Bereits ab meinem 17. Lebensjahr bemerkte ich, dass mein Gehör schlechter wurde, dennoch dauerte es, bis ich mich für das erste Hörgerät entschied, da war ich bereits 35 Jahre alt. Mit 40 bekam ich das Zweite.

Trotzdem merkte ich, dass ich mich immer mehr zurückzog oder einfach still blieb. Keine Konzerte mehr, kein Kino, keine großen Veranstaltungen. Vom Cochlea Implantat (CI) hatte ich zwar schon gehört, aber nein, so ein Ding am Kopf, das jeder sieht, geht gar nicht.

2015 meinte mein HNO-Arzt, ich solle mir die Sache mit dem CI nochmal überlegen und überwies mich ins Hörzentrum der Uniklinik Düsseldorf. So nahm meine CI-Reise ihren Lauf.

Ich fühlte mich dort von Anfang an gut aufgehoben, klar war da die Angst vor der Operation und was danach kommt groß, aber sie war im Nachhinein völlig umsonst. Positiv sei noch zu erwähnen, dass Prof.  Klenzner wohl merkte, dass ich Angst hatte und sich deswegen am Vorabend der OP noch lange mit mir unterhalten hat.

Die OP verlief komplikationslos, die Anpassungen ebenfalls, was soll ich sagen, ich war begeistert. Ich fühlte mich gut, nahm wieder mehr am Leben teil, aber ich wollte mehr und bekam 2020 mein zweites CI, genauso komplikationslos wie das Erste.

Ich lernte schnell, gehe jetzt „leider“ nur noch einmal im Jahr zur Nachsorge, aber ich liebe diese Termine in der Uni, alle sind total nett zu mir.

Mein Fazit: Das hätte ich schon zehn Jahre früher machen sollen! Wenn ihr die Möglichkeit habt, macht es, wenn ihr unsicher seid, holt euch eine zweite Meinung.

Meine Lebensqualität hat sich um 100% verbessert. Ich würde es immer wieder machen.  Ich gehe nun wieder unbeschwert ins Kino und auf Konzerte.

Ich wünsche allen die Kraft die richtige Entscheidung zu treffen.

Ute
Oktober 2024

Weiterlesen: Mein Weg zum Cochlea Implantat

  • Erstellt am .

Meine Erfahrungen im Referendariat - Mein (langer) Weg zur Lehrerin

Meine Erfahrungen im Referendariat
Mein (langer) Weg zur Lehrerin

Von Julia Dittmann

Mit diesem Beitrag möchte ich meine Erfahrungen aus dem Referendariat festhalten. Dabei geht es mir nicht darum, andere Menschen an den Pranger zu stellen, sondern vielmehr darum, aufzuzeigen, dass das Bestehen oder Nichtbestehen des Referendariats oft nicht nur an den Referendaren selbst liegt. Vielmehr spielen auch das Umfeld und die Rahmenbedingungen eine entscheidende Rolle.

Mein zukünftiger Beruf stand für mich schon lange fest. Schon als Kind trug ich in die Freundschaftsbücher als Berufswunsch „Lehrerin“ ein. Mit dem erfolgreichen Bestehen des Master of Education im Oktober 2021 kam ich meinem Lebenstraum immer näher. Da das Referendariat aber erst im Februar 2022 starten und ich in der Zwischenzeit weitere Erfahrungen sammeln wollte, arbeitete ich 3 Monate als Vertretungs- und Förderlehrkraft im Bereich Sprache. Es hat mir Spaß gemacht, allerdings war der Anfahrtsweg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln beschwerlich. Besonders im Winter war ich oft mehr als 1,5 Stunden unterwegs, inklusive zweimaligem Umsteigen – wenn die Bahn nicht gerade streikte oder wichtige Endhaltestellen ausfielen. Die Bahndurchsagen waren entweder kaum zu verstehen oder nicht vorhanden. Der Unterricht begann um 8 Uhr, was die Situation nicht gerade erleichterte. Die Angst, per Vibration den Wecker morgens nicht zu spüren und deshalb die Bahnverbindungen zu verpassen und zu spät zu kommen, war sehr groß und führte zu vielen Nächten mit wenig Stunden Schlaf. Ich erhoffte mir, dass meine zukünftige Referendariatsschule näher an meinem Wohnort liegen würde.

Meine Vorbereitungen für das Referendariat begannen, anders als bei vielen Mitreferendaren, schon Monate vorher. Ich hatte mir bei Fit4Ref einen kostenlosen 130-seitigen Referendariats-Guide heruntergeladen. Darin wurde unter anderem erwähnt, dass Referendare mit einer Schwerbehinderung, minderjährigen Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen die Möglichkeit haben, einen Nachteilsausgleich zu beantragen.

