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Die Entscheidung zum CI was das Beste, was mir passieren konnte

Die Entscheidung zum CI war das Beste, was mir passieren konnte

Von Simone

Mein Name ist Simone und ich bin im Jahre 1968 geboren. Meine kurze (doch nicht so ganz, im Nachhinein, sorry😉) Geschichte im Vorfeld:

Aus unbekannten Gründen hatte ich von Geburt an eine hochgradige Schwerhörigkeit und bekam mit 2 1/2 Jahren meine ersten Hörgeräte. Hätten meine Eltern damals nicht angefangen mich zu unterstützen, wäre ich niemals da angelangt, wo ich jetzt stehe. Es folgte ein Sprechen-lernen bei einer Logopädin, normaler Kindergarten und Einschulung in einer Walddorfschule.

Mein Vater wurde 1976 beruflich ins Ausland versetzt, wir folgten natürlich mit. Dort kam ich in New Delhi, Indien, auf eine kleine deutsche Schule, wo ich sechs Jahre blieb. Meine Klasse bestand aus fünf Kinder, was ideal für mich als Hörgeräteträgerin war. Ab der 5. Klasse bekam ich meine erste FM-Anlage: Das Mikrofon für den Lehrer um den Hals hängend und für mich den Empfänger. Damit konnte ich mich besser auf den immer schwerer werdenden „Stoff“ konzentrieren.

1982 kamen wir wieder nach Deutschland zurück und ich besuchte ein Regelgymnasium mit normalhörenden Schülern. Das ging, trotz meiner FM-Anlage, nicht lange gut. Zu schnell verlief der Unterricht und mit 37 Schülern, um festzustellen, dass ich dieses Tempo nicht mithalten konnte.

Ab der 8. Klasse war ich in Dortmund auf der Schule für Schwerhörige, auf der ich zum ersten Mal mit Schwerhörigen und Gehörlosen zusammenkam. Das war mein Segen… ab da war ich noch in Essen auf der Berufsschule für Schwerhörige. Kurzgefasst: Zwei Jahre Berufsfindung in der Drucktechnik, fast zwei Jahre Berufskolleg in Wirtschaft/Verwaltung, bis ich eine Ausbildung zur Siebdruckerin anfing und absolvierte.

Ich lernte meinen damaligen Mann kennen, heiratete und gründete eine Familie - das war 2000. 2003 bekam ich, wieder im Beruf Siebdruck tätig, meinen ersten Hörsturz, den ich nicht sofort erkannt habe. In der Uniklinik Düsseldorf wurde, trotz genauen Untersuchungen, kaum etwas festgestellt. Für mich war es jedoch ein enormer Unterschied: alles hörte sich trotz Hörgeräte „schwammig“ an. Es folgte fast ein Jahr der Zurückgezogenheit. Eine der schlimmsten Zeiten für mich!

Meinen kleinen Sohn verstand ich nicht, der zu sprechen anfing, es gab Missverständnisse mit meinem damaligen Mann - mir platzte irgendwann der Kragen. Durch eine gute Freundin, die bereits Cochlea Implantate (CIs) trug, meldete ich mich ebenfalls in Bochum, Sankt Elisabeth, an.

Gründliche Untersuchungen, intensive Gespräche standen an, ob ich sicher sei, das wirklich zu tun. Ja, ich hatte die Nase voll, nicht mehr gut verstehen zu können. Entweder die Operation und es läuft gut oder ich bin dann gänzlich taub. Das war mir zu dem Zeitpunkt echt egal.

2003 bekam ich also ein CI von MedEl auf dem rechten Ohr. Es folgte ein langer Prozess, da ich es ohne Reha und Logopädie machen wollte. Ich hatte eine harte Zeit durchlebt und war doch sehr positiv, wie es auch meine grundsätzliche Einstellung war. Das Telefonieren trainierte ich zuerst mit bekannten Stimmen: hauptsächlich mit meinen Eltern. Aber das war sehr schwierig, ich konnte lange nicht erkennen, ob es sich um eine Frauen- oder Männerstimme handelte. Lediglich an der Art, wie die Person gesprochen hat, konnte ich erkennen, ob es meine Mutter war oder mein Vater.