Im Rahmen meiner Bewerbung reichte ich meinen Schwerbehindertenausweis als Nachweis ein. Noch vor den ersten Zusagen fand ein persönliches Gespräch mit dem damaligen Ausbildungsleiter statt, an dem auch der Schwerbehindertenvertreter (SBV) teilnahm, den ich bereits Monate zuvor kontaktiert hatte. In den Gesprächen ging es vor allem darum, meine Hörschädigung zu erläutern und zu klären, welche hörgeschädigtenspezifischen Maßnahmen an der Schule bestmöglich umgesetzt werden mussten, um das Referendariat erfolgreich zu gestalten. Dabei konnte ich auch eigene Wünsche äußern: Ich wünschte mir eine Schule, die möglichst nah an meinem Wohnort lag, kleinere Lerngruppen hatte und gute akustische Bedingungen bot. Zudem war mir wichtig, dass meine zukünftigen Kollegen bereit wären, technische Hilfsmittel zu nutzen – etwas, das leider nicht immer selbstverständlich war, wie ich aus meiner Schul- und Studienzeit wusste.

Zur gleichen Zeit, als ich den SBV kontaktierte, nahm ich auch Kontakt zum Amt für Versorgung und Integration auf, in der Hoffnung auf Unterstützung bei der Beschaffung technischer Hilfsmittel für meinen Arbeitsplatz. Das Erstgespräch fand schnell statt, und ich fühlte mich bei den Ansprechpersonen gut aufgehoben. Das Vertrauen in ihre Unterstützung war mir wichtig, da ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, welche Schule ich erhalten würde und welche technischen Hilfsmittel ich möglicherweise benötigen würde. Ende Januar 2022 wurden mir verschiedene technische Hilfsmittel genehmigt, deren Kosten freundlicherweise übernommen wurden. Dazu gehörten ein Touchscreen-Mikrofon und vier kleine Handmikrofone von Phonak. Es war wichtig zu wissen, dass diese Hilfsmittel während des Referendariats dem Amt gehören, aber nach dem Bestehen in meinen Besitz übergehen.

Anfang Januar 2022 fand das erste Gespräch mit der Schulleitung einer potenziellen Einsatzschule statt. Ich erinnere mich gut, dass ich nach dem Gespräch einerseits erleichtert über die Zusage war, aber gleichzeitig nicht ganz überzeugt. Viele Aspekte meiner Hörschädigung wurden mit einem einfachen ‚Das kriegen wir schon hin‘ abgetan, was mir den Eindruck vermittelte, dass meinem Gegenüber das Ausmaß der Herausforderung nicht wirklich bewusst war. Dennoch überzeugten mich die kleineren Klassengröße, der nicht zu weite Anfahrtsweg und die Tatsache, dass es sich um ein Förderzentrum handelte. Ich hatte wahrscheinlich ein naives Bild davon, dass alle Menschen in Förderzentren eine große Toleranz und Bereitschaft im Umgang mit Menschen mit Handicaps mitbringen würden.

Nach den ersten drei Einführungswochen begann schließlich der Schulalltag. Ich freute mich sehr auf dieses neue Lebenskapitel, ahnte aber noch nicht, welche weiteren Hindernisse auf mich zukommen würden...

Die ersten sechs Monate meines Referendariats verliefen sehr positiv. Ich fühlte mich wohl in der Klasse und hatte das Gefühl, von den Kindern akzeptiert zu werden. Der Unterricht machte Spaß und auch die Zusammenarbeit mit meiner Mentorin verlief gut. Es gab einen regelmäßigen Austausch, der mir Sicherheit gab. Kurz vor den Sommerferien 2022 stand ich jedoch vor einer größeren Veränderung und einer wichtigen Entscheidung: Soll ich das Referendariat in einer neuen ersten Klasse fortsetzen oder in eine höhere Jahrgangsstufe mit neuen Mentoren wechseln? Nach langem Überlegen entschied ich mich für die erste Klasse. Doch nach den Sommerferien veränderte sich alles schlagartig…

Mein Eindruck war, dass meine Mentorin weniger Zeit für mich hatte, da sie mit zusätzlichen Aufgaben beschäftigt war. Unter ihrer Betreuung fühlte ich mich zunehmend unwohl. Hinzu kam, dass ich mich in einem meiner Hauptfächer wenig ausgebildet fühlte. Die verantwortliche Lehrkraft bat mich darum, das Fach in der Anfangszeit selbst zu unterrichten und eine Beziehung zu den Kindern aufzubauen. Anfangs hatte ich Verständnis, aber mit der Zeit wurde es für mich schwieriger. Schließlich sollte auch ich in diesem Fach ausgebildet werden – doch wie sollte das gehen, wenn ich keinerlei Unterrichtserfahrungen in diesem Bereich sammeln konnte?

Für mich als Hörgeschädigte ist es besonders wichtig, dass frühzeitig Regeln oder Absprachen festgelegt werden, damit ich die Möglichkeit habe, den Unterricht zu leiten und Gesagtes zu verstehen. Es lag in meiner alleinigen Verantwortung, drei für mich wichtige Regeln zu formulieren, dabei aber darauf zu achten, dass es keine allgemeinen Regeln wären. Mehrere meiner Versuche, passende Formulierungen zu finden, wurden jedoch abgelehnt – sie seien „nicht wichtig für Menschen mit Hörschädigung“. Bis heute kann ich diese Aussage nicht nachvollziehen. Wie können Menschen ohne Hörbeeinträchtigung entscheiden, welche Regeln für mich als Hörgeschädigte wichtig sind?

Letztendlich wurden keine Regeln eingeführt, und ich verstand im Unterricht immer weniger. Mein Selbstvertrauen als Lehrkraft schwand zunehmend, und die Rückmeldungen zu meinen Stunden wurden schlechter. Plötzlich stellte man infrage, ob jemand wie ich, der mit dem Rücken zu den Schülern stehend oft keine Äußerungen wahrnehmen kann, überhaupt als Lehrkraft geeignet sei. Man riet mir, meine Berufswahl zu überdenken. Diese Worte trafen mich tief. Ich hatte so viel Freude am Unterrichten und gab mein Bestes, den ohnehin hohen Anforderungen des Referendariats gerecht zu werden. Doch auf einmal überkamen mich starke Selbstzweifel, und ich suchte verstärkt den Austausch mit anderen hörgeschädigten Lehrkräften, um mein Selbstvertrauen wieder aufzubauen.

Im November 2022 erhielt ich die Möglichkeit, zwei Wochen lang an einer anderen Schule, die auf Hören und Kommunikation spezialisiert ist, zu hospitieren. Dort konnte ich mich intensiv mit anderen hörgeschädigten Lehrkräften austauschen. Diese zwei Wochen taten meinem Selbstwertgefühl unglaublich gut. Zum ersten Mal seit langem fühlte ich mich verstanden und – vor allem – akzeptiert.

Nach 10 Monaten wurde mir ein Teilzeitangebot vorgeschlagen. Dies hätte bedeutet, dass die letzten 8 Monate meines Referendariats verdoppelt worden wären, wobei ich in der ersten Hälfte nur ein Fach und in der zweiten das andere Fach unterrichtet hätte. Dadurch wäre ich seltener in der Schule gewesen und hätte mehr Zeit für schulorganisatorische Dinge gehabt. Ich lehnte das Teilzeitmodell jedoch ab, da es vor allem für Referendare mit Kindern konzipiert ist, und ich erfuhr auch, dass man dabei deutlich weniger als die Hälfte verdienen würde. Stattdessen verlängerte ich mein Referendariat um sechs Monate, was schnell genehmigt wurde. Ich entschied mich auch für einen Klassen- und Mentorinnenwechsel. Ab Dezember 2022 unterrichtete ich in einer jahrgangsübergreifenden Klasse in der Sek I. Ich hoffte auf einen Neuanfang, wurde jedoch mit neuen Herausforderungen konfrontiert, wie den höheren inhaltlichen Ansprüchen der Sek I. Während ich mich von einer Mentorin unterstützt fühlte, ließ mich meine Mentorin in dem anderen Fach weitgehend allein. Sie kritisierte mich sogar bei Unterrichtsbesuchen, obwohl ich mich oft an ihrem Unterricht orientiert hatte. Nach den Sommerferien 2023 wechselte die Klasse in die nächsthöhere Jahrgangsstufe, was das Unterrichten noch schwieriger machte. Die Seminare, die ich parallel besuchen musste, bezogen sich auf Grundschulinhalte und ich hatte niemanden mehr zum Austausch. Der Widerspruch zwischen den Anforderungen der Schule und denen meines Referendariats wurde immer deutlicher. Eigentlich ist ein Einsatz in einer so hohen Klassenstufe laut Ausbildungs- und Prüfungsverordnung nicht vorgesehen. Da mir aber mitgeteilt wurde, dass ein erneuter Wechsel kurz vor den Prüfungen weniger sinnvoll sei, blieb ich.