Die Unsicherheit mit wildfremden Menschen zu telefonieren war lange noch groß. Interessant war jedenfalls die Erfahrung mit einem Hörgerät und einem CI. Gravierend!!!

Ein Beispiel: Ich saß im Auto, Musik aus dem Radio spielte, CI war ausgeschaltet und ich höre nur mit dem Hörgerät - ich habe fast keine Musik und Stimme gehört, denn der Motor war zu laut! Andersherum: Hörte ich mit dem CI allein mehr die Musik und die Stimme, der Motor war gedämpfter. Das war ein wirklicher „wow“-Effekt gewesen für mich!

2008 folgte dann auch noch auf der linken Seite der Hörsturz, wohl auch durch den Stress, den ich im Job hatte. Da fackelte ich nicht lange und meldete mich wieder in Bochum an. Nach drei Wochen hatte ich bereits den OP-Termin - ok, damals kurz vor Weihnachten waren die Ressourcen noch frei dafür ;-).

Ich zog das Ding durch und diesmal nach 5-6 Wochen Heilung der Naht stattete ich einer renommierten Logopädin Besuche ab, um doch das Hören zu trainieren. Aber mit der zweiten Seite verlief es grundsätzlich viel einfacher - es zog viel schneller mit.

Fazit: Ich bin sehr glücklich, dass ich diesen Schritt zum CI gewagt und durchgezogen habe. Natürlich ist mir klar, dass ich viel Glück hatte und wahrscheinlich meine positive Art Dinge in Angriff zu nehmen, viel dazu beigetragen hat.

Ich habe 2015 einen neuen Beruf erlernt und bin nun Hörakustikerin. Dabei bin ich auch mit meinen Cris’ durch eine sehr harte Schule gegangen - mit 47 Jahren. Das Telefonieren musste ich mit Kunden damals durchziehen und es wurde erstaunlicherweise immer besser.

Die Berufsschule in Lübeck konnte ich dann nur noch mit meiner FM-Anlage von Phonak absolvieren, sonst wäre ich daran gescheitert. Viele Überwindungen musste ich meistern: mein Alter, lange aus der Schulzeit raus, das Lernen wieder neu lernen UND das als Hörbehinderte.

Jetzt im Jahre 2024, mit meinen zwei Sonnet 2 von MedEl, bin ich nach wie vor sehr glücklich. Ich höre gerne und viel Musik und schon lange mit meiner Bluetooth-Schnittstelle „Artone 3 Max“. Ok, ich trage die Induktion um meinen Hals, aber hat für mich den besten Klang und Wiedergabe der Musik. Den „AudioLink“ von MedEl benutze ich fürs Fernsehen, das funktioniert hervorragend.

Meine Entscheidung zum CI war das Beste, was mir passieren konnte. Ich lebe mit meinen CI‘s, zeige sie auch offen durch meine kurze Haarfrisur und bin absolut offen für Fragen. Ich bin seit diesem Jahr 2024 erst in einer CI-Selbsthilfegruppe in Wuppertal dabei. Es ist nie zu spät, so mein trockener Kommentar 😉.

Und ich berate mittlerweile auch potenzielle CI-Kunden und fange ab Oktober 2024 mit CI-Anpassungen an. Irgendwie etwas unrealistisch wie mein Weg verlief, aber ich bin Feuer und Flamme für die Sache als Hörakustikerin und als CI-Akustikerin in Wuppertal. 

Viele Grüße

Simone
Juli 2024

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Aufklärung statt verstecken!

Aufklärung statt verstecken!

Von Andrea Löffler

Ich (46) bin normalhörend zur Welt gekommen und hatte in der Kindheit und auch jetzt noch viel mit (Heu-)Schnupfen, Allergien, dichter Ohrtrompete und ein paar Mittelohrentzündungen zu tun, mit dem Innenohr war aber alles ok, bis zum Jahre 2002. Ich war mitten im Staatsexamen und bekam plötzlich einen Hörsturz mit starkem Tinnitus, Schwindel und Hörverlust bis um die 50dB.