Mein Selbstvertrauen und Wohlbefinden verschlechterten sich immer mehr. Die Rückmeldungen zu meinen Stunden verliefen zunehmend negativ. Die Angst vor jedem Besuch wuchs. Es kam sogar vor, dass ich über die Schuldurchsage ins Büro der Schulleitung gerufen wurde, was sonst nur bei Schülern der Fall war. Beim zweiten Mal wurde ich mit der Aussage konfrontiert, ob ich herumerzähle, dass ich an der Schule gemobbt würde. Ich war sprachlos, denn ich hatte mit niemandem außerhalb der Schule darüber gesprochen und nie dieses Wort in den Mund genommen. Als ich fragte, wer das gesagt habe, wurde mir die Auskunft verweigert.

Die Schule, an der ich mein Referendariat zu diesem Zeitpunkt absolvierte, war nicht auf Menschen mit Hörschädigungen spezialisiert. Zwar wurden dort auch einige Kinder inklusiv unterrichtet, dennoch wurden wichtige Maßnahmen für Hörgeschädigte, wie die Visualisierung von Informationen, kaum berücksichtigt, was meinen Alltag zunehmend erschwerte. Nach dem Unterricht hörte ich immer häufiger Sätze wie: „Hast du nicht gehört, dass…?“ Da wir immer doppelt besetzt waren, bat ich mehrfach darum, mir während des Unterrichts direkt Bescheid zu geben, zum Beispiel durch ein Tippen auf die Schulter oder ein Winken, aber meine Bitten wurden nicht umgesetzt. Gespräche fanden oft ‚zwischen Tür und Angel‘ und nicht in geräuscharmen Umgebungen statt, was die Situation für mich noch schwieriger machte. Diese Umstände belasteten mich Tag für Tag mehr.

Im Mai 2023 erhielt ich eine Einladung zu einem Ausbildungsentwicklungsgespräch. Grund für dieses Gespräch sei, dass ich mein Referendariat voraussichtlich nicht bestehen würde. Die Verzweiflung war groß – hatte ich all die harte Arbeit umsonst geleistet? Nein, das konnte und wollte ich nicht akzeptieren! Ich suchte erneut nach Unterstützung und erhielt sie in vielfältiger und unerwarteter Weise. Das Integrationsamt, der Integrationsfachdienst für Schwerhörige/Gehörlose, die neue SBV, der Personalrat für Schulen sowie die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte standen mir zur Seite. Sie gaben mir seelischen Beistand, waren wichtige Vermittler in Gesprächen und unterstützten mich tatkräftig. Ihr Beistand in dieser schwierigen Zeit war unbezahlbar, und dafür bin ich ihnen unendlich dankbar!

Im ersten Gespräch mit über 8 Teilnehmenden durften alle Beteiligten ihre Bedenken äußern. Erneut wurde von verschiedenen Seiten betont, dass ich das Referendariat voraussichtlich nicht bestehen werde. Ich musste mich erneut zu der Frage äußern, warum ich das Teilzeitangebot abgelehnt habe. Ich stellte mir die Frage, warum ich noch mehr Zeit an der Schule verbringen sollte, wenn die meisten ohnehin davon ausgingen, dass ich das Referendariat dort nicht bestehen werde. Unerwarteterweise nahm auch eine Mentorin an dem Gespräch teil, mit der ich viele Differenzen hatte. Wochen zuvor hatte ich beide Mentorinnen um eine Einschätzung für das kommende Gespräch gebeten, jedoch keine Antwort erhalten. Stattdessen konfrontierten sie mich wenige Tage vor dem Gespräch mit zahlreichen Vorwürfen, die bis dahin nie angesprochen worden waren. Das traf mich hart. Kurz nach dem Gespräch kam der nächste Rückschlag: Eine meiner Mentorinnen informierte mich per E-Mail, dass sie enttäuscht über Aussagen sei, die während des Gesprächs gefallen waren und deshalb nicht mehr meine Mentorin sein wolle. Trotz meiner Bemühungen, eine neue Mentorin zu finden, wollte sich niemand bereit erklären. Eigentlich schreibt der Ausbildungs- und Prüfungsplan eindeutig die Betreuung durch Mentoren vor – besonders relevant für mich, da ich zu diesem Zeitpunkt fachfremd unterrichtete und in einem der Fächer auch benotet werden sollte.

Im September 2023 fand das letzte Ausbildungsentwicklungsgespräch statt, in dem mein sehnlichster Wunsch in Erfüllung ging: ein Schulwechsel an eine Schule, die auf Hören und Kommunikation spezialisiert war. Die gleiche Schule, an der ich bereits hospitiert hatte! Die Erleichterung war groß! Mit dem Schulwechsel erhielt ich automatisch eine sechsmonatige Verlängerung.