Ein Jahr lang konnte ich nur ganz schlecht schlafen durch den Tinnitus. Das Examen habe ich trotzdem geschafft auch mit „Blumenkohl im Ohr“. Den Tinnitus habe ich so bewältigt, dass ich mir nach einem Jahr gesagt habe: „Jetzt ist eh schon chronisch, also auch Wurscht“ und ab da wurde es erträglich. Ich denke im Nachhinein, dass da der Druck weg ging in Bezug auf Chronifizierung und außerdem hörte ich auf gegen den „Feind“ zu kämpfen!

Ich machte ihn mir zum Freund: wenn ich zu viel machte, meldete er sich als eine Art Warnsignal und ich wusste, ich muss den Stress wieder reduzieren. Das funktioniert bis zum heutigen Tag - Gott sei Dank - recht gut :-)

Ich bewarb mich ohne Reha oder sonstigen Maßnahmen direkt um meinen ersten Job und bekam ihn gleich. Ich hatte ja noch ein gutes Ohr und kümmerte mich nicht weiter um das kaputte. Ich arbeite als Physiotherapeutin und Yogalehrerin.

Bis mich dann ein paar Jahre später eine Patientin darauf ansprach und meinte: “So einohrig könnte ich doch nicht rumlaufen“ und so ging ich zu ihr in ihren Akustiker Laden und testete mein erstes Hörgerät und was soll ich sagen? Es war furchtbar schrecklich!

Die Töne waren ohnehin schon alle total verzerrt und außerdem hatte ich eine Hyperakusis entwickelt, eine Geräuscheüberempfindlichkeit, und das Hörgerät war für mich, als wenn ich von jetzt auf nachher plötzlich auf einem Rockkonzert stehen müsste, oder als wenn dir jemand die Klangschale direkt im Ohr anhaut.

Es war unerträglich: keine Ahnung was die Akustikerin gemacht hatte, damals, aber ich wollte mit solchen Geräten fortan nichts mehr zu tun haben. Ich wurschtelte mich allein durch. Die meisten merkten nicht mal, was mit mir los war. Ich war trotzdem immer offen mit meiner Krankheit und sagte auch meinem Mann, als wir uns kennenlernten, direkt, dass ich einseitig schwerhörig bin.

Es wurde akzeptiert und kein großes Thema daraus gemacht. Ich bekam noch ein paar weitere Hörstürze, die ich irgendwann ignoriert habe, weil ich nicht wieder die Odyssee wie beim ersten mal wollte: 20 Infusionen und geholfen hat es nicht.

Außerdem hatte ich zwei Kinder, um die ich mich kümmern musste, da mein Mann geschäftlich viel unterwegs war. Dann machte ich mich selbstständig, weil ich es mich immer mehr ermüdete, mit meinen Kolleginnen zusammen zu arbeiten. Viele Personen auf einmal redend, ging sehr schlecht, Hintergrundgeräusche waren unangenehm etc. Ich war abends fix und fertig. So dachte ich, dass ich es in der Soloselbständigkeit leichter habe mit meiner Erkrankung und zwei Jahre ging es bergauf mit dem Geschäft.

Bis zum 13. September 2019: Ich behandelte abends noch eine Patientin, die ich aus dem Verein kannte und saß auf meinem Hocker, als ich mich plötzlich ganz schlecht fühlte. Ich sagte, ich müsse kurz aufstehen, aber das machte es nicht besser. Im Gegenteil, ich musste mich direkt auf die Liege legen und da bin ich stundenlang nicht mehr hochgekommen. Nicht mal sitzen konnte ich.

Meine Patientin musste mir einen Eimer holen, weil mir sowas von übel war. Alles drehte sich wie verrückt, ich war vollkommen ausgeliefert und konnte nur tief in den Bauch ein und ausatmen, um nicht in Panik zu geraten. In dem Moment will man einfach nur sterben, damit es aufhört. Irgendwann nach Stunden konnte ich dann wieder etwas laufen und legte mich ins Bett und dachte mir: „Einmal ist keinmal!“

Als ich nach Wochen mit meinem Hund unterwegs war, kam plötzlich der heftige Schwindel wieder. Ich konnte mich grade noch auf eine Bank setzen, kam aber nicht mehr hoch. Auch sehen konnte ich aufgrund des Nystagmus nicht mehr und so war ich schon sehr durchgefroren, als ich abgeholt werden konnte. Dann bin ich doch mal zum Arzt, der auf Lagerungsschwindel getippt hatte.