Von Tag 1 an fühlte ich mich an der neuen Schule willkommen und akzeptiert! Dennoch hatte ich etwas Angst, da (bis auf eine) alle Seminarleitungen erhalten geblieben waren. Würden sie mir in der neuen Schule eine Chance geben und mögliche Veränderungen anerkennen?

Bereits beim ersten Unterrichtsbesuch spürte ich, dass ich an der neuen Schule bestens aufgehoben bin! Eine meiner Seminarleitungen sagte: „Da kommt zusammen, was zusammengehört!“ Das war für mich ein unglaubliches Kompliment!

Eine neue Herausforderung war die Kommunikation mit Gebärden. Durch meine Hörschädigung bin ich visuell orientiert, was mir half, die LBG schneller zu lernen. Bald konnte ich mich mit gehörlosen Kindern und Kollegen austauschen, was mir ein großartiges Gefühl gab!

Das Motto der Schule lautet: „Wir verstehen uns!“. Daher wurde DGS als eigenständiges Fach in den Lehrplan integriert. Die Hauptkommunikationsformen sind DGS oder lautsprachlich begleitende Gebärden (LBG). Der Unterricht findet in kleineren Gruppen (max. 11 Schüler) mit stärkerer Visualisierung statt. Die Schule ist speziell für Schüler mit Hörschädigungen konzipiert, um optimale Hörbedingungen zu gewährleisten. Sie ist schallgedämmt, mit Teppichboden ausgestattet und nutzt Lichtsignale zur Anzeige von Pausen und Unterrichtszeiten. In den Klassenräumen stehen technische Hilfsmittel wie Dynamic SoundField-Anlagen und Handmikrofone zur Verfügung, die das Hören maximieren.

Ich war wieder in der Grundschule eingesetzt. Pro Fach hatte ich zwei sehr liebe Mentor:innen, die mich trotz der kurzen Zeit enorm unterstützten. Auch meiner neuen Schulleitung bin ich sehr dankbar! All diese Menschen haben mich von Anfang an bestärkt und mir das Selbstvertrauen zurückgegeben, das ich verloren hatte. Ich werde ihnen immer dankbar sein!

Zu den Kindern konnte ich unglaublich schnell eine enge Bindung aufbauen, nicht zuletzt, weil wir uns durch unsere Hörschädigungen miteinander identifizieren können. Vor Kurzem sagte eines der Kinder zu mir: „Ich wusste gar nicht, dass es auch Erwachsene mit CI gibt.“ In unserer Schule bin ich momentan die einzige Lehrkraft mit CIs, und es erfüllt mich mit großem Stolz und Dankbarkeit, diesen Kindern als Vorbild dienen zu dürfen.

Im Mai und Juni 2024 bestand ich die letzten Prüfungen des Referendariats, und in einem Fach erreichte ich sogar eine Note mit einer 1 vor dem Komma. Ehrlich gesagt war mir die Note nicht mehr so wichtig; ich wollte einfach nur bestehen und meinen Lebenstraum verwirklichen. Ich bin unendlich froh und stolz auf mich, dass ich es trotz aller Hürden geschafft habe!

Seit den Sommerferien 2024 bin ich weiterhin Teil des Kollegiums und unterrichte als „fertige“ Lehrerin in unterschiedlichen Fächern und Klassen. Ich habe meine Freude am Unterrichten wiedergefunden, und die Anwendung der Gebärden integriert sich zunehmend selbstverständlich in meinen Alltag.

Jeder, der das Referendariat durchlaufen hat, weiß, dass es eine herausfordernde Zeit ist. Man muss unterschiedlichen Erwartungen gerecht werden, Unterrichtsstunden vorbereiten, an Konferenzen teilnehmen, umfangreiche Unterrichtsentwürfe erstellen und anspruchsvolle Zwischenprüfungen meistern. Negative Rahmenbedingungen an der Ausbildungsschule können das Gefühl vermitteln, völlig allein zu sein und alle gegen sich zu haben. So sollte es nicht sein! Glaub mir, es gibt immer Menschen, die ähnliche Erfahrungen machen, sich jedoch nicht trauen, darüber zu sprechen. Glaube fest an deinen Traum und suche dir Unterstützer! Kämpfe und gib nicht auf! Auch wenn ich mir manchmal wünschte, all die negativen Erfahrungen nicht gemacht zu haben, bin ich ein wenig froh darüber. Ich habe gelernt, dass es sich immer lohnt zu kämpfen und nicht aufzugeben. Aus all diesen Erfahrungen bin ich gewachsen, und ich werde diesen Erfahrungs-„Rucksack“ immer mit mir tragen. Er hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.