Das war es natürlich nicht. Ich bin dann von Arzt zu Arzt geschickt worden, eine Odyssee war das ganze. Bis ich nach zwei Jahren so stinkig war, dass ich mit der Diagnose zu einem neuen HNO-Arzt gegangen bin.

Der hat meine Verdachtsdiagnose bestätigt und als ich dann noch eine Attacke bei ihm hatte, war’s dann noch klarer. Ich habe tatsächlich Morbus Menière :-( Ich sagte mir immer: Bitte alles, aber nicht Menière!

Mich hat keiner gefragt ;), so ist es jetzt eben und ich habe mich mittlerweile mit der Erkrankung arrangiert und mache das Beste daraus. Da durch Menière die Haarzellen im Innenohr absterben, war das linke Ohr dann fast taub und ich kam an meine Belastungsgrenze.

20 Jahre einohrig und jetzt noch Menière und außerdem hatte ein Arzt noch beidseits das Eagle Syndrom festgestellt, welches auch operiert wurde auf beiden Seiten, da es meine Jugularvene und auf der anderen Seite die Carotis abklemmte und ich dachte, dass es evtl. in Verbindung steht mit dem Menière.

Leider war dies nicht der Fall. Der Menière hat sich nicht beeindrucken lassen davon, dass jetzt beide Griffelfortsätze entfernt waren: er kam munter weiter :-( Nur eine Gesichtslähmung hatte ich nach der zweiten Eagle OP noch bekommen, die sich aber zum Glück zum Großteil wieder zurückentwickelt hat.

Die Menière Attacken haben dann mein linkes Ohr total zerstört und ich wusste, so kann es nicht weiter gehen. Ich musste etwas ändern: ich hatte auf der linken Seite noch neglektische Erscheinungen, d.h. ich rempelte oft links an und nahm auf dieser Seite nicht mehr viel wahr…

2019 versuchte ich es noch mal mit einem Hörgerät, welches ich erstmal als hilfreich empfunden habe, weil ich erst dachte, ich höre wieder, aber es waren leider nur die Geräusche. Sprache habe ich nicht verstanden, aber der Akustiker spielte mir auch immer nur Töne vor und diese hörte ich ja. Dadurch dachte ich irgendwann, dass es wohl an meinen geistigen Fähigkeiten liegen müsse und zog mich noch weiter zurück.

Als mir dann absolut klar war, dass ein Hörgerät mir nicht helfen wird, da der Akustiker es wegen der Hyperakusis nicht weiter aufdrehen konnte, habe ich Kontakt zum Tübinger Cochlea Implantat (CI) Zentrum aufgenommen und war von Anfang an derart begeistert. So eine kompetente und freundliche Art und Weise, alle Ärzte so toll und geduldig!

Ich habe mich sofort sehr wohl gefühlt dort, wollte aber in Stuttgart noch eine zweite Meinung haben. Dieser Arzt meinte, er wisse gar nicht, ob ich mit dem CI überhaupt besser hören würde.

Und ob ich das würde!!!

Ich bin dann wieder nach Tübingen und hab mich entschieden diesen Schritt zu gehen, weil ich nichts zu verlieren hatte. Die Ärztin sagte auch, dass mein Resthörvermögen sowieso nur noch Mist sei und sie hatte recht, obwohl ich erstmal schlucken musste.

Dann im Vorgespräch hatte ich noch tausend Fragen, die mir anstandslos beantwortet wurden und ich noch begeisterter war. Die OP verlief genauso perfekt wie der Start. Ich war direkt am OP-Tag im Café und habe mit meinem Mann Kaffee getrunken. Ich habe nur eine Schmerztablette gebraucht wegen Kopfschmerzen und sonst hatte ich nichts: kein Schwindel, kein Tinnitus: einfach toll :-)

Dann vier Wochen Taubheit und dann der Tag der Erstanpassung: ich bin mit keinerlei Erwartungen dort hin. Ich dachte, dann kann ich nicht so tief fallen. Als Frau Schlegel das CI angeschaltet hat, ich sollte mein gesundes Ohr zuhalten, dachte ich: „Ich werde eh gleich nichts mehr verstehen“ und war total überrascht, als ich sie weitersprechen gehört habe.

Dann bin ich zur Logopädin rüber und sie meinte, sie geht jetzt aus der Tür raus und sagt „Januar bis Dezember“ und ich solle nachsprechen. Sie kam rein und ich sagte, ich hätte sie gehört, und zwar mit dem gesunden Ohr durch die Tür :)))

Ok, Versuch Zwei, diesmal durchs CI: „Januar bis Dezember“ im Darth Vader Style, ich musste sooooo lachen:) Dann gabs Nachrichten leicht, bei denen ich mitlesen durfte und es übers CI gehört habe. Irgendwann dachte ich, ich probier es mal ohne hinsehen und hab einfach weitergeredet und meine Logopädin hat einfach nur geweint und ich auch!

Das war so unbeschreiblich und unvergesslich, dass ich nach über 20 Jahren sofort Sprache verstehen konnte mit CI, was kein Hörgerät konnte. Ich war so unglaublich happy, ich konnte in dieser Nacht vor Grinsen kaum schlafen. Endlich etwas, was mir helfen kann. Auch hatte ich seither keine Menière Attacke mehr und ich hoffe, das bleibt so! Ich denke, der Druck hat sich gemindert durch das Implantat!

Ich hätte diesen Schritt vielleicht schon früher wagen sollen, aber mein Akustiker meinte, ich brauche kein CI und die HNO-Ärzte kennen sich damit auch nicht aus und so war ich auf mich selbst gestellt bis ich dann zu KIMM, dem Selbsthilfeverein für Menière-Erkrankte gestoßen bin und mir auch Tipps gegeben wurden und ich somit auch mit CI-Trägern in Kontakt kam. Ich war und bin so dankbar, denn die wissen so viel!!!

Nun bin ich auch in Tübingen noch in der Intervallreha und bin auch da total happy. Man trifft immer nette Gleichgesinnte und lernt sehr viel: v.a. von selbst betroffenen Therapeuten! Für mich ist mein CI ein Schritt in ein neues Leben: ich trage es absichtlich sichtbar und möchte, dass es in der Gesellschaft endlich ankommt, denn Brillen versteckt man schließlich auch nicht.

In diesem Sinne: Aufklärung statt verstecken!

Andrea Löffler
Juni 2024

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Mein (Um-)Weg zum Cochlea Implantat (CI) – Oder Geschichten, die das Leben schreibt!

Mein (Um-)Weg zum Cochlea Implantat (CI) –
Oder Geschichten, die das Leben schreibt!

Von Brigitte Oberkötter

Lieber Michael,

ich habe Dir versprochen, Dir zu berichten, wie ich das erste Mal von Dir gehört habe.

Zuvor muss ich ein bisschen ausholen. Ich war wahrscheinlich schon von Geburt an auf einer Seite schwerhörig, aber das wurde übersehen bzw. ignoriert. In meinem zweiten Lebensjahrzent ging es auch mit dem anderen Ohr schnell abwärts. Es ließ sich nun nicht mehr verbergen. Mit 14 Jahren war ich zum ersten Mal bei einem Ohrenarzt, das war das erste Desaster, das ich mit HNO-Ärzten hatte, weitere folgten.

1966 schickte mich endlich mein Hausarzt zu einem HNO-Arzt, der mich an die Uni-Klinik überwies. Dort hatte ich rechts eine Stapes-OP, mit örtlicher Betäubung - der reine Horror. Die OP war erfolglos, aber ich bekam zu meiner Verblüffung auf dem „guten“ Ohr ein Hörgerät. Damit war ich erst mal sehr glücklich.

Dann folgte ein paar Jahre später das zweite Hörgerät, das ich noch selbst bezahlen musste, und in der Folge die üblichen Probleme und immer stärkere Geräte. Nach zwanzig Jahren habe ich mich überreden lassen, das linke Ohr operieren zu lassen, entgegen meinem Bauchgefühl. Die OP war ebenfalls erfolglos, ich bekam nur einen Horrortinnitus, immer wenn es Hochdruck-Wetter gab. Das wurde zwar irgendwann besser, aber ich habe geschworen: An meine Ohren lass ich nie mehr jemanden dran.