Julia Dittmann
Oktober 2024

Weiterlesen: Meine Erfahrungen im Referendariat - Mein (langer) Weg zur Lehrerin

  • Erstellt am .

Knopf am Kopf

Knopf am Kopf

Von Martin Bischoff

Ich heiße Martin Bischoff und bin Musiker. In meinem Fall bedeutet das, dass ich Zeit meines Lebens mit Musik aufgewachsen bin. Und das sind mittlerweile 63 Jahre und ein bisschen.

Schon im zarten Vorschulalter bin ich in der Wohnung zu Marschmusik hinter meinem Papa hermarschiert. Er war Vorsitzender eines Spielmannzuges, da ergab sich das zwangsläufig. In diesem Spielmannszug erhielt ich auch meine musikalische Grundausbildung an der Querflöte.

Mit elf oder zwölf Jahren wollte ich gerne Gitarre lernen, aber meine Eltern konnten sich den Unterricht nicht leisten. Als mein Onkel mir dann seine alte Wandergitarre überließ, öffneten sich für mich völlig neue musikalische Welten. Weg von der Marschmusik und hin zu Folk- und Rockmusik. Diesen Musikrichtungen bin ich auch bis heute treu geblieben, auch wenn sich ab und an ein Kinderlied einstreut.

Ich spielte mich durch verschiedene Bands und Formationen, veröffentlichte eine CD mit vertonten Gedichten und organisierte diverse Festivals und Musikabende.

Vor etwa vier Jahren dann gab es ein einschneidendes Ereignis in meinem Leben. Ich hatte nachmittags ziemlich starke Kopfschmerzen, und um diese zu beruhigen, legte ich mich ins Bett. Richtig bewusst wach geworden bin ich dann fünf Tage später in einem Krankenhaus.

Diagnose: Hirnhautentzündung.

Meine Frau hatte irgendwann einen Rettungswagen gerufen, da ich nicht mehr ansprechbar war. Notoperation, dreieinhalb Wochen Krankenhausaufenthalt.

Eine der Folgen einer Hirnhautentzündung kann Taubheit sein und das war bei mir auf dem rechten Ohr auch der Fall. Das linke Ohr wurde auch in Mitleidenschaft gezogen. 

Nach der Konsultation eines HNO-Arztes und diversen Untersuchungen in der Uniklinik Münster zeichnete sich ab, dass für mich ein Cochlea Implantat (CI) infrage kam.

Wegen schlechter Blutwerte wurde mir das dann erst im zweiten Versuch implantiert. Seitdem laufe ich mit einem „Knopf am Kopf“ nicht nur durch meine Heimat, sondern auch durch die Weltgeschichte.

Musik mache ich auch immer noch, es fällt mir auch gar nicht so sehr schwer, da ich auf dem linken Ohr ja noch teilweise hörend bin.

Es strengt aber immer noch an, mit meinem gehörlosen Ohr trotz Cochlea Implantat Tonhöhen zu erkennen, Instrumente auseinander zu halten und Satzgesänge zu entschlüsseln. Aber ich arbeite daran. Musik gehört halt unersetzlich zu meinem Leben dazu.

So halt auch in jedem Urlaub, egal, ob mit dem Fahrrad, dem Flugzeug oder dem Auto, wir haben immer eine oder zwei Gitarren dabei.

Auch im letzten Urlaub an der Nordsee. Wir hatten uns für eine Woche auf einem Campingplatz eingemietet. Hier fiel mir schon zu Beginn unseres Aufenthaltes ein kleines Mädchen auf, das mit zwei Implantaten versorgt ist.

Ihre Natürlichkeit und Unbekümmertheit beeindruckten mich sehr. Ich kam recht schnell mit ihren Müttern ins Gespräch und erfuhr, dass Malin seit ihrer Geburt auf beiden Ohren gehörlos ist. Im Alter von einem Jahr ist sie implantiert worden und hat dank ihrer beiden Implantate hören und sprechen gelernt. Da keimte in mir schon der Gedanke, ihr ein Lied zu widmen.

Ich setzte mich in unser Vorzelt, schnappte meine Gitarre und klimperte erst mal einfach drauflos. Langsam formten sich die ersten Zeilen, und gegen Abend dieses Tages war es so weit, dass ich Malin und ihren beiden Müttern (und ich glaube mich erinnern zu können, dass Oma und Opa auch dabei waren) eine erste Version des Liedes vorführen konnte.

Alle waren völlig begeistert, und auch Malin konnte den einprägsamen Refrain sofort mitsingen.

Wieder zu Hause setzte ich mich fast direkt in mein Studio und fing an, das Lied zu produzieren. Es bedurfte noch einiger Änderungen im Text, die ich gemeinsam mit meinem Freund Ingo Schmidt vornahm, und ich wollte noch ein paar befreundete Musiker einladen, sich an diesem Projekt zu beteiligen. Tom K. Falkus, ein Freund und Schlagzeuger meiner Band „Die Gefährten“, sagte sofort zu, und auch Jens Kommnick, der neben seiner Solokarriere mit vielen Auszeichnungen auch auf den Aufnahmen von Reinhard Mey zu hören ist, steuerte seine schönen Klänge der Gitarre und der irischen Flöten bei.

Nachdem ich zu Hause alle restlichen Instrumente eingespielt und auch einen Kinderchor, bestehend aus Mathilda, Augusta, Luise und Jakob, den Kindern einer befreundeten Familie aufgenommen hatte, ging das Lied in einer rohen Version in ein professionelles Studio (da ich ja selbst nicht mehr so gut höre) zum Mixen und Mastern.

Dann hielt ich mein fertiges Stück sozusagen in der Hand. Damit war der Arbeit aber noch nicht genüge getan. Ich wollte noch ein Video veröffentlichen. In etwa 40-stündiger Arbeit erstellte ich ein Stop-Motion Video, das ich nahezu komplett von Hand gemalt hatte und in dem auch Malin eine kleine Rolle spielt. Das Video kann man auf YouTube finden und natürlich auch hier https://youtu.be/b5t6rNHvCiE?si=mHE8lIv-ma3Rh2Oy

Das Lied selbst kann man auf sämtlichen Streaming-Plattformen hören, indem man nach: Martin Bischoff „Knopf am Kopf“ sucht.

Im Endeffekt kann man sagen, dass alle Schicksalsschläge doch ihr Gutes haben. Wäre ich nicht durch eine Hirnhautentzündung stark Gehör geschädigt, hätte ich kein Cochlea Implantat. Hätte ich kein Implantat, hätte ich niemals so sehr auf dieses kleine Mädchen geachtet. Und dann wäre auch dieses Lied nicht entstanden, auf das Malin so stolz ist. Wer kann schon behaupten, dass ein Lied nur für ihn oder sie geschrieben wurde?

Martin Bischoff
Oktober 2024

Weiterlesen: Knopf am Kopf

  • Erstellt am .

Horch mal, Mama!

Horch mal, Mama!

Von Nina Porsinger

Hallo liebe Leserinnen und Leser der Ohrenseite! 😊

Ich heiße Nina und ich bin Mama einer wunderbaren dreijährigen Tochter namens Olivia. Sie ist von Geburt an auf dem rechten Ohr an Taubheit grenzend und auf dem linken Ohr mittel- bis hochgradig schwerhörig. Die Diagnose kam für meinen Mann und mich, wie so oft bei hörenden Eltern, vollkommen überraschend und hat uns zunächst ganz schön aus der Bahn geworfen. Hinzu kam, dass aufgrund der Corona-Pandemie bei allen Terminen und Untersuchungen nur ein Elternteil anwesend sein durfte und auch viele Möglichkeiten des direkten Austauschs mit anderen Betroffenen nicht mehr gegeben waren bzw. erst wieder neu ins Leben gerufen werden mussten.

Im Nachhinein betrachtet beschritten wir dennoch einen (bei dieser Diagnose) recht typischen Weg:

Auf ein auffälliges Neugeborenenhörscreening folgten die notwendigen audiometrischen Untersuchungen (BERAs usw.), eine entsprechende Hörgeräteversorgung sowie zahlreiche Termine bei Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen, einerseits zur Abklärung möglicher anderer Beeinträchtigungen und andererseits zur Ursachenforschung. Es dauerte insgesamt etwa ein Jahr, bis wir den Grund für die Schwerhörigkeit erfuhren. Er lautete Connexin 26, also eine Mutation des GJB2-Gens.

Auch standen wir relativ schnell vor der Frage, ob wir Olivia rechtsseitig mit einem Cochlea Implantat (CI) versorgen sollten. Gerade bei angeborener Taubheit stehen die Eltern unter einem gewissen „Zeitdruck“, sich schnell mit der Thematik zu befassen und eine Entscheidung zu treffen, denn je früher die Implantation erfolgt, desto besser ist das erreichbare Hörvermögen (denn sowohl die Reifung der Hörbahn als auch das entscheidende Zeitfenster für die Lautsprachentwicklung finden in den ersten Lebensjahren statt).