Das ist die Vorgeschichte. Irgendwann erzählter mir unsere Nachbarin und gemeinsame Bekannte (Hildegard J.), sie hätte von einem jungen Paar gehört, das durch eine neue Behandlung wieder besser hören könnte. Ich wollte davon gar nichts hören, ich war überzeugt, dass es für mich nichts Hilfreiches mehr gibt und siehe oben, „ich lass niemand mehr an meine Ohren“.

Das muss Anfang 2000 gewesen sein. - (Wann bist Du implantiert worden? Antwort Michael: 2001 links und 2002 rechts) -

Ich schlug mich also weiter mit Hörgeräten mehr recht als schlecht durch, bis 2011 mein HG-Akustiker meinte, wir sind am Ende der Fahnenstange.

Statt noch mal neue Hörgeräte zu kaufen, solle ich mich mit der Frage nach einem Cochlea Implantat (CI) befassen. Das habe ich gemacht und mich schnell dafür entschieden. 2011 links und 2012 rechts wurde ich erfolgreich implantiert.

Es hat mir geholfen, dass meine Erwartungen an das CI nicht zu hoch waren, ich habe mir nur gewünscht, dass sich mein Hörvermögen nicht weiter verschlechtert, wie bisher Zeit meines Lebens; dass es besser werden könnte, lag weit außerhalb meiner Vorstellungkraft. Aber es war so, ich konnte sehr schnell Sprache verstehen und Musik hören kam später ebenfalls dazu.

Ich bin oft gefragt worden, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn ich schon früher Cis bekommen hätte. Vielleicht wäre das der Fall gewesen, wenn wir uns früher begegnet wären und ich es nicht so kategorisch abgelehnt hätte, mehr von Dir zu hören. Von der Selbsthilfe hatte ich auch noch nie etwas gehört, wie wertvoll die ist, weiß ich heute.

Alles in Allem, die CIs haben mein Leben positiv verändert und ich freue mich in der Selbsthilfe ein bisschen dazu beizutragen, dass anderen Betroffenen geholfen wird. Das Foto zeigt mich am Stand der CI-SHG Frankfurt im CIV HRM e.V. beim 18. Deutschen CI-Tag. Links Renate Bach, rechts Ingrid Kratz und in der Mitte ich selbst.

Lieber Michael, ich hoffe mein Bericht hat Dich interessiert, und falls Du ihn weiterverwenden willst, wäre mir das sehr recht.

Viele liebe Grüße

Brigitte Oberkötter
Juni 2024

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Meine Geschichte zum und mit dem Cochlea Implantat

Meine Geschichte zum und mit dem Cochlea Implantat

Von Steffi Müller

Mein Name ist Steffi, ich bin 44 Jahre alt. Ich bekam mit 28 Jahren Meningitis und ertaubte dadurch beidseitig von heute auf morgen.

Alles begann im September 2007 als ich beruflich nach Frankfurt/Main musste. Schon der Sonntag war überschattet mit Kopf- und Gliederschmerzen, ich dachte mir nur, na ja wird wohl eine Erkältung sein. Die Zugfahrt nach Frankfurt wurde schon zur Qual, weil die Schmerzen immer stärker wurden, was ich so überhaupt nicht von mir kannte.

Im Hotel angekommen, sagte ich zu meinen Kolleginnen, dass ich mich nicht wohl fühle und ging heiß duschen und dann ins Bett. Ich schlief sofort ein. Als ich den Montag dann mit den Kolleginnen zur Arbeit wollte, ging es mir noch nicht besser und ich blieb auf dem Zimmer. Ich bat die Kolleginnen mir Paracetamol mitzubringen, so dass es mir hoffentlich bald besser ging.

Als sie abends dann ins Hotel kamen und mir die Tabletten gaben, hätte ich die ganze Packung zu mir nehmen können, leider halfen sie mir nicht. Ich fühlte mich eher schlechter als besser.