Wir entschieden uns für das CI und somit wurde Olivia mit knapp einem Jahr operiert. Sie ist nun bimodal mit Hörgerät und CI versorgt, nimmt beide Geräte gut an (auch wenn man zugeben muss, dass das Hörgeräteohr tendenziell ihr Lieblingsohr ist). Sie ist lautsprachlich altersgemäß entwickelt und besucht eine reguläre Kita, bei der wir allerdings darauf geachtet haben, dass diese nicht zu groß ist (es gibt dort insgesamt 35 Kitaplätze). Sie liebt Musik, singt und tanzt gerne. Alles Dinge, die für mich nicht mehr selbstverständlich sind. Immer wieder gibt es aber auch Situationen, in denen die Technik (für die wir enorm dankbar sind, versteht mich nicht falsch) dennoch an ihre Grenzen stößt.

Wir nutzten daher alle uns zustehenden Hilfs- und Förderangebote. Wir erhielten bis vor kurzem eine Stunde pro Woche Unterstützung durch eine Frühförderin und besuchten über ein Jahr lang einen familienzentrierten Gebärdensprachkurs. Leider orientierte sich unsere damalige Dozentin beruflich um und konnte uns nicht weiter begleiten. Derzeit versuchen wir, den Gebärdenspracherwerb wieder etwas stärker anzukurbeln, da aus unserer Sicht die Vorteile zusätzlicher DGS-Kenntnisse in unserer Familienkonstellation nicht von der Hand zu weisen ist. Außerdem war es von Anfang an unser Wunsch Olivia durch eine bilinguale Förderung alle Türen offen zu halten (und somit auch den Weg in die Gebärdensprachcommunity / Gehörlosengemeinschaft). Sollte sie sich in der „hörenden Welt“ nicht zuhause fühlen, soll Sie wissen, dass Sie auch andere Möglichkeiten hat. Ich gebe aber auch offen zu, dass dieser Weg für uns etwas steinig ist. Für uns bedeutet es, nicht nur eine vollkommen neue Sprache zu erlernen, sondern diese im Idealfall auch unserer Tochter zu vermitteln und im Alltag zu nutzen. Das ist nicht so leicht wie es sich manch einer vorstellt. Zudem hatte Olivia längere Phasen, in denen sie gar nicht so empfänglich für DGS war, wie man zunächst vermuten würde. Auch die Einstellung einiger Mitglieder der Gehörlosengemeinschaft zum Thema CI und der hörenden Welt im Allgemeinen macht es uns als hörende Eltern nicht immer einfach. Auf dieses sensible Thema möchte ich aber gar nicht näher eingehen. Fakt ist: wir bleiben am Ball, es gibt aber noch reichlich Luft nach oben 😊.

Was ich jetzt in so wenigen Zeilen zusammenfasse, war ein sehr langer, anstrengender und emotionaler Weg, den ich in meinem kürzlich veröffentlichten Buch „Horch mal, Mama!“ noch detaillierter beschreibe. Als wir erstmalig mit der Diagnose unserer Tochter konfrontiert waren, sehnte ich mich so sehr nach aktuellen Erfahrungsberichten. Daher hoffe ich, mit meinem eigenen Erfahrungsbericht andere Familien zu erreichen, die noch am Anfang dieser Reise stehen. Ich gebe hierbei nicht vor, alle Antworten zu haben, sondern hoffe einfach, dass sich andere Eltern in dieser Phase verstanden und weniger allein fühlen. Falls Dich das Buch interessiert, findest du es überall wo es Bücher gibt unter der ISBN: 978-3-7115-4468-1

Ob wir für Olivia die richtigen Entscheidungen getroffen haben? Aus heutiger Sicht denke ich das schon. Letzten Endes kann ich mir dessen erst sicher sein, wenn sie erwachsen ist und ein hoffentlich glückliches Leben führt. Aber ist das nicht bei allen Eltern so? 😊 Bei Eltern schwerhöriger/tauber Kinder nur vielleicht etwas einschneidender.

Für all diese Erfahrungen bin ich aber auch unglaublich dankbar. Nie hätte ich erwartet, was ich durch meine Tochter alles lernen würde, und es ist mir eine Ehre, ihre (Hör-)reise auch weiterhin begleiten zu dürfen.

In diesem Sinne, wünsche ich auch Dir eine positive Hörreise und stehe bei Bedarf immer gerne für den direkten Austausch zur Verfügung. Man erreicht mich z.B. bei Instagram unter @ninas.welt.im.buchformat.

Viele herzliche Grüße

Eure Nina
Oktober 2024

Weiterlesen: Horch mal, Mama!

  • Erstellt am .