Die Nacht vom Montag auf Dienstag musste ich dann, für mich sehr ungewöhnlich, auf die Toilette. Als ich dann die Toilettenspülung betätigt hatte, hörte ich nichts. Erst dachte ich: „Mmh, na ja bist noch etwas verpeilt“, weil nachts aufs Klo und so, also ging ich zum Waschbecken drehte den Hahn auf und auch da war kein Rauschen des Wassers zu hören.

Total verwirrt ging ich in mein Zimmer und machte Geräusche auf dem Nachttisch.  Meine Zimmernachbarin wurde dadurch wach. Schaute mich komisch an und ich sagte einfach nur: „Hol bitte den Arzt, ich höre nichts mehr".

Kurz darauf kamen dann die Sanitäter, fragten mich wirres Zeug und ich verstand kein Wort, dann kam ich ins Krankenhaus und wurde dort untersucht. Immer noch hörte ich nichts und ich dachte mir: „Was ist das nur?“. Ich fühlte mich so hilflos und wie in einem schlechten Traum.

Sie gaben mir dann eine Infusion, kurz darauf musste ich mich übergeben und da keiner im Zimmer war und ich nur den Mülleimer vor mir stehen sah, ließ ich mich von der Liege fallen, um dann in den Mülleimer spucken zu können.

Ich muss solch ein Krach gemacht haben, da standen gleich ein paar Leute um mich herum.  Sie halfen mir auf die Liege und von dem Moment an weiß ich nichts mehr. Irgendwann an Tag X wachte ich auf Intensivstation auf. Alle Ärzte und Schwestern kamen in Schutzkleidung ins Zimmer, und das auch noch ein paar Tage lang. Mir wurde dann schriftlich mitgeteilt, dass ich wohl Meningitis habe und deswegen auf Intensivstation liege, mein Gehör war nach wie vor aber weg.

In diesem Krankenhaus in Frankfurt lag ich noch eine Weile, hier bekam ich aber nicht die erhoffte Hilfe. Also ließ ich mir dann die Entlassungspapiere fertig machen.

Die Infusionen, welche ich im Krankenhaus bekam, sollte ich dann in Tablettenform zu Hause weiter nehmen. Zu Hause angekommen ging es den nächsten Tag zum HNO, welcher mir dann sagte, bzw. er schrieb es auf, dass es die Möglichkeit der Operation gäbe, um mir zu helfen.

Ich bekam eine Überweisung nach Halberstadt. In Halberstadt angekommen, wurde ich auf Herz und Nieren untersucht. Hier gaben mir die Ärzte gleich den Strohhalm, welchen ich gebraucht habe.

Der Arzt, welcher mich auf dem Gang abfing, legte die Hand auf meine linke Schulter und sagte: „Bekommen wir wieder hin". Dieser Satz tat so gut und die Hoffnung war sehr groß, dass alles gut wird.

Am 06.11.2007 dann die Operation beidseitig, am 21.12.2007 dann die Prothese an die Ohren. Mein bisher bestes Weihnachtsgeschenk, was ich bekam.

Meine Hörreise begann aufs Neue. Anfangs war es sehr blechern, Micky Maus, und ich konnte weder Mann noch Frau von der Stimmlage unterscheiden. Allerdings war mir selbst das irgendwie egal, da ich ja wieder gehört habe, zwar nicht so wie vorher, aber in dem Moment war es mir echt egal.

Nach viel Reha und auch durch meine positive Einstellung zu meinem Handicap, lernte ich sehr gut und schnell. Mein Alltag war anfangs sehr schwer, da ich ja nicht alles verstanden hatte. Da es aber immer besser wurde mit jeder Reha und den Einstellungen, bekam ich immer mehr ein besseres Hören. Sicherlich ist es nicht mehr das, was es mal war, aber das was ich hören möchte, höre ich und was nicht, eben nicht.

Selbst bei meinem jetzigen Job als Kundenberaterin bei einem Stadtwerk beeinträchtigt mein Handicap nur minimal. Schön ist, wenn mich was nervt, kann ich mich einfach „abschalten“ und nachts habe ich den schönsten Schlaf.😇

Steffi Müller
Juni 2024

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